Elon Musk will weiterhin Menschen mit dem Starship um die Erde reisen lassen

Nachdem SpaceX erfolgreich US-Astronauten auf die Internationale Raumstation gebracht hat, soll nun die Entwicklung des Starships vorangetrieben werden. Das soll Menschen und Fracht zum Mond und Mars bringen. Außerdem soll es jeden Punkt der Erde in unter einer Stunde erreichbar machen.

Von Michael Förtsch

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX startete bereits vor mehreren Jahren mit der Entwicklung des Raumschiffs, das derzeit unter dem Namen Starship in Boca Chica Village entsteht. Schon 2012 hatte Firmengründer Elon Musk es als Mars Colonial Transporter angekündigt. 2016 stellte er die Kombination aus dem da noch BFS genannten Raumschiff und der BFR getauften Rakete, die es in den Orbit tragen soll, als Interplanetary Transport System neu vor. Der Grund dafür: Nutzen und Einsatz des Systems sollten „über den Mars hinausgehen“, wie Musk damals erklärte. Damit meinte er auch, dass das Interplanetary Transport System auch für Reisen rund um die Erde genutzt werden könnte. Der Name Interplanetary Transport System wurde mittlerweile ebenfalls aufgegeben – zugunsten der konkreteren Bezeichnung Starship und Super Heavy.

Von der Erde aus soll das Raumschiff in den Erdorbit fliegen. Dort soll sich die Raketenstufe abkoppeln und zur Erde zurückkehren – wie man es mittlerweile von den Falcon-9-Raketen gewohnt ist. Das Raumschiff soll währenddessen mit bis zu 27.000 Kilometern pro Stunde um den Erdball gleiten und dann ebenfalls in die Atmosphäre zurückkehren und auf seinem Heck landen. In einem Renderfilm hatte SpaceX unter anderem Strecken wie New York City – Shanghai, Hongkong – Singapur, Los Angeles – Toronto und London – Dubai angekündigt. In unter einer Stunde, versprach SpaceX, sollte so jeder Punkt der Erde erreichbar sein – die meisten sogar in unter einer halben Stunde. Sehr viel schneller als mit dem Überschallflugzeug Concorde oder jedem anderen Passagierflugzeug.

Zuletzt war aber unklar, ob SpaceX diese Pläne weiterhin verfolgt oder sich das Unternehmen auf das Starship als Raumfahrzeug für Reisen zum Mond und Mars konzentriert. SpaceX wurde schließlich als eines der Unternehmen ausgewählt, das eine Möglichkeit ausarbeiten soll, Menschen im Rahmen des Mondprogramms Artemis auf die Oberfläche des Erdtrabanten zu bringen. Während Unternehmen wie Blue Origin und Dynetics dafür Landefähren konzipieren, will SpaceX sein Starship dafür anpassen und weiterentwickeln.

Das Starship hat Priorität

Laut einer Stellenausschreibung von SpaceX ist das Starship als Reisevehikel um die Erde aber weiterhin eine Option. Denn gesucht wird ein Ingenieur, der schwimmende Raumlandeplattformen „für den Mars, Mond und Überschallreisen um die Erde“ baut, wie Elon Musk höchst selbst bestätigt hat. Nicht unähnlich, aber deutlich größer als die schwimmenden Landeplattformen, die für die Rückkehr der Falcon-9-Raketen dienen, sollen diese sein. Auch ausgediente Ölbohrplattformen könnten als Start- und Landeplätze für das riesige Raumschiff genutzt werden, das bis zu 100 Personen fassen soll. Laut dem SpaceX-Gründer ist das Starship aber noch eine Weile von bemannten Flügen entfernt.

„Es wird eine Menge Testflüge geben, bevor wir erste Passagiere transportieren“, schrieb Musk auf Twitter. In diesem Jahr soll ein Prototyp des Starships einen ersten 150-Meterflug innerhalb des Erdorbits unternehmen. Im kommenden Jahr sollen erste orbitale Flüge und dann ein erster unbemannter Frachttransport und 2022 eine unbemannte Mond- und Marslandung stattfinden. 2023 soll der vom japanischen Milliardär finanzierte #dearMoon-Flug rund um den Mond durchgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt könnten auch Testläufe des Raumschiffs für Erde-zu-Erde-Reisemöglichkeiten durchgeführt werden, heißt es von Musk.

Der Zeitplan ist ziemlich aggressiv und optimistisch. Daher soll das Starship nach dem geglückten Passagier-Debüt der Dragon-2-Kapsel bei SpaceX nun die oberste Priorität haben. Das hat Musk in einer internen E-Mail an seine Belegschaft geschrieben. Denn dessen Entwicklung ist für das Raumfahrtunternehmen eine Herausforderung. Nach erfolgreichen Triebwerkstests mit dem Starhopper getauften Teilmodell kam es bei Tests mit Eins-zu-Eins-Prototypen zu einigen Fehlschlägen und Explosionen. Deswegen sollen nun möglichst viele Mitarbeiter helfen, die Entwicklung voranzubringen.

Teaser-Bild: SpaceX

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Ich bin immer wieder begeistert wie diese glänzende Rakete neben einem Geräteschuppen steht, mehr Wild-West-Sci-Fi Futurism geht nicht.

Bei dieser Interkontinentalreiserei per Rakete habe ich noch nicht verstanden wie mit der Belastung beim Start umgegangen werden soll. Astronauten müssen aufwendig untersucht und trainiert werden, damit der Start kein Gesundheitsrisiko ist. Soll das bei jedem Passagier auch gemacht werden? Können die G-Kräfte soweit reduziert werden dass es mit dem normalen Flieger vergleichbar ist? Oder kriegen wir einfach alle n Schnaps gegen das Nasenbluten, und wer ein unerkanntes Aneurysma hat hätte eh nicht lange gelebt?

Nachtrag:
Das wired magazine hat sich 2014 mit der Frage beschäftigt

„If you are not used to the g-forces it can really mess with you,“ says Binnie, a former US Navy fighter pilot, who has since left Virgin Galactic for XCOR Aerospace. „There’s this overwhelming power that sweeps through the cabin. Your senses get pegged out. You’re looking for comfort or safety but you won’t find any. All you can do is keep breathing.“

Das wäre also nix. Vielleicht fliegen die SpaceX-Raketen aber auch nicht so hoch, oder bremsen entsprechend ab.

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