Twitter sperrt Trump: Das ist richtig, löst aber die eigentlichen Probleme nicht

Donald Trump hat seinen wichtigsten Kommunikationskanal verloren. Twitter sperrt seinen Account dauerhaft. Das ist einerseits richtig, weil der scheidende US-Präsident so weniger Schaden anrichten kann. Andererseits offenbart es die problematische Macht der Internetkonzerne – und gesellschaftliche Unwuchten, die sich nicht einfach wegzaubern lassen.

Ein Kommentar von Wolfgang Kerler

Nun ist es offiziell. Mark Zuckerberg und Jack Dorsey sind mächtiger als der amerikanische Präsident. Zack. Und schon hatten die Chefs von Facebook und Twitter seine Accounts vorübergehend oder sogar dauerhaft stillgelegt. Sie brauchten dafür keine Gerichtsurteile, keine Mehrheit im Parlament und mussten nicht einmal so tun, als würden sie sich auf irgendwelche stringenten internen Richtlinien berufen. Sie allein entscheiden, wer auf ihren Plattformen was sagen darf und was nicht.

Zugegeben, es hat gedauert, bis sie und andere soziale Netzwerke wie YouTube, Twitch oder Snapchat sich trauten, entschlossen gegen Donald Trump vorzugehen. Bevor das Ende seiner Amtszeit nahte, kam er mit seinen Lügen, Hetzkampagnen oder Verschwörungstheorien ungestraft davon. Erst mussten diese in einem bizarren und tödlichen Sturm aufs Kapitol in Washington münden. Und wer weiß, ob der gereicht hätte, wenn Trump noch Monate oder Jahre im Amt gehabt hätte, in denen er sich an den Internetkonzernen hätte rächen können?

Trotzdem ist der Schritt aus meiner Sicht richtig. Die politische Stimmung in den USA ist derart aufgeheizt, dass es fatal wäre, Trump über digitale Kanäle weiteres Öl ins Feuer gießen zu lassen. Viel mehr als Schadensbegrenzung stellt das Eingreifen von Zuckerberg, Dorsey & Co. aber auch nicht da. Zwei grundlegende Probleme werden dadurch nämlich nicht gelöst. Einerseits wird das Internet von Technologiekonzernen beherrscht, die ihre Marktmacht regelmäßig ausnutzen. Andererseits sind Millionen von Menschen für den Schwachsinn, den Populisten, Extremisten, Autokraten und Verschwörungspropheten von sich geben, empfänglich.

Die Herrscher des Internets sind schwer zu regulieren

Algorithmen von Facebook, Twitter und insbesondere auch von Google und Amazon entscheiden, was im Internet von wem wahrgenommen wird und was nicht. Große Teile der Medienbranche, alle Influencer, viele Politiker, aber auch der Onlinehandel müssen sich an ihre Spielregeln halten, wenn sie Erfolg haben wollen. Und um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, gehen die Internetkonzerne bei Bedarf recht brachial gegen mögliche Konkurrenten vor.

Damit nicht genug. Die digitale politische Debatte hängt von ihren intransparenten Richtlinien ab, die immer wieder so angepasst werden, dass sie selbst den Weg des geringsten Widerstands gehen können: Mal beugen sie sich autoritären Regimen in Wachstumsmärkten, mal dem öffentlichen Aufschrei in westlichen Demokratien, mal den Beschwerden ihrer Belegschaft. Mal nicht. Es scheint eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Oft wirkt es willkürlich, welche Posts oder Accounts gelöscht werden. Im Zweifel entscheiden die milliardenschweren Firmenchefs selbst. Siehe Trump oder auch Alex Jones.

