This Week in Future #175 // 10.09.2023

Hi,

in diesem wöchentlichen Newsletter wollen wir euch Lesens-, Sehens- und Hörenswertes aus anderen Medien und Veröffentlichungen vorstellen. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wollen aber Geschichten und Informationen mit euch teilen, die uns in der 1E9-Redaktion bemerkenswert erschienen.

Starlink: Hat Elon Musk einen ukrainischen Angriff auf die russische Flotte vereitelt?

  • Wie CNN zunächst unter Berufung auf einen Auszug aus der neuen Elon-Musk-Biografie von Walter Isaacson berichtete, soll der Tesla- und SpaceX-Chef im vergangenen Jahr angeordnet haben, das Satelliteninternet über den Dienst Starlink in der Nähe der Krimküste abzuschalten. So sollte ein Angriff des ukrainischen Militärs per Unterwasserdrohnen, die Internetverbindung gebraucht hätten, verhindert werden, der die russische Schwarzmeerflotte getroffen hätte. Elon Musk bestätigte den Bericht später zwar im Grundsatz in einem Post bei X, betonte jedoch, es habe einen Eilantrag der ukrainischen Behörden gegeben, Starlink in der Region um die Krim zu aktivieren – was er abgelehnt habe, um SpaceX nicht in den Konflikt hineinzuziehen. Er gab jedoch an, dass Starlink dort nie aktiviert gewesen war. Das widerspricht dem Bericht über eine geheime Order an das SpaceX-Personal, den Dienst zu unterbrechen.

SpaceX muss für den nächsten Test des Starships noch nacharbeiten

  • Im April startete das Starship von SpaceX zu seinem ersten Orbitaltestflug – und explodierte dabei spektakulär. Außerdem beschädigten die gewaltigen Triebwerke die Startplattform massiv. Betonstücke wurden kilometerweit geschleudert. Das führte auch zu einer Untersuchung der Flugaufsichtsbehörde FAA, die einen weiteren Startversuch vorerst untersagt hat. Das Raumschiff selbst sei jedoch für einen weiteren Testflug bereit, wie Elon Musk twitterte. Die FAA fordert allerdings, dass SpaceX insgesamt 63 Punkte abarbeitet, bevor ein weiterer Flug erfolgen kann. Darunter: eine überarbeitete Startplattform und mehr Sicherungen gegen Lecks und Feuer.

Japans Mondsonde ist erfolgreich ins All gestartet

  • Mehrfach musste der Start verschoben werden, nun ist Japans Mondsonde SLIM auf dem Weg zum Mond. Am Donnerstag startete sie an Bord einer H2A-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima, was unter anderem die Tagesschau vermeldete. In drei bis vier Monaten soll SLIM laut Japans Raumfahrtagentur JAXA in eine Mondumlaufbahn eintreten, in vier bis sechs Monaten soll dann der Versuch gestartet werden, auf der Oberfläche zu landen. Bei einem Erfolg der Mission wäre Japan nach der Sowjetunion, den USA, China und Indien das fünfte Land, dem eine sanfte Mondlandung gelingt. Ebenfalls an Bord der Rakete war das Röntgenteleskop XRISM, das die Ursprünge des Universums erkunden soll – in Kooperation mit NASA und ESA.

Huawei überrascht mit 5G-Smartphone – trotz US-Sanktionen

  • Ein neues Smartphone des chinesischen Herstellers Huawei gibt den US-Behörden zu denken: Das jetzt vorgestellte Mate 60 Pro ist ein 5G-Smartphone, das so leistungsfähig ist, dass sein Bau angesichts der westlichen Sanktionen gegen Huawei für unmöglich gehalten wurde. Denn ohne Halbleiter aus dem Westen konnten derartige Geräte bisher nicht konstruiert werden. Doch der eingebaute Kirin 9000 Chip des halbstaatlichen chinesischen Herstellers SMIC im Mate 60 Pro scheint nun das Gegenteil zu beweisen, wie etwa der Guardian schreibt. Huawei kann damit erstmals seit Beginn der Sanktionen 2019 wieder zu den Top-Smartphones aufschließen. Passend zu dieser Meldung: China will einem Bericht von Reuters zufolge einen Staatsfonds mit 40 Milliarden US-Dollar ausstatten, um die heimische Chipindustrie voranzubringen.

Batterie-Recycling-Start-up Cylib eröffnet seine Pilotlinie in Aachen

  • Wer 2022 bei unserem Festival der Zukunft war, kennt das Start-up Cylib aus Aachen schon: Die Ausgründung der RWTH Aachen entwickelt eine Technologie zum Recycling von Batterien, durch die Elemente wie Kobalt, Nickel, Kupfer, aber auch Lithium und Graphit zurückgewonnen werden sollen. Nun hat Cylib eine Pilotanlage in Betrieb genommen, in der pro Tag etwa 500 Kilogramm Batterien recycelt werden sollen. Unter anderem schreibt Electrive.net darüber. Cylib verspricht eine „grüne“ Recyclinglösung mit einem sehr guten ökologischen Fußabdruck.

