„Wir müssen den Muskel des Zukunftsbewusstseins trainieren!“

Zukunft kann man trainieren. Zumindest das Erträumen von positiven Zukunftsbildern – und die können wir gerade echt brauchen. Und dazu gleich noch ein neues Betriebssystem für die Welt. Davon ist unser Interviewpartner und Community-Mitglied Daniel Schimmelpfennig überzeugt. Er ist studierter Futurist, will inzwischen aber viel mehr.

Ein Interview von Wolfgang Kerler

Daniel Schimmelpfennig, bei 1E9 als @CTTF aktiv, hat eine recht exotische Berufsbezeichnung. Er nennt sich „Agent of Transdisciplinary Transformation and Social Transmutation“. Warum er das tut, werdet ihr nach dem Interview besser nachvollziehen können. Daniel will neues Zukunftsdenken in die Welt bringen – und dazu beitragen, dass positive Visionen auch Realität werden. Er berät Firmen und Institutionen, er gestaltet Workshops und Keynotes – und er hat uns ein Interview gegeben.

Darin erfahrt ihr, wie man seinen Zukunftsmuskel in Form bringen kann, warum Daniel Hoffnung nicht mag, eine gute Zukunft aber trotzdem für möglich hält und warum wir trotz des Hypes um KI unsere, die menschliche Intelligenz auf keinen Fall vernachlässigen sollten.

1E9: Künstliche Intelligenz wird alles verändern. Blockchain wird alles verändern. Elektroautos werden alles verändern. So etwas hören wir zurzeit ständig. Das Ganze wird garniert mit Meldungen über den Klimawandel, das Artensterben und das Bevölkerungswachstum. Wie soll man da keine Angst vor der Zukunft haben?

Daniel Schimmelpfennig: Das beste Zitat zum Thema Angst stammt meiner Meinung nach immer noch von H.P. Lovecraft, dem Pionier der Horror-Fiction. Der sagte: „Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.“ Daraus ergibt sich natürlich für unsere Zeit, in der uns die Ungewissheit, die Unbekannte Zukunft überwältigt, eine echt abenteuerliche Geschichte.

Wir erleben globale Veränderungen, die sich in ihrer Dynamik ständig verändern, also Changing Change. Dazu kommen exponentielle Technologien, die durch ihre Entwicklung unsere Kapazitäten völlig überwältigen. Wir können weder die Masse an technologischem Fortschritt antizipieren, noch in der Abschätzung ihrer Folgen für die Gesellschaft die tatsächlichen Konsequenzen begreifen. Wir müssen also die Fähigkeit entwickeln, mit diesen Ungewissheiten klarzukommen und diese globalen, komplexen Zusammenhänge zumindest einigermaßen zu überblicken, um adäquate Antworten darauf zu finden. Die Antworten selbst müssen dann auch noch in ihrer Qualität eine völlig neue Dimensionalität eingehaucht bekommen. Das ist eine Mammutaufgabe.

Idealerweise würden uns dabei Künstliche Intelligenzen helfen. Die sind leider problematisch, weil wir dort gerade ein Arms Race erleben, ein Wettrüsten basierend auf altem Denken: Du verlierst und so kann ich gewinnen. Das erhöht die Selbstzerstörungskapazität der Menschen um ein Vielfaches.

Jetzt habe ich noch mehr Angst vor der Zukunft. Du sagst aber doch selbst, dass wir auf dieser „Tsunami der Veränderungen und der Ungewissheit“ surfen können. Dass wir die Zukunft immer noch selbst gestalten können. Wie sollen wir das angehen?

Daniel: Das Bild vom Tsunami-Surfen stammt von James Dator, dem Paten der Zukunftsforschung. Er spielt bewusst mit dieser Metapher, um uns daran zu erinnern, in welchen Dimensionen wir nicht nur denken, sondern auch leben müssen. Anders gesagt, wir müssen uns vor allem auch das utopische Träumen bewahren. Die Utopie ist der Ort in der Zukunft, der per Definition nicht zu erreichen ist, weil er zu idealistisch skizziert wird. Aber dieses utopische Träumen dient uns zumindest als Kompass und kann uns dabei helfen, die vielen Hindernisse und die superkomplexen Probleme zu lösen.

Wenn wir es uns erhalten, oder es uns wieder beibringen, ein bisschen wie Kinder spielerisch an die Probleme heranzugehen – trotz aller Strapazen und der verwirrenden Realität –, dann glaube ich, dass wir gute Zukunftsbilder kreieren können, die uns motivieren und inspirieren und uns durch dieses Jahrhundert führen können.

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Daniel Schimmelpfennig, hier als @CTTF, ist studierter Futurist, sieht sich heute aber eher als ein ‚Agent of Transdisciplinary Transformation‘. Bild: privat

Utopien sind schön und gut, dürften aber von vielen Skeptikern als Träumerei abgetan werden. Gibt es keine Möglichkeit, halbwegs realistische Utopien zu entwickeln?

Daniel: Es ist vielleicht auch ein deutsches Phänomen, weil viele hier natürlich mit dem Mantra von Helmut Schmidt aufgewachsen sind: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Aber natürlich kann man Zukunftsbilder differenziert betrachten und darüber diskutieren, wie hoch ihr Wahrscheinlichkeitsgehalt ist. Wir reden im englischen Kontext auch von den P’s: von den possible, probable, plausible, preferable, prosperous und auch von den peculiar oder preposterous futures, als Gedankenspiele.

