Kryptowährung als Zahlungsmittel: El Salvador hat Bitcoin-Gesetz beschlossen

Können Kryptowährungen zu einem Zahlungsmittel im Alltag werden? Bald wird diese Frage beantwortet. Denn El Salvador wird Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zulassen – ein entsprechendes Gesetz wurde nun durchgewunken. Ökonomen und Finanzexperten halten das für riskant.

Von Michael Förtsch

Im Januar 2009 wurde die Kryptowährung Bitcoin gestartet. Wer ihr Erfinder Satoshi Nakamoto ist, das ist bis heute unklar und Gegenstand von zahlreichen Spekulationen und absurden Verschwörungstheorien. Ist Nakamoto überhaupt eine Einzelperson? Oder doch eine Gruppe von Menschen? Oder steht hinter dem Pseudonym ein Geheimdienst wie die CIA oder sogar eine Künstliche Intelligenz? Viele glauben mittlerweile, dass dieses Geheimnis nie gelüftet werden wird. Aber das muss es auch nicht. Denn Nakamoto hat bewiesen, was er beweisen wollte: dass eine dezentrale und sichere Digitalwährung beziehungsweise ein A Peer-to-Peer Electronic Cash System machbar ist.

Als Anstoß für die Entwicklung von Bitcoin gilt die Weltfinanzkrise, die 2007 mit dem Kollaps des Immobilienmarkts in den USA ihren Anfang nahm – und weltweit Unternehmen, Banken und Fonds in die roten Zahlen und Hunderttausende Menschen in die Arbeitslosigkeit trieb. Im ersten Block der Blockchain von Bitcoin wurde von Nakamoto daher die Titelzeile der britischen Zeitung The Times vom 3. Januar 2009 codiert: Britischer Finanzminister am Rande eines zweiten Rettungspaketes für Banken. Im sogenannten Whitepaper, das das Bitcoin-Konzept erklärt, schrieb Nakamoto zudem: „Was wir brauchen, ist ein elektronisches Zahlungssystem, das auf kryptografischen Beweisen statt auf Vertrauen basiert und es zwei beliebigen Parteien ermöglicht, direkt miteinander zu handeln, ohne dass eine vertrauenswürdige dritte Partei erforderlich ist.“

Zunächst ignoriert, dann belächelt und immer wieder totgesagt, hat sich Bitcoin über die Jahre zu einem wertvollen Anlage- und Spekulationsobjekt entwickelt, das manche durchaus reich gemacht hat. Oder zu Letzt auch viel Geld hat verlieren lassen. Denn der Wert von Bitcoin ist volatil. Heißt: er schwankt. Und das sehr, sehr stark. War ein Bitcoin im September 2013 knapp 99 Euro wert, stieg er im Dezember 2017 auf über 14.000 Euro und im April 2021 auf über 54.000 Euro – um kurz darauf auf rund 30.000 Euro abzusacken. Daher sind die Zweifel bei vielen Finanzexperten groß, dass Bitcoin wirklich als Alternative zu Währungen wie dem Euro oder Dollar taugt. Ganz abgesehen von anderen Schwächen wie dem Maximum an sieben Transaktionen pro Sekunde, die das Bitcoin-Netz verarbeiten kann. Ob die Zweifel berechtigt sind, das könnte nun ein einzigartiges Experiment zeigen.

El Salvador wagt das Experiment

Auf der Konferenz Bitcoin 2021 in Miami hat Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, vergangene Woche in einer Videobotschaft angekündigt, Bitcoin in seinem Land den Status als gesetzliches Zahlungsmittel zu verleihen. In dem 6,5-Millionen-Einwohnerstaat in Zentralamerika würde Bitcoin dadurch gleichberechtigt neben dem US-Dollar stehen, der seit 2001 die bisherige Nationalwährung Colón ablöst. „Das wird Arbeitsplätze schaffen und Tausende Menschen in den formellen Wirtschaftskreislauf integrieren“, hofft Bukele. Denn über 65 Prozent der Bevölkerung von El Salvador verfügen nicht über ein traditionelles Bankkonto.

Laut Nayib Bukele könnte „Bitcoin eine der Ideen (sein), die die Zukunft gestalten“ – und zwar als „Währung der Zukunft“. Bereits am 9. Juni haben die Abgeordneten des Finanzausschusses den Gesetzesvorschlag durchgewunken, der alle nötigen Prozesse anstößt, die es dazu braucht. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder Händler, der technisch dazu in der Lage ist, Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen muss. Auch Behörden müssen Bitcoin akzeptieren. Ebenso sollen Steuern in der Kryptowährung beglichen werden können.

Wird das Gesetz des oft für seinen autoritären, unkonventionellen und unberechenbaren Regierungsstil kritisierten Präsidenten binnen der 90-Tage-Frist in Kraft treten, wird El Salvador das erste Land, in dem Bitcoin ein gesetzliches Zahlungsmittel wird. Der Staatschef hofft, dass durch diesen Schritt junge und mutige Investoren auf das Land aufmerksam werden und es zu einem Standort für eine moderne High-Tech- und Digitalindustrie wird.

