Eine Milliarde Maschinen: Ein US-Wissenschaftler will einfach alles elektrisch machen

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Durchgezählt und stillgestanden: Um die Abkehr von fossilen Brennstoffen zu entmystifizieren, hat der Wissenschaftler Saul Griffith einfach mal alle Maschinen in den USA aufgedröselt und zusammengerechnet. Seine Lösung im Kampf gegen den Klimawandel ist so simpel wie gewaltig: Lasst uns alles elektrisch machen! In seiner Gesamtrechnung kommt er auf 1E9, Verzeihung, eine Milliarde Maschinen.

Ein Gastbeitrag von Saul Griffith

Angesichts der Waldbrände im Westen der USA, sintflutartiger Überschwemmungen in Europa, ausgetrockneter Stauseen und anderer dramatischer Anzeichen dafür, dass die Klimakrise längst da ist, würden wir alle gerne einfach einen Schalter umlegen, um unsere CO2-Emissionen zu stoppen und den Planeten für unsere Kinder zu retten. Aber in einer Welt voller Maschinen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben (und von Verordnungen geschützt) werden, ist es für viele Menschen schwer, sich einen Weg vorzustellen, wie wir die Netto-Null-Emissionen rechtzeitig erreichen können, um die globale Erwärmung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu drücken. Dabei ist dieser Weg ganz einfach: Lasst uns (fast) alles elektrisch machen!

Es ist höchste Zeit, die Dekarbonisierung zu entmystifizieren, damit wir verstehen, was wir tun müssen, um unsere Wirtschaft von fossilen Brennstoffen auf saubere Energiequellen umzustellen. Dazu müssen wir allerdings verstehen, welche Art von Maschinen wir nutzen, welchen Energiebedarf sie haben und wie – und wie schnell – wir diese Maschinen auf erneuerbare Energien (vor allem Wind und Sonne) umstellen können.

Um einmal am Beispiel der USA die industriellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu ermitteln, die mit dem Erreichen von Netto-Null-Emissionen verbunden sind, ist es sinnvoll, mit einer Liste von Maschinen auf der Nachfrageseite zu beginnen, die unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen vorantreiben. Und dann eine Liste von infrastrukturellen stromgetriebenen Maschinen dagegen zu legen, die es uns ermöglichen, moderne elektrische Alternativen zu entwickeln.

Meine Berechnungen fußen auf öffentlichen Datensätzen, so genannten Sankey-Diagrammen, die das Energieministerium und andere Behörden der USA erstmals in den 70er Jahren erstellt haben, um vor dem Hintergrund der Ölkrise die Energienutzung besser zu verstehen. Diese Diagramme zeigen, wie die Energie von der Angebotsseite (den großen Produzenten fossiler Brennstoffe) zur Nachfrageseite (unseren Autos, Trocknern, Heizungen und anderen Kleingeräten) fließt. So können wir detailliert nachvollziehen, woher unsere Energie kommt, wohin sie fließt und wie viel davon wir ersetzen müssen, um die Klimakrise zu bekämpfen. Nach meiner Rechnung müssen wir etwa eine Milliarde Maschinen elektrisch machen, um die US-Wirtschaft komplett zu dekarbonisieren.

Schauen wir uns das mal näher an:

Sobald man den Energiefluss kartiert hat, kann man analysieren, welche Maschinen, die fossile Brennstoffe nutzen, darin eine Rolle spielen und durch elektrische Geräte ersetzt werden müssen. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Sam Calisch habe ich all diese Maschinen gezählt, um zu ermitteln, wie viele wir schnellstmöglich austauschen können – entweder bei einem Ausfall oder bei der normalen Ausmusterung. Am besten können wir unsere Klimaziele erreichen, wenn wir eine 100-prozentige Übernahmequote hinkriegen, d. h. konsequent jede Maschine, die mit fossilen Brennstoffen betrieben wird, am Ende ihres Lebenszyklus ersetzen.

Die Gesamtzahl beläuft sich auf 1.063.000.000, also etwas mehr als eine Milliarde Maschinen. Das wiederum bedeutet, dass wir für die nächsten 20 bis 25 Jahre etwa 50 Millionen Maschinen pro Jahr ersetzen müssten, um die Aufgabe zu bewältigen.