Wir müssen auf keinen Fall immer in purem Ernst diese Geschichten angehen. Es gibt auch das spekulative Design, bei dem wir uns in einen träumerischen Zustand versetzen oder in eine konstruktive Paranoia, in eine begründete Angst. Das Träumen gilt der Wiederverzauberung unserer Welt, die konstruktive Paranoia soll in proaktives Handeln übertragen werden. Also kann von fabelhafter Inspiration bis hin zu motivierender, dringlicher Gegenmaßnahme alles dabei sein.

Generell ist es einfach wichtig, dass wir so wie wir im Geschichtsunterricht über verschiedene Perspektiven des Vergangenen reden, in der handlungsorientierten Zukunftsforschung über verschiedene Perspektiven des Zukünftigen reden. Der Unterschied ist der: Die Zukünfte können wir noch beeinflussen. Wir alle haben Zugriff auf die Zukunftsbilder. Wir müssen nur den Muskel des Zukunftsbewusstseins trainieren – und zwar im Hier und Jetzt.

Wie trainierst du denn deinen Zukunftsmuskel?

Daniel: Definitiv mit Science Fiction. Das ist einfach ein Genre, das sehr reich an Bildern ist, insbesondere Subgenres, die kategorisiert sind als Solarpunk, Steampunk, Biopunk, Cyberpunk, Economic Fiction, Social Fiction oder, was gerade sehr aktuell ist, als New Weird. Das hilft auf jeden Fall.

Aus dem Bereich der Zukunftsforschung gibt es viele Werkzeuge, Formate, und Methoden. Ich selbst nutze bestehende Mittel und kreiere darüber hinaus auch neue Formate für meine Zukunftsworkshops. In denen kann man mit auf Zeitreisen gehen, Zukunftsbilder spielerisch erleben und experimentell erfahren. Sowas erweitert den Zukunftshorizont.

Außerdem setze ich vermehrt auf Transdiziplinarität, die wir in der Schule leider nicht gelernt haben. Anstatt singulär in einer Disziplin zu arbeiten, sollten wir multidisziplinär, interdisziplinär und nun eben transdisziplinär arbeiten, sprich: Wir können die verschiedenen Disziplinen, Themen, und Genres vermengen und daraus Neues schaffen. Everything is a Remix! Oder wie Einstein gesagt haben soll: „Das Geheimnis der Kreativität ist es, seine Quellen zu verstecken wissen.“

Was auch hilft, ist sich in vielen Situation ganz spielerisch „Was wäre, wenn?“ vorzustellen. Sei es im beruflichen, privaten oder kreativen Bereich. Das ist eine Grundformel, mit der man sehr gut arbeiten kann. Das Trainieren unseres Zukunftsbewusstseins ist eine unglaubliche Bereicherung für das eigene Leben und für die Gesellschaft.

Dein Zukunftsmuskel ist bestimmt gut in Form. Dann kannst du uns doch ein paar Einblicke in konkrete Zukunftsvisionen geben, die du erstrebenswert findest.

Daniel: Zum einen finde ich es wichtig, dass wir in einem partizipatorischen Prozess ein neues Betriebssystem für unsere Gesellschaft entwickeln – eines, das nicht die Erde und damit unsere Lebensgrundlage zerstört. Anders als im jetzigen Kapitalismus müssen wir bessere Formen der Kooperation und des Nicht-Planeten-Zerstörens belohnen. Das ist keineswegs eine top-down oder bottom-up Geschichte, sondern diese Umsetzung muss von uns allen kommen.

Für unser direktes Umfeld stelle ich mir schon vor, dass wir es schaffen, Forest Cities zu kreieren, in denen angenehme Übergänge von nachhaltigen Lebensräumen hin zu authentischer Natur geschaffen werden. Die Natur ist sehr reich an faszinierenden Designvorschlägen, die wir vermehrt integrieren sollten, Biomimik statt Naturzerstörung.

Was meinst du damit?

Daniel: Eine Stadt ohne Autos, zum Beispiel, würde uns unglaublich viel Spielraum bieten, Flächen radikal neu zu denken. Wir könnten sie auf der einen Seite mit Urban Gardening und Vertical Gardening begrünen, auf der anderen Seite könnten wir sie als Begegnungsräume deklarieren und als Spielzonen mit Augmented Reality bereichern.

Generell finde ich es sehr wichtig, dass wir überhaupt Begegnungsräume schaffen. Safe Flow Spaces . Räumlichkeiten, in denen wir uns wieder begegnen und in einer Gruppendynamik im zwischenmenschlichen miteinander auch wieder in Kontakt treten, auch in körperlichen Kontakt treten, Ideen gemeinsam generieren und Spaß an der gemeinsamen Zukunftsrealisierung haben. Ich stelle mir das als Version eines experimentellen Theaters vor, in dem wir uns wieder gegenseitig befähigen und unterstützen – und das aus dieser Erfahrbarkeit neue Schöpfungskräfte entstehen.

