Magic Future Money: Die Zukunft des Geldes ist ungewiss – noch

Die Kurse von Bitcoin, Dogecoin und anderen Kryptocoins erklimmen zurzeit neue Rekorde. Ist das nur ein Hype? Oder formiert sich gerade das Geld der Zukunft? Noch ist das schwer zu sagen – und noch fehlt eine gemeinsame Vorstellung davon, welche Rolle Geld in Zukunft eigentlich spielen soll. Genau deshalb sucht der Bitcoin-Experte Friedemann Brenneis nach euren Visionen!

Ein Gastbeitrag von Friedemann Brenneis

Es war ein Samstagabend irgendwann Ende 2013, als ich mir zum ersten Mal ernsthaft die Frage stellte, was Geld eigentlich genau ist. Wir saßen am Küchentisch einer Leipziger WG, tranken Wein und irgendwie kam das Gespräch auf Bitcoin zu sprechen. Dieses skurrile Hackergeld, das seinen Wert gerade binnen kurzer Zeit spektakulär vervielfacht hatte und auf einen unfassbaren Preis von mehr als 1.000 Dollar gestiegen war. Wir alle hatten in den Jahren zuvor immer mal wieder von diesem experimentellen Internetgeld gehört, uns aber nicht weiter damit beschäftigt. Schade eigentlich. Hätten wir mal besser. Wie unfassbar reich und unabhängig wir dann jetzt wären. Doch glücklicherweise hielt das weinselige Selbstmitleid nicht lange an. Hättendetten. Chance verpasst. Nächstes Thema.

Und doch blieb an diesem Abend eine Frage bei mir hängen: Was, wenn der Bitcoin-Zug vielleicht doch noch nicht abgefahren ist? Ob es sich noch lohnt, sich damit auseinanderzusetzen, auch wenn man offensichtlich late to the party ist?

Am nächsten Tag schrieb ich eine Mail an einen Redakteur bei einem Radiosender und schlug vor, einen Selbstversuch zu starten. Wenn gerade alle im Internet mit Bitcoin reich werden, dann will ich das auch versuchen. Eine gute Idee. Fanden wir beide.

Dieser Radiobeitrag war ein Wendepunkt in meinem Leben. Nicht nur, weil er einer der schönsten ist, die ich jemals gemacht habe, sondern vor allem, weil ich anfing mich tief in ein Thema einzuarbeiten, von dem ich niemals gedacht hätte, dass es mich überhaupt interessieren würde. Geschweige denn, dass ich es so faszinierend, spannend und herausfordernd finden würde, dass es in den folgenden Jahren zum Schwerpunkt meiner journalistischen Arbeit werden sollte: Geld und die Suche nach dessen Zukunft.

Geld ist keineswegs so statisch, wie ich bisher immer geglaubt hatte.

Denn eines wurde mir bei der Beschäftigung mit Bitcoin schnell klar. Geld ist keineswegs so statisch, wie ich bisher immer geglaubt hatte. Es lässt sich sehr wohl verändern. Vor allem aber muss es sich verändern.

Zum einen, um Finanzkrisen wie die von 2008 künftig zu verhindern, deren Folgen auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch immer allgegenwärtig sind. Zum anderen, weil die Digitale Revolution die meisten Teile unsere Gesellschaft längst erfasst und signifikant transformiert hat, unser Geld aber noch immer fest im prä-digitalen Zeitalter verwurzelt ist. Was zu so skurrilen Vorkommnissen führt, dass wir zwar Video-Telefonate in Echtzeit führen und High-End-Videospiele auf Rechnern spielen können, die gar nicht bei uns zu Hause stehen, oder mittlerweile fast überall auf der Welt direkten Zugriff auf Millionen von Songs haben. Doch eine einfache Überweisung zwischen den beiden hochentwickelten Industrienationen Deutschland und den USA dauert mitunter eine Woche und ist zudem noch schweineteuer.

Ein paradoxer Zustand, an den die meisten von uns sich einfach gewöhnt und ihn akzeptiert haben. Doch sollte das im 21. Jahrhundert nicht auch anders gehen? Besser? Zeitgemäßer? Immerhin sind wir dem Jahr 2040 rein rechnerisch bereits näher als dem Jahr 2000. Warum leben wir also geld-technologisch noch so weit in der Vergangenheit?

Gelächter, Schulterzucken – und der Blick zurück

Ich fing an, diese Fragen an Experten zu stellen, wo immer ich sie bei meinen Recherchen traf. Auf der Re:publica wurde ich anfangs dafür von der Bühne herunter ausgelacht. Auf den Treffen der Finanzbranche war Schulterzucken die häufigste Reaktion. Bei der Bundesbank erklärte man mir schließlich, dass es eher ihre Aufgabe sei, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Gegenwart zu gestalten. Die hauseigene Forschungsabteilung beschäftige sich zwar auch mit der Zukunft. Mehr als fünf Jahre schaue man dabei aber nicht nach vorne. Das sei nicht Teil des Mandats.

Angesichts dieser ernüchternden Reaktionen wuchs bei mir über die Jahre die Erkenntnis, dass Zukunftsgewandtheit offensichtlich kein Attribut ist, das diejenigen auszeichnet, die unser Geld verantworten. Erschreckend, bedauerlich, aber letztlich nachvollziehbar. Warum sollte man über Wandel nachdenken, wenn den Status Quo zu bewahren, einfacher, bequemer und lukrativer ist? Never touch a profitable system!