Ihr Einfluss erstreckt sich sogar auf andere soziale Netzwerke. Das bekommt gerade Parler zu spüren. Die Plattform ist insbesondere für extreme Trump-Fans sowie Verschwörungsgläubige zum Rückzugsort geworden, weil Inhalte dort kaum moderiert oder gelöscht werden. Zuerst hat Google Parler aus seinem App-Store geworfen. Apple wenig später ebenso. Und nun hat Amazons Internetdienst AWS Parler den Hosting-Vertrag aufgekündigt. Auch das ist einerseits nachvollziehbar, demonstriert aber andererseits den außergewöhnlichen Einfluss der Firmen.

Immerhin: Gegen die übermäßige wirtschaftliche Machtkonzentration der Technologiekonzerne gehen Politiker und Kartellbehörden in den USA und Europa inzwischen vor. Das könnte für die Unternehmen gefährlich werden, zumal es Präzedenzfälle aus anderen Branchen gibt. Deutlich schwieriger dürfte es allerdings werden, ihre Kontrolle über die digitale Öffentlichkeit zu regulieren. Doch auch hier tut sich etwas.

Wie schon beim Datenschutz will die Europäische Union mit dem Digital Services Act voranschreiten. Der soll die Plattformbetreiber zu mehr Transparenz verpflichten, indem sie die User aufklären müssen, nach welchen Kriterien sie Posts oder Accounts löschen oder sperren. Ein richtiger Schritt. Allerdings muss in der Praxis beachtet werden, dass die Unternehmen nicht auf Uploadfilter oder die automatische Löschung von umstrittenen Inhalten setzen, um Bußgeldern zu entgehen. Sonst könnten auch legitime Debatten zensiert werden.

Manche Medienhäuser sind auch nicht viel besser

Immer wieder wird außerdem vorgeschlagen, die sozialen Netzwerke wie Medien zu behandeln. Sie wären dann nicht erst nach der Meldung von fragwürdigen Inhalten, sondern von vornherein für das verantwortlich, was auf ihren Plattformen veröffentlicht wird. Und sie müssten sich an Selbstverpflichtungen wie den Pressekodex halten. Das klingt gut, wird im Zweifel aber wenig bringen.

Gerade in den USA verbreiten TV-Sender wie Fox News oder Onlinemedien wie Breitbart die gleichen Lügen, Verschwörungstheorien oder Hasstiraden, die bei Facebook oder Twitter kursieren. Oft nur vor noch größerem Publikum. Auch hierzulande werden die Rügen des Presserats von führenden Boulevardmedien achselzuckend ignoriert und in Illustrierten werden seit Jahrzehnten Märchengeschichten über Adelige oder Prominente verbreitet. Will eine Gesellschaft Meinungsfreiheit, muss sie damit leben.

Und egal ob freiwilliger Kodex oder Gesetze – solche Regeln gelten nicht weltweit. Ein weltweiter Konsens über die Regulierung der Onlineplattformen ist sogar so gut wie ausgeschlossen. Auch damit werden wir uns abfinden müssen. Ohnehin bekämpfen alle Anstrengungen in diese Richtung nur Symptome des eigentlichen Problems. Bekämen wir das in den Griff, müssten wir die Rettung der Demokratie gar nicht erst Milliardären aus dem Silicon Valley überlassen.

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Warum sind so viele Menschen für Lügen und Hass empfänglich?

Sollten wir nämlich meinen, durch die Löschung von Twitteraccounts oder die Regulierung von Internetkonzernen den nächsten Donald Trump verhindern zu können, dann irren wir uns. Davon gehe ich jedenfalls aus. Die Plattformen sind schließlich nur deshalb zum Problem geworden, weil in unseren angeblich aufgeklärten Gesellschaften Millionen von Menschen an lachhafte Verschwörungstheorien glauben, sich für Hass und Hetze begeistern lassen und durchschaubaren Populisten hinterherlaufen.

Zu viele sind davon überzeugt, dass Trump der Wahlsieg „gestohlen“ wurde, die biblische Schöpfungsgeschichte wörtlich zu nehmen ist, Globuli tatsächlich Krankheiten heilen oder die Bundeskanzlerin morgens bei der ARD anruft, um die Inhalte der abendlichen Tagesschau zu diktieren. Erstaunlicherweise betrifft das fast alle Schichten und fast alle westlichen Demokratien. Dagegen müssen wir etwas tun. Nur was?