Wir vernachlässigen eindeutig die menschliche Intelligenz.
Daniel Schimmelpfennig

Wir reden immer von Künstlicher Intelligenz, die als technologische Entwicklung offensichtlich erstrebenswert ist und wohl auch kommen wird. Aber wir vernachlässigen eindeutig die menschliche Intelligenz und den Reichtum an Emotionen. Wenn wir diese Komponenten lediglich outsourcen, um dann Smartphones, Smart Homes und Smart Cities zu haben, was soll uns dann definieren?

Es muss uns gelingen, diese Lernräume zu erschaffen, in denen wir uns auch evolutionär weiterentwickeln können. Das ist auch aus neurowissenschaftlicher Sicht faszinierend. Wir haben inzwischen die Fähigkeit, unser Gehirn zu verstehen und somit auch die Fähigkeit unser Gehirn zu designen – und mit dem Gehirn, das wir weiter designen, verstehen wir dann auch wieder unser Gehirn besser. Das ist eine Feedbackschleife, die nicht nur unglaublich faszinierend ist, sondern eindeutig auf die Evolution unserer Zivilisation und Kultur hinweist.

Da sind spannende Ideen dabei. Aber es ist ja nicht so, dass es für viele Bereiche nicht schon gute Vorschläge gäbe. Sie werden nur nicht umgesetzt. Was könnte man dagegen tun?

Daniel: Ich denke, wir sind alle in gewissen Komfortzonen gefangen, in denen wir uns nicht trauen, den Mut zu entwickeln, um daraus wieder herauszuschreiten und das, von dem wir wissen, dass wir es machen sollten, wirklich durchzusetzen und umzusetzen.

Da müssen wir uns einfach eingestehen, dass uns die Kids gerade vormachen, wie es geht, wenn sie sich freitags auf die Straße stellen und einfach für die Zukunft tanzen. Wir müssen diese kritische Masse an Leuten erreichen, die sagen: so nicht mehr! Das wäre in unserem Interesse, da ist die Statistik ziemlich eindeutig. Die Leute sind depressiv, sie haben Burnout, sie haben keinen Bock mehr, sie werden sarkastisch und zynisch und spielen sich gegenseitig aus im Teile-und-Hersche-Game. Das ist eine Self Defeating Strategy . Damit tut sich keiner einen Gefallen.

Wir müssen eine Selbstempathie entwickeln: Wie viel bin ich es mir selbst überhaupt wert? Wie viel ist es mir wert, für eine bessere Zukunft einzustehen? Es geht ja jetzt wirklich ans Eingemachte – da brauchen wir auf jeden Fall eine Bewegung, die sich aus einer intrinsischen Motivation heraus entwickelt. Wir müssen halt Bock haben auf bessere Zukünfte und dann auch wirklich was dafür tun. Fast alle Probleme, die existieren, sind mehr oder weniger von uns geschaffen, wenn man mal von möglichen Meteoriten-Einschlägen absieht. Also ist natürlich auch die Möglichkeit in unseren eigenen Händen, all diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Was genau der Trick dann letztendlich ist, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht: Ob es nochmal den Film Matrix gucken ist oder eine psychedelische Erfahrung sein muss. Aber irgendwie scheinen es ja die Kids freitags gut auf die Reihe zu bekommen. Und das müssen wir nun auch in die Vorstände, in die Wirtschaft, in die Politik, als Kulturbewegung in die gesamte Gesellschaft tragen.

Wieso sprichst du eigentlich immer von Zukünften? Ich dachte, es gibt nur die eine Zukunft?

Daniel: Es gibt mit Sicherheit auch schon die Gegenwärte. Ich glaube, meine Gegenwart sieht ganz anders aus als die von jemandem, der in einem Flüchtlingscamp leben muss. Es gibt schon jetzt viele verschiedenen Versionen von subjektiv wahrgenommenen Realitäten mit wirklich einschneidenden Konsequenzen für die eigenen Lebensbedingungen.

Genauso ist es auch mit der Zukunft. Da gibt es viele Bilder, die sich teilweise ergänzen, teilweise ineinander übergehen, teilweise gar nichts miteinander zu tun haben. Diese Pluralität müssen wir auch lernen, weil sie signalisiert, dass die Zukunft offen ist. Sie ist ein bespielbarer und formbarer Raum in der Zeit, die noch nicht eingetreten ist, aber eventuell kommen könnte.

Du wünscht dir, dass wir alle unser Zukunftsdenken trainieren, dass wir uns dann transdisziplinär in neuen Räumen neue Zukunftsbilder erschließen, dass wir die Masse mobilisieren, um diese Bilder dann auch umzusetzen, dass wir alle gemeinsam auf dem Tsunami der Unsicherheit surfen und dabei die globalen Probleme lösen. Das klingt fast unerreichbar. Gab es je eine Phase, in der eine Grundstimmung herrschte, die solche Umbrüche ermöglichte?

Daniel: Ich habe letztens die interessante Aussage gelesen, dass die Epoche der Aufklärung nur erfunden werden konnte, weil man vorher das düstere Mittelalter als Narrativ bestimmt hat. Sprich: Wir müssen die globale Situation, die wir jetzt erleben, schon so beschreiben, wie es Greta Thunberg gerade vielleicht macht: Es ist eine Klimakrise und es ist eine Umweltkrise und es ist eine gesellschaftliche Krise und es ist eine kulturelle Krise.

