So werden autonome Autos die Mobilität in den Städten umkrempeln

Der Durchbruch der Roboterautos wird unsere persönliche Mobilität nicht nur von Grund auf verändern. Er wird sie auch deutlich günstiger machen. Schon 2035 dürfte jede dritte Strecke in der Stadt mit einem autonomen Taxi oder Shuttle zurückgelegt werden. Das ergab eine Studie von Deloitte. Wir erklären, warum Autoindustrie und Politik deshalb ganz neue Geschäftsmodelle und Konzepte brauchen.

Vom 1E9-Partner Deloitte

Anstatt sich mit dem eigenen Auto oder der vollen U-Bahn durch die Stadt zu quälen, kann sich jeder vom elektrischen Robotaxi oder Roboshuttle vor der Haustür abholen und direkt am Zielort absetzen lassen. Durch die deutlich höhere Auslastung der Fahrzeuge, ihre effiziente und geteilte Nutzung und den geringeren Personalbedarf kostet das weniger als heute eine Busfahrt. Für den Einzelnen klingt die Mobilität mit selbstfahrenden Autos also ziemlich verlockend. Doch was bedeutet ihr Durchbruch für die Städte und die Industrie in Deutschland? Ganz klar: große Veränderungen. Robotaxis und -shuttles könnten ein Hauptverkehrsmittel in urbanen Regionen werden.

Um belastbare Aussagen treffen zu können, hat Deloitte ein umfangreiches, datenbasiertes Mobilitätsmodell für ganz Deutschland entwickelt. Eingeflossen sind die Ergebnisse eines repräsentativen Online-Experiments mit über 2.000 potenziellen Nutzern, außerdem Daten über das Pendleraufkommen in 109 deutschen Städten sowie Statistiken zum Verkehr, zur Bevölkerung und zur Topografie urbaner Räume. Schon die wichtigsten Kennzahlen, die so ermittelt wurden, zeigen wie grundlegend selbstfahrende Autos unsere Mobilität bis 2035 verändern werden.

Zu den Annahmen, die der Studie zugrunde liegen, gehört unter anderem, dass Autos im Jahr 2035 komplett autonom fahren können – also ohne einen Menschen, der zur Not das Lenkrad übernimmt. Dass sie bis dahin elektrisch angetrieben werden. Und dass Fahrdienste mit autonomen Taxis und Shuttles etabliert sind. Außerdem wird für 2035 damit gerechnet, dass noch viele Autos manuell gesteuert werden. Das heißt: Es wird noch nicht möglich sein, den Verkehrsfluss so zu optimieren, wie es denkbar wäre, wenn nur Roboterautos auf den Straßen sind. Diese könnten sich koordinieren, um Stau komplett zu vermeiden.

Fünf Thesen zur urbanen Mobilität 2035

Die Ergebnisse der Analyse in Bezug auf die Akzeptanz der selbstfahrenden Autos, ihre Anzahl, die Preise der Fahrdienste sowie ihre Auswirkungen auf PKW-Bestand und Verkehrsaufkommen lassen sich in fünf Thesen zusammenfassen.

  1. Robotaxis verändern unsere Mobilität – autonome Fahrdienste werden Hauptverkehrsmittel: Fast jeder dritte Weg, den die Menschen in städtischen Regionen zurücklegen, könnte durch autonome Shuttles oder Taxis erfolgen. Sie würden damit gleichauf mit privaten PKW liegen – und einen doppelt so hohen Mobilitätsanteil wie der öffentliche Nahverkehr erreichen.

  2. Preiskampf entfacht – autonome Taxi- und Shuttlefahrten werden deutlich günstiger sein als Fahrten mit privaten Autos und dem öffentlichen Nahverkehr: Die neuen Fahrdienste sparen sich menschliches Personal und ihre Autos sind ständig ausgelastet. Daher könnten einzelne Fahrten 25 Prozent günstiger sein als mit dem eigenen PKW und sogar nur rund die Hälfte eines ÖPNV-Tickets kosten.

  3. Das Marktpotenzial von autonomen Fahrdiensten ist groß – wenn die Regulierung es zulässt: Die autonomen Fahrdienstflotten könnten pro Jahr ein Umsatzvolumen von 16,7 Milliarden Euro erreichen, was immerhin einem Sechstel dessen entspricht, was Autohersteller heutzutage mit dem Verkauf von Neuwagen erwirtschaften.

