Elon Musk glaubt, dass sein Starship auch die Venus und den Kuipergürtel erreichen kann

In einem Videointerview mit der Mars Society hat Elon Musk über Fortschritte beim Bau des Starships und über seine Zukunftspläne gesprochen. Er sagt, SpaceX sei etwas hinter dem eigenen Zeitplan hinterher, aber auch, dass er sich vorstellen könne, mit dem Raumschiff Ziele jenseits des Mars anzusteuern.

Von Michael Förtsch

Derzeit bereitet SpaceX den Testflug des nächsten Starship-Prototypen in Boca Chica Village bei Brownsville, Texas vor. Das silbern glänzende Raumschiff soll diesmal statt nur 150 Meter wie der Vorgänger gleich mehrere Kilometer in den Himmel steigen. Das 50 Meter hohe Starship ist gemeinsam mit dem 72 Meter hohen Raketentriebwerk Super Heavy der Kern der ehrgeizigen Raumfahrtpläne von Elon Musk – und mittlerweile auch der Pläne der NASA. Bereits 2022, hoffte Elon Musk bislang, könnte eine unbemannte Landung auf dem Mars mit dem Raumschiff anstehen. In den Jahren danach will er dann alles unternehmen, um eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen.

Bei einer virtuellen Konferenz der Mars Society sagte Musk nun, dass seine Pläne sehr ehrgeizig wären, aber man es bei SpaceX gewohnt sei, das nahezu Unerreichbare erreichen zu wollen. SpaceX hätte die ersten Jahre finanziell nur knapp überlebt und habe jetzt eine „sehr faire Chance“, auf ein großes Ziel hinzuarbeiten. Und das sei eben, „so viel Fracht, so viele Menschen und das so schnell wie möglich zum Mars zu schaffen“. Das Ziel dort dürfe dann nicht nur ein Habitat oder eine Basis sein, sondern eine „sich selbstversorgende Stadt“. Binnen zehn Jahren bräuchte es dafür wohl um die 100 Megatonnen Fracht und 100.000 Menschen.

Der Grund für die Eile? Laut Elon Musk müsse eine solche Kolonie aufgebaut werden, bevor die Erde durch eine Katastrophe, einen Weltkrieg oder sonstige Umstände die Möglichkeit verliert, andere Planeten zu besiedeln. „Wenn die Schiffe von der Erde aus irgendeinem Grund aufhören zu kommen“, erklärt Elon Musk, dann dürfe die Mars-Population nicht einfach aussterben. Sie müsse die Fähigkeit haben, sich selbst zu versorgen und auch weiterzuentwickeln. „Wenn das nicht so ist, dann haben wir keinen sicheren und nachhaltigen Ort geschaffen“, sagt Musk.

Jenseits des Mars

Bei der Frage, ob er seinen ehrgeizigen Zeitplan einhalten kann, sagte Musk, dass er und SpaceX zumindest alles dafür tun würden, um den Terminansagen der letzten Jahre so nah wie möglich zu kommen. Er gehe davon aus, dass SpaceX dabei durch Tests und Fehlschläge noch „einige Raumschiffe“ verlieren werde. Er sei allerdings auch zwischen „80 und 90 Prozent sicher, dass das Starship im nächsten Jahr den Orbit erreichen“ wird und damit den Beweis erbringt, dass das riesige Gefährt wirklich funktioniert. Dass das Schiff und die Raketenstufe sicher auf die Erde zurückkommen, da sei er sich allerdings nur zu 50 Prozent sicher. Hier müsse noch einiges ausgetüftelt und „die Innovation beschleunigt“ werden, bis das komplexe Wiedereintritts- und Landeverfahren stets zuverlässig funktioniert.

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Derzeit glaubt Musk daher, dass das Starship nicht mehr 2022, sondern voraussichtlich erst 2023 für einen ersten unbemannten Mars-Flug bereit sei. Aufgrund einer günstigeren Konstellation zwischen Erde und Mars wäre es allerdings besser, noch ein weiteres Jahr mit dem Start zu warten. Eine spezielle Starship-Variante, die große Landungen für die NASA zum Mond transportieren könne, die sei in „zwei bis drei Jahren“ soweit und soll dann die Artemis-Programm-Pläne unterstützen. Denn für den Aufbau einer dauerhaften Basis auf dem Mond brauche es „signifikate Landungskapazitäten“, sagt Elon Musk. „Gemeint sind damit 100 Tonnen pro Start.“

Aber mit dem Mond und dem Mars ist es für Elon Musk noch nicht getan. Das Starship sei für Flüge durch das ganze Sonnensystem geeignet. „Wir brauchen nur einen festen Boden, um landen zu können“, sagt der Milliardär. Eine Forschungs- und Erkundungsmission zur Venus fände Elon Musk interessant. Aber auch die Jupiter-Monde und den Kuipergürtel, eine ringförmige Konstellation, aus der ein Großteil der Kometen stammt, die durch das Sonnensystem kreuzen, wären aus seiner Sicht einen Besuch wert. Vorerst müsse SpaceX aber erst einmal mit dem Starship aus der Erdatmosphäre und auf einen anderen Himmelskörper wie dem Mond oder Mars kommen. In andere Sonnensysteme zu gelangen, sagt Musk, das sei nochmal eine Herausforderung ganz anderer Größenordnung. „Aber wir werden irgendwann als Spezies Technologien entwickeln“, sagt Musk, „die es uns erlauben, in andere Sonnensysteme vorzustoßen.“

Teaser-Bild: SpaceX

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