So könnte eine Reise im Hyperloop aussehen


Das Start-up Virgin Hyperloop hat im vergangenen Jahr erstmals Menschen in einer Kapsel durch eine Vakuumröhre gefahren. Nun zeigt es, wie es sich eine Passagierreise vorstellt. So eine Fahrt könnte weniger kosten als ein Flugticket für eine vergleichbare Strecke.

Von Michael Förtsch

Es lässt sich bisher nicht wirklich sagen, wann die erste Hyperloop-Strecke für echte Passagiere eröffnet wird. Jedoch arbeiten derzeit zahlreiche Start-ups und auch staatliche Institute daran, die eigentlich bereits über 200 Jahre alte Idee in die Wirklichkeit zu hieven. Das Unternehmen, das in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte gemacht hat, ist Virgin Hyperloop – ehemals Hyperloop One. Erst Ende letzten Jahres hat es als erstes Hyperloop-Unternehmen Menschen in einer Kapsel durch eine nahezu luftleere Röhre gefahren. Wenn auch nur mit 172 Kilometern pro Stunde. Geht’s nach den Planern könnte die Technik bis 2030 für den kommerziellen Einsatz bereit sein.

In einem Video zeigt Virgin Hyperloop nun schon einmal, wie es sich den Alltagsbetrieb eines Hyperloop-Netzes vorstellt. Der soll ziemlich futuristisch ausfallen. Die Hyperloop-Terminals sollen etwa von den Designern des Architekturbüros BIG gestaltet werden und minimalistischen Bahnhöfen gleichen. Wobei diese allerdings deutlich abgesicherter ausfallen sollen als der typische Stadtbahnhof. Auf dem Weg von einer Vorhalle zum Transitbereich müssen etwa Sicherheitskontrollen mit Scannern passiert werden – ähnlich einem Flughafen. Denn ein Anschlag auf einen mit rund 1.000 Kilometer pro Stunde fahrenden Röhrenzug könnte eine fatale Katastrophe darstellen. Daher soll kein Risiko eingegangen werden.

Die vom Design-Team Teague gestalteten Hyperloop-Kapseln sollen in einem engen Takt verkehren. Zugestiegen wird an Flughafen-artigen Gates, die über eine LED-Fläche den aktuellen wartenden Pod anzeigen. Jede der Virgin-Hyperloop-Kapseln soll zwei Türen bieten und Sitzplätze für 28 Passagiere bereithalten. Dazu soll es Drahtlos-Ladeflächen für Smartphones und eine Toilette geben. Kontinuierlich soll die Dauer bis zum Ziel und die Reisegeschwindigkeit auf Sitzrückseiten und andere Flächen angezeigt werden. Wobei viele Strecken in unter 30 Minuten bewältigt werden sollen. Fenster soll es nicht geben, aber eine angehobene Decke, aus der LED-Licht im Tageslichtspektrum strahlt.

Günstiger als ein Flug

Laut der Animation von Virgin Hyperloop sollen die Röhrenstrecken weitestgehend oberirdisch auf Betonträgern verlaufen und mit Solarzellen verkleidet sein, wodurch sie sich ansatzweise selbst mit elektrischem Strom versorgen könnten. Jedoch könnten einige Streckenabschnitte auch unter Wasser entlangführen, um den Bau einer Trasse quer durch städtisches Gebiet, Wiesen, Wälder und Felder zu vermeiden. Was ein Ticket für den Hyperloop kosten könnte, der Frage weicht Virgin Hyperloop in einer Pressemitteilung aus.

Stattdessen verweist das Start-up auf eine Studie aus dem Jahr 2020. Laut der Analyse der Mid-Ohio Regional Planning Commission, das die Umsetzbarkeit einer Hyperloop-Infrastruktur für den US-Bundesstaat Ohio prüfte, dürfte eine Hyperloop-Fahrt für die Kunden günstiger als ein Flugticket sein. Eine Fahrt von Pittsburgh nach Columbus – vergleichbar Hamburg nach Berlin – würde um die 33 US-Dollar kosten, das wären etwa 30 Euro. Eine Reise von Pittsburgh nach Chicago – vergleichbar München nach Bremen – würde hingegen um die 93 US-Dollar kosten, das wären etwa 80 Euro. „Es ist ganz einfach“, sagt Jay Walder, Chef von Virgin Hyperloop. „Wenn es nicht erschwinglich ist, werden die Leute es nicht nutzen.“

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Virgin Hyperloop ist eines der sichtbarsten Unternehmen, die am Röhrenzug arbeiten, aber bei weitem nicht das einzige. Das niederländische Unternehmen Hardt hat bereits eine technisch weitestgehend ausentwickelte Kapsel und eine kurze Teststrecke vorgestellt. Das spanische Unternehmen Zeleros will in diesem Jahr eine 5-Kilometer-Strecke für Probefahrten aufbauen. An der TU München sollen über dieses Jahr hinweg eine Kapsel und ein Röhrenabschnitt in Lebensgröße entstehen. Ebenso will auch das dezentrale Forschungskollektiv rLoop eine zunächst ein Kilometer lange Trasse errichten, um seine Hyperloop-Technik zu testen.

Teaser-Bild: Virgin Hyperloop

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