Bayern könnte 40 Prozent seines Wärmebedarf mit Geothermie decken

Ein Gutachten der Technischen Universität München besagt, dass in Bayern bis zu 40 Prozent des Wärmebedarfs mittels Geothermie gedeckt werden könnte. Vor allem die Erdschichten in Südbayern würden ideale Bedingungen bieten.

Von Michael Förtsch

Wir brauchen nicht nur eine Energie-, sondern auch eine Wärmewende. Das fordern zahlreiche Experten. Denn für das Heizen von Gebäuden, Warmwasser und sogenannte Prozesswärme in der Industrie benötigt es nach wie vor immense Mengen an fossilen Brennstoffen, die bis vor kurzem vor allem aus Russland bezogen wurden. Zumindest in Bayern sehen Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München jedoch eine Alternative. Und zwar in der Geothermie – der Erdwärme also, die durch Bohrungen in die tiefergelegenen Schichten der Erde angezapft werden kann.

Laut einem Gutachten für die Geothermie-Allianz Bayern könnten „bis zu 40 Prozent des bayerischen Wärmebedarfs […] aus der tiefen Geothermie in Südbayern bedient werden“. Als Tiefengeothermie oder tiefe Geothermie wird die Nutzung der Erdwärme aus einem Bereich von 400 bis 5.000 Metern bezeichnet. In diesen Schichten herrschen Temperaturen von über 20 Grad Celsius. Ab Tiefen von über 1.000 Metern können sogar Temperaturen von über 60 Grad Celsius nutzbar gemacht werden. Laut dem Gutachten der TUM-Wissenschaftler sei das Potenzial für die Nutzung dieser nachhaltigen und dauerhaften Wärmequellen in Bayern sehr groß. Um dieses Potenzial auszuschöpfen wären „500 Förder- und Injektionsbohrungen“ notwendig.

Vor allem sogenannte hydrothermale Geothermie sei eine aussichtsreiche Nutzungsmöglichkeit. Hierbei wird Wasser in die Tiefe gespült und als Heißwasser oder Dampf zurückgewonnen, um es dann als Energieträger etwa für Fernwärmesysteme zu nutzen. „Ballungszentren liegen nicht immer in Regionen mit hohem geothermischem Potenzial“, so die TUM in einer Presseerklärung zum Gutachten. „Jedoch könnten auch Regionen, deren geologische Rahmenbedingungen weniger gut geeignet sind, über sogenannte Verbundleitungen von der Wärme aus der Tiefe profitieren.“

Es geht noch tiefer

Die Forscher schränken ihr Gutachten dahingehend ein, dass die für eine Versorgung von 40 Prozent des Wärmebedarfs in Bayern notwendigen Bohrungen in der Praxis nur schwer umsetzbar wären. Denn „der Bau von Geothermieanlagen und Verbundleitungen ist mit hohen Kosten verbunden“, so die Presseerklärung. Allerdings zeigt das Gutachten, dass tiefe Geothermie dennoch um ein Vielfaches stärker genutzt werden könnte, als das bisher der Fall ist. Insbesondere für die Versorgung von Gemeinden und Industrieanlagen könnte die Erdwärme einen massiven Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit darstellen.

Tatsächlich soll Bayern nach dem Willen der Staatsregierung bis 2050 zu einem Viertel mittels Geothermie versorgt werden. Allerdings kritisieren die Grünen im bayerischen Landtag, dass dieses Ziel ohne die notwendige Förderung nicht erreichbar ist. Es seien derzeit nur zehn Millionen Euro zur Förderung der Geothermie für das kommende Jahr vorgesehen. Das sei nicht einmal genug, um ein einziges Geothermieprojekt umzusetzen. Stattdessen müssten alleine für den Ausbau der Netze mindestens 100 Millionen Euro bereitgestellt werden.

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Die Nutzung und Erforschung von Erdwärme haben in Deutschland eigentlich Tradition. In den 1990ern wurde mit dem Kontinentalen Tiefbohrprogramm im bayerischen Windischeschenbach innerhalb von 1.468 Tagen bis in 9.101 Meter Tiefe gebohrt. Dort wurde eine Temperatur von 265 Grad Celsius festgestellt. Das US-Start-up Quaise Energy will solche Tiefenbohrungen zur Versorgung ganzer Städte nutzen – nicht nur mit Wärme, sondern auch mit Strom. Die Firma kündigte bereits im März dieses Jahres an, bis zu 20 Kilometer in den Erdboden vorzudringen. Dort sollen 500 Grad Celsius und mehr herrschen, genug um 30 bis 50 Megawatt mit einem Geothermiekraftwerk umzusetzen.

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