Umgesetzt werden soll die Einführung von Bitcoin als reguläres Zahlungsmittel mit Hilfe des Start-ups Strike, das zum Kryptowährung-Wallet-Entwickler Zap gehört. Dessen Gründer Jack Mallers sagt: „Die Einführung einer nativen digitalen Währung als gesetzliches Zahlungsmittel bietet El Salvador das sicherste, effizienteste und global am besten vernetzte Zahlungsnetzwerk der Welt.“

Ökonomen haben Zweifel

Auf der Bitcoin 2021 bekam die Ankündigung von Nayib Bukele viel Applaus. Doch es gibt durchaus auch Kritik. Rohan Grey, ein Experte der Digital Currency Global Initiative, sagte gegenüber der BBC, dass Bukele versuche, „aus einem populären Trend nun schnell Kapital zu schlagen“ und es wohl eher um Marketing und PR als das Wohl des Landes ginge. Krypto-Experten wie Roger Ver begrüßten zwar den Schritt, Kryptowährungen als Zahlungsmittel anzuerkennen. Aber Ver merkte an, dass andere Kryptowährungen deutlich besser als Zahlungsmittel geeignet wären als Bitcoin.

Generell gibt es viel Skepsis darum, ob Kryptowährung wie Bitcoin, Litecoin, Ether, Cardano und andere überhaupt wie echtes Geld genutzt werden können. Der Ökonom Nouriel Roubini hält diese Vorstellung etwa für vollkommen absurd. Sie wären zu langsam und in den Transaktionskosten zu teuer – und wären „die Mutter aller Betrügereien und Blasen“, wie er in einer Stellungnahme für den US-Senat schrieb. Aber vor allem: Um als Geld zu funktionieren, fehle der stabilisierende Einfluss einer Zentralbank. Auch die deutsche Bundesbank kommt zu dem Urteil, dass „Bitcoins keine virtuelle Währung“ sind und nicht als solche genutzt werden sollten.

Tech- und Silicon-Valley-Ikonen sehen das jedoch anders. Der Twitter- und Square-Gründer Jack Dorsey meint, dass Bitcoin das Potential habe, in zehn Jahren zu einer „einheitlichen globalen Währung“ zu werden. Noch habe die Kryptowährung nicht „die Kapazitäten, die es dafür braucht“, schränkt Dorsey ein. Aber es würde schon bald Technologien geben, die diese schaffen und Probleme ausgleichen. Beispielsweise einfach nutzbare digitale Brieftaschen, Krypto-Zahlungsdienstleister oder auch Protokolle wie das Lightning Network, das dedizierte Zahlungskanäle für Bitcoin ermöglicht und Millionen von Transaktionen pro Sekunde ermöglichen soll.

Auch Elon Musk bemerkte immer wieder, dass er Kryptowährungen als festen Bestandteil der Zukunft sieht und glaubt, dass diese sich als Zahlungsmittel durchsetzen könnten. Daher will er unter anderem die Entwickler der einst als Satire gestarteten Kryptowährung Dogecoin unterstützen. Sein Ziel sei es, die Währung mit dem Hunde-Logo „so günstig und einfach nutzbar (zu) machen, dass sich damit bequem ein Kaffee kaufen lässt“. Ebenso kritisierte Musk aber auch immer wieder einzelne Aspekte von Kryptowährungen – insbesondere etwa den immensen Stromverbrauch des Bitcoin-Ökosystems.

Sind Stablecoins die Lösung?

Dass Kryptowährunge zumindest begrenzt als Geld genutzt werden können, das zeigt sich während der anhaltenden Wirtschaftskrise in Venezuela. Das Land erlebt seit 2016 eine Hyperinflation, wodurch der Bolívar kaum noch einen Wert hat. Daher begannen vor allem Menschen in den Städten auf den US-Dollar und auch im Vergleich mit dem Bolívar deutlich stabilere Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin, Dash, Ether, EOS und Zcash zu setzen.

Laut einer Analyse des Unternehmens Chainalysis war Venezuela Ende 2020 bei den Ländern mit der stärksten Nutzung von Kryptowährung auf dem dritten Platz. Gehandelt und bezahlt werde dabei vor allem über Peer-to-Peer-Kryptomarktplätze wie Paxful und LocalBitcoins. „Ob Möbel, Kleidung oder Lebensmittel – praktisch alles kann mit Kryptowährungen gekauft werden“, sagte ein junger Mann aus Venezuela in einer Reportage von Deutsche Welle. In vielen Geschäften würde sogar fast ausschließlich mit Kryptowährungen bezahlt.

Manche Finanzexperten und Krypto-Aktivisten glauben, dass sogenannte Stablecoins wie USD Coin, Dai oder Tether in Zukunft die Funktion von Weltwährungen übernehmen könnten. Diese sind in ihrem Wert an den Kurs einer oder mehrerer Währungen gekoppelt – oder sogar durch Rücklagen in diesen Währungen gedeckt. In einem Bericht der Europäischen Zentralbank heißt es, dass „Stablecoins (…) dazu beitragen können, die Nachfrage der Verbraucher nach Zahlungsdiensten zu befriedigen, die schnell, kostengünstig und einfach zu nutzen sind und grenzüberschreitend funktionieren“. Aber auch Stablecoins wären nicht ohne Risiko – da sich etwa Schwachstellen in Protokollen oder den Blackchain-Systemen finden lassen könnten.

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Aber auch die Institutionen und Firmen hinter Kryptowährungen sehen einige als potentielle Gefahrenquelle. Während Bitcoin und Ethereum von Stiftungen und Non-Profit-Körperschaften getragen und weiterentwickelt werden, werden andere von kommerziellen Firmen herausgegeben. Beispielsweise wird Tether vom Unternehmen Tether Limited entwickelt, dem immer wieder Intransparenz und Täuschung vorgeworfen wird. Unter anderem behauptet das Unternehmen, dass seine Stablecoins zu 100 Prozent mit US-Dollar-Reserven gedeckt sind. Belegen kann und will das Unternehmen das aber nicht. Daher wird unter anderem von Behörden des US-Bundesstaats New York gegen das Unternehmen ermittelt.

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