Gebühren basierend auf der Mondphase? Elon Musk ist bereits seit Jahren mit dem Dogecoin-Team in Kontakt

Der Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, bei der Weiterentwicklung von Dogecoin mitzuhelfen. Insgeheim ist er schon seit Jahren mit den Entwicklern in Kontakt und liefert Vorschläge, um Dogecoin in eine echte Währung zu verwandeln. Nun sammelt er auch Ideen aus der Dogecoin-Nutzergemeinde.

Von Michael Förtsch

Von einem Witz zu einem echten Wert. Als Jackson Palmer und Billy Markus vor Jahren die Kryptowährung Dogecoin starteten, hatten sie nicht erwartet, dass sie einmal zu einem heiß debattierten Spekulationsobjekt werden könnte. Oder ein Unternehmen damit einen Satellitenstart bezahlt. Palmer und Markus haben sich daher bereits seit langem aus der aktiven Entwicklung von Dogecoin zurückgezogen und das Projekt einer kleinen Gruppe von passionierten Freizeit- und Hobby-Entwicklern überlassen, die sich der Hundewährung verpflichtet fühlen. Wer diese Truppe ist, das war lange unbekannt. Doch nun sind die Mitglieder ganz ungewollt ins Interesse der Öffentlichkeit geraten – durch Elon Musk.

Der SpaceX-Gründer hat eine Leidenschaft für Dogecoin und die auch immer wieder mit Tweets und mit seinem Auftritt bei Saturday Night Live belegt. Die sei, wie Musk selbst regelmäßig bestärkte, in Teilen ironisch und spaßig gemeint. Aber er sieht offenbar auch ganz reales Potential in Dogecoin als nutzbare Devise und hat angekündigt, die derzeit vier Entwickler zu unterstützen. Die waren davon selbst ziemlich überrascht. „Ich war platt“, hat Ross Nicoll, einer der heutigen Kernentwickler von Dogecoin gegenüber Decrypt gesagt. „Er hat uns nicht gesagt, dass er das tun würde.“

Wie Ross Nicoll erst kürzlich enthüllte, stehen Elon Musk und das Dogecoin-Team nämlich bereits seit 2019 immer wieder in Kontakt. Musk würde „dann und wann Nachrichten [über Twitter] schicken“ und habe bisher schon „viele Ratschläge und Anregungen“ gegeben. Musk habe sogar angeboten, die Weiterentwicklung von Dogecoin aus seinem Privatvermögen zu finanzieren. Das hat das Team, dessen Mitglieder auch hauptberuflich mit Blockchain-Anwedungen arbeiten, seinerzeit jedoch abgelehnt. Denn bei Dogecoin gehe es nicht darum „massive Mengen an Geld anzuhäufen“ oder „die Technologie neu zu erfinden, die 3.000 andere [Unternehmen] schon neu erfunden haben.“

Jedoch will das Team Dogecoin durchaus optimieren. Denn es gäbe sichtliche Probleme bei der Geschwindigkeit des Netzwerks und der Synchronisierung. Die sollen beginnend mit einem bevorstehenden Update angegangen werden, das als Basis für viele kleine Neuerungen dienen soll – von denen einige von Musk angeregt wurden. Und auch wenn Elon Musk das Team ungefragt ins Scheinwerfer licht gezerrt hat, sei es grundsätzlich dankbar für die Unterstützung.

„Elon hat [als Co-Gründer von PayPal] einen Hintergrund in der Zahlungsabwicklung“, sagt Nicoll. Daher sei es vernünftig, sich seine Anregungen anzuhören. Und Musk sei durchaus schon mitverantwortlich dafür, dass „sich der Transaktionsdurchsatz“ von Dogecoin bereits erhöht hat. Ein Ziel von Musk persönlich sei, meint der Dogecoin-Entwickler, den CO2-Fußabdruck der Kryptowährung zu reduzieren. Schon jetzt verbrauche Dogecoin schätzungsweise nur 7 Prozent der Energie, die Bitcoin frisst. Langfristig gehe es Musk aber darum, die Kryptowährung so günstig und einfach nutzbar zu machen, dass sich damit bequem ein Kaffee kaufen lässt.

Erst ein Update, dann alles andere

Wie Ross Nicoll gegenüber Decrypt erklärt, sei der Enthusiasmus des Tesla-Chefs für Dogecoin einerseits ein großes Plus für das Projekt. Aber er erzeuge auch immer wieder unnötig hohen Druck und sorge für ziemlichen Tumult, der für das Projekt nicht unbedingt hilfreich ist. Musk müsse immer wieder gebremst werden. „Er rennt los und steht dann bereits an der Zielgeraden“, sagt Nicoll. Das Team müsse ihm dann sagen, dass jedoch erst einmal „eine Karte von A nach Z ausgearbeitet“ werden muss, bevor der nächste Schritt getan werden kann.

Gleichfalls sorge Elon Musk aber auch dafür, dass das Interesse für Dogecoin als Software-Projekt wachse. Es hätten sich durch ihn viele unabhängige Entwickler gefunden, die außerhalb des Kernteams mitarbeiten würden und einen Beitrag leisten wollen. Ein Tweet von Musk von 24. Mai dürfte das Interesse noch mehr beflügeln. Da rief der Tesla-Chef explizit dazu auf, mitzuhelfen und Ideen für die Zukunft von Dogecoin auf der Entwicklerplattform Github und bei Reddit zu sammeln.

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Unter den Vorschlägen finden sich Ideen, wie Dogecoin nicht nur an Nutzer auszuzahlen, die Transaktionen bestätigen, sondern etwa die Rechenleistung ihrer Computer für gemeinnützige Forschungsprojekte wie Folding@home oder Rosetta@home zur Verfügung stellen. Ein derartiges Projekt gibt es mit GridCoin bereits. Aber auch Ideen, um Dogecoin als Grundlage für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu nutzen, existieren. Einige Dogecoin-Nutzer regen an, die Transaktionskosten, die bei jeder Überweisung anfallen, an die Mondphasen zu knüpfen oder sie einfach, komplett abzuschaffen, wie es bei der Kryptowährung Nano der Fall ist.

Laut Nicoll sind solche Ideen jedoch vorerst Zukunftsmusik. Momentan arbeite das Team hart daran, die Arbeiten am ersten großen Update seit 2019 abzuschließen und einen Plan auszuarbeiten, wie es danach weitergehen soll. Dazu gehöre auch, zu eruieren, wie das Dogecoin-Vermögen der kleinen Entwicklertruppe gut und gewinnbringend eingesetzt werden kann. Denn an Geld mangle es nach den unerwarteten Wertsteigerungen von Dogecoin nicht unbedingt. Eine Möglichkeit sei, für Dogecoin einen verantwortlichen Hauptentwickler zu finden, der sich rund um die Uhr um die Kryptowährung kümmert. Denn Nicoll selbst, der bald eine Anstellung außerhalb der Krypto-Branche antritt, will das nicht sein.

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