Project Starline: Google hat eine Kabine für lebensechte 3D-Video-Chats entwickelt

Fast als würde man dem anderen Menschen direkt gegenübersitzen. Mit Project Starline hat Google eine Kabine vorgestellt, die Menschen als hochauflösende 3D-Projektionen miteinander sprechen lässt. Möglich machen das 3D-Scanner und ein holografisches Lichtfeld-Display.

Von Michael Förtsch

Gerade in Zeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie ist es schwierig und teils auch unmöglich, sich von Angesicht zu Angesicht mit anderen Menschen zu treffen. Video-Chat-Programme wie Zoom, Meet und Teams schaffen nur bedingt Abhilfe. Denn wirklich nahbar werden die Gesprächspartner auf den Bildschirmen nicht. Project Starline soll das ändern, wie Google auf seiner diesjährigen I/O Konferenz angekündigt hat. Denn dabei soll es sich mehr oder minder um die nächste Entwicklungsstufe des Videochats handeln. Wenn auch um eine derzeit noch ziemlich sperrige.

Project Starline besteht aus einer sehr aufwendigen Kombination von Mikrophonen, mehr als einem Dutzend 3D-Scannern, mehreren HD-Kameras, kalibrierten Lichtern und einem 65-Zoll-Lichtfeldmonitor. Zusammen machen es die Geräte möglich, die Gesprächspartner nicht nur als zweidimensionales Abbild zu erfassen, sondern eben als detailliertes 3D-Modell, auf das wiederum die zweidimensionalen Texturen projiziert werden. Das soll auf dem Spezialmonitor einen räumlichen und dreidimensionalen Eindruck der Person gegenüber ermöglichen. Fast als „ob sie direkt vor mir sitzt“, wie eine Person im Präsentationsvideo von Google sagt.

Laut den Google-Entwicklern handelt es sich nahezu vollumfänglich um „eigens entwickelte Hardware und spezialisiertes Equipment“, das es so nicht auf dem Markt zu kaufen gibt. In Teilen stammt die Technologie wohl von Lytro, einem Start-up, das 2018 von Google aufgekauft worden war und zuvor an Lichtfeldkameras arbeitete, die Fotos mit mehreren Tiefenebenen einfangen ließen. Dafür wurden Gitter von Mikrolinsen verwendet, die auch Entfernungs- und Tiefeninformationen abspeicherten. Die Technologie des Monitors scheint mit 3D-Display-Konzepten von Start-ups wie Avegant, Looking Glass Factory oder auch Sony vergleichbar, die auf sogenannte Linsenraster setzen, wie sie auch bei Wackelbildern eingesetzt werden. Dadurch kann bei der Veränderung des Blickwinkels die Sicht auf die Monitorebene verschoben werden.

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Für die Öffentlichkeit ist Project Starline vorerst nicht gedacht. Stattdessen werde die Technik in einigen Google-Standorten rund um die Welt getestet. Auch einige ausgewählte Partnerunternehmen sollen die Kabinen möglicherweise ausprobieren können. Laut Clay Bavor von Google sei diese Technologie jedoch der Weg, den die „die Kommunikation von Mensch zu Mensch“ gehen kann. Daher sollen zukünftig zumindest einige Aspekte von Project Starline in verschiedene Google-Produkte aufgenommen werden.

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