This Week in Future #187 // 03.12.2023

Hi,

in diesem wöchentlichen Newsletter wollen wir euch Lesens-, Sehens- und Hörenswertes aus anderen Medien und Veröffentlichungen vorstellen. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wollen aber Geschichten und Informationen mit euch teilen, die uns in der 1E9-Redaktion bemerkenswert erschienen.

KI-Bildgeneratoren verbrauchen deutlich mehr Strom als Textgeneratoren

  • Für eine neue Studie haben das KI-Start-up Hugging Face und die Carnegie Mellon University ermittelt, wieviel Energie der Einsatz von Generativer Künstlicher Intelligenz verbraucht. Die Antwort: Ein Bild zu generieren verbraucht so viel Strom wie eine komplette Smartphone-Akkuladung, 1.000 KI-generierte Texte dagegen nur 16 Prozent einer Ladung. Insgesamt wurden für die Studie Experimente mit 88 verschiedenen KI-Modellen durchgeführt. Je größer und vielseitiger einsetzbar das Modell, desto höher fiel der Stromverbrauch aus. Am energieeffizientesten waren kleine Modelle, die für spezifische Anwendungsfälle trainiert wurden. Mehr über die Ergebnisse erfahrt ihr bei MIT Technology Review.

Amazon startet mit Q einen eigenen KI-Chatbot für Unternehmen

  • Aufbauend auf einer eigenen Plattform namens Bedrock, die die Amazon-KI Titan mit Systemen von Anthropic und Meta verbindet, startet Amazon einen KI-Chatbot namens Q. Die New York Times berichtet darüber. Damit macht der Amazon-Cloudanbieter AWS dem Copilot von Microsoft, Duet AI von Google und der Enterprise-Version von ChatGPT direkte Konkurrenz. Q soll, zum Beispiel, interne Dokumente zusammenfassen können, beim Ausstellen von Support-Tickets helfen oder Fragen zur Firmenpolitik beantworten können.

DeepSeek: Ein neuer ChatGPT-Konkurrent aus China

  • Mit DeepSeek ist Ende dieser Woche ein weiterer neuer Chatbot gestartet, der ChatGPT herausfordern soll. Entwickelt wurde er vom bislang unbekannten chinesischen Start-up DeepSeek AI. Laut diesem wurde das dahinterstehende KI-Modell mit Quellen aus China und der englischsprachigen Welt trainiert. Es soll in ersten Tests sowohl ChatGPT-3.5 Turbo, den Chatbot Claude-2 als auch die Modelle LLaMA 2 und Mistral 7B hinter sich lassen. Vor allem, wenn es um Mathematik und Logik geht, soll es leistungsfähig sein und nur knapp hinter GPT-4 zurückstehen. Das Modell kann über Github geladen werden. Außerdem gibt es einen offiziellen Chatdienst. Die Antworte des KI-Chatbots sind aber offenbar zensiert, wie der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales demonstrierte. Antworten auf Fragen über Zensur in China, zum Beispiel, werden demnach nur kurz angezeigt und dann wieder gelöscht.

Sam Altman von OpenAI gibt ein Interview – ohne viel zu sagen

  • Nach seiner Rückkehr als Chef von OpenAI hat Sam Altman The Verge ein kurzes Telefoninterview gegeben – darin allerdings keine neuen Details darüber verraten, warum der Verwaltungsrat ihn für ein paar Tage entlassen hatte. Zu den Vorfällen werde es eine „unabhängige Untersuchung“ geben. Die Berichte über ein neues OpenAI-KI-Modell namens Q*, das alle bisherigen KIs übertreffen soll, kommentierte er ebenfalls nicht. Ein Ergebnis der turbulenten Tage in der ChatGPT-Firma bewertet Altman positiv: Die Belegschaft sei jetzt noch geschlossener, fokussierter und engagierter als vorher.

Wie man ChatGPT Informationen über seine Trainingsdaten entlocken kann

  • ChatGPT kann ein ziemliches Plappermaul sein, gibt sich bei manchen Themen aber auch recht verschlossen. Zum Beispiel, wenn es um ChatGPT selbst, OpenAI und die Informationen darüber geht, wie die Sprachmodelle hinter dem KI-Chatbot eigentlich trainiert wurden. Wie Forscher nun allerdings entdeckten, lassen sich einige Informationen über die Entstehung von ChatGPT extrahieren – mit den richtigen Prompts. In diesem Fall wurde ChatGPT aufgefordert, das Wort „poem“ immer wieder zu wiederholen. Das tut der Bot auch eine Weile, liefert dann aber einen Wust an Texten, die sich oft genauso im Internet finden lassen. Es handelt sich dabei offenbar um Rohdaten, die zum Training genutzt wurden. Brisant ist: In diesem Textwust finden sich immer wieder durchaus sensible Daten wie Email-Adressen. Wieso ChatGPT die Texte überhaupt herausgibt, ist unklar.

Ersetzt Uber Eats in Speisekarten ungefragt echte Bilder von Essen mit KI-Bildern?

  • Mit dem Dienst Uber Eats kann man bei Restaurants Essen bestellen, die selbst keinen eigenen Lieferservice haben. Dafür übernimmt der Ableger des bekannten Fahrdienstes deren Speisekarten auf die eigene Website und in die eigene App. Doch jetzt nimmt er dabei offenbar kuriose Änderungen vor. Wie X-Nutzer bemerkten, tauschte Uber Eats die Fotos für Gerichte bei einigen Restaurants anscheinend mit KI-genierten Bildern aus, die auch noch wenig glaubhaft aussahen. Die Betreiber eines Restaurants kommentierten, dass sie über die Lage Bescheid wüssten, aber keine Kontrolle über die Inhalte von Uber Eats hätten. Die Gründe für die Änderungen sind vollkommen unklar.