Auf der Angebotsseite gibt es eine relativ kleine Anzahl von Maschinen, die etwa 50 Jahre halten – Maschinen, die Energie produzieren, wie Ölquellen (schlecht!) oder Windturbinen (gut!). Auf der Nachfrageseite gibt es eine große Anzahl von Maschinen, die etwa 25 Jahre halten – Maschinen, die wir in unseren Häusern und Firmen benutzen, wie benzinbetriebene Lastwagen, Rasenmäher, Heizungen und Whirlpools (schlecht!) oder ihre elektrischen Äquivalente wie Elektroautos, Wärmepumpen und elektrisch betriebene Geräte, die durch Sonnen- und Windenergie unterstützt werden (gut!). In Summe sind das etwa eine Million große und eine Milliarde kleine Geräte.

Das mag zunächst viel klingen, aber wir haben nun mal eine außerordentlich hohe Zahl an jährlichen Produktionen und Verkäufen von Maschinen. In den USA werden etwa 12 Millionen Autos pro Jahr hergestellt, und einschließlich der Importe rund 17 Millionen gekauft. Das sind 340 Millionen Fahrzeuge in 20 Jahren. In vergleichbarer Weise kaufen wir bereits jetzt etwa 9 Millionen Warmwasserbereiter pro Jahr. Die Herausforderung besteht also nicht so sehr darin, neue Maschinen zu bauen, sondern dafür zu sorgen, dass unsere Maschinen elektrisch und mit erneuerbaren Energien oder Kernkraft betrieben werden.

Gehen wir nun etwas mehr ins Detail und schauen wir uns an, woher unsere Energie kommt, wohin sie fließt, und zählen wir mal alle Maschinen auf dem Weg dorthin. Welche Energiequellen gibt es, wo befinden sich all diese Maschinen und welche sind es? Sobald wir das wissen, können wir anfangen, sie zu elektrifizieren.

Wohin fließt unsere Energie? Das sind die Sektoren

Schauen wir uns zunächst an, wohin unsere Energie im Gesamtkontext fließt. Das obige Sankey-Diagramm zeigt, wie die Energie von den Versorgern in verschiedene große Bereiche gelangt, die wir „Sektoren“ nennen.

  • Der erste ist der kommerzielle Sektor, in dem die meisten von uns arbeiten. Er verbraucht in den USA 9,5 % der Primärenergie, aber eigentlich nahezu 20 %, wenn man berücksichtigt, wie viel Energie bei der Förderung und dem Transport von Kohle und Erdgas, die diesen Sektor antreiben, verloren geht.

  • Der industrielle Sektor, in dem wir unsere Produkte herstellen, verbraucht über 30 % der Energie in den USA. In diesem Sektor werden fossile Brennstoffe abgebaut (ca. 2 % des gesamten Energieverbrauchs) und Erdöl und Erdgas zu Kunststoffen und Brennstoffen raffiniert (weitere 4 %), so dass die nichtfossilen Energieaktivitäten in diesem Industriesektor wesentlich geringer sind.

  • Der Transportsektor, der uns und unsere Güter befördert, verbraucht über 30 % der Primärenergie in den USA. Etwa die Hälfte davon geht in unsere Autos und Kleinlaster. Seltsamerweise ist der Diesel, der für den Transport von Kohle von der Mine zum Kraftwerk verwendet wird (0,2 %), Teil dieses Sektors, ebenso wie das Gas (0,75 %), mit dem Erdgas durch Hunderttausende von Pipeline-Meilen gepumpt wird, und die 0,5 % des Energieverbrauchs in den USA, die in Flugbenzin für Militärflugzeuge fließen.

  • Der Wohnsektor, in dem wir leben, verbraucht 16 % unserer Primärenergie (ohne die Autos in unserer Garage, die zum Transportsektor gehören). Ein großer Teil unseres Energieverbrauchs geht also auf Entscheidungen zurück, die wir zu Hause treffen. Dazu später mehr.

  • Und zu guter Letzt gibt es den Stromsektor, der alle anderen Sektoren mit Energie beliefert.

Wenn wir die Emissionen aus all diesen Sektoren betrachten, wird deutlich, dass unsere Haushalte für 42 % der Emissionen verantwortlich sind – durch Warmwasserbereiter, Gasherde, die Autos in unseren Garagen usw. Und das bedeutet, dass wir fast die Hälfte unseres Klimaproblems in unseren eigenen Haushalten lösen können, wenn wir uns darauf konzentrieren, all diese Geräte zu ersetzen, sobald sie in den wohlverdienten Ruhestand gehen. So können wir uns Zeit verschaffen, um die großen Emittenten auf der Angebotsseite und die schwer zu dekarbonisierenden Sektoren unserer Wirtschaft (wie z. B. lange Flugreisen) in Angriff zu nehmen.

