Ein Start-up will ausgestorbene Wollhaarmammuts klonen – gegen den Klimawandel

Ein bekannter Genetiker und ein Start-up-Gründer haben einen großen Plan. Sie wollen die vor Tausenden von Jahren ausgestorbenen Mammuts wiederbeleben – und das in nur fünf bis sechs Jahren. Die sollen dann in einem Park angesiedelt werden – aber nicht als Touristenattraktion, sondern als Klimaschutzmaßnahme.

Von Michael Förtsch

Sie waren mit einer Größe von bis zu 3,5 Metern, einem Gewicht von bis zu acht Tonnen und Stoßzähnen von bis zu 2,5 Metern Länge wahre Giganten. Doch vor rund 10.000 Jahren verschwand das Gros der Wollhaarmammuts. Die letzten Exemplare sollen spätestens vor 4.000 bis 5.000 Jahren ausgestorben sein. Nun will ein Start-up aus Texas sie zurückbringen. Insgesamt 15 Millionen US-Dollar sammelte das Gentechnikunternehmen Colossal von Investoren ein, um das möglich zu machen. Laut Colossal-Gründer Ben Lamm und dem Harvard-Genetiker George Church stünde der Wiedererweckung der urzeitlichen Wesen technisch nichts im Wege. Die einzigen Hürden wären Zeit und Geld.

Die Basis für das Projekt soll in DNA-Proben bestehen, die einem Wollhaarmammut entnommen wurden. Erst im Jahr 2013 hatten etwa Forscher im russischen Jakutien den über Jahrtausende tiefgefrorenen und dadurch gut erhaltenen Kadaver eines solchen Tieres entdeckt. Muskelgewebe, Haare, Haut und sogar Blut waren noch erhalten. Jedoch lässt sich aufgrund der oft nicht vollständig intakten DNA-Stränge kein reinrassiges Mammut erschaffen. Oder zumindest nicht ohne Probleme. Die Forscher von Colossal wollen daher zunächst einen Hybriden erzeugen. George Church möchte also Elefantenembryonen erzeugen, die Mammut-DNA in sich tragen.

Als aussichtsreiche Träger haben die Wissenschaftler asiatische Elefanten ausgemacht. Denn diese stellen heute die nächsten genetischen Verwandten der ausgestorbenen Mammuts dar. Hautzellen der Tiere sollen so behandelt werden, dass sich daraus Stammzellen erzeugen lassen, die mittels der Gen-Schere Crispr-Cas9 mit Mammut-DNA-Passagen geimpft und dann einem Embryo injiziert werden. Diese DNA-Abschnitte sollen jene sein, die für den Haarwuchs, die Fetteinlagerungen, die Körpergröße und sonstige Anpassungen an das kühle Klima verantwortlich sind – und dafür sorgten, dass Mammuts so aussahen, wie sie aussahen. Anschließend könnte ein solcher Embryo einem Muttertier eingesetzt oder mittels einer künstlichen Gebärmutter herangezüchtet werden.

Alles für das Klima?

Geht es nach Ben Lamm könnten die ersten Mammut-Elefant-Hybriden in fünf bis sechs Jahren zur Welt gebracht werden. Diese sollen dann in einem Naturschutzgebiet in Ostsibirien ansiedelt werden. Das Projekt sei laut Lamm und Church keine „Wir tun es, weil wir es können“-Angelegenheit, sondern durchaus Teil eines großen Plans. „Unser Ziel ist es, einen kälteresistenten Elefanten zu erschaffen, der aber aussieht und sich verhält wie ein Mammut“, sagt Church gegenüber der Zeitung The Guardian. „Wir wollen damit niemanden austricksen. Wir wollen etwas, das dem Mammut funktional gleichwertig ist, das seine Zeit bei -40 Grad Celcius genießt und all die Dinge tut, die Elefanten und Mammuts tun, insbesondere Bäume umhauen.“

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Der Grund dafür: Die Mammuts sollen mit ihrem Leben in Ostsibirien helfen, das Auftauen der Permafrostböden aufzuhalten – und damit die Freisetzungen von Milliarden Tonnen CO2 verhindern. Das Naturschutzgebiet existiert schon seit 1996 und wird vom Geophysiker Sergej Simow mit alten Tierarten besiedelt, um das Ökosystem des Pleistozän und die damit verbundene Steppentundra zu rekonstruieren. Unter den Tieren sind unter anderem Yaks, Jakuten-Pferde, Rentiere, Moschusochsen und Wisente. Nach der Theorie der Parkplaner war eine hohe Tierdichte einst mitverantwortlich für den Permafrost, weil die Tiere im Winter regelmäßig die Schneedecke aufwühlten, Wiesen abgrasten und Bäume in Wäldern umwarfen. Dadurch sei der Boden in großer Breite direkt den kühlen Temperaturen ausgesetzt worden und konnte sich nicht so stark erwärmen, wie er es seit den letzten Jahrhunderten tut.

Nach wissenschaftlichen Erhebungen ist das Experiment bereits ein Erfolg. Die Ansiedlung von Tieren sorge schon jetzt dafür, dass der Boden im Park messbar kälter bleibt als in den Gebieten drumherum. Ob die Möchtegern-Mammuts hier tatsächlich einen Beitrag leisten können, das ist jedoch umstritten. Einerseits fänden sich die Tiere in einem klimatischen Umfeld wieder, das anders ist als vor 10.000 Jahren – was fraglich macht, ob sie in dem Park gut und lange überleben könnten. Zudem glauben manche Forscher, dass sie durchaus auch Schaden anrichten könnten, in dem sie beispielsweise Moose und Gräser zertrampeln, die ebenso für die Bewahrung des Permafrost nötig sind.

Geht es nach Colossal-Gründern sollen die Mammuts nur der Anfang sein. Das Unternehmen soll eine De-Extinction-Firma werden und letztlich zahlreiche Tiere und auch Pflanzen zurückbringen – auch welche, die durch menschliches Verschulden verschwunden sind. Ebenso sollen bei Colossal neue Wege gefunden werden, um gefährdete Spezies genetisch zu konservieren. „Letztlich geht es darum“, heißt es von Colossal, „den Schaden durch die Wiederansiedlung wichtiger Tier- und Pflanzenarten rückgängig zu machen, die eine aktive Rolle bei der Erhaltung einiger der klimaschonendsten Ökosysteme der Erde gespielt haben.“

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Teaser-Bild: Colossal

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