BMW will doch keine Abogebühr für ohnehin verbaute Sitzheizungen

  • Im vergangenen Jahr hatte die Meldung, dass BMW zukünftig eine monatliche Gebühr verlangen wolle, wenn Kunden die standardmäßig verbaute Sitzheizung in den Luxus-PKWs nutzen wollen, noch für Spott und Wut gesorgt. Ein Abo für eine Funktion, deren Hardware fest verbaut und vorhanden ist, die aber digital deaktiviert wurde? Das kam nicht gut an. Auf der IAA ist der Autobauer nun zurückgerudert. BMW-Vorstand Pieter Nota sagte gegenüber Autocar: „Wir dachten, wir würden dem Kunden einen zusätzlichen Service bieten, […] aber die Akzeptanz der Nutzer war nicht so hoch.“ Die Sitzheizung sei daher auch zukünftig eine Funktion, die ab Werk vorhanden ist, oder eben nicht. Dennoch wolle BMW weiter mit digitalen Diensten, Abos und Micro-Payments experimentieren – aber eher bei digitalen Funktionen wie Fahr-, Parkassistenz- oder Unterhaltungssystemen.

Wie Deutschland mehr erfolgreiche Deep-Tech-Start-ups hervorbringen kann

  • Um bei Künstlicher Intelligenz, Quantencomputern oder synthetischer Biologie mit den USA oder China mithalten zu können, brauchen Deutschland und Europa insbesondere erfolgreiche Start-ups, die aus guter Forschung auch gute Geschäfte machen. Doch noch sind die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer gerade in den USA besser als hier. Oft fehlt es deutschen Start-ups an Geldgebern. Doch Geld allein ist nicht die einzige Baustelle, wie Ann-Kristin Achleitner und @Thomas Lange in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt schreiben. Es brauche auch Investoren mit Expertenwissen, Kooperationen mit anderen Weltregionen, zum Beispiel der Golfregion, und die Nutzung von Synergien zwischen zivilem und militärischem Sektor.

In einem Schweineembryo wurde menschliches Nierengewebe gezüchtet

  • Wer ein neues Organ braucht, muss oft warten. Denn Spenden sind rar. Doch chinesische Forscher machen mit ihrem jüngsten Erfolg nun Hoffnung, berichtet Spektrum. Einem Team des Guangzhou Institutes of Biomedicine and Health soll es gelungen sein, gesundes Nierengewebe aus „mehrheitlich menschlichen Zellen“ in Schweinen heranzuzüchten. Um das zu ermöglichen, wurden in den Embryonen der Schweine Gene deaktiviert, die für die Bildung „schweinischer Nieren“ relevant sind. Stattdessen konnten also für Menschen kompatible Nieren entstehen, deren Wachstum mit Stammzellen angeregt wurde. Laut den Wissenschaftlern muss das Verfahren noch dramatisch perfektioniert werden, bevor es Organe für Verpflanzungen hervorbringen kann.

ChatGPT soll beim US-Militär das Interesse an KI-Waffen verstärkt haben

  • Hat das Pentagon wegen ChatGPT neue KI-Waffen bestellt? Das behauptet zumindest der nicht unumstrittene Gründer Palmer Luckey, der einst die später von Meta geschluckte VR-Brillenfirma Oculus gründete, dann jedoch mit seinem neuen Unternehmen Anduril in die Entwicklung von Militärtechnik einstieg. Wie Motherboard schreibt, behauptet Luckey, dass der Erfolg von ChatGPT beim US-Militär das Interesse an autonomen Waffen enorm gesteigert hat. Der KI-Chatbot habe bei Kunden und Politikern mehr geholfen als irgendeine andere Technologie der vergangenen zehn Jahre. Wer mehr über die kontroverse Firma Anduril wissen will: Schon 2020 haben wir uns angeschaut, wie es dazu kam, dass Palmer Luckey von VR-Brillen auf Grenzüberwachung und Panzer umstieg.

Werden wir durch KI mit Tieren sprechen können?

  • Die Bestseller-Autorin Elizabeth Kolbert – Das sechste Sterbenbeschäftigt sich im New Yorker damit, ob es Künstliche Intelligenz in Zukunft möglich machen könnte, mit Tieren zu sprechen. Insbesondere beschreibt sie das ambitionierte CETI-Projekt, das die Sprache von Walen entschlüsseln will. Ein langer Text, aber er lohnt sich.

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