Warum uns das Thema 5G so sehr spaltet

In Europa brennen Funkmasten und Kommunen in Deutschland werden von neu gegründeten Bürgerinitiativen überrannt. Wirklich darüber wundern kann man sich nicht. Die öffentliche Debatte rund um die Einführung des Mobilfunkstandards 5G bewegt sich irgendwo zwischen blindem Technologieglaube und esoterischer Fortschrittsverweigerung. Schuld ist daran auch die Passivität der zuständigen Ministerien.

Nun hat die Bundesregierung das Thema 5G besonders prominent in ihrem Eckpunktepapier zum Konjunkturpaket platziert. Fünf Milliarden Euro sind für den weiteren Ausbau (perspektivisch auch 6G) vorgesehen und weitere zwei Milliarden Euro stehen für die Förderung zusätzlicher F&E-Aktivitäten bereit. 5G wird im Konjunkturpaket als wichtiger Innovationstreiber und Standortfaktor positioniert.

Kommunikation als Herausforderung

Umso wichtiger ist es nun aber auch, dass die Regierung diesen Standpunkt in die Öffentlichkeit trägt und die Debatte darum (mit)moderiert. Denn ohne eine proaktive, konstruktive und sachliche Instanz bekommen wir im gesellschaftlichen und medialen Diskurs genau das, was wir jetzt schon haben: Marketing-Buzzwording, Innovationstheater, Verschwörungstheorien und diffuse Ängste.

Test erfolgreich. Bei dieser Wortkombination erhält ein Tweet einen Trump-Tag. pic.twitter.com/eO4v8yEpgl

— Mario Sixtus 🇭🇰🇪🇺 (@sixtus) June 6, 2020

Die Formulierungen im Konjunkturpaket erwecken den Anschein, dass eine konkrete Strategie besteht, was mit 5G in Deutschland geschehen soll und auch warum. Bislang scheut sich das BMVi wie auch andere, diese Pläne transparent und offen zu kommunizieren.

Natürlich ist das auch nicht so einfach: Ein neuer Mobilfunkstandard als Technologie ist abstrakt und erklärungsbedürftig, die Berührungspunkte im Alltag nicht sichtbar und der konkrete Vorteil (noch) nicht wahrnehmbar. Staatshilfen für die Bahn lassen sich deutlich einfacher legitimieren.

Eine Kommunikationsoffensive ist nun immerhin angekündigt. Doch bleibt man hier zögerlich und bleiben wichtige Fragen zu Zielen, Gesundheit, Datensicherheit und konkreten Mehrwerten zu lange unbeantwortet, verschärfen sich ideologisch und emotional aufgeladene Positionen noch weiter.

Transparenz statt Überzeugung

Es wird sich auch langfristig nicht jeder von den Plänen von Politik und Wirtschaft überzeugen lassen. Aber es braucht zumindest eine Informationsgrundlage für alle, die sich mit dem Thema 5G auseinandersetzen möchten und eine Argumentationsgrundlage für all diejenigen, die sich (beispielsweise auf kommunaler Ebene) mit 5G auseinandersetzen müssen.

Den Hype von tatsächlichen Möglichkeiten zu unterscheiden wie auch berechtigte Kritik von falschen Aussagen und Zusammenhängen. Darum muss es gehen.

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Danke für diesen Beitrag. Denke es geht bei anderen Themen, die Technologie-getrieben und Zukunfts-orientiert sind, ähnlich zu: Polarisierend, es wird zu viel von Buzz und Technologie geredet, es fehlt Transparenz und vor allem eine makroskopische Einordnung dieser Themen.

Warum brauchen wir überhaupt den Mobilfunk und mehr „G“ als jetzt? Was können wir mit 5G / 6G tun, was das Leben signifikant besser macht? Was wenn man da nicht mit macht? Wie sind solche Entscheidung verwoben mit Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheitspolitik, Allianzen? Was kann man mit Gewissheit sagen, wo liegt Unsicherheit?

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Danke für den Beitrag! Eine aktivere, transparente Kommunikation zum Thema 5G ist wirklich wichtig. Auch zur Debatte um Huawei. Was ist der Kenntnisstand der deutschen Regierung? Die Informationen der US-Administration sind angesichts des Dauer-Handelsstreits möglicherweise sehr politisiert. Ich persönlich wüsste daher momentan nicht, wie groß denn nun das Risiko bei einer Beteiligung von Huawei wirklich ist.

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Es ist in meinen Augen ein Thema, welches gleichermaßen unattraktiv, wie auch komplex für Politiker ist.

Die Polarisierung und Politisierung des Themas führt dazu, dass man damit keinen Blumentopf, geschweige denn eine Wahl gewinnt. Daher finde ich es mutig, dass es die Regierung 5G auf die politische Agenda bringt. Für mich ein Indikator für den großen Stellenwert der Technologie langfristig. Man muss es aber dann auch mit der nötigen Konsequenz begleiten.

Dass Politiker dafür aber über die technologischen, volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen Bescheid wissen müssen und eine neurowissenschaftliche Einordnung zu möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen parat haben sollten, zeigt die Komplexität in die man sich natürlich auch nur ungern freiwillig begibt.

5G scheint mit den ganzen Kontroversen tatsächlich ein ganzes Spektrum abzubilden, die sich zumindest teilweise auch in ganz anderen Bereichen wiederfinden. Passt gut in unsere Zeit…

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