Der Neuralink-Mitgründer glaubt, dass wir eine Medizin- und High-Tech-Religion brauchen

Das von Elon Musk finanzierte Start-up Neuralink soll Computer-Gehirn-Schnittstellen voranbringen und massentauglich machen. Dessen Mitgründer Max Hodak glaubt, dass aus solchen und anderen medizinischen Anwendungen eine neue Religion entstehen könnte.

Von Michael Förtsch

Vor mittlerweile fünf Jahren hat Elon Musk das Unternehmen Neuralink gestartet. Dessen Ziel ist es, eine moderne und möglichst kompakte Computer-Gehirn-Schnittstelle zu entwickeln. Über Elektroden, die auf und in der Hirnmasse sitzen, sollen sich Impulse abgreifen und einspeisen lassen. Solche Systeme gibt es bereits, aber sie sind klobig und experimentell. Neuralink will das ändern und hat bereits ein Gerät entwickelt, das die Elektroden gleich einer Nähmaschine schnell und steril implantieren können soll. Ein Clip hinter dem Ohr soll deren Signale empfangen und verarbeiten. Musk und seine Ingenieure hoffen dadurch, zunächst neurologische Krankheiten zu bekämpfen.

Das Langzeitziel von Neuralink ist es, das fiktionale Neural Lace aus der Science-Fiction-Saga Kultur -Zyklus von Ian Banks umzusetzen, das den Verstand des Trägers komplett aufnehmen kann und drahtlosen Zugang zu Datenbanken und Künstlichen Intelligenzen gewährt. Einer, der das für Elon Musk möglich machen soll, ist der Mediziningenieur Max Hodak. Der glaubt, dass Neuralink über kurz oder lang auch die Art, wie Videospiele gespielt, Filme und Serien geschaut werden, verändern wird. Die würden durch einen direkten Zugriff auf das Gehirn nicht mehr nur entwickelt werden, um die Augen und Ohren anzusprechen, sondern müssten für „mehr Sinnesorgane gemacht“ werden.

Außerdem ist Max Hodak, wie er nun auf Twitter schrieb, überzeugt, dass moderne Medizintechnologie und Medikamente der Ausgangspunkt einer neuen Art von Glauben sein könnten. Sie könnten sogar in eine vollkommen neue Religion münden. Sie könne „etwas [sein], was die Verrücktheit von Mathematik und Physik umarmt, möglicherweise katalysiert durch Entheogene.“ Entheogene sind psychoaktive Substanzen, die spirituelle Erfahrungen möglich machen und zumeist aus Pflanzen gewonnen oder auch als Pflanzen konsumiert werden – wie verschiedene Pilz- und Kräuterarten. In zahlreichen Religionen wurden und werden sie genutzt, um die Gegenwart eines Gottes oder spirituellen Kraft zu fühlen. Das könne laut Hodak auch für die Göttlichkeit von Wissenschaft und Technik gelten.

Verstehe, was die Zukunft bringt!

Als Mitglied von 1E9 bekommst Du unabhängigen, zukunftsgerichteten Tech-Journalismus, der für und mit einer Community aus Idealisten, Gründerinnen, Nerds, Wissenschaftlerinnen und Kreativen entsteht. Außerdem erhältst Du vollen Zugang zur 1E9-Community, exklusive Newsletter und kannst bei 1E9-Events dabei sein. Schon ab 2,50 Euro im Monat!

Jetzt Mitglied werden!

Geht es nach dem Mediziningenieur, könne eine solche High-Tech-Religion, da sie mehrheitlich auf den Prinzipien der Wissenschaft und medizinischen Vorsorge aufgebaut, „praktische moralische Führung“ bieten und eine echte Gemeinschaft schaffen. Mit einer solchen Vorstellung steht Hodak nicht alleine da. Bereits vor drei Jahren hatte der ehemalige Google-Entwickler Anthony Levandowski eine Kirche gegründet, in der eine Computergottheit verehrt werden sollte. Jedoch wurde Levandowski seitdem entlassen und verklagt. Der selbsternannte Dekan der Way of the Future getauften Glaubensgemeinschaft hat diese zwischenzeitlich aufgelöst und Startkapital gespendet.

Hat dir der Artikel gefallen? Dann freuen wir uns über deine Unterstützung! Werde Mitglied bei 1E9 oder folge uns bei Twitter, Facebook oder LinkedIn und verbreite unsere Inhalte weiter. Danke!

Teaser-Image: Photo by Ismael Paramo on Unsplash

3 Like

Finde ich ein interessantes Gedanken-Experiment. Warum nicht neue Religionen kreieren? Andere Zeiten, brauchen andere Menschen, andere Denk - Haltungen, andere Religionen. Wir können ja jetzt schon lange live miterleben, wie sich einige unserer Weltreligionen dauerhaft lächerlich machen. Muss man sich mal fragen, ob das noch zeitgemäß ist.
Es gibt eine herrliche Szene in David Brins’ Buch „Existenz“, indem ein Protagonist ein Brain- Interface - Dings nutzt und relativ schnell in einen erhöhten Gamma - Wellen Zustand kommt., den man eigentlich nur durch langjährige Meditation erreichen kann. Er stirbt dann fast., weils offenbar allzu angenehm ist und die Buddhisten echauffieren sich darüber das er schummelte…:upside_down_face:

2 Like