Mitte 2024 startet die Ariane 6 das erste Mal

  • Zwischen dem 15. Juni und dem 31. Juli des kommenden Jahrs soll die Ariane-6-Rakete erstmals abheben. Das hat die ESA nun bekannt gegeben, wie Spiegel Online berichtet. Damit liegt sie vier Jahre hinter dem eigentlichen Zeitplan zurück. Die Ariane 6 soll Europa helfen, in Sachen Raumfahrt konkurrenzfähiger und unabhängiger zu werden. Denn für zahlreiche ambitionierte Missionen sind Europas nationale Raumfahrtbehörden, die ESA und europäische Unternehmen momentan auf die USA, Unternehmen wie SpaceX und bis vor wenigen Jahren auf die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos angewiesen. Bis zu 11,5 Tonnen soll die Rakete in den Weltraum schleppen können.

Auch Blue Origin bereitet den ersten Start einer neuen Rakete vor

  • Aber nicht nur die Ariane 6 soll 2024 ihren Jungfernflug erleben, sondern auch die New Glenn von Blue Origin. Seit über einem Jahrzehnt forscht das Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos an einer Schwerlastrakete, die vor allem den Falcon-Raketen von SpaceX Konkurrenz machen soll. Die New Glenn misst 98 Meter in der Höhe und soll bis zu 45 Tonnen transportieren. Die erste Stufe soll mehrfach verwendet werden können. Der erste Start ist derzeit für den August 2024 angesetzt, berichtet Space.com. Bei diesem soll die Rakete zwei Satelliten mitnehmen, die der Erforschung von Sonnenwinden dienen. Bislang hat Blue Origin nur die New-Shepard-Rakete im Einsatz, die für Touristenflüge zum Rand des Weltraums genutzt wird.

Anduril stellt neue KI-Kampfdrohne vor, die andere Drohnen abschießen soll

  • Vor nunmehr schon drei Jahren haben wir euch die amerikanische Firma Anduril vorgestellt, die von Palmer Luckey gegründet wurde – nachdem er sein VR-Brillen-Start-up Oculus erfolgreich an Meta verkauft hatte. Mit Anduril spezialisierte er sich auf etwas ganz anderes: auf Militär- und Überwachungstechnologie, etwa für amerikanische Grenzsicherung. So vermeldete 404 Media erst vor wenigen Tagen, dass der amerikanische Grenzschutz nun einen der High-Tech-Überwachungstürme von Anduril testen will. Wie WIRED nun außerdem berichtet, handelt es sich beim neuesten Produkt von Anduril um eine KI-gesteuerte Kampfdrohne mit Strahltriebwerken namens Roadrunner. Sie wurde mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine entwickelt, in dem beide Seiten auf Angriffe mit günstigen Drohnen setzen, die vergleichsweise schwer und oft nur mit teuren Waffen abgeschossen werden können. Roadrunner soll diese Art von Drohnen, aber auch Raketen weitgehend autonom unschädlich machen können. Mit dem Problem völlig autonomer Waffen, haben wir uns bei 1E9 auch schon auseinandergesetzt.

Erster Langstreckenflug mit 100 Prozent alternativen Treibstoffen

  • Nur beschleunigt mit Flugzeugtreibstoff aus Altfetten- und -ölen sowie aus Maisabfällen hat eine Boeing 787 der Airline Virgin Atlantic einen Flug von London nach New York absolviert – es war der erste Langstreckenflug nur mit den SAF genannten nicht-fossilen Treibstoffen. Zahlende Passagiere waren dabei allerdings nicht an Bord. Die auch als Bio-Kerosin bezeichneten Kraftstoffe sollen die CO2-Emissionen der Luftfahrt reduzieren, dürfen bisher allerdings zu maximal 50 Prozent beigemischt werden. Doch selbst das passiert selten, der Marktanteil von SAF liegt nur bei 0,1 Prozent – vor allem, weil fossiles Kerosin deutlich billiger ist. Mehr könnt ihr in der Flug Revue nachlesen.

In Norwegen heizen zwei Drittel der Haushalte mit Wärmepumpen

  • Wärmepumpen gelten als Technologie, mit der sich klimafreundlich heizen lässt. In Deutschland haben sie nach dem Chaos ums Heizungsgesetz allerdings einen schweren Stand. Ganz anders in Norwegen: Dort heizen bereits zwei Drittel der Haushalte mit Wärmepumpen, mehr als in jedem anderen Land der Welt – und der Guardian hat sich angeschaut, wie dort der Umstieg gelungen ist. Schon während und nach der Ölkrise von 1973 verabschiedete sich Norwegen von fossilen Brennstoffen zum Heizen und stellte zunächst vor allem auf Holz- und Elektroheizungen um. Ein Trend, der in den 1990er-Jahren durch einen CO2-Preis, staatliche Zuschüsse und Steuern beschleunigt wurde. Doch seit einigen Jahren sind Wärmepumpen schlicht die günstigste Art, zu heizen. Und da der Staat frühzeitig für genug Fachkräfte gesorgt hat, die die Anlagen einbauen können, war der Umstieg für viele Haushalte eine einfache Entscheidung.

Anna Indiana, die erste KI-Musikerin… ist mittelmäßig.

  • Anna Indiana heißt die erste, komplett KI-generierte Musikerin. Ihr erster Song Betrayed by this Town, der bei YouTube zu hören und sehen ist, stammt von generativen KI-Modellen, darunter GPT-4 und Musicfy. Auch ihr Äußeres ist KI-generiert. Angeblich soll es keinerlei menschliche Nachbearbeitung gegeben haben. Kritiker kann Anna Indiana allerdings nicht überzeugen. So schrieb Insider nur: „Sie ist zutiefst mittelmäßig.“

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