Faraday Future ist womöglich gerettet

Das gebeutelte E-Auto-Start-up Faraday Future fusioniert mit einem Investmentunternehmen und geht nun an die Börse. Damit könnte der seit Jahren von Geldproblemen geplagte Autobauer nun doch gerettet werden – und bald sein erstes Auto produzieren.

Von Michael Förtsch

Vor rund sechs Jahren war Faraday Future angetreten, um Tesla in die Schranken zu weisen. Über mehrere Monate hatte das Unternehmen unter großer Geheimhaltung bekannte Namen der Automobil- und Tech-Branche rekrutiert – was zwischenzeitlich zu Gerüchten führte, Apple könnte hinter dem Start-up stehen. Tatsächlich waren es jedoch das chinesische Unternehmer Jia Yueting und sein Elektronik- und Multimediakonzern LeEco, die mit Faraday Future kräftig Tempo machten. Aber nach der Präsentation eines Elektrosportwagen und des FF91 getauften SUVs geriet das Unternehmen in Schieflage.

Ehemalige Faraday-Future-Mitarbeiter berichteten von regelmäßigen Planänderungen, Führungsstreitigkeiten, Missmanagement und Verwirrungungen um Verantwortungsbereiche, die über kurz oder lang sowohl zu Finanzschwierigkeiten als auch zu Klagen von Ex-Managern führten. Im Jahr 2017 wurde der so ambitioniert gestartete Autobauer nur knapp vor der Pleite gerettet. Das chinesische Gesundheitsvorsorge- und Versicherungsunternehmen Evergrande Health investierte damals mehrere Hundert Millionen. Doch wenig später zerstritt sich der Autobauer mit dem Investor – dessen Geld zu dieser Zeit längst ausgegeben war.

Im Jahr 2018 wurde die Belegschaft auf weniger als die Hälfte reduziert. Anschließend wurden Maschinen für die geplante Fabrik versteigert, das Firmenhautquartier verkauft und die Produktion des FF91 auf unbestimmte Zeit verschoben. Dazu geriet Gründer Jia Yueting mit chinesischen Finanzbehörden aneinander, musste Privatinsolvenz anmelden und gab seinen Chefposten bei Faraday Future auf. Ende 2019 wurde der Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld engagiert, um das Unternehmen wieder in die Spur zu bringen. Und das scheint nun tatsächlich zu gelingen.

Ein Klein-SUV und ein Lieferwagen sind bereits geplant

Um wieder ins Geschäft und an frisches Geld zu kommen, nimmt Faraday Future eine Abkürzung an die Börse. Dafür fusioniert der Autobauer mit einer Special-Purpose Acquisition Company namens Property Solutions Acquisition. Solche auch SPAC genannten Firmen sind bereits börsennotierte Gesellschaften mit viel Kapital, die von Investoren nur für solche Übernahmen und Fusionen gestartet werden. Durch die Fusion selbst hat Faraday Future nun 230 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Weitere 775 Millionen US-Dollar sollen durch neue Investments kommen – darunter vom chinesischen Autobauer Geely und dem Fond einer chinesischen Metropole.

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„Wir freuen uns, diese Partnerschaft mit Property Solutions Acquisition einzugehen“, sagt Carsten Breitfeld. Mit den neuen Mitteln will Faraday Future seine Belegschaft wieder aufstocken und die Fabrik in Hanford, Kalifornien fertig auf- und ausrüsten. Derzeit beschäftigt das Unternehmen lediglich 400 Leute. Binnen 12 Monaten nach Abschluss der Fusion soll das SUV FF91 vom Band laufen und daraufhin an die ersten Kunden ausgeliefert werden. Dafür brauche es laut Faraday Future rund 500 Millionen US-Dollar. Danach soll die Präsentation und Produktion von weiteren Fahrzeugen folgen – die in Teilen bereits fertig konzipiert wären.

Geplant ist von Faraday Future ein kleines SUV, das ursprünglich ausschließlich für den asiatischen Markt gedacht war. Ebenso soll ein elektrisches Lieferfahrzeug geplant sein, das Fahrzeugen wie dem Van von Arrival und Rivian Konkurrenz machen soll. Für die Produktion im asiatischen Raum will Faraday Future dabei mit dem südkoreanischen Autobauer Myoung Shin zusammenarbeiten. Ganz einfach haben wird es Faraday Future trotz neuer Finanzmittel aber nicht. Denn das Unternehmen hat viele seiner Spitzenentwickler und Designer sowie Ingenieure und Fertigungsspezialisten verloren. Unter anderem an Konkurrenten wie Tesla, Lucid Motors und Rivian.

Teaser-Bild: Faraday Future

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