Amazon baut einen eigenen Quantencomputer – und auch Deutschland will Quantenmacht werden

Der Versand- und Tech-Gigant Amazon steigt in das Rennen zur Entwicklung von Quantencomputern ein. Da muss das Unternehmen einiges aufholen. Denn andere sind schon weiter. Und auch Deutschland und die Europäische Union wollen nicht zurückbleiben.

Von Michael Förtsch

Hinter dem Namen Amazon verbirgt sich nicht nur ein riesiger Versandhändler, sondern auch der größte und wichtigste Cloud- und Hosting-Anbieter. Auf den Servern von Amazon Web Services laufen unter anderem Dropbox, Twitter, Netflix, Reddit und in Teilen auch Facebook. Ebenso bietet AWS seine Cloud-Rechner für Machine-Learning-Dienste für Künstliche Intelligenz und Big-Data -Analysen an. Daher will Amazon natürlich auch bei der kommenden Revolution der Computertechnologie mit dabei sein. Intern soll ein Team von Entwicklern und Forschern an einem Amazon-eigenen Quantencomputer arbeiten. Mit Amazon Braket bietet AWS zwar schon Dienste für Quantenberechnungen an. Dabei handelt es sich jedoch um einen Marktplatz, bei dem Aufträge an andere Unternehmen wie D-Wave, Rigetti und IonQ vermittelt werden.

Wie Oskar Painter, Chef des Quantenhardware-Teams bei Amazon Web Services, gegenüber dem Handelsblatt sagte, wolle Amazon aber nun vollkommen selbstständig Hardware, Software und Algorithmen für Quantenberechnungen konzipieren und umsetzen. Das ist für Amazon ziemliches Neuland. Für seine Rechenzentren und Dienste setzt das Unternehmen bislang auf die Hardware von Industriegrößen und Partnerunternehmen. Viel der Software und Protokolle, die Amazon Web Services einsetzt, basieren auf Open-Source-Projekten oder wurden durch Übernahmen von anderen Unternehmen akquiriert. Zuletzt hat AWS beispielsweise das Speicher-Start-up E8 Storage und Wickr, ein Start-up für verschlüsselte Kommunikation, aufgekauft.

Wie weit Amazon mit dem Bau eines Quantencomputers bereits ist, ist unklar. Jedoch dürfte das Unternehmen wohl durchaus einige Jahre hinter Google, IBM und Start-ups wie Qu oder IQM zurückliegen, die schon eigene Quantencomputer vorgestellt haben oder sogar aktiv betreiben. Momentan wird sowohl von Google mit seinem Quantenprozessor Sycamore als auch dem chinesischen Forschungskollektiv hinter dem Quantenrechner Jiuzhang behauptet, die sogenannte Quantenüberlegenheit zu haben – also den schnellsten und rechenstärksten Quantencomputer zu besitzen.

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Auch Deutschland und die EU wollen Quantenmacht werden

Quantencomputer gelten als eine wichtige Zukunftstechnologie, da sie die Entwicklung von Medikamenten und neuen Werkstoffen, die Simulation von Wetter- und Klimasystemen und auch auch das Konzipieren von neuen Computer- und KI-Technologien vereinfachen und massiv beschleunigen könnten. Anders als klassische Computer arbeiten Quantenrechner nicht mit Bits, die nur eine 1 oder 0 darstellen können, sondern sogenannten Quantenbits – oder Qubits –, die eine 1, 0 und alles dazwischen repräsentieren können – und das gleichzeitig. Dadurch werden deutlich komplexere und selbst mit hochentwickelten Supercomputern kaum durchführbare Berechnungen möglich.

Je mehr Quantenbits ein Quantenrechner ausweisen kann, umso rechenstärker und schneller kann er arbeiten. Wobei Quantencomputer durchaus ihre Tücken haben. Denn bei Berechnungen kann es durch die Nutzung der in Teilen noch nicht vollkommen erforschten quantenmechanischen Prinzipien zu Fehlern und Unschärfen kommen, die mittels spezieller Softwaresysteme herausgerechnet werden müssen. Dadurch sind die Berechnungen eines Quantencomputers nur so gut wie seine Fehlerkorrektur.

Derzeit findet ein regelrechtes Wettrennen zwischen Unternehmen aber auch Staaten bei der Entwicklung von Quantencomputern und verlässlichen Ökosystemen statt. Die Bundesregierung hat beispielsweise zwei Milliarden Euro zur Förderung der Entwicklung von Quantencomputern bereitgestellt. Damit soll in Deutschland bereits in den nächsten fünf Jahren ein Quantencomputer entwickelt werden, der deutsche und europäische Unternehmen von den USA und anderen Staaten unabhängiger machen soll. Auch die Europäische Union hat angekündigt, die Entwicklung von Quantencomputern massiv zu fördern.

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Teaser-Bild: carlosrojas20 / Getty Images

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