Woher kommt eigentlich unsere fossile Energie auf der Angebotsseite?

In den Sankey-Diagrammen werden nicht nur die einzelnen Sektoren und ihr Energiebedarf dargestellt, sondern auch die Art und Menge der Kraftstoffe, die in diese Sektoren geflossen sind - all die Fässer Öl, die Tonnen Kohle, die Millionen Kubikmeter Erdgas sowie die von uns genutzte Kernkraft und die erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Wasser. Dies ist die Angebotsseite. Auf dieser Seite erzeugen einige wenige, sehr große Maschinen unsere gesamte Energie - Kraftwerke, Bergwerke, Ölbrunnen, Raffinerien, Pipelines und schwerindustrielle Anlagen. Hier bestimmen einige wenige Investitionsentscheidungen, wie schnell all diese Maschinen in den Ruhestand gehen.

Werfen wir mal einen Blick auf unsere Energieversorgung und ihre Maschinen.

1 . Kohle

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In den USA werden immer noch rund 730 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr gefördert. Das sind etwa 2200 kg Kohle pro Einwohner, rund 6 kg pro Person pro Tag.

Riesige Kohlelaster arbeiten in den USA, verteilt auf insgesamt 669 Kohleminen. Das Land verfügt über nachgewiesene Reserven von mehr als 250 Milliarden Tonnen, was einem Vorrat von mehr als 300 Jahren entspricht. Diese Reserven müssen im Boden bleiben, sonst haben wir keine Chance, unsere Klimaziele zu erreichen.

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Hunderte von Schaufelradbaggern, die zu den größten Landfahrzeugen der Welt gehören, werden in den US-Tagebauen eingesetzt und bewegen täglich Hunderttausende Tonnen Material.

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Einige hunderttausend Güterwaggons sind im Einsatz, um die Kohle von den Bergwerken zu den Kraftwerken zu transportieren. Jeder Waggon trägt etwa 120 Tonnen Kohle und verliert auf einer Strecke von 500 Meilen einige hundert Pfund Kohlenstaub.

25.000 Diesellokomotiven ziehen die US-Güter der Klasse 1 (also der Kategorie von Transportunternehmen, die mehr als 250 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr erwirtschaften). Ein Viertel dieser Güter ist Kohle.

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In den USA gibt es rund 225.000 Kilometer Schienenwege für den Güterverkehr, Right-of-ways inklusive. Würde man die klassischen Bahntrassen des Güterbahnsystems für industrielle Solarenergie nutzen, könnte man auf den 1,36 Millionen Hektar Grund im Jahresdurchschnitt etwa 137 GW Strom erzeugen. Das ist viel mehr, als diese Schienen derzeit an fossilen Brennstoffen liefern.

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Die USA verfügen über 241 Kohlekraftwerke, in denen also Kohle verbrannt wird, um – nicht sehr effizient – Strom zu erzeugen. Aufgrund der Konkurrenz durch billigeres Erdgas (Stichwort Fracking) und der sinkenden Kosten für erneuerbare Energien werden Kohlekraftwerke allmählich geschlossen. Sie sind jedoch nach wie vor rentabel, da die Kosten für die Gesundheit der Menschen und die Umweltbelastungen der Kohleindustrie (etwa 0,05 $ pro KWh) nicht in die Stromerzeugungskosten eingerechnet werden.

2. Öl

Jedes Jahr verbrauchen die USA etwa 7,1 Milliarden Barrels Öl. Das sind insgesamt rund 1,1 Billionen Liter!

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Es braucht eine Menge Energie und viele Maschinen, um dieses Öl zu finden, zu fördern, zu raffinieren und zu transportieren. Dazu bedarf es:

  • 63 Öltanker
  • 960.000 Bohrlöcher
  • 360.000 Kilometer an Pipelines, die die Ölquellen verbinden mit
  • 135 Ölraffinerien, die dann das Rohöl zu Benzin und Diesel verarbeiten.
  • 100.000 Tanklastwagen. Sie bringen das raffinierte Öl schließlich zu
  • 150.000 Tankstellen, an denen wir unsere Autos, Lastwagen und Motorräder auftanken können.

