Mit KI und 3D-Druck will Hyperganic Innovationen beschleunigen – und sammelt Millionen von Investoren ein

Mit seiner KI-basierten Software will Hyperganic das Design und die Entwicklung von physischen Produkten revolutionieren – vom Raketentriebwerk bis zum Fahrradhelm. Das Konzept überzeugte nun auch Investoren, die das Münchner Start-up mit 7,8 Millionen US-Dollar finanzieren.

Von Wolfgang Kerler

„Mir persönlich haben Innovationen in den vergangenen Jahrzehnten viel zu lange gedauert“, sagt Lin Kayser im Gespräch mit 1E9. „Wenn wir so weiter machen, haben wir bald nicht mehr genügend Zeit, um all die Dinge zu entwickeln, mit denen wir die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen können – insbesondere den Klimawandel.“ Weil er das nicht hinnehmen wollte, habe er 2017 zusammen mit Michael Gallo und Duy-Anh Pham Hyperganic gegründet.

Die Software des Start-ups, die bereits bei Kunden in den USA, Europa und Asien eingesetzt wird, soll die Entwicklung von physischen Objekten radikal beschleunigen. Dafür übernimmt eine Künstliche Intelligenz große Teile des bisher manuellen Konstruktionsprozesses.

Die Anforderungen an Produkte bekommt sie von Menschen. Dann liefert sie in kurzer Zeit eine Vielzahl von Entwürfen, die umgehend getestet werden können – und das nicht nur in Simulationen. Da die Software von Hyperganic für die Herstellung mit industriellen 3D-Druckern ausgelegt ist, die heute mit fast jedem Material arbeiten können, lassen sich Prototypen einfach ausdrucken.

„Bisher war es wahnsinnig mühsam, komplett neue physische Objekte zu entwickeln“, sagt Lin Kayser. „Deswegen machen die meisten Menschen die alten Dinge immer noch ein bisschen besser und noch ein bisschen schöner.“ Das verhindere allerdings echte Innovationen.

Noch dazu seien Konstruktionen von Menschen oft sehr einfach. „Dabei ist meistens Komplexität die Voraussetzung für die besten und effizientesten Lösungen.“ Beispiele dafür seien in der Natur zu finden. „Man vergleiche nur einen Flugzeugflügel mit dem Flügel eines Vogels oder eine Kamera mit dem menschlichen Auge“, so der Firmenchef. Die Kombination aus KI und 3D-Druck soll Produkte mit der Komplexität der Natur ermöglichen. Wie das aussehen kann, zeigen die mit der Hyperganic-Software entworfenen Prototypen eines Raketentriebwerks oder eines Fahrradhelms schon jetzt.

7,8 Millionen Dollar von Investoren

Angeführt von HV Capital und VSquared Ventures stecken Investoren nun 7,8 Millionen US-Dollar in Hyperganic. Mit dem Geld soll das derzeit 22-köpfige Team deutlich vergrößert und die weltweite Vermarktung der eigenen Software-Plattform vorangetrieben werden. Bislang konnte das Start-up auch ohne größere Finanzierungsrunden wachsen – nicht zuletzt, weil Lin Kayser Geld aus dem Verkauf einer früheren Gründung einbrachte. Vor knapp zehn Jahren übernahm Adobe seine Firma Iridas, die Technologie zur Videobearbeitung entwickelt hatte.

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Mit Hyperganic will er nicht nur bei Design, Konstruktion und Produktion von Gütern zu einem Paradigmenwechsel beitragen, sondern auch beim Handel. „Anstatt Paletten mit Gegenständen durch die Welt zu schicken, kann ich den Algorithmus, der ihn erzeugt, digital verschicken“, sagt Lin Kayser. Im Zusammenspiel verschiedener algorithmischer Module könnten wiederum ganz neue, immer bessere Objekte entstehen, die sofort weltweit verfügbar sind. Denn mit 3D-Druckern können die Käufer die Objekte direkt vor Ort herstellen.

Wie diese neue Kategorie von Produkten – Digitale Physische Produkte, kurz: DDP – die Weltwirtschaft revolutionieren können, erklärte der Hyperganic-Gründer schon vergangenes Jahr im 1E9-Interview. Ein entscheidender Vorteil davon ist aus seiner Sicht, dass globale, aber digitale Lieferketten bei gleichzeitiger lokaler Produktion deutlich flexibler und robuster sind – zum Beispiel, wenn Grenzen geschlossen werden.

Titelbild: Ein mit der Hyperganic-Software entwickelter Fahrradhelm. Bild: Hyperganic

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„Any foolish boy can stamp on a beetle, but all the professors in the world cannot make a beetle.“ - Lothar Matthäus

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