Virgin Galactic: Richard Branson ist erfolgreich ins All gestartet

Bereits vor acht Jahren hätte der Flug stattfinden sollen. Nun startete der britische Milliardär Richard Branson tatsächlich in den Weltraum – und kehrte sicher zurück. Damit kam er dem Amazon-Gründer Jeff Bezos zuvor.

Von Michael Förtsch

Er hat es geschafft. Am Sonntag flog der britische Milliardär Richard Branson in den Weltraum. Mit dabei waren die Virgin-Galactic-Astronautinnen Beth Moses und Sirisha Bandla, der Virgin-Galactic-Astronaut Colin Bennett und die beiden Piloten Dave Mackay und Michael Masucci. Um 15 Uhr deutscher Zeit hob das SpaceShipTwo-Raketenschiff VSS Unity festgeschnallt unter dem White-Knight-Two-Trägerflugzeug VMS Eve vom Weltraumbahnhof Spaceport America in New Mexico ab. Das Flugzeug schleppte das Raketenschiff in 14 Kilometer Höhe. Dort wurde es ausgeklinkt, zündete das Raketentriebwerk und stieg mit bis zu 3.500 Kilometern pro Stunde in 86 Kilometer Höhe auf.

Rund fünf Minuten schwebte das Schiff dort und die Passagiere konnten einen Blick auf die Erdkrümmung werfen und Schwerelosigkeit erleben. Danach stürzte das Schiff zurück in Richtung Erde. Bei rund 17 Kilometern wurden die Flügel des Raketenflugzeugs in eine waagerechte Position geklappt und die VSS Unity so zu einem Segelflieger, der sicher und ohne Komplikationen auf einer Landebahn aufsetze. Damit ist Branson zum ersten Milliardär im All geworden – und zum ersten Raumfahrtunternehmer, der mit einem eigenen Raumfahrzeug dorthin geflogen ist.

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Insgesamt dauerte der Trip 90 Minuten – und machte die Passagiere zu Astronauten. Zumindest nach der Definition des US-Militärs. Denn für das beginnt der Weltraum bei 80 Kilometern über der Erdoberfläche. Laut der internationalen Luftfahrtvereinigung Fédération Aéronautique Internationale hingegen liegt die Grenze bei 100 Kilometern. Der Flug ist so oder so ein Meilenstein – sowohl für Branson und Virgin Galactic als auch für die private Raumfahrtindustrie insgesamt. Und das trotz erheblicher Verzögerungen: Erste Flüge mit der Kombination aus Raketenschiff und Trägerflugzeug hätten eigentlich schon vor Jahren stattfinden sollen.

Schon 2011 hatte Richard Branson angekündigt, dass 2013 erste Touristenflüge ins All stattfinden würden. Er selbst würde beim ersten suborbitalen Flug dabei sein. Jedoch verschob sich der Jungfernflug ins All immer wieder. Für einen enormen Rückschlag sorgte ein katastrophaler Unfall im Oktober 2014. Bei einem Testflug stürzte der VSS Enterprise getaufte Prototyp des Raketenschiffs ab. Der Pilot Peter Siebold konnte sich per Fallschirm retten, erlitt aber schwere Verletzungen. Der Co-Pilot Mike Alsbury kam ums Leben. Grund war ein Fehler beim Luftbremssystem, das zu früh einsetzte. Das führte dazu, dass das Schiff von den Bremskräften auseinandergerissen wurde.

Schon vor dem Unfall war der frühste Termin für einen Premierenflug ins All auf 2015 verschoben worden. Danach nannte Branson für eine längere Zeit keine definitiven Daten mehr, sondern bestärkte, dass Virgin Galactic die Flüge vor allem sicher machen wolle. Dennoch betonte er immer wieder, dass das bereits 2004 gegründete Unternehmen nur noch wenige Testflüge davon entfernt sei, erste Menschen ins All mitzunehmen.