Eine überzeugende Antwort habe ich selbst nicht. Bildung ist sicherlich entscheidend. Mehr soziale Gerechtigkeit, wie auch immer die definiert ist, vermutlich ebenfalls. Auch mehr Transparenz und Integrität in Politik, Medienhäusern und Unternehmen würde nicht schaden. Denn jede echte politische Mauschelei, erfundene Reportage oder technische Trickserei lässt die angebliche Weltverschwörung plausibler erscheinen. Mark Zuckerberg und Jack Dorsey sind jedenfalls nicht die Wurzel des Übels. Die müssen wir schon selbst finden.

Titelbild: Getty Images

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Das war jetzt meine Sicht der Dinge. Freue mich über andere Meinungen, Ergänzungen, Kommentare!

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Das Thema ist natürlich nicht eindimesional, aber zumindest dazu, was die Sperrung angeht:

  1. Trump verstösst regelmäßig gegen die Richtlinien der Social Media Companies, die private Unternehmen sind, jede Privatperson wäre längst abgemahnt/ gesperrt

  2. Trump hat im Kontext des Kapitolsansturms sich auch nachweislich strafrechtlich verhalten

  3. auch deswegen müssten sie ihn sogar bannen, damit sie sich als Unternehmen vor Beihilfe schützen

  4. als Regierungsoberhaupt gelten für ihn - zumindest nach deutschem Recht - andere Rechte (Äußerungsrecht) in Sachen Meinungsfreiheit. Die Frage hier ist, hat er sich als Privatperson auf Twitter geäußert od. In seiner Rolle als Präsident… aus meiner Sicht klar als Präsident

Daher halte ich die Sperrung für richtig.

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Agree… um die Ursache zu finden, müsste man ganz genau die Probleme definieren. Was genau wollen wir nun lösen?

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@Wolfgang: absolut d’accort, die Beliebtheit (daraus folgend Reichweite und Gewicht) der sozialen Medien geht mit Verantwortung und Kontrolle einher. Wobei ich schon einen Unterschied zwischen Presse (wenn sie diesen Namen verdient: redaktionelle, geprüfte Inhalte) und den Online-Plattformen (Selbstdarstellung oder Werbung) sehe. Als Nutzer muss man den Unterschied halt kennen.

Aber - die aktuelle Sperre von Donald Trump bei Twitter sehe ich persönlich an der Grenze der Heuchelei!

Warum?

a)

Genau! Jetzt so kurz vor Schluss, wo Twitter nicht mehr viel vom scheidenden Präsidenten fürchten muss, lässt es sich leicht einen auf moralisch und aufgeklärt machen.

b) hat gerade Twitter mindestens so viel von Trump profitiert, wie umgekehrt!

Und

Nimmt der Otto-Normal-/Jon Doe-User jedes beliebige Gezwitscher für bare Münze? Unter Berücksichtigung von Filterblasen vermutlich ja. Wer nach Belegen für seine Meinung/Überzeugung sucht, wird auch welche finden.

Eine Lösung dafür fällt mir jetzt gerade nicht ein. Darüber diskutieren würde ich trotzdem gerne.

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Glaube nicht, dass die Maßnahme des Sperrens am Ende zu einem positiven Netto-Ergebnis führt, weil sie die Stimmung vermutlich nur noch mehr aufheizt und auf den letzten Metern eine Paria-Storyline möglich macht, wo ein sang- und eher stilloses Verschwinden hätte sein können. Bye Twitter und Facebook, hello Parler-Sideloading, Telegram und Discord. Mittelfristig dann: Hello dezentrale soziale Netzwerke ohne große Steuerungsmöglichkeiten. Das kennt man ja spätestens seit Napster, Edonkey, Emule…

Und - wie du ja selbst schreibt - als fader Beigeschmack:

