Lieber Zahlen als Bauchgefühl: Immer mehr Menschen vertrauen Algorithmen eher als Menschen


Von der Wegbeschreibung bis hin zur nächsten Filmempfehlung. Dass Algorithmen die gewünschten Antworten ausspucken, ist schon fast selbstverständlich für uns. Eine neue Studie zeigt, dass Menschen eher einem Algorithmus vertrauen als einem anderen Menschen.

Von Adriano D’Adamo

Ob offensichtlich oder unterbewusst, unser Alltag wird von Algorithmen bestimmt. Apps, Webseiten oder Werbung, alle basieren auf einem eigenen Algorithmus – und wir vertrauen ihm, wie zum Beispiel bei Netflix. Für 80 Prozent der Zeit, die Zuschauer:innen auf Netflix verbringen, sind automatisierte Empfehlungen verantwortlich.

Um die besten Shows und Filme für die Nutzer:innen zu empfehlen, nutzt Netflix mehrere Faktoren und Systeme, wie unter anderem die bisher gesehenen Shows, die Watchtime, Rankings oder oft geschaute Genres. Diese Empfehlungen sorgen nicht nur für eine priorisierte visuelle und thematische Anordnung auf der Startseite, sondern Netflix wählt auf Basis eurer Daten ein passendes Coverbild der Shows für euch aus.

Wenn Netflix 80 Prozent der auf der Plattform verbrachten Zeit mit Empfehlungen aus dem Algorithmus erzielt, dann muss das nicht nur ein sehr guter Algorithmus sein, sondern er demonstriert auch, wie sehr Menschen einem digitalen Tippgeber vertrauen. Eine neue Studie, die in den Scientific Reports der Nature veröffentlicht wurde, zeigt, dass Menschen tatsächlich eher eine Antwort wählen und ihr vertrauen, wenn sie von einem Algorithmus anstatt von einem anderen Menschen kommt.

Wie viele Menschen sind auf dem Bildschirm?

Drei Forscher der University of Georgia unterzogen mehr als 1.500 Personen einem dreistufigen Test unterzogen. Die Herausforderung der Tests hat bestand daraus, dass die Proband:innen in kurzer Zeit viel nachdenken mussten. In den Tests mussten sie ein Video betrachten und die Anzahl der Menschen auf dem Bildschirm nennen. Das ist leichter gesagt als getan, weil die Anzahl der Menschen kontinuierlich anstieg.

Je mehr Menschen im Bild zu sehen waren, desto schwieriger wurde es für die einzelnen Probant:innen sich auf eine Antwort festzulegen. Nachdem die Film-Montage abgelaufen war, bekamen sie mehrere Möglichkeiten. Sie konnten ihre Zahl nennen, ihre Antwort mit denen der großen Gruppe von Menschen vergleichen oder eine Antwortmöglichkeit wählen, die der Algorithmus einer Künstlichen Intelligenz generierte. Das Ergebnis: Je mehr Menschen im Bild zu sehen waren, desto wahrscheinlicher wurde es, dass die Proband:innen die Antwortmöglichkeit der KI wählten. Leider gibt es dabei ein kleines, aber im wahrsten Sinne des Wortes feines Problem. Denn so vertrauenswürdig ist eine KI in diesem Fall – wie in vielen anderen – gar nicht.

Auch wenn wir die Algorithmen von KIs und Programmen für vieles nutzen, bedeutet das nicht, dass sie auch überall funktionieren. Was das Analysieren von Bildern und deren Inhalt angeht, gibt es viel Verbesserungspotential bei Künstlichen Intelligenzen. Immer wieder erweisen sich Gesichtserkennungssysteme als fehleranfällig und leicht täuschbar. Ein Schritt weiter wäre die Emotionserkennung aus den Gesichtszügen heraus, worin Künstliche Intelligenzen laut Forscher:innen ziemlich schlecht sind. KIs können Gesichtszüge wie ein Lächeln oder Stirnrunzeln erkennen, aber nicht, welche Emotion die Person spürt, wenn sie überhaupt eine durch ihre Mimik preisgibt.

Künstliche Intelligenzen besitzen viele Stärken und Einsatzmöglichkeiten, aber obwohl die Aufgabe des Tests primär auf Zahlen basiert und damit wie für eine KI gemacht scheint, gibt es noch eine weiteren wichtigen Punkt. Die Bildqualität des Fotos oder Videos muss gut genug sein, damit der Algorithmus überhaupt Menschen von Gegenständen unterscheiden kann.

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Künstliche Intelligenzen nehmen eine immer größere Rolle für uns ein, aber Menschen zu erkennen und analysieren gehört nicht zu ihren Stärken. Dabei schafft es eine KI sogar realistische Bilder von Menschen zu generieren, die gar nicht existieren. Die Popkultur ist uns da mit ihren Geschichten mehr als einen Schritt voraus. Deswegen dauert es wohl noch etwas bis der Terminator Realität werden kann, wenn der T-800 einen kahlköpfigen Mann mit einem Fußball verwechselt.

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