Der Gründer von Oculus baut jetzt KI-Grenzüberwachung, Panzer und Anti-Drohnen-Drohnen

Mit der Oculus Rift hat der Entwickler und Bastler Palmer Luckey einst den aktuellen Virtual-Reality-Hype losgetreten. Wenig später verkaufte er sein Unternehmen für eine Milliardensumme an Facebook – und verstrickte sich in politische Kontroversen. Statt VR-Brillen entwickelt er nun Überwachungs- und Militärgerät der Zukunft.

Von Michael Förtsch

Palmer Luckey war genervt und enttäuscht. Und zwar von den Virtual-Reality-Brillen, die er sich Anfang der 2010er-Jahre über den Kopf streifte. Er empfand alle als technisch rückständig und weit hinter dem zurückbleibend, was machbar wäre. Er entdeckte einfach keine VR-Brille, die „echt gut ist und für Gaming taugt“. Eher aus Verzweiflung entschloss sich er sich um 2011, er war gerade 17 Jahre alt und Designer am Institute for Creative Technologies der University of Southern California, eine neue Virtual-Reality-Brille zu entwickeln. Bessere Bildschirme vor den Augen, ein breiteres Sichtfeld, eine akkuratere Erkennung von Kopfbewegungen, mehr Tragekomfort: All das wollte Luckey haben. Daraus folgte der erste Prototyp des Headsets, das später die Oculus Rift werden würde. Jene Virtual-Reality-Brille also, die den neuen Hype um die virtuellen Welten begründet hat.

Dadurch wurde Palmer Luckey zum „Gesicht von Virtual Reality“ und auf einem gerne verspotteten, aber dennoch legendären Cover des Time Magazine verewigt, in dessen Artikel er als virtuoser Entwickler und Jung-Unternehmer beschrieben wird. Allerdings versucht eine hawaiianische Firma namens Total Recall Technologies gerade dieses Image anzugreifen, indem sie Luckey verklagt. Denn ursprünglich hatte sie ihn angeheuert, um ein Virtual-Reality-Headset zu konturieren – aber statt das zu tun, soll Luckey angeblich mehrere Ideen der Firma stibitzt und sie betrogen haben. Doch mit diesem Kapitel will der der heute 26-Jährige gar nichts mehr zu schaffen haben. Bereits 2014 verkaufte er das gerade zwei Jahre alte Start-up Oculus an Facebook – für 2,3 Milliarden US-Dollar. Drei Jahre später verließ er die Firma.

Ganz freiwillig war das allerdings nicht. Angeblich war der Grund für den Weggang seine politische Einstellung. Denn er unterstützte ein Pro-Trump-Non-Profit-Unternehmen, das verleumderische Anti-Hillary-Clinton-Werbung verbreitete – etwas, das er zunächst eingestand, dann aber als Fake News bestritt. Zusätzlich soll er höchstselbst unter dem Pseudonym NimbleRichMan Hillary Clinton auf Reddit als „korrupt, Kriegstreiberin und Freiheitsräuberin“ bezeichnet und angekündigt haben, Trump mit „meme magic“ und „shitposting“ ins Weiße Haus zu bringen. Verschiedene Videospielentwickler kündigten deshalb an, nicht mehr mit Oculus zu arbeiten – bis Luckey zurücktritt. Denn der oft in Hawaii-Hemd und Flipflops auftretende Palmer Luckey sei nicht nur konservativ, sondern „weit rechts“ und ein „Patron der Alt-Right“, wie einige mahnten. Vielleicht sei er sogar der nächste Peter Thiel.

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Und es sieht tatsächlich so aus, als würde Palmer Luckey Peter Thiel, dem Milliardär, einstigen PayPal-Mitbegründer, Facebook-Frühinvestor und Finanzier mehrerer umstrittener Start-ups, nacheifern. Denn Luckey führt bereits sehr erfolgreich ein neues Start-up und will damit einer der „großen Militärdienstleister“ der Welt werden. Dafür scheint er sich einiges bei Peter Thiels berüchtigtem Datenanalyse- und Privat-Geheimdienst-Unternehmen Palantir abzuschauen, das unter anderem das US-Militär, verschiedene US-Geheimdienste und die Polizei Hessen zu seinen Kunden zählt – und ungefragt Daten von Behörden nutzte, um ein umstrittenes System zur Vorhersage von Straftaten aufzubauen.