Wäre es nicht toll, wenn dies alles Ladestationen für Elektrofahrzeuge wären?

3. Erdgas

Die USA verbrauchen fast rund 850 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Der Begriff „Naturgas“, wie man Erdgas auch nennt, klingt so, als sei es gut für die Umwelt. Das ist es aber nicht. Es ist ein fossiler Brennstoff, der größtenteils aus Methan besteht, mit unterschiedlichen Mengen an anderen schädlichen Chemikalien.

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Wir haben rund 300 bis 500 Bohrinseln, um dieses Gas zu fördern. Austretendes Gas von den Inseln kann das Meerwasser verschmutzen und die dort lebenden Arten gefährden. Korallenriffe z.B. reagieren besonders empfindlich auf Verschmutzung durch austretendes Erdgas. Und die Bohrgeräusche rufen bei Meeressäugern Stress hervor.

Und dann gibt es bei uns noch 969.140 Gasbohrlöcher, die quer über die Landschaft verstreut sind und bei denen teilweise auch Fracking eingesetzt wird. Die Fracking-Methode wächst in den USA und hat sich sogar in bewohnten Gegenden ausgebreitet. Fracking beeinträchtigt die Luft-, Wasser- und Bodenqualität, und die dabei freigesetzten Chemikalien haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und anderen Arten.

Diese Gasbohrlöcher haben wir mit etwa 517.000 Kilometer an Gas-Pipelines verbunden, die zum Verlust und zur Fragmentierung von Lebensräumen für viele Tierarten führen und bei Lecks Methan- und Kohlenstoffemissionen freisetzen, die das Grundwasser und den Boden verseuchen können.

Erdgas wird auch in flüssigem Zustand mit sogenannten LNG-Tankern (LNG = „liquified natural gas“) transportiert. Wir haben 121 Terminals für Flüssigerdgas, riesige Anlagen, die die Flüssigkeit wieder in Gas umwandeln und dann verteilen.

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400 unterirdische Gasspeicher sorgen dafür, dass Verbrauchsschwankungen ausgeglichen werden können. Erdgas wird in der Regel unterirdisch unter hohem Druck gespeichert, meist in ausgedienten Lagerstätten auf Erdölfeldern, in Minen, Grundwasserreservoirs oder Salzkavernen.

Das Erdgas wird dann in etwa 2000 Generatoren eingespeist, die einen erheblichen Teil unseres Stroms erzeugen – und leider auch die Luft verschmutzen. Und es wird über 2,1 Millionen Kilometer Gasverteilungsleitungen direkt in unsere Haushalte gebracht. Würde man all diese Leitungen aneinander reihen, könnten man damit 166,7 Mal die Erde umrunden.

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All dieses Gas fließt am Ende durch 69 Millionen Gaszähler in den Privathaushalten und rund drei Millionen Zähler in Geschäftsgebäuden und wird schließlich auf der anderen Seite der Zähler, auf der Nachfrageseite, von entsprechenden Maschinen verbraucht.

Und wohin fließt unsere fossile Energie auf der Nachfrageseite?

Auf der anderen Seite der vielen Gaszähler und Zapfsäulen wird wie gesagt fast die Hälfte unserer Emissionen erzeugt, von all den Geräten in unseren Häusern und den Autos in unseren Garagen. Wenn wir die, wenn sie ausfallen, gegen elektrische Geräte austauschen, können wir den Klimawandel bekämpfen.

Stellen wir uns dies doch wie eine Art Gelöbnis vor: Jedes Mal, wenn eine mit fossilen Brennstoffen betriebene Maschine in unserem Haus oder unserer Garage ersetzt werden muss, bemühen wir uns, sie durch eine elektrische Variante zu ersetzen, die mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Mir ist bewusst, dass dies aus vielen Gründen – meist aus finanziellen – nicht für jeden möglich ist. Bei der von mir gegründeten Initiative Rewiring America arbeiten wir aber zum Beispiel daran, die saubere Elektrifizierung für alle erschwinglicher zu machen. Nur wenn wir die Anfangskosten in den Griff bekommen, wird am Ende jeder bei seiner Stromrechnung sparen.

