Was der Kauf eines Krypto-Start-ups durch die Deutsche Börse bedeutet

Die Deutsche Börse hat ein Schweizer Krypto-Start-up gekauft. Das ermöglicht es Anlegern, in Bitcoin, Ether und andere Digitalwährungen zu investieren. In Zukunft soll das durch den Aufkauf auch direkt bei der Deutschen Börse möglich sein. Offenbar ist die Aktien-Institution vom Internetgeld überzeugt.

Von Michael Förtsch

Vor zwölf Jahren entließ der mysteriöse Satoshi Nakamoto die Kryptowährung Bitcoin in die Welt. Sie war auch als eine Reaktion auf die etablierte Finanzwirtschaft gedacht, die gerade erst eine riesige Finanzkrise verursacht hatte. Heute repräsentieren Bitcoin und andere Kryptowährungen wie Ether, Litecoin, Dash, Cardano, Tezos und Dogecoin Hunderte Milliarden Euro. Sie machen Menschen weniger von klassischen Banken abhängig. Ebenso wachsen DeFi-Dienste, bei denen zumeist voll-automatisierte Protokolle die Kryptovermögen der Anleger verleihen, tauschen, investieren, zu echten Alternativen zu Aktien-Fonds und Tagesgeldkonten.

Aus diesen Gründen kommen auch klassische Finanzgrößen nicht mehr um Kryptowährungen herum. Genau das beweist gerade die Deutschen Börse. Die hat nun für über 100 Millionen Euro die Mehrheit am Schweizer Krypto-Unternehmen Crypto Finance AG gekauft, das als sogenannter Broker für Kryptowährungen agiert. Heißt: Das 2017 gegründete Fintech investiert für große und kleinere Kunden in digitales Geld und verwaltet es – ganz ähnlich wie klassische Investmentbanken mit Aktienpaketen.

Das Start-up profitierte vom Bitcoin- und Krypto-Boom dieses Jahres enorm. Allein in seinem Brokerage-Geschäft habe es nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2021 rund eine Milliarde US-Dollar bewegt – mehr als im ganzen Jahr zuvor. Zukünftig will die Deutsche Börse die Dienste und Krypto-Geld-Pakete von Crypto Finance für Investoren direkt anbieten. Langfristig soll aber ein noch größeres Ziel verfolgt werden. Nämlich „der Aufbau eines neutralen, transparenten und hoch skalierbaren Digital-Asset-Ökosystems unter europäischer Regulierung.“

Kryptowährungen: Gekommen, um zu bleiben?

Zumindest für die Deutsche Börse steht offenbar fest, dass Kryptowährungen so bald nicht wieder verschwinden werden – und sich Staaten und Finanzbehörden mit Kryptowährungen arrangieren müssen, und nicht umgekehrt. In der Schweiz ist das bereits geschehen. Dort werden digitale Anlagen von der Finanzmarktaufsicht Finma kontrolliert.

In China, das bereits über die vergangenen Jahre stetig strengere Gesetze zu Kryptowährungen erlassen hatte und zu Beginn des Jahres 2021 ein De-facto-Verbot aussprach, zeigt sich gerade, dass sich Kryptowährungen nicht oder zumindest nur sehr schwer verbannen lassen. Denn es wird auch dort weiterhin mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen gehandelt. „Tatsache ist, dass chinesische Händler immer noch enormen Einfluss ausüben“, sagt etwa der Kryptohändler Matthew Graham gegenüber CNBC .

Statt auf lokale Plattformen werde in China nun auf ausländische Dienste oder eigene digitale Brieftaschen gesetzt, die sich nicht so einfach blockieren oder sperren lassen. Für wertstabile Anlagen werde von immer mehr großen und kleinen Investoren, aber auch von jungen Chinesen auf Stablecoins wie USDT oder Dai gesetzt, deren Wert sich an Währungen wie dem US-Dollar orientiert. Kryptowährungen würden dadurch „zu einem Untergrundgeld“.

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Die Deutsche Börse und die Blockchain

Ganz neu ist die Krypto-Begeisterung der Deutschen Börse übrigens nicht. Bereits 2018 gründete das Aktienunternehmen ein Team, das sich mit digitalen Währungen und der Blockchain-Technologie befassen soll, auf der Bitcoin und andere Kryptowährungen aufbauen. Ebenso schloss sich die Deutsche Börse dem Hyperledger-Projekt der Linux Foundation an, mit dem eine Open-Source-Blockchain-Software entwickelt wird. Auch arbeitete die Deutsche Börse gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank an einem auf Hyperledger basierenden System, um Wertpapiertransfers, Zinszahlungen, Rückzahlungen und andere Fälligkeiten mittels der Blockchain möglich zu machen.

Die Deutsche Börse ist zudem an einem Projekt des Start-ups 360X und der Commerzbank beteiligt. Gemeinsam sollen hier digitale Handelsplätze für bereits existierende Vermögenswerte wie Kunst und Immobilien aufgebaut werden, die per Token und Blockchain sicher und nachvollziehbar sein sollen. Unkompliziert soll es dadurch zunächst für professionelle Anleger und Investoren machbar werden, gemeinsam mit anderen einen Anteil an einem Gemälde, einer Skulptur, einer ganzen Sammlung von Pop-Art-Kunst oder einem Gewerbebau zu erwerben.

Photo by Igor Flek on Unsplash

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