Ich bin kein Fan von Hoffnung.
Daniel Schimmelpfennig

Wir müssen die Lage negativ beurteilen und nicht sagen: Oh, wir sind die Besten! So gut wie wir leben, hat noch nie jemand gelebt! Das stimmt zwar einerseits. Aber wir müssen uns andererseits ehrlicherweise eingestehen, dass wir momentan echt mega am Abfucken sind – und dann müssen wir als Antwort darauf positive Bilder skizzieren, die vor allem zu alternativen, transformativen, und neuartigen Handlungen führen.

Wir müssen unsere Zeit als Mittelalter abstempeln, damit wir eine neue Aufklärung erleben?

Daniel: Genau, auch wenn ich eigentlich ungern das Wort müssen benutze. Aber Müssen unterstreicht die Dringlichkeit. In gewisser Weise existiert diese negative Konnotation ja schon bereits. James Bridle schreibt über The New Dark Age . Wir sprechen über den Ökozid, oder das Anthropozän und Elizabeth Kolbert schreibt über Das sechste Sterben . Jetzt brauchen wir die Ideen, die Narrative, die Zukunftsbilder, die Zukunftsvisionen, die Pioniere, die sinnstiftende Solidarität, die uns wieder voranbringen. Aber es ist bereits Bewegung im System, wenn man auf Initiativen schaut, die die Politik endlich startet und auf Non-Profit Organisationen und Grass-Roots-Bewegungen in der Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist die Extinction Rebellion.

Es besteht also noch Hoffnung?
Daniel: Ich bin kein Fan von Hoffnung, da Hoffnung irgendwie auch immer zu einer Passivität verführt. Sagen wir, es besteht noch immer eine Menge Spielraum. Den sollten wir jetzt auch nutzen.

Teaser-Bild: Getty Images

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Vielen herzlichen Dank @Wolfgang für das Interview. Es freut mich wie sich Eure Plattform positioniert und entwickelt und wie Euer Team hier für aufregende Impulse sorgt.

Was mich unteranderem noch interessieren würde, ist vielleicht von der Community noch zwei Dinge zu erfahren. Zum einen, welche anderen Zukunftsbilder könnten den qualitativen Unterschied ausmachen, mit denen wir bereits jetzt anfangen könnten andere, richtungsweisende Erfahrungen zu skizzieren und zu manifestieren?

Und wo – in welchen Ecken des Universums und der transmedialen Landschaften – findet die Community Ihre eigenen futuristischen Signale, Inspirationsquellen, oder schrägen ‘Was wäre wenn?’ Gedankenexperimente, die anregen, begeistern, und motivieren? Freue mich vor allem auch auf ganz viel Weirdness in den Kommentaren. Cheers!

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Als Ex-Politikkorrespondent fürchte ich ja, dass wir die ganz großen und raschen Maßnahmen eher nicht erleben werden. Daher liegt ein Schlüssel, glaube ich, in lokalen Aktionen und Vorbildern. Wirklich zukunftsweisende Projekte, die irgendwo schon richtig gut funktioniert haben, haben eine viel größere Chance wirklich im großen Stil realisiert zu werden, als reine Visionen, vermute ich. War vorgestern in Bordeaux und bin - eher zufällig - über das Darwin-Projekt dort gestolpert. Dort wurde eine alte Kaserne wiederbelebt zum ökologischen, alternativen (Kultur- und Arbeits-)Treffpunkt und sogar Wohnort. Sieht super aus, man kann dort super essen, es gab einen tollen Co-Working-Space und Wohncontainer, die aussahen wie aus einem 70er Jahre Science Fiction. Die gesamte Energie wird dort selbst erzeugt…

Drumherum hat die Stadt aber auch nachgelegt: Eine riesige neue Grünanlage am Flussufer, in der man sogar einfach zelten kann, ein botanischer Garten, in den man einfach reinspazieren kann. Überall in der Stadt Leih-Räder (die 1,70€ am Tag kosten), Leih-E-Autos, eine Tram mit begrünten Gleisen, die in der Altstadt ohne Oberleitung fährt… Nahezu keine Autos mehr in der Altstadt, dafür viele lebendige Plätze.

Da war alles nicht revolutionär, aber so, dass sich viele unsichere Kommunen und Projekte dort einfach was abschauen können.

Dazu muss ich ja zugeben, dass die Sci-Fi-Pros @Ronit, @Michael, der Hippie @unulaunu und auch du @CTTF meinen eigenen Zukunftsmuskel inzwischen wieder in Schwung gebracht haben. Für mich war früher Science Fiction etwas, was mit der Welt eigentlich nicht viel zu tun hat. Nett, aber irrelevant.

Aber jetzt habe ich persönlich viele Star Trek Momente (schaue immer noch regelmäßig). Ich denke mir so oft: Auf der ganzen Welt finden Menschen die Vorstellung von Star Trek gut, dass die ganze Menschheit zusammen mit anderen Spezies von anderen Planeten das All erforscht, dass es keine Kriege auf der Erde und kein zerstörerisches Wirtschaftssystem mehr gibt. Die Zusammenarbeit mit Robotern und Computern klappt dort super… Das wäre doch also wirklich eine ganz hübsche Sache, wenn das klappen würde.