Lasst uns nun einmal die nachfrageseitigen Maschinen durchzählen:

1. Kraftfahrzeuge

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220 Millionen Fahrzeuge (von insgesamt 275 Millionen in den USA) brauchen Erdöl. Wir werden nicht jedes davon elektrifizieren können, aber in einem Szenario der vollständigen Dekarbonisierung wird zumindest die überwiegende Mehrheit elektrisch sein. Der Rest wird mit Biokraftstoffen, (erneuerbaren) synthetischen Kraftstoffen und (erneuerbarem) Wasserstoff betrieben werden können. In den USA werden jedes Jahr etwa 17 Millionen Kraftfahrzeuge (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) verkauft, von denen etwa 12 Millionen im Inland hergestellt werden. Das Durchschnittsalter dieser Fahrzeuge liegt bei 11 bis 12 Jahren. Die Fahrzeuge halten etwa 20 bis 25 Jahre, was bedeutet, dass wir einen ganzen Lebenszyklus haben, um sie alle zu ersetzen.

Wenn wir die Fahrzeuge weiter segmentieren, sehen wir Folgendes:

  • 25% davon sind normale Autos
  • 50% sind SUVs und Crossovers
  • 20% sind Pickup-Trucks
  • 5% sind Minivans
  • Dazu kommen noch 8,5 Millionen Motorräder

Neben den Privatautos müssen wir auch viele Nutzfahrzeuge ersetzen. Einige davon, vor allem Langstrecken-Lkw, werden künftig mit Biokraftstoff betrieben werden müssen. Stadt- und Schulbusse können aber sicherlich elektrisch fahren. Hier reden wir dann von:

  • 13 Millionen Lastwagen
  • einer Million Busse

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2. Haushaltsgeräte

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2.1. Raumheizungen

In den USA gibt es eine Vielzahl von Raumheizungsanlagen, insgesamt 98 Millionen. Zu diesen Geräten gehören zum Beispiel Zentralöfen, Heizkessel und Gasheizungen. 58 Millionen dieser Heizgeräte werden mit Erdgas betrieben. 40 Millionen werden mit Strom betrieben. Aber nur etwa 12% sind Wärmepumpen. Die neue Wärmepumpentechnologie kann Häuser viel effizienter heizen und kühlen und benötigt dabei nur 1/3 der Energie. Etwa 5% der Haushalte verwenden Propan, 6% Kerosin und 3% Holz für die Raumheizung.

2.2. Warmwasserbereitung

Von unseren 117 Millionen Boilern werden 56 Millionen mit Gas betrieben. Die meisten Haushalte verfügen über einen Warmwasserspeicher, der eine große Menge Wasser erwärmt und es für den Gebrauch bereithält. Die meisten anderen werden mit elektrischem Widerstand oder Erdgas beheizt. Es gibt inzwischen sehr brauchbare Alternativen mit elektrischen Wärmepumpe, die den Energiebedarf um etwa 1/3 reduzieren.

2.3. Kochgeräte

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Das Kochen ist für praktisch alle Haushalte in den USA unverzichtbar und wird oft mit fossilen Brennstoffen betrieben. Kochen ist ein wichtiges kulturelles Ereignis, und in den USA haben wir gelernt, dass Erdgas mit hoher Hitze und hohem BTU-Wert das „Beste“ ist. Aber es gibt inzwischen in jeder Preisklasse hervorragende elektrische Induktionskochgeräte und Innovationen wie elektrische Heißluftfritteusen. Diese elektrischen Geräte verbessern die Luftqualität (und die Gesundheit) im Haus, ermöglichen eine bessere Kontrolle der Temperatur und bieten viele weitere Vorteile für unsere zukünftigen Küchen.

Zu den mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kochgeräten, die wir ersetzen müssen, gehören:

  • 35 Millionen Gasherde
  • 6,5 Millionen Gaskochfelder
  • 2 Millionen Gasbacköfen

2.4. Waschmaschinen und Trockner

Wir werden 19 Millionen Gas-Wäschetrockner durch elektrische ersetzen müssen, was (wie bei vielen anderen Geräten auch) oft auch ein Upgrade des Stromverteilers erfordert. Dabei vergessen viele Menschen den Solartrockner – die Wäscheleine. Waschmaschinen sind bereits vollständig elektrisch, und bessere Waschmittel haben häufigere Kaltwasserzyklen ermöglicht, die den Energieverbrauch in den USA erheblich reduzierten. Die einzigen Maschinen, die in unseren Waschküchen fossile Brennstoffe verbrauchen, sind die Gas- und Propan-Wäschetrockner. Die effizienteste Alternative zu diesen Geräten sind elektrische Wärmepumpentrockner, die nur etwa ein Drittel der bisherigen Energie verbrauchen.

