Tom Cruise will einen Film im All drehen – aber es wäre nicht der erste echte Weltraumfilm

Unzählige Science-Fiction-Produktionen spielen im Weltraum. Nun könnte tatsächlich der erste Hollywood-Streifen im All gedreht werden. Das wollen Tom Cruise, SpaceX und die NASA möglich machen. Jedoch wäre es nicht der erste Film, der im All produziert wird.

Von Michael Förtsch

Erst im vergangenen Jahr kam der Science-Fiction-Thriller Ad Astra mit Brad Pitt in die Kinos. Die Weltraum-Odyssee von Regisseur James Gray war zwar weniger erfolgreich als vom Macher erhofft, wurde aber vielfach für die sehr realitätsnahen Szenen auf der Mondoberfläche, auf einer Raumstation und in einem hypothetischen Weltraumaufzug gelobt. Der Mission-Impossible - und Top-Gun -Star Tom Cruise könnte das nun deutlich toppen. Denn wie das Filmmagazin Deadline exklusiv berichtet, soll der Schauspieler die Hauptrolle in einem Science-Fiction-Abenteuer übernehmen, das tatsächlich im Weltraum gedreht werden soll. Auf der Internationalen Raumstation.

Das Filmprojekt befindet sich wohl noch in einem frühen Planungsstadium. Jedoch soll es den Verantwortlichen damit ernst sein. Möglich machen soll den Film eine Kooperation mit dem Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk, der die Nachricht auf Twitter mit einem kurzen „Das dürfte ziemlich spaßig werden!“ kommentierte. Offiziell bestätigt ist ein Flug von Tom Cruise an Bord einer Dragon-2-Kapsel, die Ende Mai erstmals Astronauten zur ISS bringen wird, bisher aber noch nicht. Jedoch wäre es durchaus machbar, mit einer der Kapseln den Hollywood-Star, ein Zwei-Personen-Filmteam und einen begleitenden Astronauten zu befördern.

Aber nicht nur SpaceX soll die Filmproduktion unterstützen, sondern auch die US-Raumfahrtbehörde NASA. Das räumte zwischenzeitlich auch der NASA-Chef Jim Bridenstine ein. Er schrieb auf Twitter, er und die NASA seien begeistert, „mit Tom Cruise an einem Film auf der Raumstation zu arbeiten. Wir brauchen populäre Medien, um eine neue Generation von Ingenieuren und Wissenschaftlern zu inspirieren, die die ehrgeizigen Pläne der NASA Wirklichkeit werden lassen.“

Sollte der Film tatsächlich zustande kommen, wäre das ein Meilenstein – zumindest für Hollywood. Denn Tom Cruise wäre zwar der erste Filmstar im All. Aber der Film wäre keineswegs der erste, der im All entsteht. Bereits im Jahre 1983 hatte der russische Regisseur Aleksandr Surin den Film Vozvraschenie s orbiti – oder Rückkehr aus dem Orbit – veröffentlicht. Teile der Aufnahmen für den Streifen, der sich um die Flucht von einer havarierten Raumstation dreht, wurden von Kosmonauten auf der Raumstation Salyut 7 und der Kapsel Soyuz T-9 angefertigt. Außerdem hatte der Videospielentwickler Richard Garriott, der 2008 als Tourist zur ISS flog, mit Apogee of Fear einen Satire-Thriller-Kurzfilm produziert, in dem es auf der Raumstation urplötzlich einen zu hohen Sauerstoffverbrauch gibt, der sich nicht erklären lässt.

Reisekosten von rund 150 Millionen US-Dollar

Das Engagement der NASA bei der Tom-Cruise-Produktion kommt nicht von ungefähr. Bereits im letzten Jahr hatte die NASA angekündigt, die Raumstation ISS zunehmend für private Unternehmen sowie Privatpersonen zu öffnen – und zwar, um mit den Einnahmen das zukünftige Mars- und Mondprogramm zu finanzieren. Als Teil der Initiative wurde bereits dem Raumfahrtunternehmen Axiom Space gestattet, 2024 ein eigenes und damit rein in privater Hand befindliches Modul an die Internationale Raumstation anzudocken. Zusätzlich organisiert das in Houston, Texas, ansässige Unternehmen eine Reise für drei Touristen, die in der zweiten Jahreshälfte 2021 zur Internationalen Raumstation fliegen und dort mehrere Tage verbringen sollen. Durchgeführt werden soll der Trip dann von SpaceX mit einer Dragon-2-Kapsel und einer Falcon-Rakete.

Die Reise zur Internationalen Raumstation mit Axiom Space wird mit 55 Millionen US-Dollar bepreist. Zumindest schrieb das US-Raumfahrt-Start-up einst diesen Preis für einen solchen Trip aus – für eine Einzelperson. Inbegriffen sind dabei Anreise, Betreuung sowie Kost und Logis auf der ISS – für Letzteres stellt die NASA rund 35.000 US-Dollar pro Tag in Rechnung. Die Kosten für die Filmproduzenten dürften sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Sollten Tom Cruise und ein Zwei-Personen-Team zur ISS starten dürfte allein das Produktionskosten von über 150 Millionen US-Dollar verursachen. Allerdings würden andererseits Kosten für den Bau eines aufwendigen Sets wegfallen.

Teaser-Bild: ESA

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