Autonome Autos brauchen weniger Platz. Wie sollen wir den Freiraum nutzen?

Ständig unterwegs, am Steuer sicherer als jeder Mensch und ein Parkplatz ist auch nicht nötig. Selbstfahrende Autos, Taxis und Busse könnten in Städten dafür sorgen, dass viel Platz frei wird. Architekten und Planer wollen den nutzen – und zwar, um die urbanen Zentren wieder menschlicher zu machen. Welche Ideen und Anregungen habt ihr?

Von Michael Förtsch

Nahezu alle modernen Städte wurden um ein ganz bestimmtes Verkehrsmittel herum geplant: das Automobil, mit dem täglich Millionen von Menschen in die urbanen Zentren hinein und später wieder herausfahren. Daher sind Städte, obwohl sie verdichtete Lebensräume darstellen, von breiten Straßen durchzogen, die links und rechts auch noch von Parkplätzen und Parkhäusern flankiert sind.

Wie es aussieht, werden die Städte auch in Zukunft von Autos durchflutet sein. Die werden sich allerdings in den kommenden Jahrzehnten grundlegend ändern. Denn sie werden immer seltener einen menschlichen Fahrer brauchen. Autonome Fahrzeuge sollen ihren Weg schließlich ganz alleine finden – selbst, wenn sich das derzeit als komplizierter herausstellt, als ursprünglich gedacht.

Geht es nach Start-ups, Tech-Konzernen, Mobilitätsanbietern und selbst nach einigen Autobauern, werden die selbstfahrenden Wagen eher selten Privatfahrzeuge sein. Stattdessen soll es sich um Sharing-Autos, Robotaxis oder autonome Shuttles handeln, die per App dahin gerufen werden, wo sie gerade gebraucht werden. Die Art und Weise, wie wir uns durch die Städte bewegen, wird sich also nachhaltig ändern. Das wird auch an den Städten nicht spurlos vorübergehen.

Schließlich wird sich mit neuen Mobilitätsformen und Nutzungsgewohnheiten auch der Anspruch an die Infrastruktur transformieren. Und das könnte schneller gehen als gedacht. Selbst wenn die Antwort auf die Frage, wann autonome Autos und Taxis fester Bestandteil des Straßenverkehrs sein werden, ganz unterschiedlich ausfällt – je nachdem, wen man fragt: Bereits 2034 könnten autonome Autos zehn Prozent aller verkauften Fahrzeuge ausmachen, wie eine Umfrage unter Forschern und Experten ergab.

Shuttlebusse wie dieser vom finnischen Start-up Gacha könnten die autonome Mobilität in den Städten einleiten.

Deutlich früher könnten schon selbstfahrende Shuttlebusse unterwegs sein, die mehr oder minder feste Routen abfahren. Die seien „nicht mehr als ein paar Jahre“ davon entfernt, in ersten Städten zum Alltagsverkehrsmittel zu werden. Das meint zumindest Harri Santamala, der Gründer des finnischen Start-ups Sensible4, das mit dem Gacha gerade einen Shuttlebus auf öffentlichen Straßen erprobt. Gleiches tut das französische Start-up Navya, das dafür mit Städten wie Lauenburg in Schleswig-Holstein, der Inselgemeinde Sylt oder dem schweizerischen Sitten zusammenarbeitet. Und auch der zu Volkswagen gehörende Bus-Dienst MOIA soll in nicht allzu ferner Zukunft ohne Fahrer und stattdessen mit Computer am Steuer seine Passagiere befördern.

Da Stadtplanung eine eher langwierige Sache ist, sollten solche Innovationen schon heute mitgedacht werden.

Fahren und nicht parken

Der große Unterschied, den autonome Autos irgendwann machen sollen, ist recht einfach. Idealerweise sind sie ständig unterwegs und halten nur kurz, um Passagiere abzusetzen und abzuholen – werden sie nicht gebraucht oder müssen laden, können sie außerhalb der Städte einen Ort dazu finden. Das soll langfristig nicht nur für Robotertaxis und -shuttles gelten, sondern auch für private PKW, die für ihre Besitzer als Car-Sharing-Fahrzeuge während der Arbeitszeit selbstständig etwas dazu verdienen. Dadurch würden in den Städten viele Parkplätze, Parkhäuser und auch Garagenanlagen überflüssig. Denn Parken wäre nicht nur unnötig, sondern auch unökonomisch. In einigen Städten, in denen testweise autonome Fahrzeuge umherzirkeln, und von verschiedenen Instituten werden schon Umnutzungs- und Umwandlungmöglichkeiten für die dadurch entstehenden Freiräume debattiert.