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Genau, um dieses Extrem des Handels seitens der social media Firmen klar zu machen gefallen mir diese Tweets mit Bezug auf das andere Extrem China:

oder der:

Interessant finde ich auch den weiteren Kommentar von Daniel Attia:

„This and no other is the root from which a tyrant springs; when he first appears above ground he is a protector“

  • Plato, The Republic

Es wurde gesagt, warum es verwerflich ist das genau jetzt zu tun und sich billig als Held zu zeigen. Finde sogar, dass Trump genau jetzt auf Twitter weiter kommunizieren sollte. Dann wird es klarer welche Art von Maßnahme wirklich zu ergreifen wäre und zwar politisch, rechtlich, etc. So wie jetzt wird denke ich nichts passieren und es ist niemanden geholfen. Im Gegenteil, mittelfristig ist vielleicht sogar Trump geholfen, wenn er auf freiem Fuß bleiben sollte.

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Diese Frage sollte im Zentrum stehen. Sie ist für mich Dreh-und Angelpunkt.
Social media verstärkt diese Empfänglichkeit (Polarisierung, etc) und ist ein Demokratie-Werkzeug geworden (Im Guten wie Schlechten). Deshalb darf ein CEO solche Entscheidungen nicht treffen, auch wenn das Ergebnis jetzt okay ist (hätte früher passieren müssen). Es braucht wie in der Demokratie für solche Entscheidungen andere Prozesse (Gewaltenteilungsansätze). Gängige Muster sind nicht anwendbar (Privatperson, Präsident, private Firma, Pressegesetz, Techfirma , etc etc – Trennlinien sind zu unscharf und passen nicht mehr).

Merkel hat in ihrer Neujahrsansprache etwas sehr interessantes und relevantes gesagt:

Nicht erst seit Beginn der Pandemie verändert sich die Welt, in der wir leben, rasant und grundlegend.
Umso wichtiger ist es, dass Deutschland mit all seiner Kraft und seiner Kreativität mutige Ideen für die Zukunft entwickelt. Dass unser Wirtschaften, unsere Mobilität, unser Leben klimaschonend wird. Dass alle Menschen in Deutschland von gleichwertigen Lebensverhältnissen und echter Bildungsgerechtigkeit profitieren können. Dass
wir uns auch mit Europa besser behaupten in der globalisierten, digitalisierten Welt.

Ich denke Menschen erleben diese erhöhte Rate der Veränderung intensiv. Vieles in der Politik und Top Wirtschaft ist allerdings business as usual gewesen, auch in den Diskussionen. Das führt zu Unglauben und Frust. Und grundsätzliche Ablehnung vom „Establishment“.

Wie oft wird Besserung versprochen - nichts oder wenig passiert. Ob Klimakrise, Finanzindustrie und Turbokapitalismus, Coronakrise, Bildung, Innovationkraft, … es geht weiter und die Bürger spüren, dass das nicht gut gehen kann.

Es werden Alternativen nichtmal debattiert, bzw neue Konzepte vorgeschlagen, wie man „mutig, kreativ“ was anders machen könnte, damit der große Wurf gelingt…
Gleichzeit führt business as usual dazu, dass Reiche reicher werden und so weiter. Das was hier inlands passiert, passiert auch global. Ist schon erschreckend selbstähnlich.

Fände es gut, wenn die von Merkel erwähnten und fett markierten Themen als Leitlinien bestimmt würden und sich daran alles Handeln orientieren und messen muss. Vielleicht klappt es so aus dem Kleinklein auszubrechen und mal mutige und kreative Dinge zu erdenken, die den Menschen auch wirklich zu Fortschritt verhelfen. Und nicht nur den wenigen, die schon genug haben.

Dann klappt’s denke ich auch mit der Stimmung in den Bevölkerungen. Und es braucht keinen „Zwitscher CEO“, der Held spielen muss…

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Ist es nicht so, dass psychologisch gesehen die Menschen voller Hass / Ärger sind, die mit sich selber, eigenem ICH, nicht zufrieden sind? Dann sucht man sich quasi Gleichgesinnte und steigert sich gemeinsam rein… relativ simplifiziert aber sollte die Frage nicht sein: warum sind so viele Menschen unzufrieden?