Meine Neugier ließ mich daher parallel einen anderen Weg einschlagen. Wenn diejenigen, die sich mit Geld auskennen, sich nicht mit der Zukunft beschäftigen, vielleicht können mir andersherum dann ja zumindest die, die sich mit der Zukunft beschäftigen, etwas vom Geld erzählen?

Ich fing also an beim Lesen von Science-Fiction-Geschichten nach Ideen, Visionen und Hinweisen zu suchen, wie das Geld der Zukunft aussehen könnte und wie dessen An- oder Abwesenheit die Gesellschaft von morgen beeinflusst. Immerhin ist die Science Fiction seit Jahrhunderten ein verlässlicher Lieferant für Inspiration und Ausgangspunkt für die Umsetzung neuer technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Liefert die Science Fiction fantastische Visionen?

Schon Jules Verne hat in seinen Werken Drohnen, Mondreisen, Videotelefonie und noch viel mehr, was für uns heute ganz normal ist, erstaunlich akkurat vorhergesagt. Auch die Idee einer Kreditkarte – die vermutlich größte Geld-Innovation der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – findet sich bereits in Edward Bellamys 1888 erschienenem Roman Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887. Welche fantastischen Visionen und inspirierenden Ideen würde dann erst die um ein Vielfaches größere Anzahl zeitgenössischer Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren für das Geld der Zukunft haben?

Doch auch hier stellte sich bald Ernüchterung ein, denn in der Science Fiction spielt Geld bislang ebenfalls kaum eine Rolle. Entweder taucht es nicht wirklich auf oder nur um den Plot irgendwie voranzubringen und dann meist nur in einer uninspirierten Form. Als würde Geld in 20, 50 oder 100 Jahren immer noch nach den gleichen Regeln funktionieren wie heute. Nur dass es dann nicht mehr Euro oder Dollar heißt, sondern Credits.

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Dabei wissen wir doch aus eigener Erfahrung, wie schnell, umfassend und fundamental die Digitalisierung unserer Leben verändert hat. Viel mehr als wir es uns vor 20 oder 30 Jahren hätten vorstellen können. Wer als Kind ebenfalls begeistert Telefonkarten aus der ganzen Welt gesammelt hat, weil das damals ein futuristisches Medium war, weiß, wovon ich spreche. Wie wird unsere Welt also erst aussehen, wenn wir nicht mehr nur das Internet der Informationen haben, sondern auch das Internet der Werte nutzen, dessen Infrastruktur mit dem Bitcoin-Protokoll seit mehr als zwölf Jahren wächst und reift? Wie werden Smarte Banknoten in Zukunft funktionieren? Wird es künftig multidimensionales Geld geben? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Schreibt eure Vision vom Geld der Zukunft!

Um endlich Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich Magic Future Money - (un)mögliche Geschichten vom Geld der Zukunft ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um einen Schreib- und Ideenwettbewerb, der die 30 besten fiktionalen Geschichten sucht, die uns eine Idee vom Geld der Zukunft vermitteln. Diese werden von einer fachkundigen Jury ausgesucht und als Buch veröffentlicht, wobei jede ausgewählte Geschichte mit einem Preisgeld von einer Million Satoshi (0,01 Bitcoin), dem futuristischstem Geld, das wir derzeit haben, und einer Hardware-Wallet zu sicheren Aufbewahrung prämiert wird.

Bis zum 31. März 2021 können dafür Geschichten mit maximal 5.000 Wörtern über magicfuturemoney.de eingereicht werden, wo es im gleichnamigen Blog und Podcast auch Inspiration, Hintergrundinformationen und Grundlagenwissen rund um das Thema Geld und die Zukunft gibt.

Mitmachen können alle, die sich trauen kritisch über Geld nachzudenken, eigene Ideen und Visionen zu entwickeln oder die damit verbundenen Ängste und Befürchtungen zu thematisieren. Und dadurch die Zukunft des Geldes lieber selbst mitgestalten wollen als auch diesen Digitalraum den bereits etablierten Playern zu überlassen – Digitalkonzernen, Finanzdienstleistern, Banken und damit machtvollen ökonomischen und politischen Einzelinteressen.

Ob wir es wollen oder nicht – die Zukunft des Geldes kommt! Doch noch können wir sie beeinflussen.

Friedemann Brenneis ist Journalist, Autor und Dozent zum Thema Bitcoin, Blockchain und die Zukunft des Geldes. Seit 2013 begleitet er das Thema in seinem Rechercheblog The Coinspondent, als Co-Host des Podcast „Honigdachs“ und als Spezialist für die Zeit, den Spiegel, das Deutschlandradio, Golem, t3n und andere Medien. Darüber hinaus diskutiert er leidenschaftlich gerne auf Panels und in praxisnahen Workshops über sinnvolle Bitcoin- und Blockchain-Strategien.

Friedemann Brenneis wird am Donnerstag, den 18.02.2021, um 20 Uhr bei unserer Veranstaltung 1E9_THE_SESSIONS #4 dabei sein! Das Thema liegt auf der Hand: Dezentralisierung. Wir reden mit euch und unseren Experten über Bitcoin, Wallstreetbets, DeFi und was das für uns als Gesellschaft heißt. Reserviere dir deinen Platz jetzt!

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