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Eine unsichtbare Mauer

Eine Mauer zu Mexiko hatte Donald Trump vor und nach seiner Wahl zum US-Präsidenten immer wieder versprochen. Aber die ist bis heute Wahlkampfgepolter belieben. Nur über manche Etappen wurden alte Grenzanlagen erneuert, einige andere aufgestockt. Neue Mauerabschnitte oder Zäune gibt es bisher kaum. Und geht es nach Palmer Luckey, dann braucht es die aber auch gar nicht. Warum das so ist, will er in den nächsten Jahren zeigen. Er möchte eine nahezu unsichtbare Mauer erschaffen – mit Wachtürmen, die sein neues Unternehmen Anduril Industries entwickelt hat. Ganze 200 soll Luckey für die Grenzschutzbehörde US Customs and Border Protection entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze aufbauen.

Mit denen will Luckey, wie er auf Twitter schreibt, „die Fähigkeiten der Grenzbeamten verbessern“ und „ihre Arbeit sicherer machen“. In den Autonomous Surveillance Towers genannten Türmen sollen nämlich nicht Grenzschützer, sondern eine Künstliche Intelligenz namens Lattice Wache halten. Die soll Daten von Wärmesensoren, HD-Kameras, Radar- und Laser-Scannern, Mikrophonen sowie anderen Sensoren kombinieren, die an der Spitzte der Stahltürme thronen, und dadurch Fahrzeuge, Menschen und Tiere zielsicher identifizieren. Bei bis zu 97 Prozent soll die Erkennungsrate liegen.

„Wir können ein perfektes 3D-Modell von allem erstellen, was in einem großen Bereich passiert“, sagte Luckey in einem Interview mit CNN. „Dann nehmen wir diese Daten und führen prädiktive Analysen durch, versehen sie mit Metadaten, finden die relevanten Informationen und leiten sie an die Soldaten und das Sicherheitspersonal weiter.“ Lattice soll also nicht nur sagen können, was ist, sondern auch, was wohl sein wird: Wo geht eine gesichtete Person wohl hin? Wo kann sie abgefangen werden? Wo festgenommen? Und das klar erkennbar in einfach zu nutzenden Apps für PCs und Smartphones.

Rund um die Uhr sollen die Türme in Betrieb sein – und das durch Batterien, Solarzellen und Mobilfunkanschluss vollkommen eigenständig und unabhängig. Das einzige, was sie brauchen, seien etwas Platz, freie Sicht und einige Betonblöcke, um sie gegen Wind zu sichern. Luckey sieht darin „einen großen Schritt, die Kartellprofite, Drogenschmuggler und den Menschenhandel“ zu beenden.

Mehrere Hundert Millionen US-Dollar soll sich die US-Regierung das kosten lassen. Zwei Jahre lang hatte das Unternehmen die Technik vor dem Auftrag auf einer Ranch in Texas getestet und verfeinert. Während dieser Probephase allein sollen die Türme über 50 Menschen ausgemacht haben, die versuchten die Grenze in die USA zu überqueren. Das brachte Anduril Industries auf die Liste der 50 aussichtsreichste KI-Start-ups des Forbes-Magazins.

Geht es nach Luckey, ist der Grenzschutz der Zukunft also digital und gelenkt von einer Künstlichen Intelligenz – und stammt von Anduril. Die kommenden Türme „sind nur der Anfang“, schreibt er auf Twitter. Die Einwanderungspolitik sei „ein heiß debattiertes Thema mit einem breiten Spektrum rationaler Meinungen“. Aber jeder, mit dem er bisher gesprochen habe, stimme ihm zu, dass etwas getan werden muss, um „die bösen Jungs“ aufzuhalten. „Er sei ein Fan von Immigration“, sagt Luckey. „Aber ich glaube auch sehr stark an Grenzen.“

Daher sieht er für seine Türme prinzipiell nicht nur in den USA einen Anwendungszweck, sondern rund um die Welt. Die britische Grenze zu Nordirland würde er gerne „lösen“, denn schon jetzt würde er „viel mit dem Vereinigten Königreich arbeiten.“ Auch bei Militärbasen und andere „sensiblen Objekten“, die vor mutmaßlichen Eindringlingen geschützt werden sollen, will Luckey seine Türme aufstellen. Neben dem US-Grenzschutz sollen die Türme daher bereits vereinzelt vom US-Verteidigungsministerium und dem US-Heimatschutz erprobt werden. Die Ambitionen von Anduril und Luckey gehen aber noch weit darüber hinaus.