Denn es geht um eine Menge Platz. In der 3,9-Millionen-Einwohner-Metropole Los Angeles sind derzeit rund 70 Quadratkilometer für das Parken von Autos reserviert – die Parkstreifen entlang der Straßen sind dabei nicht einmal mitgerechnet. Das ist etwas mehr als die Stadtfläche von Bayreuth. Die Parkfläche im 5,7-Millionen-Einwohner-Stadtstaat Singapur bewegt sich Schätzungen zufolge in ähnlichen Dimensionen. In deutschen Städten sind die Zahlen kleiner, aber dennoch bemerkenswert. In München werden 12,15 Prozent der Verkehrsflächen und damit rund 5,3 Quadratkilometer als Parkraum ausgewiesen. Und in Berlin steht fürs Parken zehnmal so viel Platz zur Verfügung wie für Spielplätze.

Bis zu 70 Prozent dieser riesigen Parkplatzflächen könnten bei einer „weiten Verbreitung selbstfahrender Autos“ frei werden, das ergab eine Simulation des Senseable City Lab des Massachusetts Institute of Technology.

Je nach Stadt wäre das genug Platz, um Wohnraum für Hunderte, Tausende oder sogar Zehntausende Menschen zu schaffen. Erste Architekten schlagen vor, ungenutzte Parkhäuser zukünftig in günstige Appartement-, Büro- und Sozialwohnungsanlagen umzuwandeln. Die Städte würden dadurch noch dichter und belebter werden. Aber auch als innerstädtische Gewächshäuser, vertikale Gärten und Farmen würden die Parkhäuser taugen. Aus klassischen Parkplätzen wiederum könnten kleine Parks werden, die nicht nur der Erholung, sondern auch als CO2-Filter und biologische Kühlaggregat dienen. Vor allem im Zuge des Klimawandels könnten diese dafür sorgen, dass sich große Städte im Sommer weniger drastisch erhitzen. Und schicker und lebenswerter aussehen würden die Städte damit auch.

Roboterautos brauchen auch weniger Fahrbahn

Aber nicht nur die Parkfläche könnten zum Teil verschwinden und umgewandelt werden. Denn autonome Fahrzeuge sollen sich schließlich auch sicherer und akkurater fortbewegen als Wagen mit menschlichen Fahrern am Steuer. Klappt das, würde noch mehr Fläche frei werden – auf den Straßen selbst. Roboterautos bräuchten weniger Sicherheitsabstand, könnten also enger nebeneinander fahren. Die Fläche zwischen den Spuren und die Spuren selbst könnten verschmälert werden.

In manchen Großstädten würden dadurch über eineinhalb Meter breite Spuren entlang bestehender Autoverkehrswege frei – in den großen US-Metropolen mit ihren Riesenfahrbahnen sogar noch mehr. Und damit würde fast automatisch Platz für Rad- oder E-Rollerfahrbahnen geschaffen. Für Verkehrsmittel also, die sich immer stärker in Metropolen etablieren und allmählich von Lokalregierungen befördert werden. Zusätzlich würden sich die autonomen Fahrzeuge damit selbst, den Platz freigeben, den sie brauchen. Nämlich für Kurzzeithalteflächen – oder sogenannte Drop-off-Zones, die an besonders frequentierten Orten nötig würden, um Fahrgäste schnell ein- und aussteigen zu lassen.

Nach einer Studie von Roman Zakharenko von der Higher School of Economics in Moskau werden die autonomen Fahrzeuge durch die schmaleren Fahrbahnen und breiteren Geh- und Radwege den Fuß- und Radverkehr immens befeuern – und dadurch auch die potentielle Laufkundschaft in den Innenstädten vergrößern. „Wir werden eine Verstärkung in der ökonomischen Dichte erleben, einhergehend mit einer Produktivitätssteigern“, schreibt Zakharenko. Behält er Recht, könnte sich das Aussterben der Innenstädte, das vielerorts beklagt wird, ins Gegenteil verkehren. Das gälte auch für Nachtclubs, Kneipen und Lokale.

Werden aus Auto-zentrierten Städten wieder Menschen-zentrierte Städte?