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Ja genau. Und da glaube ich dass wir ein Produkt unserer Umgebung sind. Nicht das ICH im Zentrum oder am Anfang einer Kausalitäten Kette steht. Menschen sind gleich konstituiert wie seit langer langer Zeit. Natürlich mit Eigenheiten die den einzigartigen Duktus eines jeden in der jeweiligen Zeit ergeben.

Im Feedback mit der Umgebung , dh Gesellschaft, deren Ideen, ethischen, moralischen, religiösen, wirtschaftlichen etc Konzepten, entsteht Spannung, die wenn sie nicht adressiert wird, zu Unmut, Hass, und und und führen kann, in einem Kontext der solche Spannung adressiert.

Will sagen: man sollte die Ursachen angehen und die werden meiner Meinung von merkel genannt. Die Werkzeuge dazu und der Weg nicht. Hier ist Kreativität und Mut gefragt neue Wege zu gehen.

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Hab diesen Kommentar von Wolfgang auf LinkedIn geteilt und dort sehr gute und relevante weitere Kommentare bekommen, die ich hier „copy-paste“ einfach teilen möchte, da einige der Kommentierer auch hier auf 1E9 sind…

Von @EnriqueSolano kommt das (fett was mir sehr gut gefällt):

Lügen und Hass waren, sind, und werden da immer ewig sein. Eigentlich sind die wichtig und da auch bleiben müssen. Die sind nötig und gehoren zu Darwin Evolution und Überleben. Heutzutage werden Lügen und Hass durch soziale Netzwerke im Internet verstärkt. Mehr ethischer Kodex und Gesetze sind nicht die endgültige Lösung. Sie können jetzt noch schneller als zuvor umgangen werden. Der Ursprung des Problems ist Unwissenheit, Glaube und Religiosität. Und wir müssen alle mächtigen und zugänglichen Werkzeuge verwenden, um ihnen entgegenzuwirken. Maßgeschneiderte Zensur ist eine Zeitbombe und selbstmörderische Lösung für unsere Werte

Der Kontext unseres Betriebssystems „Glaube, Religion“ und „Unwissenheit“ finde ich ist interessant.

Hierzu schreibt @constantin.schwaab

Noch nie war die Verfügbarkeit von Wissen so groß (und wird weiter wachsen). Der Wunsch nach Aufklärung scheint in Anbetracht der Überforderung des Individuums jedoch abzunehmen. Unternehmen wie Facebook bedienen diesen Wunsch und fördern den Trend gleichermaßen. Die Sperrung Trumps auf Twitter leitet in jedem Fall eine neue Phase der Entwicklung ein. Es bleibt spannend…

Ich denke, dass einerseitz Digitalinfrastruktur die Verfügbarkeit von Info für viele erhöht, aber, die Tatsache, dass auch jeder senden kann und führt zu einem schrumpfenden „Signal-to-Noise“ Ratio, so dass der Wert der Verfügbarkeit vielleicht sogar geringer ist, als er es wäre hätte man gar keine Digitalinfrastruktur…

Und zum Kontext von Merkel’s Zitat das ich zuvor hier eingebracht hab, sagt Bart de Witte von der Hippo AI Foundation:

Die derzeitigen politischen Institutionen und Kommunikationsmethoden sind veraltet. Natürlich hat Merkel recht, aber ein bisschen mehr Selbstkritik würde der Politik gut tun. Hätte die Washington Post nicht die Pentagon Papers veröffentlicht, wären die Whistleblower von damals wohl auch Verschwörungstheoretiker. Was ich damit sagen will; die digitalisierung führt zu mehr Transparenz, und die soll auch gelebt werden. Mehr Open Government, mehr Open Data, mehr Partizipation könnte dazu beitragen das Verrtrauen zu gewinnen.