Stark Industries als Vorbild

Hinter Anduril steht natürlich nicht nur Luckey selbst, sondern ein ganzes Gründerteam. Zuvorderst ist da der Co-Gründer Trae Stephens. Luckey und er hatten sich laut einer WIRED-Recherche bereits 2014 auf einer Investoren- und Gründerveranstaltung in Sonora Island, Kanada, kennengelernt, woraufhin sie über Möglichkeiten zur Gründung einer neuen Firma spekulierten. Eine Idee soll zu dieser Zeit gewesen sein, eine Technologie zu entwickeln, mit der sich Kraftfelder wie aus Star Trek realisieren lassen. Die weiteren Mitgründer-Gründer sind der Ex-Palantir-Entwickler Matt Grimm und der ehemalige Oculus-Entwickler Joe Chen. Später kam noch der Ex-Palantir-Chef-Ingenieur Brian Schimpf dazu.

Alle von uns sind Der-Herr-der-Ringe -Fans, also ist’s ein witziger Name.

Palmer Luckey

Nur eine Woche nachdem Luckey Oculus offiziell verlassen hatte, heuerte das Team im Haus des VR-Pioniers erste Mitarbeiter an – um die „nächste große Verteidigungsfirma“ zu gründen. Was genau sie machen wollten, war da aber noch nicht sicher. Dennoch sammelte das in Orange County – und mittlerweile auch Seattle und Washington DC – beheimatete Start-up wenig später ein erstes Millionen-Investment vom Risikokapitalgeber Founder Fund ein, der schon Oculus mit angeschoben hatte. Pikant daran: Trae Stephens ist nicht nur ein Ex-Palantir-Mitarbeiter, sondern auch heute noch Partner beim Founders Fund. Und hinter dem steht wiederum der berüchtigte Investor, Unternehmer und Palantir-Gründer Peter Thiel.

Noch eine weitere Gemeinsamkeit teilen sich Anduril und Palantir. Beide Unternehmen sind nach legendären Gegenständen aus Der Herr der Ringe benannt. Ersteres nach dem Schwert Andúril, der Flamme des Westens, das Aragorn im Kampf schwingt. Letzteres nach dem schwarzen Kugelstein, mit dem der fiese Zauberer Saruman an weit entfernte Orte schaut und zum bösen Sauron spricht. „Alle von uns sind Der-Herr-der-Ringe-Fans, also ist’s ein witziger Name“, begründete Luckey. Dazu habe er ein ebensolches Schwert an der Wand hängen – zuerst zu Hause, nun auch im Büro.

Aber nicht nur Der Herr der Ringe ist eine Inspiration: Langfristig wollen Luckey und seine Mitstreiter mit Anduril das reale Gegenstück zu Stark Industries aufbauen, der Firma von Iron-Man-Held Tony Stark. Natürlich bevor er sich entschlossen hat, keine Waffen mehr zu bauen. Denn für die Gründerrunde stand durchaus im Raum, auch autonome Langstreckenbomber oder Killer-Drohnen zu bauen. Zumindest bevor die Überwachungstürme als das realistischste – und im Klima der Trump-Präsidentschaft auch reizvollste – Projekt für die noch junge Firma ausgemacht wurden.

Statt auf allzu große Eigenentwicklungen kann Anduril für die Überwachungstürme nämlich mehrheitlich auf zukaufbare Komponenten von der Stange zurückgreifen, die dann einfach sinnvoll kombiniert werden müssen. Dazu gehören Telefoto-Objektive, die eigentlich an Spiegelreflexkameras verwendet werden, Industriekameras des deutschen Herstellers SVS Vistek oder auch für Dauerbelastung ausgelegte Laser, die eigentlich für Haarentfernungsgeräte genutzt werden.