Geht es nach Stadtplanern wie David De La Torre aus Phoenix, Arizona, wo Waymo seine autonomen Taxis erprobt, bedeuten diese eine große Chance. Es eröffne sich „die Möglichkeit, unsere Städte schöner zu machen, in dem wir diese ganzen Parkflächen loswerden und etwas ästhetisch besseres schaffen“, meint De La Torre. Die selbstfahrenden Wagen könnten dabei helfen, selbst wenn es paradox klinge, Auto-zentrierte in Fußgänger-, Fahrrad- und Roller-zentrierte Städte zu verwandeln.

Natürlich wird das nicht von jetzt auf gleich geschehen. Selbst wenn sich die ersten autonomen Fahrdienste tatsächlich schnell etablieren sollten, wird es dauern, bis sie in voller Breite sicht-, spür- und nutzbar werden. Die Prognosen reichen hier von 20 über 30 bis hin zu 50 und mehr Jahren. Mitgedacht werden muss diese Technologie aber schon jetzt. Denn es geht nicht nur darum, die Städte auf eine neue Technologie vorzubereiten. Sondern auch darum, die Städte für jene wohn- und lebenswerter zu machen, die dort ihr zu Hause haben.

Die hier vorgestellten Ideen und Studien sind nur ein schmaler und scheuer Blick in die mögliche Zukunft – und viele Fragen sind noch offen. Was sind also eure Ideen? Wie könnte und sollte man den neuen Freiraum nutzen? Oder glaubt ihr, dass es vielleicht doch alles anders kommen könnte?

Dieser Artikel ist Teil des 1E9-Themenspecials: Fahren 2035. Wir und die Roboterautos. Alle Texte und Diskussionen und Mobilitäts-Expertinnen und -Experten aus unserer Community findest du hier!

Teaser-Bild: Waymo

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Meine Vorstellungen sind eher „konventionell“, glaube ich. (Umso mehr würde ich mich freuen, falls noch ein paar abgefahrene Ideen kommen.) Wo die Gehwege so schmal sind, dass die Cafés und Kneipen dort nur ein paar Mini-Tische an die Hauswand quetschen können, würde ich dafür mehr Platz schaffen. Wo noch keine Radwege sind, dafür die Parkplätze opfern. Und alle übrigen Flächen erstmal begrünen - und bitte mit mehr als nur Zier-Rasen und ein paar scheuen Bäumen. Fände mehr urbanen Dschungel ja echt cool… Oder Community-Gemüsegärten… oder Freiraum für anderes Urban Gardening dort.

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Meine, denke ich, auch. Ich plädiere für mehr Radwege und breitere Gehwege. Aber vlt. würden diese Spuren auch ausreichen, um schmale ÖPNV-Systeme umzusetzen. Nämlich sogenannte People Mover, die kürzer und weniger breit sind als S-Bahnen oder Trams und ideal scheinen, um engmaschig und wenig störend Innenstädte zu vernetzen.

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Hier übrigens ein gutes Beispiel, wie so eine transformierte Stadt im Ansatz aussehen könnte. Der Naschmarkt in Wien wurde umgebaut, um Radler von Autos zu trennen. Parkplätze wurden entfernt und durch Radwege, Kurzzeithaltestellen und Gründstreifen ersetzt. Sieht toll aus!

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Etwas zur Inspiration und entegegen den Münchner Endzeitvorstellungen einer Auto- und Parkplatzfreien Stadt:

Schaut euch das Video unbedingt an! Es sind zwar „nur“ Grünflächen mit Wildgras oder so Zeug und paar Radlabstellplätze an Autoparkplatzstatt errichtet worden, finde aber, dass das unglaublich cool wirkt. Und das hat mich überrascht, dass mit so einfachen dingen, so eine Wirkung erzeugt werden kann.

Und noch eine nette Idee: Straßentrampoline - damit den Leute in Autostädte die 180° Wende Kinderleicht fällt :wink:
:slight_smile:image

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Ich teile die Hoffnung, jedoch nicht den Optimismus…

Zuerst die Frage: Wird wirklich Platz durch diese Fahrzeuge frei? Ich gehe davon aus, dass auch autonome Fahrzeuge mal Parken müssen, wenn sie gerade nicht in Betrieb sind. Es sollte vermieden werden, dass die Fahrzeuge dann einfach leer immer im Kreis fahren. Den Vorschlag, parken und laden nach außerhalb der Städte zu verlegen, halte ich für große Energieverschwendung. Gerade in großen Städten, müssen wir dafür innerhalb der Stadt Flächen vorhalten. Sonst werden massenhaft Strecken umsonst gefahren, was mögliche Effizienzvorteile der Fahrzeuge zunichte macht. Es braucht außerdem Regulierungen, damit Fahrzeuge möglichst dauerhaft genutzt werden.