Mittlerweile sind die VSS Unity und baugleiche Raketenschiffe der SpaceShipTwo-Konstruktion von der US-Luftfahrtbehörde FAA für Passagierflüge abgenommen und freigegeben. Kunden – also: Weltraumtouristen, die einen Abstecher ins All machen wollen – soll es bereits genug geben. Rund 600 Menschen hätten Tickets für jeweils 250.000 US-Dollar – rund 210.000 Euro – reserviert. Darunter sollen auch zahlreiche Prominente wie Leonardo DiCaprio sein. Nach zwei weiteren Testflügen sollen beginnend im Jahr 2022 rund 400 Menschen pro Jahr mit Virgin Galactic in den Weltraum sausen.

Bald soll auch Jeff Bezos zum Astronauten werden

Für Richard Branson ist der geglückte Flug auch ein Achtungssieg im Kampf der Milliardäre. Denn er wetteiferte darum, vor Amazon-Gründer Jeff Bezos ins All zu kommen, der mit Blue Origin schon vier Jahre vor Branson ein Raumfahrtunternehmen gegründet hatte, das ebenso suborbitale Flüge möglich machen will – jedoch mit einer Kombination aus Rakete und Kapsel. Mit der aus der Forschung entstandenen Rakete New Shepard und der sogenannten Crew Capsule sollen Bezos, sein Bruder Mark, die Pilotin Wally Funk und noch ein unbekannter zahlender Kunde am 20. Juli vom Blue-Origin-Gelände Launch Site One in Texas starten, dem Jahrestag der ersten Mondlandung.

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Nicht beteiligt an dem Rennen um suborbitale Flüge ist ausgerechnet Elon Musk, der Tesla-Chef und Gründer von SpaceX. Der zeigte sich am Tag des Virgin-Galactic-Starts auf einem Foto jedoch Seite an Seite mit Branson. Musks Raumfahrtunternehmen bringt bereits mit eigenen Kapseln NASA-Astronauten zur Internationalen Raumstation – und damit ein ganzes Stück weiter hinaus ins All als es Branson und Bezos derzeit können. Im September 2021 soll SpaceX mit der Mission Inspiration4 ein vom US-Milliardär Jared Isaacman gechartertes Crew-Dragon-Modul zu einem Rundflug um die Erde schicken. Im Jahr 2022 soll SpaceX zudem im Auftrag des Unternehmens Axiom Space und der NASA drei Touristen für einen Achttage-Aufenthalt zur Internationalen Raumstation befördern.

SpaceX selbst plant mit dem Projekt dearMoon eine spektakuläre Touristenreise. Gebucht hat sie der japanische Milliardär Yusaku Maezawa. Mit fünf bis sieben Künstlern will er an Bord eines noch in der Entwicklung befindlichen Starship-Raumschiffs über mehrere Tage hinweg den Mond umrunden. Ausgewählt hat Maezawa bereits den La-La-Land-Regisseur Damien Chazelle. Doch auch diese Reise wurde bereits verschoben. Ursprünglich sollte sie 2018 stattfinden. SpaceX wollte zu dieser Zeit Maezawa und ein weiteren Möchtegern-Astronaut mit einer Dragon-2-Kapsel zum Mond entsenden. Jedoch wurde das aufgrund der Entwicklungspläne für das Starship aufgegeben.

Teaser-Bild: Virgin Galactic

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Menschheit: „Wir haben unser Wirtschaftssystem so gestaltet, dass talentierte Menschen Milliarden-Ressourcen akkummulieren können, um Innovationen zur Rettung des Klimas und der Menschheit zu entwickeln.“
Milliardär: „Guck mal, ich flieg in ner Rakete!“

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Ich weiß nicht, ob die Häme wirklich so berechtigt ist, die gerade über Branson ausgeschüttet wird. Denn man muss sagen: alleine technisch ist das Gefährt von Virgin Galactic ein Erfolg - und ziemlich beeindruckend. Und klar, Weltraumtourismus ist irgendwie gaga. Aber das Trägerflugzeug und das Raketenschiff können auch anders genutzt werden - und sollen sie ja auch. Es sollen Forschungsflüge damit absolviert werden. Mit weiteren Entwicklungsstufen könnte es tatsächlich bis ins All fliegen, um dort Satelliten und wissenschaftliche Experimente auszusetzen. Theoretisch könnte ein SpaceshipX irgendwann sogar so funktionieren, wie ein Spaceshuttle.

