Der Chef von OpenAI sagt, dass uns Künstliche Intelligenz reich machen wird (wenn die Politik endlich reagiert)

Der US-Investor und OpenAI-Chef Sam Altman prophezeit, dass Künstliche Intelligenz die Welt vollkommen verändern wird. Würden Regierungen richtig reagieren, glaubt er, könne Künstliche Intelligenz sogar alle Menschen reich machen.

Von Michael Förtsch

Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz geht schnell voran. In immer mehr Bereichen werden Algorithmen und Maschinen-Lern-Modelle eingesetzt – und unterstützen Menschen bei ihrer Arbeit. Viele Menschen fürchten allerdings, ihren Arbeitsplatz gänzlich an einen Roboter oder ein Computerprogramm zu verlieren. Darunter Taxi- und LKW-Fahrer, die durch selbstfahrende Autos abgelöst werden können. Aber auch Steuerberater, Call-Center-Agenten und Fastfood-Lieferanten haben derartige Ängste. Die sind laut Studien und Prognosen von Forschern durchaus berechtigt. Jedoch sollen durch die Automatisierung auch viele neue Jobs entstehen, die es vorher so nicht gab, sagen ihre Befürworter. Sam Altman, Investor, Mitbegründer und Chef des KI-Forschungsunternehmens OpenAI sieht die Zukunft sogar noch rosiger. Geht es nach ihm, wird Künstliche Intelligenz alle Menschen reich machen.

In einem umfangreichen Dossier, das Altman mit Moore’s Law for Everything überschrieben hat, wagt er einen Blick in die Zukunft und umreißt, wie Künstliche Intelligenz insbesondere die Vereinigten Staaten verändern könnte. „Meine Arbeit bei OpenAI erinnert mich jeden Tag daran, dass ein massiver sozioökonomischer Wandel ansteht“, schreibt er. „Und er wird schneller kommen, als die meisten Menschen glauben.“ Laut Altman stellt Künstliche Intelligenz den Grundstein einer neuen wirtschaftlichen Revolution dar. Sie werde die Welt und Weltwirtschaft in einer Weise verändern, wie zuvor das Fließband, die Eisenbahn oder der Computer. Wenn nicht sogar noch einschneidender. Künstliche Intelligenz könne sogar gleichbedeutend mit „der Entdeckung des Feuers oder der Erfindung des Rads“ sein.

„Wir haben bereits KI-Systeme gebaut, die lernen und nützliche Dinge tun können“, so der Investor. „Sie sind noch primitiv, aber die Entwicklung ist klar.“ Bereits in den nächsten fünf Jahren könnten KI-Programme medizinische Ratschläge erteilen, Rechtsdokumente lesen und verstehen. Und im kommenden Jahrzehnt könnten Roboter ohne menschlich Aufsicht in Fabriken arbeiten und im Privatleben zu einem steten Begleiter werden. „Und in den Jahrzehnten danach werden sie fast alles tun können“, schreibt Altman. Künstliche Intelligenzen könnten wissenschaftliche Entdeckungen machen und unser Verständnis von der Welt, dem Universum und allem, was darin ist, erweitern.

Reichtum durch KI-Steuer?

Geht es nach Altman, muss die KI-Revolution nicht zu einer weiteren Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich führen. Stattdessen könne sie für „phänomenalen Reichtum“ sorgen – für alle Menschen. Denn durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotik werde der Preis von manueller Arbeit gegen Null gehen, so könnten zahlreiche Produkte unglaublich günstig werden. Wohnen, Lebensmittel und Kleidung würden durch die automatisierte Herstellung wohl nur noch die Hälfte kosten, wenn überhaupt. Doch um das zu erreichen, fordert Altman, müsse es auch zu drastischen Umschwüngen in Politik und Gesellschaft kommen. Es dürfe nicht länger die Arbeit der Menschen, sondern müsse das Kapital von Unternehmen und Privatpersonen besteuert werden.

Altman spricht ganz konkret davon, einen „American Equity Fund“ zu starten, der „Unternehmen über einem bestimmten Wert“ mit 2,5 Prozent ihres Marktwertes in Aktien und 2,5 Prozent des Wertes ihrer Grundstücke besteuert. Privatunternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar, die nicht an der Börse notiert sind, müssten ähnlich besteuert werden. Etwa in dem sie bis zu ihrem Börsengang die Rechte an Aktienanteilen in einen Fond einzahlen. Und sollten sie keinen Börsengang wagen, müssten sie entsprechende Anteile in Barzahlungen begleichen.