Das, oder wir landen doch in der schrägen Zukunft von Future Man, in der es fast keine Tiere mehr gibt (ausgerottet), eine Klasse von biologisch verbesserten Menschen und eine von denen, die das nicht wollen. Aber ich setze lieber auf Star Trek…

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Danke Euch für das spannende Interview! :vulcan_salute:
@CTTF wollte noch auf deine 2.Frage eingehen; na bei uns gibts 'futuristische Inspirationsquellen…! :slight_smile:
Jede Form von Begeisterung schaffst du leicht durch Übertreibung und Experiment. Da kann ich jetzt aus meinem Erfahrungsgebiet, dem Event-Bereich reden., doch da wir alle Menschen sind, ist das sicher adaptierbar.
Wenn man die Kampf- und Spielzonen über die Genre-Grenzen hinaus ausweitet, hat man quasi Sci-fi. - und damit den wie du sagst „was wäre wenn Gedanken“. Bin da absolut d’accord, das die Zukunft im interdisziplinären Miteinander lebt. Seit 2014 unterhalte ich hier neben anderen Veranstaltungen das ‚Münchner Science & Fiction Festival‘. Um Zukünfte zu schaffen und Möglichkeiten auszuprobieren ist für mich die Sci-fi das Beste ‚Was -wäre- wenn- Spiel‘.

Ich hab jährlich neue Formate für die Veranstaltung kreiert und gerade an den Stellen wo es oft vermeintlich ‚lächerlich oder peinlich‘ wird passiert am Meisten. Beispiel: 2015 hab ich den Sci-fi Slam gegründet - Science vs. Fiction. Fiktionale Charaktere treten geg. reale Wissenschaftler (aller Disziplinen an) Wissenschaftler begannen Rollen zu spielen und ihr Metier gemeinverständlich zu erklären. Die Performer wiederum fühlten sich immens angestachelt glaubwürdig rüberzukommen, die Grenzen fusionierten, völlig neue Charaktere und Perspektiven entstanden.
Auch habe ich stark mit dem Ehrgeiz der Leute gespielt, z.B. in so Underdog-Formaten wie Schrott-Roboter -Wettbewerbe. Es gibt keine Gewinner, sondern nur Verlierer; oder eben nur Gewinner - it’S a matter of Perspektive! Wir sollten neu be’labeln, oder die Label einfach nicht ganz so ernst nehmen. Die Freude am Spiel, dass ist das was die Leute wieder zum Lernen bringt. Wenn man die Grenzen und Formate schon leicht verschiebt hat man neue Gedankenexperimente. Gerade in München, wo im Moment alle so zwanghaft versuchen ‚weird‘ zu sein.
Vielleicht sollte man den Spruch umbenennen, ->versucht mal peinlich zu sein! :smiley:
Das waren jetzt wirklich nur paar kleine Beispiele, unsere Site ist gerade im Relaunch, aber wenns dich interessiert, was wir so treiben…kleiner Einblick:

Im Oktober im Deutschen Museum, die 1E9 Crew is a dabei…hab ich gehört…:wink:

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Ich mag es sehr, wenn Menschen HP Lovecraft zitieren. Wobei man anmerken muss, dass Lovecraft eine recht eigene Deutung des „Unbekannten“ hatte. Denn für ihn war das mit einer Unbegreiflichkeit und Unerforschbarkeit verbunden – wie eben bei seinen kosmischen Göttern, deren Existenz und Natur das Fassungsvermögen des menschlichen Geistes übersteigen. Das gilt für Technologien wie Blockchain nicht unbedingt – aber für Künstliche Intelligenz und den Klimawandel vlt. schon, die ja fast schon die Kategorie der Hyper Objects fallen.

Und ja, ich muss dir, @CTTF, zustimmen. Auch mir kommt diese Abwehrhaltung gegen Zukunftsvisionen, Utopien und der Herleitungen von Ideen aus der Science Fiction schon sehr deutsch vor. Ich sage immer: Deutschland ist das Land, das den Begriff Technikfolgenabschätzung erfunden hat – und alleine das sagt schon alles.

Zu deiner Frage:

Und wo – in welchen Ecken des Universums und der transmedialen Landschaften – findet die Community Ihre eigenen futuristischen Signale, Inspirationsquellen, oder schrägen ‘Was wäre wenn?’ Gedankenexperimente, die anregen, begeistern, und motivieren?

Nun. Ich selbst lese viel Science Fiction. Erst Ende des vergangenen Jahres hatte ich mal wieder Diaspora gelesen, das eine sehr positive Zukunftsvision entwirft. Und zuletzt hab ich einige Solarpunk-Geschichten durchgearbeitet. Aber, ich hatte es auch in meinem Artikel zu Solarpunk geschrieben, dass viel an Zukunftsvision in diese Richtung auch über Bilder transportiert und weitergereicht wird. Menschen zeichnen, 3D-gestalten, skizzieren Visionen einer besseren Welt, entwickeln Designsprachen und teilen Renderings von Architekten oder Entwürfe vergangener utopischer Pläne wie der Experimental Prototype Community of Tomorrow oder der Broadacre City – und debattieren diese dann auf Plattformen wie Reddit und in Facebook-Gruppen.