Generell sollten zuerst die Parkplätze auf der Straße verringert werden - stattdessen sollte das Halten und Laden in Parkhäuser (die derzeit bereits häufig nicht ausgelastet sind) Standard werden. So könnten bereits große Flächen frei werden.

Einige der Flächen werden wir für die „neuen“ Angebote brauchen. Derzeit werden Scooter, Roller, Fahrräder einfach auf den vorhandenen Verkehrsraum gestellt, ohne dafür Platz zu schaffen. Wir müssen dringend Parkplätze als Flächen für diese Sharing-Fahrzeuge aber auch als Abstellflächen für private Räder und Kleinstelektrofahrzeuge umwidmen. Wir brauchen also ausgewiesene Parkplätze für Sharingfahrzeuge. Die Parkplätze für Privatfahrzeuge hingegen sollten - auch und gerade als Steuerungsinstrument - drastisch reduziert werden.

Der entstehende Freiraum sollte in erster Linie den Menschen zur Verfügung gestellt werden. Das Schaffen von nicht-kommerziellen Zonen ist essentiell. Es braucht Bänke und weiteres Stadtmobiliar, welches für alle Menschen zugänglich ist und jederzeit genutzt werden kann. Und zwar ohne jeglichen Konsumzwang, wie es z.B. bei der Vergabe der Flächen nur an Cafés oder Geschäfte der Fall wäre. Dennoch sollten natürlich auch Geschäfte die Möglichkeit erhalten, den öffentlichen Raum in Maßen nutzen zu können. Aber auch Initiativen und Projekte sollten die Möglichkeit erhalten können, unbürokratisch im öffentlichen Raum aktiv zu werden. Das kann das Aufstellen von Bänken, das Anlegen von Gemeinschaftsgärten oder auch nur das Veranstalten von Straßenfesten bedeuten.

Zum Thema Wohnraum: Nachverdichtung ist gerade in der Diskussion um Resilienz und Klimafolgenanpassung je nach Gebiet kritisch zu sehen. Stattdessen sollte auch viel auf Grünflächen, Bäume und die Schaffung von Frischluftschneisen gesetzt werden. Dies ist unabdingbar, um Städte lebenswert zu machen. Dabei nicht zu vergessen: Grünanlagen müssen auch bewässert und gepflegt werden, um ihrer Funktion nachzukommen. Das muss in der Debatte bedacht werden.

Dass das Aussterben der Innenstädte damit aufhören kann ist stadtspezifisch zu sehen. Generell führt Verkehrsberuhigung und mehr Grünflächen ja eher zu einem Ansteigen der Immobilienpreise und damit zu höherer Spekulation. Gerade in Großstädten wird teilweise jetzt schon gegen Verbesserungen der Lebensqualität gekämpft, um Mietpreise nicht weiter zu erhöhen. Das Ganze ist also deutlich differenzierter zu sehen.

Vielmehr ist die Frage: Wie erhalten wir eine soziale Zugänglichkeit zu allen Teilen der Stadt, und somit eine lebenswerte Stadt für alle? Dies steht auch in engem Zusammenhang mit der oben genannten nicht-kommerziellen Nutzung des öffentlichen Raums.

Was meinen Optimismus trübt: Wir reden von extrem langen Zeithorizonten (20-50 Jahre). Die negative Luftbelastung in Innenstädten, die immer volleren Straßen und vielen Verkehrsunfälle sind aber jetzt ein Problem. Die Lösung dieser Probleme darf nicht von einer einzigen technologischen Innovation abhängig gemacht werden. Autonome Fahrzeuge dürfen nicht als Ausrede gelten, mit den Veränderungen bis übermorgen zu warten. Vielmehr braucht es eine Verringerung der Parkflächen an Straßen für Privat-Pkw bereits jetzt sofort. Ebenso die Bau von breiten und sicheren Radwegen und Gehwegen. Und die Schaffung von öffentlichen Räumen für alle.

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Kannst du bitte für den Bürgermeisterposten in München kandidieren!?