Nicht zu vergessen …

… etwa 600 Millionen weitere Geräte, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, u.a. so teure und unnötige Geräte wie:

  • 1,9 Millionen gasbeheizte Whirlpools.
  • 5 Millionen gasbeheizte Schwimmbecken.

Das sind eine ganze Menge blauer Flammen. Um die loszuwerden, brauchen wir in unseren Haushalt eine komplett neue Infrastruktur!

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Der Energiebedarf dafür wird etwa dreimal so hoch sein wie bisher. Wir werden also nicht nur etwa 100 Millionen Stromverteilerkästen aufrüsten müssen, sondern auch auch viele Geräte benötigen, um unsere elektrischen Geräte zu betreiben:

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  • etwa 55 Millionen Solaranlagen
  • rund 30 Millionen Haushaltsbatterien
  • 220 Ladegeräte für Fahrzeuge

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Alles in allem reden wir also über eine Milliarde Geräte. Das heißt: Um unsere CO2-Ziele zu erreichen, müssen wir in den nächsten 25 Jahren jeden Monat 500.000 Haushalte auf saubere Weise elektrifizieren.

Die gute Nachricht ist, dass für die Herstellung, Installation, Wartung und Ausbildung von Menschen für die neue saubere Wirtschaft zig Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen werden müssen. Das sind gut bezahlte Arbeitsplätze, die die gesamte USA betreffen. Denn es müssen lokale Jobs sein, weil man niemanden outsourcen kann, der Solarzellen auf das Dach montiert. Und es handelt sich dabei nicht nur um direkte Arbeitsplätze, sondern auch um indirekte, die entstehen, wenn z.B. der Installateur von Solarzellen, der ein gutes Gehalt bezieht, sein Geld bei lokalen Unternehmen ausgibt - beim Metzger, beim Bäcker, beim LED-Hersteller.

Die Haushalte sparen Geld

Außerdem werden die amerikanischen Haushalte etwa 1500 bis 2000 Dollar Stromkosten pro Haushalt und Jahr einsparen können, vorausgesetzt allerdings, dass wir die richtigen Ermäßigungen und Zinssätze einführen. Rewiring America arbeitet derzeit mit einer Vereinigung von fast 200 Organisationen an der Verabschiedung des sogenannten „Zero-Emissions Home Act 2021“, der einige Rückvergütungen für die Investitionskosten einer sauberen Elektrifizierung ermöglichen soll.

Wenn es uns gelingt, politische Maßnahmen zur Förderung einer tiefgreifenden Elektrifizierung durchzusetzen, werden die Preise für Solarenergie und andere saubere Stromquellen sinken. Gesamtwirtschaftlich können wir auf diese Weise fast 300 Milliarden Dollar im Jahr einsparen!

Entscheidend ist aber, dass kein Haushalt auf der Strecke bleibt. Dazu müssen die elektrischen Lösungen an jedem Ort und bei jeder möglichen Kaufentscheidung so schnell wie möglich die kostengünstigste Option sein. Man kann das Klimaproblem nicht in den Griff kriegen, wenn nicht jeder Haushalt mitmacht und auch davon profitiert.

Die Elektrifizierung ist die zentrale Lösung für das Klima. Je mehr Dinge wir elektrifizieren, umso einfacher ist es, am Ende alles elektrisch zu machen. Das bedarf einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Aber wir haben noch die Chance, den Planeten zu retten.


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Saul Griffiths Buch zum Thema „Electrify“ erscheint am 12. Oktober bei MIT Press. Der Autor dankt Sam Calisch und Laura Fraser für ihre Hilfe mit Daten und Worten. Der Originalbeitrag ist bei Medium erschienen. Titelbild und alle Zeichnungen: Saul Griffith

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Rewiring America! Fantastische Initiative und sowas plakatives bräuchte es auch für Deutschland und Europa. Frage mich wie genau die Zahlen hier aussehen würden. Ob auch in Europa 1E9 die Lösung ist :wink: ?

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