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[quote=„Michael, post:5, topic:2266“]
Auch mir kommt diese Abwehrhaltung gegen Zukunftsvisionen, Utopien und der Herleitungen von Ideen aus der Science Fiction schon sehr deutsch vor.
[/quote] —> ja, absolut deutsch, definitiv…wenn man länger in der Heimat der Sci-fi, im angelsächsischen Raum lebte, merkt man, dass die da eher die Wertschätzung vom Ursprungsbegriff der Sci-fi sehen …"the literature of ideas… :smiley:

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Ich will noch etwas ergänzen. Meinen Zukunftsoptimismus ziehe ich auch aus dem Austausch mit Vordenkern… Dazu gehören oft auch Leute, die voller Herzblut ihre eigenen Start-ups gegründet haben, weil sie damit auch wirklich was großartiges erreichen wollen. Und die können dann, auch wenn sie eigentlich deutsch und nüchtern sind, schonmal ins Schwärmen kommen, was mit ihrer Technologie alles möglich wäre. Für Wissenschaftler und Künstler gilt das natürlich auch.

In letzter Zeit habe ich mich aus unserer Crowd hier, z.B. mit @jannemann @Lutz @Christian @Heather @Lin @Christoph_Ostermann @rt1 und den Teams der 11 großartigen Startups aus unserer Startup Challenge unterhalten dürfen. @justherb ist darüber hinaus auch ein Quell der Ideen… der fängt auch immer sofort an, alles, was er hört, weiterzuspinnen.

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Ich habe etwas mehr Platz gebraucht, um zu antworten. daher hier mein Blogpost. In meinem Agentur-Blog Elvira Steppacher hab ich den jetzt noch nicht gepostet. Ich verdiene mein Geld bisher eigentlich nicht mit dem Lesen und Antworten auf schlaue Texte. :wink:

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Ich habe dieses Interview inzwischen 3 x gelesen. Danke dafür. Ich musste wieder dran denken, als ich heute morgen drei umgefallene Sharing-Bikes aufgehoben und an den Straßenrand gestellt habe. Dann habe ich es ein viertes Mal gelesen :slight_smile:

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Danke für das Interview @CTTF und @Wolfgang! „Zukunftsvergessenheit“ ist auch aus meiner Sicht ein verbreitetes Phänomen, das uns gemeinschaftlich zu wenig gestaltend nach vorne schauen lässt. Um dem entgegen zu wirken, wurde 2018 die Initiative Deutschland 2030 gestartet. Mehr unter Website D2030 Initiative. Unter anderem finden sich dort Zukunftsszenarien für Deutschland auf Basis von Szenarioanalysen. Vielleicht auch interessant für Euch?

Mir gefällt Dein Bild des „Zukunftsmuskels“, den es zu trainieren gilt. Ich liebe SciFi. Aber ich halte es für den Nachteil von „geschlossenen“ und stimmigen Utopien bzw. Dystopien, dass sie nicht aktivierend wirken, sondern eher dazu führen gedanklich entweder den Kopf in den Sand zu stecken oder davon auszugehen, dass das Paradies eh schon kommt. Mit dem „Zukunftsmuskel“-Training ist daher auch ein Training der Selbstwirksamkeit zu verbinden: Wie kann ich Zukunft gestalten. Als Nachhaltigkeitsmanagerin erlebe ich sehr oft, dass sich Menschen in ihren Möglichkeiten der Einflussnahme als Bürger, Konsumentin, Nutzer, Aktionärin, Aktivist etc. bzw. das Zusammenwirken von Akteuren völlig unterschätzen. Würdest Du dem zustimmen, @CTTF? Unterstützt Du dies in Deinen Aktivitäten?

Herzhaft widersprechen möchte ich der These, dass vor allem Angst und negative Narrative die Menschen dazu bewegt, etwas zu verändern. Ganz im Gegenteil: Wenn Menschen etwas antreibt, dann ist das eine bessere Zukunft für sich selbst, für die Kinder oder andere zu erlangen. Das gelingt nur mit einer positiven Vision einer möglichen Zukunft. Und mutmachenden Beispiele, dass es Möglichkeiten gibt, gigantische Veränderungen zu erreichen. Beispielsweise unterschätzen Menschen positive Entwicklungen in hohem Maße und sind erstaunt, wie positiv sich die Welt entwickelt hat. Vgl. Hans Rosling’s 200 Countries, 200 Years, 4 Minutes - The Joy of Stats - BBC Four. Wenn wir all die globalen Herausforderungen sehen, wissen wir, dass das nicht reicht, aber es sind doch ganz enorme und wunderbare Entwicklungen einer Erdbevölkerung, die sich im Laufe meines Lebens fast verdoppelt hat.
Ich meine also es braucht Mut, Tatendrang, Angstfreiheit und vor allem positive Geschichten einer digitalen Nachhaltigkeitsgesellschaft. Was meint ihr?

