China plant ein mehrere Kilometer langes Raumschiff

Eine chinesische Forschungsgemeinschaft rekrutiert derzeit Wissenschaftler für ein riesiges Projekt. Sie sollen berechnen und herausfinden, ob und wie ein Raumschiff oder eine Raumstation mit einer Größe von mehreren Kilometern im Erdorbit montiert werden könnte.

Von Michael Förtsch

Seien es die Invasionschiffe aus Independence Day, die Borg-Kuben aus Star Trek oder die Heighliner aus dem Dune-Universum. Es sind riesige Raumfahrzeuge, deren Konstruktion heute noch ziemlich unmöglich erscheint. Aber wohl nicht mehr so lange, wenn es nach den Plänen chinesischer Forscher geht. Denn nach einem Bericht der South China Morning Post hat China geradezu gigantische Pläne für sein Raumfahrtprogramm. Die National Natural Science Foundation sucht demnach nach Wissenschaftlern für eine Studie, die ausloten soll, ob und wie sich ein „Raumfahrzeug, das mehrere Kilometer durchmisst“ konstruieren lassen könnte.

„[Ein solches Raumfahrzeug] stellt wichtiges strategisches Equipment für die zukünftige Nutzung der Ressourcen des Weltraums, die Erforschung der Geheimnisse des Universums und den langfristigen Aufenthalt in der Umlaufbahn dar“, heißt es in einer Beschreibung des Projektes, das vom chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technik finanziert werden soll. Über insgesamt fünf Jahre soll die Studie laufen.

Die Aufgabe der beteiligten Wissenschaftler soll sein, zu eruieren, wie ein solches Raumfahrzeug aufgebaut und im Erdorbit montiert werden könnte. Wie es gesteuert und langfristig bewohnbar gemacht werden kann. Wie sich dessen Gewicht und damit die Transportosten reduzieren ließen. Ob und wie sich so ein Gefährt überhaupt in den Orbit bringen lassen könnte. Und natürlich, wie teuer so ein Megaprojekt wohl letztlich wäre.

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Große Ambitionen

Die Idee eines mehrere Kilometer durchmessenden Raumschiffs – oder auch einer Raumstation von diesen Ausmaßen – klingt absurd. Aber sie passt durchaus zu den ambitionierten und langfristig angelegten Plänen der chinesischen Raumfahrtentscheider. Erst im April 2021 begann nach Jahren der Planung der Aufbau der Chinesische Raumstation, die die Erde nun in rund 400 Kilometern Höhe umkreist und im Juni 2021 ihre erste Besatzung empfing. Wird die Internationale Raumstation, wie derzeit angepeilt, zwischen 2028 und 2030 aufgegeben, könnte China auf absehbare Zeit das einzige Land mit einer dauerhaften Präsenz in der Erdumlaufbahn sein.

Ebenso arbeitet China derzeit an einer eigenen Schwerlastrakete und mehreren Konzepten für Space-Shuttle-artige Raumfahrzeuge, um Astronauten in den Weltraum bringen und dort Missionen durchführen zu lassen. Auch an einem Raumschiff, das auf verblüffende Weise dem Starship von SpaceX gleicht, wird von einem chinesischen Raumfahrtunternehmen getüftelt. Treibende Kraft ist dabei unter anderem die China Academy of Launch Vehicle Technology – kurz CALT –, die erst im Juni 2021 ankündigte, dass China bis 2033 einen Astronauten oder eine Astronautin auf den Mars bringen will. Ab dem Jahr 2043 soll dann der rote Planet von der Volksrepublik „großflächig erschlossen“ werden.

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Teaser-Bild: Universal Pictures

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Wieso ist die Idee von Raumstationen solcher Größe „absurd“?
Schon lange, bevor überhaupt nur eine Rakete gestartet wurde, hatte zum Beispiel Hermann Potocnik irgenwann Ende der 1920er Berechnungen für eine große Raumstation angelegt. Gut, die wird wohl wahrscheinlich heutigem Wissen nicht entsprechen.
Aber auch die NASA stellte Ende der 1960er bis Mitte der 1970er eine ganze Reihe Ideen für toroidale Raumstationen vor. Die Arbeiten daran sind zwar eingeschlafen, aber vor ein paar Wochen wurde berichtet, dass die NASA wieder daran arbeitet (leider habe ich die Quelle gerade nicht hier).
Also, „absurd“ ist die Idee solcher Raumstationen nicht.

Anscheinend treten wir allmählich wieder in einen Konkurrenzkampf ein. Das „Rennen“ zum Mars ist ja offensichtlich auch gerade gestartet. Die NASA, bzw. die USA werden sicher auf die Aktivitäten - und die bisherigen Erfolge - Chinas reagieren. Schade nur, dass das verschlafene Europa da nicht mitspielen kann.

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Die Idee ist nicht absurd (das hab ich auch gar nicht geschrieben), aber sie klingt für viele Menschen absurd – beziehungsweise schwer vorstellbar. Das ist damit gemeint.

Und tatsächlich sind Pläne für riesige Raumstationen alles andere nicht neu. Ob es sie eines Tages geben wird, die Frage werden wir wohl nicht mehr beantwortet bekommen. Und die Realisierung hängt wohl auch weniger von der technischen Machbarkeit, sondern mehr davon, ob die Menschheit bis dahin überlebt.

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Mal abgesehen davon, dass ich es technisch interessant und spannend finde - aber was sind eigentlich die Ziele eines solchen Projektes? Also, warum sollte so etwas gebaut werden?
Da muss es doch mehr als das Scheinargument „weil wir es können“ geben. Auch das Argument „neuer Lebensraum“ ist m.M.n. nur scheinbar gültig, denn die Ressourcen und der Aufwand, die dafür aufgebracht werden müssten, könnten ja auch im schon existierenden Lebensraum investiert werden. Und „Neugier“ greift ebenfalls nicht so ganz, denn es wird ja nicht wirklich Neues erforscht, wenn die Station festverankert im Orbit steht. Das wäre dann höchstens ein weiteres sozio-technisches Experiment wie es z.B. Biosphere 2 auch war.

Das scheint auch eines der wenigen Beispiele zu sein, wo Utopie und Dystopie zusammenfallen. In der Literatur werden solche Stationen ja häufig als Paradies (oft auch als vermeintliches) und/oder letzte Rettung der Menschheit gezeigt.

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Das ist eine sehr gute Frage, die wohl nicht zu beantworten ist. Aber ich glaube, es geht da um Präsenz und eine Plattform für weitaus größere Projekte. So eine Station/Raumschiff könnte als Sprungbrett weiter ins Sonnensystem dienen. Als Beobachtung und Waffenstandort. Oder aber (denn, wer weiss) als internationales Friedensprojekt, weil es nur mit einer gemeinsamen Anstrengung zu schaffen ist.

Es mag jetzt ein Vorurteil sein … oder ein Klischee. Aber ich zweifle daran, dass China aus einem reinen „because we can“ handelt.

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