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Technisch ist das absolut beeindruckend, das möchte ich nicht bestreiten. Und ich hoffe, dass diese Innovation den von Dir geschilderten humanitären Nutzen irgendwann bringt. Aber die Aktion kommt einfach voll zur falschen Zeit und demonstriert Verachtung gegenüber den Bedürfnissen der Menschheit und Respektlosigkeit im Umgang mit unseren Ressourcen. Meine Heimatstadt Eschweiler ist gerade überschwemmt und Plünderer sind unterwegs (ich spreche über eine Stadt in NRW und nicht in Südamerika). Die Bekämpfung des Klimawandels hat aus meiner Sicht oberste Priorität. Wer so viele finanzielle Ressourcen an sich reißt wie der Airline-Gründer (!) Branson, sollte verpflichtet sein, in der aktuellen Notsituation zu helfen, statt einen 90er Jahre Hiphop-Clip im Weltall zu produzieren, für den sich selbst Puff Daddy geschämt hätte. #EigentumVerpflichtet

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Naja, eigentlich sollten wir eine Gesellschaft haben, in der einzelne Menschen gar nicht erst so viel Geld anhäufen können und der Wohlstand gleicher verteilt ist. Und eigentlich sollten die Staaten es sein, die verpflichtet sind, finanziell großzügig zu handeln oder es erst garnicht dazu kommen lassen, dass es zu solchen Katastrophen kommt.

Und „verpflichtet“ unsere Gesellschaft tatsächlich reiche Menschen, in Notsituationen zu helfen? Es sollte so sein, … aber ich bin da nicht so sicher, dass das so ist. Zwar gibt es in Nordamerika eine gewisse Tradition der Philanthropie, die von Menschen wie Bill Gates, MacKenzie Scott oder auch Jack Dorsey wieder aktiver gelebt wird. Aber in Europa ist diese nicht so ausgeprägt, glaube ich, oder?

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100% stimme ich Dir zu! Ich habe keine Ahnung, warum das in Europa nicht so verbreitet ist. Vielleicht ist man sich hier bewusst, dass Philanthropie oft gar nicht so philanthropisch ist: Als sich die französischen Milliardäre darum stritten, wer die Restaurierung der abgebrannten Notre Dame spendieren darf, erkannte ganz Europa, wie viel Playmoney diese Menschen in der Golftasche hatten und die Empörung folgte sofort.

Philanthropie ist für mich oft ein Symptom für Staatsversagen: Es ist natürlich unendlich viel besser, wenn ein reicher Mann sein Geld für Toiletten in Afrika ausgibt, als für private Weltraumreisen. Aber wieso hat der überhaupt so viel Kohle? Und ist das nicht vielleicht dieselbe Kohle, die Afrika fehlt, um sich selbst Toiletten zu kaufen?

Ich habe zufällig mal einen Workshop für einen „Philanthropen“ co-moderiert. Zwei Tage lang ging es darum sich irgendeine x-beliebige gemeinnützige Stiftung auszudenken, in der der angehende Frührentner sein Betriebsvermögen parken konnte, um dafür keine Steuern zu zahlen. Damals ging es um ca. 10 Mio EUR, die jetzt nicht mehr für öffentliche Förderung von Klima-Projekten zur Verfügung stehen. Solche „Philanthropie“ ist buchstäblich a-sozial.

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