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@b.eichstaedt Lieber Björn, warum klappt das mit den Fahrrädern so gut in Kopenhagen? Ich selbst habe meinen Bachelor in Amsterdam absolviert. Da war das Leben mit dem Fahrrad auch viel besser und befreiender. Ich vermisse diese täglichen Stadterkundungen beim „fietsen“ sicher, schnell, und sportlich. Als Fall-Beispiel, wie haben es diese Städte geschafft? In den Niederlanden gibt es auch Verkehrsprobleme, gleichwohl einen sehr guten Ausbau an Fahrradwegen auf dem Land.

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Liebe @Saskia Ich war bei der Gründung von D2030 dabei und empfand es als ziemlich unerträglich, da ich mich als Europäer verstehe. Diese Retropien von der Stärkung der nationalen Grenzen ist mit das Traurigste überhaupt. Ich habe in mehreren europäischen Ländern studiert und musste hautnahe miterleben, wie dieser Verbund zu Nichte gemacht wurde, auch von einer Deutschen Wirtschaftspolitik. Deswegen kann ich und will ich D2030 nicht gut heißen. Was aber nicht heißen soll, das Zukunftsbilder, die regional verankert sind nicht nötig seien. Aber diese sollten dann bitte in Verbindung stehen mit der Aufhebung der Grenzen in den Köpfen der Menschen. Stichworte; Transformations Design und Dekolonialisierung der Zukunftsbilder.

Was mich zu deinem zweiten Punkt bringt. Ja, du hast recht. Wir haben noch nicht verstanden welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen. Doch in Zeiten der Polarisierung, also das alte Spiel, Teile und Herrsche, scheint es uns sehr schwer zu fallen, einander zu vertrauen. Vertrauen ist ein Risiko, weil man könnte enttäuscht, verletzt, oder betrogen werden. Doch genau daran müssen wir arbeiten. Eine evolutionäre Form der Kooperation entwickeln, basierend auf Vertrauen, basierend auf kollektiver Intelligenz. Wir in Deutschland denken immer noch, 10 Deutsche sind dümmer als 5 Deutsche. Und klar, wir haben schlechte erfahrungen mit Gruppendenken gemacht, mit der Psychologie der Massen. Gleichwohl ist es doch so, 4 Augen sehen mehr als 2. Die Synergie-effekte wenn sich heterogene Gruppendynamiken finden, sind immer noch unentdeckt. Ich denke die zukünftigen Superstars in unserer Gesellschaft werden diejenigen sein, die es schaffen kreative, unabhängige Gruppen zu formen, die sich im reziproken Arrangement des gegenseitigen, voneinander Lernens, zu mehr befähigen, als zu was sie als isolierte Einzelgänger fähig wären.

Zum letzten Punkt, auch ja. Angst lähmt. Konstruktive Paranoia sollte aber im Zeichen der Zeit auch vielleicht lähmen einfach so weiter zu machen. Wenn Australien brennt und das Pyrozähn ausgerufen wird, der Permafrost schmielzt und Methan und Distickstoffmonoxid aufsteigt, 30 mal und 300 mal erwärmender als dieses andere Gas, dann sollten wir alle mit dem aufhören was gerade genau zu diesem Resultat führt, und alles komplett umkrempeln. Positive Geschichten helfen denen die positive Geschichten brauen. Ich sehe nur diese ganz klar gezeichnete Grenze zwischen positiv und negativ nicht ganz. Für mich wirkt The Road von Cormac McCarthy sehr positiv. Ich freue mich auf die neue Dune Verfilmung von Denis Villeneuve, oder Devs von Alex Garland. Zeigen diese Bilder auf wie abgefuckt unsere Welt wirklich ist? Ja! Motivieren sie mich die Welt anders zu sehen? Ja. Handel ich darauf hin ganz anders? In meinem Fall, ganz bestimmt. Aber zu mir sprechen diese Werke. Wobei, was in der Tat noch geiler sein kann, wenn wir jetzt die nächste Stufe dieser Kunstformen erreichen könnten, und diese ganz explizit in Verbindung stehen mit Events in denen Menschen sich sehr Nahe kommen, und diese Geschichten weiterstricken können. Wenn Fiktionen und Realitäten anfangen ineinander zu verlaufen, und neuartige Erfahrbarkeiten entstehen, in denen neue Allianzen und Freundschaften geschmiedet werden können. Experimentierfreudigkeit im zwischenmenschlichen, positivistischen Kontext sollte keine Grenze gesetzt werden. Geisterbahnen im Zeitalter des Ökozid und des Pyrozähn können inspirieren und motivieren. Ein funken Hoffnung und ein anderer Blickwinkel auf die Dinge sind gut. Aber intellektuell will ich das meine Hoffnung stirbt, weil erst dann gehe ich in den unbarmherzigen Modus des Aktivismus über. Ungerechtigkeit bleibt zügellos. Unangenehme Wahrheiten bleiben nun einmal trans-paradigmatisch, trans-perspektivistisch, trans-kontextuell, und vor allem trans-disziplinär. Und das geht jetzt raus an alle Eventorganisatoren! Haha. Überraschen wir uns mal gegenseitig.

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Aus dem Zukunftsbewusstsein wurde auch nur ein Muskel weil die Interpretation aus dem englischen Kontext so von der Redaktion übernommen wurde. Ich selbst würde nicht von einem Muskel reden wenn es um synaptische Verbindungen geht. Ich denke das ist dem deutschen Publikum entsprechend angepasst. Aber ansonsten danke ich dir natürlich für deine Kommentare.

