Diese Kaffeemaschine soll ein Beispiel für reparierbare Haushaltsgeräte sein

Viele Haushaltsgeräte sind heute Wegwerfartikel. Selbst teure Maschinen lassen sich schwer oder gar nicht reparieren, ohne sie zu beschädigen – erst recht nicht von ihrem Käufer. Das gilt insbesondere für Kaffeemaschinen. Ein Designer hat daher nun gezeigt, wie es anders gehen könnte.

Von Michael Förtsch

Bei so manchem wird kürzlich wohl eine Kaffeemaschine unter dem Weihnachtsbaum gelegen haben. Nicht selten, um eine alte Kaffeemaschine zu ersetzen, die aus irgendeinem Grund länger als früher braucht, um den Morgenkaffee zuzubereiten – oder gar nicht mehr funktioniert. Schuld ist meist die Wasserpumpe, die, wenn erst mal kaputt, die komplette Kaffeemaschine zu einem Stück Plastikschrott degradiert. Denn reparieren lässt sich so eine Wasserpumpe meist nicht, da Ersatz nicht einfach verfügbar ist. Und wenn doch, müsste die komplette Plastikverkleidung des Küchengerätes aufgebrochen werden, um das kleine Technikteil zu ersetzen. Das alles ist weder nutzerfreundlich noch nachhaltig. Das hat sich auch der Designer Thomas Mair gedacht und eine Alternative entwickelt, die zeigt, wie eine Kaffeemaschine für eine umwelt- und reperaturfreundliche Zukunft aussehen könnte.

Der Impuls kam für den in Südtirol geborenen, in den Niederlanden lebenden Industriedesigner aus eigener leidiger Erfahrung. Wenn auch nicht mit einer toten Kaffeemaschine. „Bei mir war es ein Trockner in unserem Haus, der kaputt ging“, sagt Thomas Mair zu 1E9. Eine fachmännische Reparatur hätte deutlich mehr gekostet als der Trockner noch wert war. Daher wollte Mair selbst Hand anlegen – was aber nur viel Zeit und Nerven kostete. Denn dafür war der Trockner nicht ausgelegt. „Das frustrierende war, dass das kaputte Bauteil sehr klein und nicht einmal so wichtig war“, sagt er. „Aber vor allem gab es keine Option, es selbst zu ersetzen.“ Mit etwas Flickwerk konnte er den Trockner für sechs weitere Monate in Betrieb halten, aber „letztlich musste er weg“.

Wie Thomas Mair sagt, war er überzeugt, dass es auch anders gehen müsste. Es müsste einen Weg geben, Haushaltsgerät in einer Weise zu gestalten, dass sie repariert werden können, ohne gleich einen Fachdienst zu rufen oder über Stunden im Internet nach Ersatzteilen zu suchen, die sich dann höchstens auf chinesischen Online-Marktplätzen finden lassen. Ein Weg, der auch hilft, weniger Elektroschrott zu produzieren, der dann auf Müllhalden landet. Also entschloss er sich, ein Gerät zu entwickeln, das zeigt, wie das funktionieren könnte. „Als ich damit anfing, wusste ich nicht, dass es eine Kaffeemaschine werden würde“, lacht er. Stattdessen habe er zu Beginn unter anderem Toaster und Wasserkocher im Blick gehabt. Denn: „Als ich mit meiner Recherche dafür begann, stellte ich fest, dass solche kleinen Haushaltsgeräte für ein Drittel des Elektromülls auf unserer Welt verantwortlich sind.“

Dass er sich letztlich für eine Kaffeemaschine als Beispielentwicklung entschied, habe mehrere Gründe gehabt. „Die meisten Leute haben eine Kaffeemaschine und entwickeln dazu eine echte Verbindung“, sagt der Designer. „Für manche ist sie ein echtes Statussymbol. Aber vor allem macht eine Kaffeemaschine für uns ein Getränk, dass uns durch viele schwierige Situationen hilft – uns Kraft gibt. Dennoch, wenn sie kaputt geht, ist‘s für viele total selbstverständlich, in einen Elektrofachhandel zu gehen und einfach eine neue zu holen.“ Das sei eine sehr ungesunde Normalität, meint Mair, die auch den großen Kaffee- und Haushaltskonzernen geschuldet ist. Auch sie würden in den meisten Fällen nicht reparieren, sondern das gesamte Gerät ersetzen, wenn jemand eine Kaffeemaschine zur Reparatur einschickt.

Modulrarität für die Nachhaltigkeit

In seiner Mission, eine reparierbare Kaffeemaschine zu entwickeln, inspizierte Mair über Wochen Dutzende von Kaffeemaschine. „Ich schaute mir jede an, die ich irgendwo kriegen konnte“, sagt er. „Ich sprach mit Menschen, deren Kaffeemaschinen kaputt gegangen waren und fragte, was sie taten, um sie zu reparieren – und dann nahm ich diese Maschinen und zerlegte sie.“ Es habe ihn erstaunt und auch ernüchtert, wie „schlecht viele davon aufgebaut sind“. In vielen Fällen – und sogar bei hochpreisigen Maschinen von namhaften Herstellern – sei es nahezu unmöglich, eine Maschine zu öffnen, ohne deren Gehäuse zu zerstören. Auch Unterstützung von den Herstellern gibt es da nicht. „Sie sind nicht dafür gemacht, repariert zu werden“, sagt er. „Eine Reperaturinfrastruktur ist daher quasi nicht existent.“