Ich denke hierbei, dass man nicht Zensieren sollte, oder mit algorithmen, die das tun groß experimentieren muss. Ich glaube das wird immer schief gehen, ähnlich wie Solano es sagt (eine tickende Zeitbombe). Vielmehr sollte man überlegen wie man die Vektoren der Interessen dieser Plattformen (dh Geschäfts / Umsatzmodelle) dieser Plattformen mit denen der Gesellschaft und der Demokratie aneinander ausrichtet, sodass deren inneres Produkt zumindest positiv ist und nicht negativ… Sollten also in dieselbe Richtung zeigen.

Partizipation und Transparenz sind entscheidend für das „Wie“ in Zukunft solche Aufgaben angegangen und umgesetzt werden.

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@constantin.schwaab find ich auch einer der kernprobleme … wer sollte die infos filtern und nach welchen Kriterien, um der Überforderung von zu vielen Infos gerecht zu werden? Die Lösung nach Verweildauer/ Werbung etc von FB & Co und dadurch die offene Flanke für Manipulation wie Du es auf LI sagst dient dem nicht.

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Antwort auf:
“ Partizipation und Transparenz sind entscheidend für das „Wie“ in Zukunft solche Aufgaben angegangen und umgesetzt werden.“

Schäuble bringt interessante Aspekte!

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Ich glaube ein Problem mit der Betrachtung von facebook, twitter & co als „Privatwirtschaft“ ist, dass sie zwar Privatunternehmen sind, aber gleichzeitig infrastrukturellen Charakter haben. Zum Vergleich: Wenn jemand nicht Autobahn oder Bahn benutzen dürfte, weil er dem fiktiven „Autobahn GmbH“ Chef ungenehme Dinge gesagt hätte, hätte ein echtes Problem überhaupt noch irgendwas machen zu können. So ist das zunehmend mit social media und Politik.

Social Media ist mittlerweile enorm wichtige Infrastruktur - wer die nicht nutzen kann, kann als Politiker mindestens bald nicht mehr erfolgreich sein, egal was seine politische Agenda sagt. D.h. solange irgend jemand einfach so einen Politiker von Twitter usw. entfernen kann, solange hat derjemand mehr Macht. Demzufolge finde ich nicht, dass ein Privatunternehmen mit infrastrukturellem Charakter einfach so Leute aussperren können dürfte.

Das mal das eine. Das andere ist, dass Trump sich offensichtlich wie ein Terrorist benommen hat. Und einen Terroristen will man auch nicht Bahn oder Autobahn benutzen lassen. Man will ihn im Gefängnis oder besser noch geschlossene Psychiatrie, und nur dort haben. D.h. das eigentliche Problem hier liegt darin, dass das politische System in den USA nicht in der Lage ist, den Terrorismus rechtlich sicher beim Namen zu nennen - DANN wären Sperrungen von allem sogar anordnenbar durch ein Gericht, und Twitter müsste dem lediglich folgen.

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Meine persönliche Meinung deckt sich mit der NZZ, die klar Stellung zu dem Thema der Abschaltung der sozialen Kommunikationskanäle eines Präsidenten Trump bezogen hat.

88 Mio. Follower sind mehr Menschen als die gesamten Einwohner der Bundesrepublik Deutschland. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Wehret den Anfängen bevor letztlich Privatunternehmen ohne jusitische Grundlage zu einer aktiven Meinungssteuerung übergehen. Die Abschaltung von Präsident Trump hat aus meiner Sicht, eher stärker, zu einer Spaltung der Gesellschaft beigetragen, wie die teilweise sinnlosen Sprüche und Tweets die er verbreitet hat.

Wir werden sehen was nach dem 20. Januar 2021 passiert, wenn Donald Trump wieder Privatperson ist. Mal sehen ob die Demokraten nachtreten oder eher wahre Größe durch Nachsichtigkeit zeigen.

Wir dürfen gespannt sein!

