Virgin Hyperloop will erforschen, ob Menschen superschnelle Röhrenfahrten überhaupt ertragen

Der Hyperloop soll Menschen irgendwann mit großen Geschwindigkeiten durch Röhren transportieren. Virgin Hyperloop will daher herausfinden, wie Menschen auf diese Geschwindigkeiten reagieren. Denn nicht jeder könnte die Kapselfahrten als angenehm empfinden.

Von Michael Förtsch

Vor sieben Jahren stellte Elon Musk das Konzeptpapier für den sogenannten Hyperloop ins Internet. Er schlug darin einen Zug vor, der durch eine nahezu luftleere Röhre sausen und dadurch Geschwindigkeiten von bis zu 1.200 Kilometern pro Stunde erreichen soll. Mittlerweile arbeiten rund um die Welt zahlreiche Unternehmen, freie Teams und Universitäten daran, das Konzept mit unterschiedlichen Herangehensweisen in die Realität zu übersetzen. Eines das dabei bislang mit am weitesten gekommen ist, ist Virgin Hyperloop – bis Juni unter dem Namen Virgin Hyperloop One. Bei einem Testlauf im Dezember 2017 war ein Pod in der Spitze mit 387 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen.

Das selbstgesteckte Ziel von Virgin Hyperloop ist, seine Kapseln schwebend auf einem Magnetfeld mit um die 1.080 Kilometern pro Stunde durch die Rohre zu feuern. Die Entwickler des Unternehmens sind überzeugt, dass das in den kommenden Jahren machbar wird. Daher möchte die Firma nun erforschen, wie sich eine Reise in einem Hyperloop eigentlich auf die Passagiere auswirken könnte. Dabei will es mit dem Rockefeller Neurosciences Institute an der West Virginia University zusammenarbeiten.

„Das sind Superhochgeschwindigkeitszüge“, sagte Ali Rezai, Leiter des Institutes. „Die Funktionen des menschlichen Körpers können durch hohe Geschwindigkeiten und das Wissen darum, wie schnell man sich bewegt, beeinträchtigt werden. Wenn keine Fenster oder kein Bezugsrahmen [für die Geschwindigkeit] vorhanden ist, kann das Funktionieren des Gleichgewichts, der Sensorik und des Nervensystems einer Person beeinträchtigt werden.“ Manche Passagiere könnten also Schwindel, Kreislaufprobleme, Stress, Angst oder Übelkeit erfahren, wenn sie mit einem Hyperloop unterwegs sind.

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Der Hyperloop braucht noch Zeit

Untersucht werden sollen die Hyperloop-Reisen zunächst auf theoretischer Basis. Denn noch sind die Kapseln nicht bereit, Menschen zu transportieren. Unter anderem sollen daher Einschätzungen von Experten eingeholt werden und Erkenntnisse ausgewertet werden, die das Rockefeller Neurosciences Institute aus einer Zusammenarbeit mit der US Air Force gewonnen hat. Außerdem werde bereits an einem Projekt gearbeitet, um, wenn Hochgeschwindigkeitsfahrten mit Menschen machbar werden, Daten zu sammeln, die verstehen lassen, „was mit einem Körper bei 1.080 Kilometern pro Stunde passiert“.

Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen sollen dann auch Maßnahmen erforscht und umgesetzt werden, um die Fahrten erträglicher zu gestalten. Beispielsweise könnten bestimmte Lichtfarben, die Minimierung von Vibrationen, Schalldämmungen oder virtuelle Fenster eingesetzt werden. Auch den Menschen, die das Hyperloop-Netzwerk letztlich steuern und überwachen müssen, soll geholfen werden. Denn deren Job könnte, bis das Verkehrsnetz des Hyperloop irgendwann vollautomatisch läuft, ähnlich stressig ausfallen, wie der eines Fluglotsen.

Bis der erste Hyperloop tatsächlich Passagiere transportieren könnte, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Erst Anfang Oktober hatte Virgin Hyperloop angekündigt, im US-Bundesstaat Virginia ein Forschungs- und Zertifizierungszentrum samt Teststrecke zu bauen. Der Bau soll 2022 beginnen. Ab 2025 soll dort die Technik des Hyperloop erprobt und sukzessive für die Nutzung freigegeben werden. Wobei Virgin Hyperloop seine erste Strecke in Indien zwischen Mumbai und Pune plant. Deren Bau sollte ursprünglich bereits 2018 starten und wurde dann auf 2020 verschoben. Derzeit liegt das Projekt aufgrund der Corona-Pandemie auf Eis.

Teaser-Bild: Virgin Hyperloop

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