In München soll ein Zentrum für die Mobilität der Zukunft entstehen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat angekündigt, dass in München ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für neue Mobilitätskonzepte entstehen soll. Dort soll an zukünftigen Fortbewegungsmitteln gearbeitet werden. Tatsächlich ist eine ähnliche Einrichtung jedoch schon für einen neuen Campus der TU München geplant.

Von Michael Förtsch

Neue Technologien und Konzepte sollen die Mobilität über die kommenden Jahrzehnte verändern. Daher soll in München nun ein Forschungs- und Entwicklungszentrum entstehen, das herausfinden soll, „wie sich Menschen in Zukunft fortbewegen wollen und wie Waren transportiert werden“. Das berichtet die Tageszeitung Münchner Merkur aus einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der das Projekt in den vergangenen Monaten in einem kleinen Kreis erarbeitet und vorangetrieben haben soll. Das derzeit Deutsches Zentrum Mobilität der Zukunft getaufte Unternehmen soll über die kommenden Jahre mit 500 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt finanziert und aufgebaut werden.

Nach der Vorstellung von Scheuer soll das Zentrum über einen Campus in der Metropolregion München mit mehreren Lehrstühlen und Werkstätten verfügen. Insgesamt 200 Experten aus dem Verkehrs-, Infrastruktur-, Informatik und Ingenieurswesen sollen dort arbeiten und beispielsweise an alternativen Kraftstoffen, Antriebskonzepten aber auch Künstlicher Intelligenz forschen. „Es geht darum, interdisziplinär zu denken, innovativ und auch quer“, sagt der Minister. Aber ebenso, so lässt sich Scheuer zitieren, sollen die Mitarbeiter dort der Frage nachgehen „welche Hauptbahnhöfe ertüchtigt werden müssen, damit auch Drohnen und Flugtaxis landen können“.

Das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft soll jedoch kein rein deutsches Projekt sein, sondern auch als eine internationale Plattform dienen. Es sollen Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen rund um die Welt geschlossen und gemeinsame Initiativen und Pilotprojekte angestrengt werden. Das Projekt soll schon jetzt von einer Arbeitsgruppe im Bundesverkehrsministerium ausgearbeitet werden. Realisiert werden soll das Unterfangen nicht erst „in ein paar Jahren“, meint Scheuer, sondern: „Wir machen jetzt richtig Tempo.“

Die TU München plant bereits ein Forschungszentrum für Mobilität

Dass die Wahl für das Zentrum auf München fällt, habe laut Scheuer mit den „viele(n) bestehende(n) Einrichtungen im Bereich Mobilität“ zu tun. Tatsächlich existieren in München abseits vom Fahrzeuggiganten BMW und Zulieferern wie Bosch auch zahlreiche kleine Mobilitäts- und Technologie-Start-ups. Darunter die E-Autobauer Sono Motors und Evum, das Flugtaxiunternehmen Lilium, der deutsche Entwicklungsableger des Uber-Konkurrenten Lyft, der Fahrzeugsensorbauer Blickfeld, die E-Bike-Start-ups Sushi und FAZUA und viele mehr. Dazu kommt die Technische Universität München an der und um die sowohl Studenten als auch Lehrstühle an Mobilitätsprojekten arbeiten. Dazu gehört auch das Team von NEXT Prototypes, das mehrfach den ersten Platz beim Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk gewonnen hat.

Tatsächlich entsteht rund um die TU München auch schon ein ähnliches Projekt wie das von Scheuer geplante Zentrum für die Mobilität der Zukunft. Nämlich die neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München, die in den Münchner Vororten Taufkirchen und Ottobrunn aufgebaut wird. Die soll als „integralen Bestandteil“ das TUM Center for Automated Urban Aerial Mobility erhalten. Eben dort soll an neuen Mobilitätskonzepten geforscht werden. Darunter neue straßenbasierte Verkehrskonzepte und vor allem – worauf der Name hindeutet – Drohnen- und Multikopter-Technologien für die Personen- und Warenbeförderung. Auch eine kurze Teststrecke eines Hyperloop in Lebensgröße soll auf dem neuen TU-Gelände konstruiert und erprobt werden.

Nach der Ankündigung seiner Pläne und der Wahl des Standorts wurde Scheuer bereits kritisiert. Unter anderem warf Grünen-Fraktionschef Oliver Krischer dem Verkehrsminister und CSU-Politiker vor, mit dem Projekt Günstlingswirtschaft zu betreiben. „Mit Großprojekten für Bayern versucht der Mautminister sein politisches Totalversagen zu kaschieren“, sagte Krischer. „Die CSU nutzt das Verkehrsministerium in Berlin mit seinen hohen Etats vor allem, um Geld des Bundes nach Bayern zu schaufeln“.

Teaser-Bild: Getty Images / Chesky_W

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München ist bereits ein Hotspot für Forschung und Entwicklung von neuen und alten Mobilitätskonzepten. Ob ein zusätzliches 500 Millionen Euro Forschungszentrum ein Gamechanger ist wage ich zu bezweifeln.

Um internationale Player nach Bayern oder München zu holen wäre es besser statt Geld lieber ein paar Regeln zu lockern oder Regionen auszuweisen, in denen experimentiert werden darf. Dort könnte Infrastruktur aufgestellt werden und allen zur Verfügung stehen, die im flächendeckenden Maßstab noch zu teuer wäre. Somit hätte man für recht wenig Geld, reale Bedingungen und ein Spielplatz mit top Bedingungen für alle die sich ausprobieren wollen. Wenn es dann noch eine Förderung von unternehmrischen und experimentellen Ansätzen gäbe, die ausserhalb des „geschlossenen“ Labormaßstabs passieren wäre viel mehr geholfen.