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@CTTF, dann müssten wir uns schon mal begegnet sein - ich war ja bei der Konferenz in Berlin auch dabei :slightly_smiling_face:. Danke für die persönliche Einschätzung. Ein paar einordnende Gedanken.
Deine Beurteilung von D2030 kann ich nicht nachvollziehen. Es ging den Initiatoren vor der letzten Bundestagswahl zwar um eine Diskussion in Deutschland - aber ganz klar eines Deutschlands als Teil von Europa als Teil der Welt. Angewendet wurde eine wissenschaftlich anerkannte Methode. Ich hätte gerne damals mehr „digitale Debatte“ bei uns gesehen…
Vertrauen - ein bisher unverstandenes psychologischen Phänomen - ist Basis für Kooperation zwischen Menschen. Zur Abgrenzung: Die „evolutionäre Form der Kooperation“ - Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen - beruht nicht auf Vertrauen, sondern auf genetischer Ähnlichkeit, Pheromonen etc. und hat biologische Fitness zum Ziel). Sorry, ich bekomme immer ein ungutes Gefühl, wenn von „Superstars“ die Rede ist.
Angst als biologische Schutzfunktion führt im Tierreich zur Flucht - dieses System wirkt auch noch beim Menschen. Es unterdrückt Neugier und Experimentierfreude. In Organisationen führt Angst zu unethischen Entscheidungen, d.h. sie ist nicht der Weg in etwas „Besseres“.

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Wie heißt es denn im Englischen? Und wieso hast Du dann keine aus Deiner Sicht besser passende Metapher gefunden?

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@Saskia Prospective Brain. Welche Metapher würdest du denn benutzen?

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Würde da jedenfalls keinen “Muskel” assoziieren”, sondern etwas mit “Hirn”. Aber kommt ja eben drauf an, was man so sagen will :wink:

@Saskia Wie gesagt, es funktioniert ja im Sinne des Niveaus des deutschen Publikums. Und offensichtlich ist dieses „Leute abholen“ hier auch dringend nötig. So wie D2030 letzten Endes den fatalen Fehler machen musste, sich auf die nationalistische Thematik einzulassen und herabzulassen, um genau das zu liefern, was von der „vermeintlichen“ Gegenseite implizit gefordert wurde. Noch einmal, wenn du tatsächlich eine bessere Metapher hast, dann formuliere diese gerne in Wort und Schrift aus. Dazu habe ich dich ja in meiner vorigen Nachricht eingeladen. Ich spreche im englischen Kontext von ‚futures consciousness‘, und vor allem dem ‚prospective brain as a meme that has the potential to be so widely distributed and deeply affective that it becomes a determining factor for evolution itself, so that we could then harness this meme-gene co-interaction for a creative evolution contributing to the extended phenotype and bio-digital fusion‘. Ist dir das genug Hirn oder möchtest du noch mehr Hirn? Ganz viel Hirn hat auch der Film Jojo Rabbit. Sehr zu empfehlen.

Und hier noch ein Informationsvideo zu der Wertigkeit für Gesundheit und Zukunft durch trainierte Muskeln: https://www.youtube.com/watch?v=d6OZg4u8Edc

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Als jemand der schon für deutsches und nicht deutsches Publikum publiziert hat (mein ausgefallenstes Gastspiel war in der Sri Lanka Daily News), möchte ich nur kurz einwerfen, dass es keinen pauschalen Niveauunterschied gibt.

Natürlich erreicht man auf Englisch weltweit die Eliten. Aber wenn man die Gesellschaft wirklich ändern will, reicht das aus meiner Sicht nicht, weil es exklusiv ist.

Man muss sich manchmal entscheiden, ob man als Insider eine Insiderbotschaft an Insider vermitteln will, von denen man dann Insiderlob oder Insiderkritik bekommt… Oder ob man versucht, Dinge auf den Punkt zu bringen und zu vereinfachen – was den schönen Nebeneffekt hat, dass man sich dabei selbst fragen muss, ob man das, worüber man spricht, auch tatsächlich so gut verstanden hat, um es mit eigenen Worten zu sagen.

„Leute abholen“ klingt geringschätzig. Wer aber neues Denken und neue Ideen verbreiten will, muss sich schon die Mühe machen, diese auch zu vermitteln. Insbesondere in einer demokratischen Gesellschaft.

Zwischen national und nationalistisch ist aus meiner Sicht durchaus ein Unterschied. Für politische Entscheidungsträger in einem Nationalstaat, der derzeit nunmal die vorherrschende Staatsform ist, ist eine Orientierung am nationalen Rahmen vielleicht nicht gerade progressiv, aber naheliegend. Das heißt nicht, dass dabei nur „Nationalisten“ am Werk sind, oder?

Außerdem ist es alles andere als demokratischer Konsens in Deutschland, in Europa und der Welt, dass der Nationalstaat überwunden werden sollte. Ganz im Gegenteil. Ich sage das nicht, weil ich dieser Meinung bin. Aber das ist die gesellschaftliche Realität. Wer daran etwas ändern will, muss sehr viel am „Leute mitnehmen“ arbeiten…

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