Drohnen-Killer-Drohen und Panzer

Mittlerweile begnügt sich Anduril nicht mehr nur mit der Entwicklung der Türme. Erst im Juli sammelte das Start-up 200 Millionen US-Dollar von Investoren ein. Die steckt das Unternehmen unter anderem in die Entwicklung von High-Tech-Drohnen – oder „small Unmanned Aircraft Systems“, wie es im Militärjargon heißt. Darunter ist eine Ghost genannte Helikopter-Drohne, die voll autonom fliegen und mit verschiedensten Sensoren und Anbauten ausgerüstet werden kann, um Gelände zu überwachen, Personen zu verfolgen, oder auch Munitionsnachschub oder medizinisches Equipment zu liefern. Das alles auch in Koordination mit den Grenztürmen. Und das möglichst ungesehen und ungehört, einzeln oder auch als Schwarm. Möglich sein soll das durch die gleiche Plattform, die auch die Türme befeuert: Lattice.

Ein weiteres Drohnen-Projekt haben die Start-up-Gründer Anvil getauft. Dabei handelt es sich um nicht weniger als eine Anti-Drohnen-Drohne. Oder, wie Anduril es nennt, eine Drohne zum „präzisen kinetischen Abfangen“ anderer Drohnen. Ohne einen Menschen am Steuer soll die aus zwei zusammenhängenden Blöcken und von vier großen Rotoren getriebene Drohne fliegen und andere Drohnen mit Rammattacken aus der Luft holen. „Nach der Autorisierung nutzt Anvil die physische Geschwindigkeit und die Führung des Terminals an Bord, um der Bedrohung kinetische Energie mit minimalen Kollateralschäden zuzuführen“, fasst es Anduril gezwungen neutral zusammen.

Der fliegende Hammer soll Terror-Angriffe mit Drohnen wie in Venezuela verhindern, Flughäfen und Militäranlagen, aber auch Raffinerien und Ölbohrplattformen vor Störungen oder auch Spionage mit Drohnen schützen. Das heißt: Die Drohne dürfte wohl nicht nur gefährliche Terror-Drohnen aus der Luft holen, sondern wohl auch Kameradrohnen von Umweltschützern, die beispielsweise Öllecks oder Umweltverschmutzung dokumentieren wollen. Die Idee zur Drohnen-Killer-Drohne soll an einem lauen Wochenende im Büro von Anduril entstanden sein. Kurzerhand hätte das Team eine Drohne provisorisch umgerüstet, damit eine andere Drohne aus der Luft geholt, das mit Smartphone gefilmt und das Video an „einige Leute beim Pentagon“ geschickt. Wenig später seien erste Prototypen für Tests bestellt worden.

Auch einen Panzer baut Anduril – aber nicht alleine, sondern mit Jamie Hyneman, der einst als bastelndes Special-Effects-Genie mit den Shows Mythbusters und Robot Wars weltbekannt wurde. 2015 hatte er in seiner Werkstatt M5 Industries ein Kettenfahrzeug konzipiert, das wenig größer als die meisten SUVs ausfällt – und möglichst selbstständig fahren oder mit einer VR-Brille auf dem Kopf ferngesteuert werden soll. Es war zunächst ein Randprojekt auf eigene Rechnung. Seit 2017 arbeitet Jamie Hyneman offiziell für Anduril an dem The Sentry genannten Vehikel.

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Gedacht ist der Panzer aber nicht für den Kampf – jedenfalls noch nicht. Stattdessen soll er mit einem 500-Liter-Wassertank, zwei großen Wasserkanonen, einem Sprinkler- und Kühlsystem, Infrarot- und Laser-Sicht als Löschfahrzeug dienen, das dorthin fahren soll, wo es für Menschen zu gefährlich und unübersichtlich wird. Fraglich ist, ob es dabei bleibt, oder ob der Panzer später vielleicht ganz andere Dinge verschießen könnte. Denn Luckey hat mehrfach und ganz klar erklärt, dass es die Arbeit von Anduril sei, an „autonomen Systemen zu arbeiten und diese dann auf die Kriegsführung zu übertragen“.