  4. Weniger Fahrzeuge – aber mehr Verkehr in unseren Städten: Immer mehr Menschen dürften auf ein eigenes Auto verzichten. Der urbane Fahrzeugbestand könnte bis 2035 um drei Millionen PKW oder 20 Prozent abnehmen. Doch da die Einführung autonomer Fahrdienste zu einer erhöhten Nutzung der Autos führt, könnte sich das Verkehrsaufkommen gleichzeitig um bis zu 30 Prozent erhöhen – zu Spitzenzeiten sogar um 40 Prozent.

  5. Staurisiko nimmt zu – steigende Fahrzeugnutzung für zu erhöhter Verkehrsbelastung: Da mehr Fahrzeuge als bisher tatsächlich auf den Straßen unterwegs sein werden, wird die Durchschnittsgeschwindigkeit in den Städten um 10 Prozent sinken. Die durchschnittliche Fahrzeit in der morgendlichen Rush Hour würde sich pro Fahrt um 2,5 Minuten verlängern – und zwar für alle Verkehrsteilnehmer.

Vom klassischen Hersteller zum Mobilitätsdienstleister: eine neue Rolle für die Autoindustrie

Die Zahl der privaten Autos wird abnehmen, das werden auch die Hersteller spüren. Ihr Umsatz könnte 2035 um 760 Millionen Euro zurückgehen. Doch der neu entstehende Markt mit autonomen Fahrzeugflotten könnte dieses Minus mehr als ausgleichen. Die Deloitte-Studie geht von einem Umsatzpotential von 16,7 Milliarden Euro aus. Um das werden heutige Autobauer, Taxi- und Carsharing-Anbieter allerdings mit neuen Mobilitätsanbietern konkurrieren.

Autohersteller sollten deshalb schon heute bedenken, sich stärker auf den Betrieb von Flotten zu fokussieren und Mobilität als Dienstleistung zu betrachten, die es anzubieten gilt. Da das Auto als privates Statussymbol an Bedeutung verlieren dürfte, sollte sich die Industrie sich außerdem Gedanken über eine Neuausrichtung ihrer Marken machen. Und: Sie sollten ihre zukünftigen Flotten-Nutzer auch als mögliche Kunden für weitere Dienste betrachten, etwa für ein Virtual-Reality-Entertainment-Angebot in den Fahrzeugen.

Mehr Platz, aber auch mehr Verkehr: Worauf Städte reagieren sollten

Die Politik ist bereits jetzt gefragt. Sie sollte frühzeitig umfassende Konzepte für die zukünftige Mobilität in den Städten entwickeln. Denn ohne zusätzliche Steuerung dürften die autonomen Fahrdienste zwar den Bestand an Fahrzeugen um 20 Prozent sinken lassen, was die Parkplatznot entschärft und Freiraum für Fuß- oder Radwege schafft. Doch könnte gleichzeitig der Autoverkehr auf den Straßen um 30 Prozent zunehmen – inklusive längerer Staus. Außerdem werden Bus, Tram, U- und S-Bahn den Preiskampf gegen autonome Fahrdienste verlieren, wenn nichts unternommen wird. Ihre Nutzung dürfte deutlich sinken.

Wie soll die Politik mit diesen Herausforderungen umgehen? Die Autoren der Deloitte-Studie plädieren für eine smarte Regulierung. Das heißt: Die Städte sollten nicht nur auf Verbote oder die Limitierung der selbstfahrenden Flotten setzen, sondern das bestmögliche Mobilitätsangebot für die Bürger anstreben – unter Berücksichtigung aller Fortbewegungsmöglichkeiten.

Vorteile für den Einzelnen, Herausforderungen für Industrie und Städte

Die Ergebnisse der Studie sind recht eindeutig. Für den Einzelnen bietet die autonome Mobilität der Zukunft Vorteile. Sie wird komfortabler und deutlich günstiger.

Die Autoindustrie muss sich dagegen auf sinkende Verkaufszahlen und einen Bedeutungsverlust ihrer Marken einstellen – und frühzeitig umsteuern in Richtung Mobilitätsdienste. Die Politik sollte schon jetzt Vorschläge entwickeln, wie möglichst viele Menschen von den Vorzügen autonomer Taxis und Shuttles profitieren können, ohne dass die Lebensqualität in den Städten durch diese eingeschränkt wird.

Ihr wollt alle Ergebnisse der Deloitte-Studie „Urbane Mobilität und autonomes Fahren im Jahr 2035: Welche Veränderungen durch Robotaxis auf Automobilhersteller, Städte und Politik zurollen“ nachlesen? Kein Problem. Hier steht sie als PDF zum Download bereit.

Weitere Deloitte-Analysen aus der Reihe „Datenland Deutschland“ findet ihr hier.

Titelbild: Deloitte

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