Nach Computerproblemen: Die NASA versucht gerade, das Hubble-Weltraumteleskop zu retten

Der Computer des Hubble-Weltraumteleskops funktioniert nicht mehr korrekt. Derzeit versucht die NASA, den Fehler zu finden – und den Computer wieder in Gang zu bringen. Der stammt noch aus den 1980ern.

Von Michael Förtsch

Erst im April 2021 feierte das Hubble-Weltraumteleskop seinen 31. Geburtstag. Denn bereits am 24. April 1990 wurde das gemeinsam von NASA und ESA entwickelte Teleskop an Bord der US-Raumfähre Discovery ins All gebracht. Seitdem lieferte es einige der spektakulärsten und wichtigsten Aufnahmen der Weltraumforschung und erweiterte das Verständnis über den Kosmos. Wie die NASA aber vorige Woche mitteilte, macht das Hubble-Weltraumteleskop nun Probleme. Der sogenannte Payload-Computer, der die Instrumente des Teleskops steuert, schaltete sich am 13. Juni ab. Versuche, ihn aus der Ferne wieder in Betrieb zu nehmen, scheiterten.

Bei dem Payload-Steuercomputer handelt es sich um einen NASA Standard Spacecraft Computer-1 – oder NSSC-1 –, der im Jahre 1974 für das Raumsonden-System MultiMission Modular Spacecraft entwickelt und in den 1980ern gebaut wurde. Vor Hubble kam er bereits im Sonnenbeobachtungssatellit Solar Maximum Mission und den Fernerkundungssatelliten der Landsat-Reihe zum Einsatz. Anders als heutige Computer besteht die Recheneinheit – also die CPU – nicht aus einem einzelnen Chip, sondern Platinen mit jeweils 1.700 integrierten Schaltkreisen. Bereits vor zwölf Jahren musste die ursprüngliche Computereinheit bei der Mission STS-125 gegen einen identischen Computer ausgetauscht werden. Dabei wurden gleich die einstigen Speicherbänke mit moderneren 64K-CMOS-Speicher-Module ersetzt. Ursprünglich nutzte Hubble robuste Magnetkernspeicher.

Genau diese Speicherbänke scheinen nun das Problem zu sein. Denn eines der Module ist ausgefallen. Theoretisch ist das keine große Herausforderung, da die drei weiteren als Ausfalllösungen dienen sollen. Jedoch schafften es die NASA-Mitarbeiter bei den bisher drei Neustartversuchen nicht, den Computer auf eines der anderen Module wechseln zu lassen. Nach Tagen von Tests und Versuchen, das Problem weiter einzugrenzen, kam die NASA nun zu folgendem Schluss: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein anderes Computerbauteil das Problem verursacht haben könnte und die Speicherfehler nur ein Symptom sind“, heißt es von der Raumfahrtbehörde.

Möglich sei, dass das sogenannte Standard Interface, das die Recheneinheit mit den anderen Komponenten verknüpft, einen Fehler aufweist. Aber auch die Recheneinheit selbst könnte nach all den Jahren nun eine Fehlfunktion erleben – vielleicht verursacht durch Materialdegeneration. „Das Team entwirft derzeit Tests, die in den nächsten Tagen durchgeführt werden, um zu versuchen, das Problem weiter zu isolieren und eine mögliche Lösung zu finden“, so die Raumfahrtbehörde.

Wenn das Problem nicht isoliert, überbrückt und behoben werden kann, heißt das allerdings nicht, dass Hubble verloren ist. Das Weltraumteleskop verfügt über einen Backup-Computer. Doch den zu starten, ist nicht ohne Risiko. „Der Backup-Computer wurde seit seiner Installation im Jahr 2009 nicht mehr eingeschaltet“, sagt die NASA. Sollte das Team vom bisherigen Payload-Computer auf den Backup-Rechner wechseln, würde es mehrere Tage dauern, um ihn in Betrieb zu nehmen und festzustellen, ob mit ihm der normale Betrieb des Teleskops fortgeführt werden kann.

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Sollte der Fehler allerdings nicht behoben oder der Backup-Computer nicht in Betrieb genommen werden können, wäre das Hubble-Weltraumteleskop nicht mehr zu retten. Dann würde es von der NASA aufgegeben und mit dem weiterhin perfekt funktionierenden Flugcomputer in die Erdatmosphäre gelenkt. Einen echten Ersatz für das bewährte Weltraumteleskop gäbe es zunächst nicht. Zwar soll noch in diesem Jahr das James Webb Space Telescope ins All starten, das gerne als Hubble-Nachfolger bezeichnet wird. Jedoch ist das von NASA, ESA und CSA geplante Weltraumteleskop für Aufnahmen im Infrarotbereich konzipiert, während Hubble vor allem im Bereich des sichtbaren, ultravioletten und nahen infraroten Licht arbeitet. Ein direkterer Nachfolger dürfte daher eher das Xuntian sein, ein von China geplantes Weltraumteleskop, das 2024 in den Orbit gebracht werden soll und mit einer 2,5-Gigapixel-Kamera trotz eines kleineren Spiegels deutlich höher aufgelöste Bilder liefern soll als das Hubble.

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