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Das nenne ich mal eine ausführliche Antwort ; )

Ich glaube schon, dass tatsächlich Platz frei wird. Wie viel, das ist natürlich die Frage. Und natürlich müssen auch autonome Wagen parken, wenn sie nicht gerade im Betrieb sind. Die Annahme ist jedoch, dass das durch eine möglichst große Auslastung hoffentlich nicht oft der Fall sein wird. Dazu werden natürlich nicht immer alle autonomen Fahrzeuge im Dienst sein, sondern dynamisch ein- und ausgesetzt – basierend auf gesammelten Daten.

Den Vorschlag, parken und laden nach außerhalb der Städte zu verlegen, halte ich für große Energieverschwendung.

Kann die Annahme nachvollziehen. Aber es muss keine Energieverschwendung sein. Denn es werden sowieso Fahrzeuge in die Städte hinein und wieder hinaus fahren. Alleine schon zu Stoßzeiten, wenn „die jungen Leute in der City Party machen.“ Clever gemanaged würden Fahrzeuge die Fahrten nach außerhalb zugeschanzt bekommen, die sowieso „überflüssig“ sind, zur Wartung oder zum Laden müssen. Klar, es ist die Frage, wie gut das funktioniert.

Es braucht außerdem Regulierungen, damit Fahrzeuge möglichst dauerhaft genutzt werden.

Stimmt!

Generell sollten zuerst die Parkplätze auf der Straße verringert werden - stattdessen sollte das Halten und Laden in Parkhäuser (die derzeit bereits häufig nicht ausgelastet sind) Standard werden. So könnten bereits große Flächen frei werden.

Bin ich voll bei dir. Parkplätze auf und an den Straßen sind ein Unding.

Der entstehende Freiraum sollte in erster Linie den Menschen zur Verfügung gestellt werden. Das Schaffen von nicht-kommerziellen Zonen ist essentiell. Es braucht Bänke und weiteres Stadtmobiliar, welches für alle Menschen zugänglich ist und jederzeit genutzt werden kann. Und zwar ohne jeglichen Konsumzwang, wie es z.B. bei der Vergabe der Flächen nur an Cafés oder Geschäfte der Fall wäre.

Sehr richtig. Wobei ich da zumindest in den großen Metropolen zweifle, ob es breitflächig dazu kommt. Hier müssten sich die Bürger dann stark engargieren.

Zum Thema Wohnraum: Nachverdichtung ist gerade in der Diskussion um Resilienz und Klimafolgenanpassung je nach Gebiet kritisch zu sehen. Stattdessen sollte auch viel auf Grünflächen, Bäume und die Schaffung von Frischluftschneisen gesetzt werden. Dies ist unabdingbar, um Städte lebenswert zu machen. Dabei nicht zu vergessen: Grünanlagen müssen auch bewässert und gepflegt werden, um ihrer Funktion nachzukommen. Das muss in der Debatte bedacht werden.

Letztlich wird es natürlich auf eine breite Mischnutzung hinauslaufen. Ich selbst bin ein großer Freund der Idee, ungenutzte Parkhäuser in urbane Farmen zu verwandeln, die abschließenden Parkdächer in Parks zu verwandeln.

Wir reden von extrem langen Zeithorizonten (20-50 Jahre). Die negative Luftbelastung in Innenstädten, die immer volleren Straßen und vielen Verkehrsunfälle sind aber jetzt ein Problem. Die Lösung dieser Probleme darf nicht von einer einzigen technologischen Innovation abhängig gemacht werden. Autonome Fahrzeuge dürfen nicht als Ausrede gelten, mit den Veränderungen bis übermorgen zu warten. Vielmehr braucht es eine Verringerung der Parkflächen an Straßen für Privat-Pkw bereits jetzt sofort. Ebenso die Bau von breiten und sicheren Radwegen und Gehwegen. Und die Schaffung von öffentlichen Räumen für alle.

Nun, da hast du einerseits recht. Aber andererseits auch nicht ganz. Klar, 20 bis 50 Jahre sind eine lange Zeit. Aber eben nicht bei der Stadtplanung. Denn urbane Veränderungen – jedenfalls in westlichen Metropolen – brauchen lange Zeit. Das hat gute Gründe. Denn Städte sind sehr fragile Systeme, die schon durch kleine Veränderungen ziemlich aus dem Gleichgewicht fallen können – vor allem, was verkehr angeht. Dass dennoch bei einzelnen Facetten sofort gehandelt werden muss: Vollkommen richtig. Und einige davon brauchen nicht einmal Veränderungen (oder zumindest keine invasiven Änderungen) an der Stadt selbst, sondern eben schlichte Auflagen und Verbote. Wie beispielsweise das Verbot von Privatfahrzeugen in den Innenstädten, das transformieren von Parkplatz- in Radstreifen.