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Guten Tag und danke für die Einladung hier lesen und mitdiskutieren zu dürfen.
Die gemachten Beobachtungen zu Tranzparenz, Glaubwürdigkeit, Lebensprobleme eines Einzelnen im Meer von Sozialmedia und andere kann ich alle bestätigen!
Nur sehe ich unsere „Parteien“-getragene Demokratie als Ursache.
Als Ursache für nicht funktionierende Transparenz, nicht funktionierende Geschwindigkeit bei Entscheidungen, nicht funktionierende Information. Und da ist jeder Politiker und auch Journalist in einer Verantwortung, die nicht mehr zu erfüllen ist - geht einfach nicht mehr!!! Dazu sind zu viele „Fachgebiete“ gegenseitig und miteienander quer verbunden! Trump als außenstehendes Objekt der Begutachtung ist ein gutes Beispiel für Zusammenhänge, aber längst nicht alle auf dieser Welt! Nach Deutschland oder Europa geguckt: Internetkriminalität ist über Landesgrenzen schwer bis gar nicht verfolgbar. Die Netzbetreiber, die das ermöglichen, sind wie z.B. Telekom, als Ex-Staatsbetrieb, nicht verfolgbar… Und da verliert der Otto Normalo einfach den Glauben an unser Staatssystem - wenn solche Kriminalität nicht mehr verfolgbar ist. Ich könnt jetzt noch 100 Beispiele nennen, wie unser System ähnlich wie Dinosaurier den Wandel der Zeit nicht erkannt hat! Es gibt einfach keine Gleichheit in der Natur! also auch nicht per Gesetz zu diktieren! Und diesen Fehler spüren immer mehr Menschen! Menschenrechte werden ganz GROSS geschrieben, nur wenn es Geld kostet, egal ob nun einen Einzelnen oder den/die Steuerzahler/in, dann muß man plötzlich die Grenzen schließen, sind Seenot-Ofper im Mittelmeer Wirtschaftskriminelle, usw.
In der Coronakrise offenbart sich einmal mehr die UN-Gleichheit der Bundesländer/EU-Länder und deren Enwohner. Jedes kocht sein Süppchen, da ist kein „WIR“-Gefühl zu vermitteln! Da kommt das demokratische-förderalistische System an die Grenze der Funktion von vertrauens-würdiger Führung!
WIR Menschen sind zu verschieden, um sie mit Einem System zu „verwalten“.
Das Gilt nicht nur allein für Politik, auch für Bildung, Gesundheit, Mobilität, Ernährung usw…
Unser nach 1945 entstandenes System BRD oder später EU, ist wie der Panzer eines Tieres. Er wächst mit, bietet aber nie den Schutz für zwei Tiere. Insofern lassen sich auch Demokratische Organisationen nicht einfach erweitern - sind sind zu starr. und zu hilflos, gegen plötzliche Feinde wie Internet, wie Klimakrise oder wie Corona, was sie nicht beinflussen oder steuern können.

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Von wann ist das Video?

Guter Punkt zu Twitter und corals Infrastruktur. Um die Notwendigkeit und power solcher Netzwerke (such LinkedIn!) zu unterstreichen: Herbert Diess goes Twitter! Das ist strategisch fprbumternehmen dort zu kommunizieren und sich direkt den Support auf persönlicher Ebene zu holen.

Glaub Elon musk ohne Twitter und seinen persönlichen Style amplified to reach the masses hätte niemals so einen Kult entwickelt.

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Das ist auch meine Sorge und dass dieser ausufernde Konflikt zwischen ihm und den den Parteien tatsächlich mehr Öl ins Feuer gießt…

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Finde deine Beobachtung sehr interessant und die Frage ob das Parteiensystem, der föderalismus, etc., noch zukunftsfest sind.

Wie können solche Strukturen angepasst werden, bzw. was wäre ein Zielbild einer Struktur, die mit dem Umständen der heutigen Zeit besser zurecht kommt und in Synergie steht?

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