Die Lösung für eine reparierbare Kaffeemaschine sah Thomas Mair in einem eigentlich vollkommen bewährten und logischen Konzept: der Modularität. Statt die essentiellen Bestandteile einer Kaffeemaschine in einem verschweißten Gehäuse zu verstecken, sollen sie in kleine und verständliche Module zerlegt werden, die sich einfach abklemmen, herausnehmen, wieder ersetzen und dann mit den anderen Modulen verbinden lassen. In diesem Fall wären das ein Thermoblock mit den Heizelementen, eine Wasserpumpe, ein Durchflussmesser mit Wasserfilter und ein Netzteil als Hauptkomponenten – zu denen aber auch noch ein Mini-Rechner wie etwa ein Raspberry Pi samt Touchscreen und ebenso austauschbare Bauteile wie ein Wassertank, ein Brühkopf und Abdeckungen für all die Technik kommen. Vieles davon fabrizierte Mair für einen Designprototyp selbst – mit dem 3D-Drucker.

„Die Komponenten orientieren sich stark an denen einer Nespresso-Maschine“, sagt Mair. Rund fünf Monate tüftelte er an dem System und seinem Design, das zahlreiche Herausforderungen offenbarte und mittlerweile Kara getauft wurde. Eines der Probleme? Dass es oft keine standardisierten Stecker für die einzelnen technischen Elemente gibt, die er in ein Modul zusammenfassen wollte. Bei Ventilen und Leitungen stieß Mair auf Verbindungen, die eigentlich zusammenpassen müssten, aber das nicht unbedingt taten. Und auch die Einbindung eines Einplatinencomputers – wie eines Raspberry Pi –, um die Komponenten zu steuern und von ihnen Daten zu erheben und darauf zu reagieren, sei ein ziemlicher Hickhack. Daher würde die Maschine „zumindest derzeit keinen Kaffee machen“, wie Mair einräumt. Momentan sei sie eher ein Designvorschlag. Aber: „Die Arbeit an diesem Projekt hat mir aufgezeigt, dass es noch einiges an Arbeit und Standardisierung braucht, um solche Geräte in der Breite zur Realität zu machen.“

Nachhaltigkeit lohnt nicht. Oder doch?

„Ich glaube nicht, dass Kara in der jetzigen Form in Produktion gehen könnte“, sagt Mair. Trotzdem sieht er keinen Grund, warum eine modulare und einfach zu reparierende Kaffeemaschine nicht existieren sollte. Letztlich würden in Kara im Grundsatz die gleichen Teile verwendet wie in anderen Kaffeemaschinen. „Sie sind lediglich etwas anders verbaut“, sagt der Designer. Neuentwicklungen brauche es daher kaum – aber neu gedacht, müsste einiges werden, wenn Kaffeemaschinen und andere Haushaltsgeräte modularer werden sollen. Eben was die Zusammenstellung, Aufteilung und Zugänglichkeit von den technischen Einzelbestandteilen betrifft.

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„Ich denke, der einzige Grund, warum wir so ein Gerät nicht schon jetzt kaufen können, ist, weil es als Geschäft [für die Hersteller] weniger Sinn macht als unser verschwenderisches System, das wir jetzt haben“, so Mair. „Ich denke, die Hersteller profitieren, wenn wir unsere Geräte alle paar Jahre komplett austauschen müssen.“ Laut dem Designer brauche es daher wohl auch die richtigen Rahmenbedingungen und Regeln, um solchen Haushaltsgeräten einen Weg zu bereiten. Die Recht-auf-Reparatur-Bewegung und erste Gesetze in Europa und den USA sind Pioniere und Weichensteller.

Daher ist der Designer positiv gestimmt. Er habe zudem einige wohlwollende Rückmeldungen auf seinen Entwurf bekommen – auch aus der Industrie. Dazu gibt es ähnliche Projekte, die mittlerweile mehr und mehr Anklang finden. Wie etwa der Laptop des kanadischen Unternehmens Framework, der sich leicht auf- und nachrüsten lässt. Oder auch das Fairphone, das mit seinen austausch- und reparierbaren Bauelementen einen Gegenentwurf zum iPhone darstellt. „Ich denke, es gibt einen eindeutigen Trend zur Modularität und zum Recht auf Reparatur“, sagt Mair. „In gewisser Weise ist es fast paradox, dass unsere komplexesten und miniaturisierten Geräte als erste in diese Richtung gehen. Dabei wäre es viel einfacher, einen reparierbaren Kühlschrank, Toaster oder eine Kaffeemaschine zu entwickeln.“

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Schade, dass die Maschine nicht in die Produktion gehen wird. Ich würde sie kaufen. Mit dem eigenwilligen Design wäre sie so auffällig im Büro, dass man mit jedem Besucher darüber ins Gespräch kommen würde. Solange man über ein Recht auf Reparatur nur in der Theorie spricht bzw. sprechen kann, kommt man unweigerlich an den Punkt, dass es ja keine Produkte zu kaufen gibt, die reparabel sind. Dann ist es sich einfach zu sagen, ich würde ja, wenn es was gäbe. Müllvermeidung im Konjunktiv funktioniert halt nicht…
Mit dem Fairphone, dass ich für meine Tochter und mich angeschafft habe, entstehen Gespräche mit echtem Interesse, da man es anfassen kann und ein "ich würde ja…“ ausgeschlossen ist.

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