In zehn Jahren könne, wenn das Steuersystem angepasst wäre und die Regierung mit den Entwicklungen schritt hält, jeder US-Bürger pro Jahr rund 13.500 US-Dollar von der Regierung geschenkt bekommen, glaubt Altman. Die Auszahlung erfolge in Barvermögen und auch Aktienanteilen – damit wären auch Anreize verbunden. „Jeder, der eine Aktie von Amazon besitzt, möchte, dass der Aktienkurs steigt“, führt Altman aus. „Da das individuelle Vermögen der Menschen im Gleichschritt mit dem des Landes steigt, haben sie buchstäblich ein Interesse daran, dass es ihrem Land gut geht.“ Dieses Konzept ist nicht neu, sondern basiert auf Vorstellungen, die bereits von Ökonomen wie Henry George erarbeitet worden waren.

Abseits dieses Reichtums würden Menschen aber noch etwas ebenso wertvolles erhalten: viel freie Zeit. Schließlich würde das Gros der essentiellen Arbeit von Robotern erledigt. Die Zeit könnten Menschen mit Dingen verbringen, die ihnen wichtig sind. Das könne Innovationen hervorbringen, die Kunst und Kultur befeuern und für einen ungekannten Einsatz für das Gemeinwohl sorgen. Diese Entwicklungen könnten die Spaltung der Gesellschaft, die derzeit stattfindet, rückgängig machen und vielleicht sogar zu einer neuen Einigkeit führen, argumentiert der US-Investor.

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Zu utopisch?

Altman schreibt selbst, das das, was er sich ausmalt „utopisch klingt“. Tatsächlich gibt es viel Zustimmung zu als auch viel Kritik an seinem Essay. Unter anderem wird der optimistische Text von Altman auf Twitter mit der Vorstellung von vor 100 Jahren verglichen, dass Roboter und Fließbandproduktionen dafür sorgen würden, dass niemand mehr in Fabriken arbeiten müsse. Außerdem wird angemerkt, dass Altman viele unbegründete Annahmen trifft und es noch zahlreiche Durchbrüche bei der KI-Entwicklung brauche, bis die Vision von Altman auch nur annähernd in die Nähe der Realität rücke. Aber ebenso wird gescherzt und gemutmaßt, ob nicht eine Künstliche Intelligenz wie das von OpenAI entwickelte GPT-3 statt dem Investor den Text geschrieben hat.

Laut Altman „sind die Veränderungen nicht aufzuhalten“, die sich durch Künstliche Intelligenz ergeben. Er ist nicht der einzige, der das so sieht. Auch Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk hatte bereits davon gesprochen, dass mehrere Länder durch die Automatisierung „wohl bei einer Art Grundeinkommen landen werden“. Ebenso warnte der US-Unternehmer Andrew Yang, der 2020 als Präsidentschaftskandidat auftrat, davor, dass Digitalisierung und Automatisierung die bisherigen wirtschaftlichen und politischen Systeme überholen könnten. Yang zufolge sei es unmöglich, die Zukunft ohne eine Art Grundeinkommen und neue Arten der Besteuerung von Reichtum und Umsatz zu gestalten.

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Teaser-Bild: Getty Images

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Ui, sehr spannender Artikel und mir persönlich gefällt vor allem das Ende - ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte ich auch gut gebrauchen. Aber ich finde es schon ganz schön scheinheilig, dass sich ironischerweise die perversesten Turbokapitalisten als Kämpfer für soziale Gleichheit darstellen wollen. Laut diesen scheinheiligen Milliardären soll noch mehr Fortschritt zu mehr Wohlstand und Gerechtigkeit führen. Das könnte echt klappen und sogar sehr einfach: die Tech-Giganten müssten jedem gratis ihr gesamtes IP und Ihre Vermögen bereitstellen - wer braucht schon Geld in einer Welt, in der Roboter angeblich alles for free erledigen? („Put your money where your mouth is!“)

Stattdessen wollen sie weiter mit der Reichtumskarotte vor unserer Nase die Wachstumsspirale anfeuern, von der vor allem sie profitieren. Leute wie Bezos haben so viel Geld anderer Menschen angehäuft, dass sie alleine den Welthunger beenden könnten. Und sie tun es einfach nicht. Sie halten weiterhin die Lüge des unbefleckten Reichtums aufrecht. Diese Gesellschaftsfeinde ignorieren einfach, dass sie gerade genau das Geld besitzen, das in anderen Regionen fehlt, um Fortschritt und Überleben zu sichern. Stattdessen propagieren sie KI-Investitionen als die Rettung für alle. („Create a problem, sell the solution.“)

Ich glaube fest daran, dass KI Wohlstand für alle schaffen und soziale Gerechtigkeit fördern kann. Aber dafür müssen KI-Kompetenzen und -Infrastrukturen für alle gleichermaßen verfügbar werden.

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