Kamera an, Mikro ein – und schon ist sie da: die „Zoom Anxiety“


Für einige sind sie zur Gewohnheit geworden. Andere kosten sie immer noch viel Überwindung, lösen sogar Panik aus. Die Rede ist von Videokonferenzen. Eine Umfrage gibt erste Einblicke in das Phänomen der „Zoom Anxiety“. Erste Firmen ordnen Zoom-freie Tage an.

Von Adriano D’Adamo

Im ersten Corona-Lockdown im März 2020 mussten wir uns ganz neue Fragen stellen. Home Office oder Spaziergang? Animal Crossing oder Tiger King? Jogginghose oder Jeans?

Ziemlich alternativlos waren (und sind) allerdings Videokonferenzen, ob mit Zoom, Teams, Google Meet oder Skype. Die digitalen Interaktionen mit Freund:innen und Kolleg:innen wurden nicht nur zum alltäglichen Bestandteil unserer Gesellschaft, sie haben auch ein neues, eher unangenehmes Phänomen hervorgebracht, über das verstärkt geklagt wird: die „Zoom Anxiety“. Anxiety bedeutet auf Deutsch so viel wie Angst, Unbehagen oder Schrecken. Unter Zoom Anxiety versteht man dementsprechend das Gefühl von Panik, das auftritt, wenn man sich in einer Videokonferenz einbringen soll. Live und in Farbe.

Die britische Designagentur Buffalo 7 führte schon im November 2020 eine Umfrage zur Zoom Anxiety mit 2.066 Teilnehmer:innen durch. Obwohl nicht repräsentativ, zeigen deren Ergebnisse, dass das Problem für viele Menschen offenbar real ist und sowohl ihre Psyche als auch ihr Verhalten im Home Office beeinflusst. Laut der Umfrage haben 73 Prozent der Befragten die Zoom Anxiety selber erlebt.

Die Ergebnisse lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Zum einen geht es darum, was den Nutzer:innen Angst macht. Zum anderen darum, was die konkreten Auslöser für die Panikattacken sind. Angstmacher Nummer eins ist demnach das Präsentieren bei einer Videokonferenz. 42 Prozent der Teilnehmer:innen gaben das an. Die Ergebnisse für die konkreten Panikauslöser während der Videokonferenz fallen differenzierter aus.

Der häufigste Auslöser sind technische Probleme mit 83 Prozent, während die Tatsache, dass es nicht möglich ist, die Körpersprache des digitalen Gegenübers zu lesen, auf dem zweite Platz mit 67 Prozent folgt. Auf dem letzten Platz befindet sich die Unsicherheit darüber, was die Teilnehmer:innen während der Videokonferenz, mit ihren Händen machen sollen.

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Es gibt aber nicht nur die Zoom Anxiety, sondern auch die „Zoom Fatigue“ – also die Erschöpfung durch endlose Videocalls, einer nach dem anderen. Das spüren auch Unternehmen. Um ihren Mitarbeiter:innen eine Pause zu gönnen, haben nun die Citigroup und ihre dazugehörigen Banken beschlossen, dass Freitags keine internen Videokonferenzen mehr stattfinden dürfen. Diese Entscheidung traf der Konzern, um die Ermüdungserscheinungen der Mitarbeiter:innen zu bekämpfen.

„Ich weiß aus eurem Feedback und meiner eigenen Erfahrung, dass die Grenzen zwischen Zuhause und Arbeitsplatz verwischen und der Arbeitstag in der Pandemie unerbittlich ist, was unserem Wohlbefinden geschadet hat“, schrieb die neue Citigroup-Chefin Jane Fraser laut Financial Times in einer Memo an die Belegschaft.

Aber zurück zur Zoom Fatigue: Die naheliegendsten Ratschläge für den Nofall sind, die Kamera und das Mikrofon einfach auszuschalten. Aber sie lösen das Grundproblem nicht. Zu den Tipps, um wirklich damit umzugehen, gehört es, schlicht an nicht all zu vielen Videokonferenzen teilzunehmen oder den Kolleg:innen anzuvertrauen, was der Grund für das eigene Unwohlsein ist. Denn ganz ohne Videokonferenzen wird es vorerst nicht gehen, denn wir sind immer noch im Lockdown.

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Titelbild: Zoom Firmenlogo. Gestaltung: 1E9

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Interessanter Bericht., wir haben hier auch eine zoom - fatigue in vielerlei Hinsicht - bei mir selber merke ich, dass ich immer mehr komplett die Konzentration und das Interesse verliere. Egal wer gerade redet. So haben wir Mitte letzten Jahres schon mit virtuellen Räumen und Veranstaltungen herum experimentiert. Ich denke, es liegt generell an der fehlenden Varianz., wenn man ein bisserl den Spieltrieb stimuliert., sieht das schon wieder etwas anders aus… Hier mal ein Mitschnitt aus unserer Space Tiki Bar in der ich jetzt immer kleine Veranstaltungen und Interviews mache… https://m.youtube.com/watch?v=Ex0fLqtH2A8&feature=youtu.be

Die Knigge in so einem Raum ist anfangs etwas holprig., da man öftermal übereinander redet., nach einiger Zeit fühlt es sich jedoch sehr entspannt und natürlich an. Interessanter Nebeneffekt (gerade bei Frauen…sie meinten: Da muss ich mich wenigst nich schminken und die Haare schön machen… :wink::thinking:

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