Macht dieses KI-Gadget das Smartphone überflüssig?

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Ein Start-up hat auf der CES 2024 in Las Vegas ein KI-Gerät vorgestellt, das Apps wie Uber, Spotify, YouTube und Co. steuern kann. Damit soll es in vielen Fällen überflüssig werden, das Smartphone aus der Tasche zu holen. Der KI-Helfer soll nur 185 Euro kosten.

Von Michael Förtsch

Ein bisher wenig bekanntes Start-up hat auf der Technologiemesse CES 2024 ein erstaunliches KI-Gadget vorgestellt. Es soll nicht nur deutlich günstiger sein als der AI Pin des gehypten Unternehmens Humane, sondern auch deutlich mehr können. Der Rabbit R1 ist ein handflächengroßer Quader mit einem schmalen Display, einer kleinen schwenkbaren Kamera, einem Steuerrädchen und einem Druckknopf an der Seite. Es wurde in Zusammenarbeit mit der schwedischen Elektronik- und Designfirma Teenage Engineering entwickelt. Laut Rabbit-Gründer Jesse Lyu soll das kleine Gerät der ultimative Assistent sein – und das einlösen, was Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant einst versprachen.

Mit einfachen Sprachbefehlen soll der R1 eine Vielzahl von Aufgaben erledigen können. Das Gadget soll Textnachrichten und E-Mails verschicken, eine Musik-Playlist zusammenstellen, einen Tisch im Restaurant reservieren, eine Pizza bestellen, fremdsprachige Texte übersetzen oder beim Blick in den geöffneten Kühlschrank Rezeptvorschläge machen. Ein Knopfdruck genügt und das Gerät hört zu. Möglich mache das alles das eigens entwickelte Betriebssystem Rabbit OS, das auf einem KI-Modell basiert, das nicht nur mit Texten und Bildern trainiert wurde, sondern auch mit der Bedienung von Programmoberflächen wie Uber, Google, Spotify und Co – ein Large Action Model. „Ein Large Language Model versteht, was du willst“, erklärt Lyu. „Ein Large Action Model erledigt Dinge.“

Dadurch könne R1 eine Vielzahl von Anwendungen steuern und die nötigen Aktionen ausführen, um komplexe Probleme zu bewältigen. Dabei soll das Gadget das Smartphone nicht gleich ersetzen, aber deutlich weniger wichtig machen. „Das Smartphone sollte intuitiv sein“, sagt der Gründer. Doch genau das sei es nicht. „Du brauchst einen Fahrdienst ins Büro? Dafür gibt es eine App. Du willst Lebensmittel bestellen? Dafür gibt es eine andere App", sagt Lyu. Jedes Mal müsste man sich also auf dem Smartphone durch Seiten scrollen, um eine eigentlich simple Aufgabe zu erledigen – und verliere dadurch unnötig Zeit. Genau hier soll das KI-Gadget ansetzen und die Nutzung unserer digitalen Infrastruktur revolutionieren.

Erstaunlich günstig

Der R1-KI-Assistent ist ein „stand-alone device“, wie Lyu sagt. Er soll 199 US-Dollar respektive 185 Euro kosten. Ein Abo wie für den AI Pin des Start-ups Humane sei nicht nötig. Denn das KI-Modell sei selbst entwickelt und nicht lizenziert. Eine Mobilfunkverbindung ist ebenfalls nicht zwingend notwendig – auch wenn es einen Slot für eine Sim-Karte gibt. Stattdessen könne das Gadget auch einfach per WLAN mit einem Netzwerk oder per Bluetooth mit dem Smartphone in der Hosentasche verbunden werden.

Wer das smarte Gadget in vollem Umfang nutzen will, muss dem Start-up Rabbit allerdings einiges an Vertrauen entgegenbringen. Denn über ein Portal namens Rabbit Hole muss der KI der Zugang zu allen Diensten gewährt werden, die über das Gerät genutzt werden sollen. Das sei so, „als würde man sein entsperrtes Telefon an einen Freund weitergeben“, argumentieren die Entwickler in einer Pressemitteilung. Dabei würde R1 nur Aktionen ausführen, die der Nutzer ausdrücklich wünscht und bestätigt. Und das kleine Display des R1 soll – neben der Möglichkeit, das Wetter abzufragen und Videotelefonate zu führen – vor allem dazu dienen, zu überprüfen, ob die KI die Aufgabe richtig verstanden und ausgeführt hat.

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Zusätzlich zu den bereits erlernten Aktionen soll es machbar sein, R1 neue Fähigkeiten beizubringen. So soll es beispielsweise möglich sein, dem Gadget die korrekte Nutzung eines neuen Online-Dienstes „beizubringen“ oder ein Bild in der Cloud-Version von Photoshop auf eine bestimmte Art und Weise zu bearbeiten. Auf diese Weise soll der KI-Assistent zukunftsfähig sein und sich an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen können.

In der Präsentation des R1 reagierte das Gadget schnell, zuverlässig und erledigte einige Aufgaben auf beeindruckende Weise. Doch wie beispielsweise The Verge berichtet, konnten Journalisten das Gerät nicht ausgiebig selbst testen. Denn nur das Gerät des Gründers sei mit allen Funktionen ausgestattet gewesen. Fraglich bleibt auch, wie sinnvoll und nachhaltig der KI-Assistent als eigenständiges Gerät ist. Denn prinzipiell könnte er auch als Ersatz für Siri oder Google Assistant auf einem Smartphone funktionieren.

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"Ich bin schon älter - mein ganzes Leben lang habe ich darauf gewartet, mit einer Maschine in natürlicher Sprache zu interagieren. Ich freue mich, wenn dieser "Knochen" serienreif wird."

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