Das kontroverseste Start-up der Welt?

Der Investor Peter Thiel beschwor dereinst in einem New-York-Times-Artikel, dass Tech-Unternehmen die patriotische Verpflichtung hätten, mit der US-Regierung zu arbeiten und „militärische Technologien“ wie die Künstliche Intelligenz in den USA zu entwickeln – und nicht für oder bei dessen „Rivalen“. Luckey scheint eine ganz ähnliche Auffassung und Weltsicht zu vertreten. „Als ich 17 Jahre alt war, interessierte mich vor allem, ob ich’s schaffen könnte, das bestmögliche Virtual-Reality-Headset zu entwickeln“, sagte Luckey in einem Interview mit CNN Business. „Jetzt mache ich mir viel mehr Sorgen über ausländische Unternehmen und wie sie die Welt und die Vereinigten Staaten beeinflussen.“ Daher wolle er „die Brücke zwischen der Technologie- und defense community wieder aufbauen“.

Laut Luckey sei es die Bemühung und sogar Pflicht von Anduril, einen Vorsprung vor China und Russland bei militärisch nutzbaren Technologien aufzubauen – also bei Technologien wie Drohnen, Künstlicher Intelligenz, Mustererkennung oder auch Virtual Reality. „Wir können es uns nicht leisten zu sagen: Lasst Russland einfach die beste Militärtechnologie haben. Lassen wir China die beste Militärtechnologie haben“, so Luckey im CNN-Interview. „Mir wäre es lieber, wenn wir schnell handeln und versuchen würden, die beste Technologie für die Vereinigten Staaten zu bauen.“

Eben das beunruhigt manche Beobachter wie die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union aber auch Entwickler anderer Start-ups und Tech-Unternehmen. Denn Anduril beweist gerade, dass es schnell und präzise durchaus beeindruckende Technologien hervorbringen kann. Jedoch werden diese dann von Behörden und Streitkräften eines Staates eingesetzt, in dem derzeit Millionen von Menschen wegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gehen. Und der in den letzten Jahren und Jahrzehnten gezeigt hat, dass er mit fortschrittlichen Technologien nicht gerade verantwortlich, sondern missbräuchlich umgeht. Angestellte von Google und Amazon protestierten daher gegen Kooperationen mit dem Militär und Polizeibehörden, sie stellten sich gegen Militärprojekte wie Project Maven.

Mir wäre es lieber, wenn wir schnell handeln und versuchen würden, die beste Technologie für die Vereinigten Staaten zu bauen.

Palmer Luckey

Außerdem machen Plattformen wie Andurils KI-System Lattice vollends autonome Waffensysteme immer greifbarer. Und die sind genau das, wovor erst vor drei Jahren mehr als 100 KI-Experten in einem gemeinsamen Brandbrief gewarnt hatten. Die Technik könne schließlich sehr schnell von den Händen der Militärs und Regierungen in die Hände von Terroristen und Despoten fallen. „Wenn diese Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, wird sie schwer zu schließen sein“, heißt es in dem offenen Brief. Das alles macht Anduril aus Sicht des Magazins Bloomberg zum „kontroversesten Start-up der Welt“.

Laut Luckey sei es jedoch nicht an ihm, zu entscheiden, wie und für was die Produkte von Anduril eingesetzt werden. Ebenso könne er nicht verhindern, dass die Technologien von Anduril anders eingesetzt oder kombiniert werden als eigentlich gedacht. „Ich denke, ich bin nicht derjenige, der Menschen etwas über Ethik beibringen sollte“, sagte er in einer NBC-News-Reportage. „Aber ich denke, dass das daher kommt, dass ich sehr optimistisch bin, was das amerikanische System angeht.“ Er sei nicht dafür, Regierungen und Militärs bestimmte Technologien vorzuenthalten, bloß weil diese für unethische oder unerfreulich Zwecke eingesetzt werden könnten. Stattdessen, meint Luckey, sollten „wir die Leute wählen, die die richtigen Dinge [damit] tun werden“.

Teaser-Bild: Anduril Industries

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