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Klar :wink:
Und mir stellt sich das erste Mal die Frage, wie ich hier gifs einbinden kann…

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Einfach per Drag&Drop in den Editor werfen :slight_smile:

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Ich finde die autonomen Fahrzeuge sollten großenteils außerhalb der Stadt in Park&Ride-Zentren stehen, laden, was auch immer. Dort wird gewechselt. Dort startet der Strom morgens in und abend raus aus der Stadt. Ich glaube der autonome Verkehr innerhalb kann mit relativ wenigen Fahrzeugen bewältigt werden, wenn es zudem noch Fahrräder, ÖPNV oder People Mover gibt.

Dann werden relativ viele Flächen frei.

Urban Farming ist als hochtechnologieserte Nutzfläche das eine, urbaner Dschungel das andere. Letztendlich ist eine Stadt immer ein durch und durch kuratierter Raum.

Aber auch da gibt es schon Ideen, z.b. Parklets mit verschiedenen Funktionen hauptsächlich zur Erweiterung der Bürgersteige und der Belebung der Erdgeschosszone.

Oder die neuen Flächen vielleicht als Langzeitparkraum für mobile Geschäfte, Pop-Ups oder sogar Mobile Homes für die urbanen Nomaden nutzen…

https://www.dezeen.com/2018/09/19/space10-envisions-future-of-self-driving-cars-as-a-farm-hotel-or-clinic-on-wheels/

Wie aber eine Stadt lebenswerter wird und dass eine wirkmächtige Maßnahme dafür die Reduktion von Parkplätzen (und indirekt Verkehr) ist, hat Jan Gehl schon vor Jahrzehnten ohne den Support von autonomer Technologie propagiert. Sein Stadtplanungsbüro ist für Masterpläne in New York, Moskau, London oder Kopenhagen verantwortlich. Um aus einer verkehrsbelasteten Stadt wie Kopenhagen ein Vorbild für gelungene Stadtplanung zu machen, hat es allerdings 40 Jahre gebraucht.

Eine schöne Anekdote: ein zuverlässiger Indikator für die Qualität eines Viertels ist, wie viele Kinder und alte Menschen sich dort auf den Straßen sichtbar aufhalten. Und das hat sehr viel mit Maß und Geschwindigkeiten zu tun.

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Wenn man den Verkehr so verändern könnte, dass weder Parkplätze noch mehrspurige Straßen benötigt werden, könnte man sich ein Stück Natur bzw. Lebensqualität zurück in die Stadt holen. Dabei spielt das autonome Fahren jedoch eine eher untergeordnete Rolle, denn dies könnte man bereits schon jetzt umsetzen.

Aus mehrspurigen Straßen werden parkähnliche Alleen, mit kleinen Spielplätzen für Jung & Alt, kleinen Cafés o.ä., kleinen Kräuter- oder Gemüsegärten, Blumenbeeten, kleinen Hundebegegnungsstätten … (Hier einfach Deine Ideen einfügen.)

Aus „kleinen“ Straßen werden Spiel- bzw. Freizeitstraßen, welche nicht nur dem Zweck der allgemeinen Fortbewegung dienen, sondern zum Staunen & Träumen einladen, da sie nach den Wünschen & Bedürfnissen der Anwohner gestaltet wurden.

Aus Parkhäusern könnte man Wohnhäuser, Parkflächen oder Sportplätze machen.

Wie wäre es wohl, in einer Welt leben zu können, in welcher alle Mobilitätsmöglichkeiten zur freien Verfügung ständen, diese jedoch sinnvoll genutzt würden? Und wie könnte diese Welt aussehen?

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Da hast du vollkommen recht. Und in manchen Städten in Europa geschieht das auch bereits. In München wurden schon Teile der Innenstadt für Autos gesperrt und weitere Teile sollen folgen. In den Niederlanden werden in einigen Städten weite Straßenzüge für den Radverkehr optimiert und Autos auf die Seite gedrängt.

Für solche Entwicklungen braucht es keine autonomen Fahrzeuge. Aber sie machen die Umsetzung und den Übergang leichter.

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