Japan will Satelliten aus Holz bauen

Forscher und eine Holzverarbeitungsfirma in Japan arbeiten daran, Satelliten aus Holz zu bauen. Dadurch sollen sie leichter zu entsorgen sein und helfen, zukünftig Weltraumschrott zu vermeiden. Bereits in zwei Jahren könnte der erste Holzsatellit starten.

Von Michael Förtsch

Um die Erde trudelt jede Menge Weltraumschrott. Der stammt vielfach von Satelliten, die längst ausgedient haben. Es sind Solarpaneele, Antennenstücke, aber auch Metall- und Plastikteile von Platinen und Hüllen, die durch Kollisionen entstanden. Daher werden moderne Satelliten vor ihrem Ableben gezielt in die Erdatmosphäre gelenkt, um dort zu verglühen. Doch das gelingt nicht immer perfekt. Es können Überreste zurückbleiben, die die Erde erreichen, oder beim Verglühen schädliche Substanzen wie Aluminiumpartikel freigesetzt werden, die sich dann in der Atmosphäre verteilen. Die japanische Universität von Kyoto arbeitet daher nun mit dem Holz- und Bauunternehmen Sumitomo Forestry an einer Lösung: Satelliten aus Holz.

Die Forscher und Ingenieure haben bereits mit Studien begonnen, um zu ermitteln, welche Holzarten am besten für den Einsatz im All geeignet sind. Denn das Material muss sowohl extremer Kälte, der intensiven Sonnenstrahlung als auch kosmischer Strahlung standhalten. Ebenso werden Option ermittelt, Holz mit natürlichen und chemischen Behandlungen belastbarer und langlebiger zu machen. Erprobt werden momentan insbesondere Holzvarianten, die in Japan selbst gedeihen und unmittelbar adaptiert werden können.

„Der nächste Schritt wird die Entwicklung des technischen Modells des Satelliten sein, dann werden wir das Flugmodell herstellen“, zitiert die BBC Takao Doi, der das Projekt an der Universität von Kyoto betreut. Ein funktionsfähiger Satellit mit einem Holzgehäuse könnte bereits 2023 für einen Test bereit sein und ins All transportiert werden. Mit ihm soll dann eruiert werden, ob und wie gut sich das natürliche Material für den Einsatz um All eignet – und wie gut es sich entsorgen lässt.

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Ab in die Atmosphäre

Der Hauptgrund für die Entwicklung eines Holzsatelliten ist laut den Forschern, dass sich Holz deutlich leichter, sicherer und ohne große Rückstände beseitigen lässt. Denn wird ein Satellit mit einem Holzgehäuse in die Erdatmosphäre gelenkt, wird die Hülle im Gegensatz zu einem Pendant aus Metall schnell in Flammen aufgehen und einfach verbrennen. Entsprechend zuverlässig wird dann auch das Innenleben entsorgt, da es nicht von einem widerstandsfähigen Schild aus Metall geschützt ist. Dadurch würde insgesamt das Risiko minimiert, dass nicht-verglühte Teile den Erdboden erreichen.

Funktioniert das, könnte Holz langfristig das Problem des Weltraumschrotts zumindest minimieren. Insbesondere für Megakonstellationen wie das Internet-Satellitennetzwerk Starlink und geplante Alternativen, die schon jetzt von Wissenschaftlern und Aktivisten aufgrund möglicher Umweltfolgen kritisiert und hinterfragt werden, könnte es eine Option sein. Denn diese Satelliten sind auf eine recht kurze Lebenszeit von bis zu fünf bis sieben Jahren ausgelegt. Ausgediente Satelliten müssen daher regelmäßig in die Atmosphäre gelenkt und durch neue Exemplare ersetzt werden.

Ganz neu ist die Idee, Holz im Weltraum zu nutzen nicht. Die Raumsonde Ranger 3, die 1962 von der NASA für die Erforschung des Mondes gestartet wurde, war mit Balsaholz verkleidet, um sie vor Mikrometeoriten, Staub und Raketenteilen zu schützen. Die Sonde sollte direkt auf den Mond zusteuern, Bilder aufnehmen, Radarmessungen durchführen und all das unmittelbar zur Erde senden – und dann auf der Oberfläche aufschlagen. Jedoch verfehlte Ranger 3 aufgrund einer technischen Störung ihr Ziel und flog mehrere Tausend Kilometer am Mond vorbei. Danach geriet die Sonde ins Schwerefeld der Sonne und umkreist sie seitdem in einem Intervall von 406 Tagen.

Teaser-Bild: Recentcontributor2000 / CC Share Alike 4.0

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