Deutschland als lernendes System: Plädoyer gegen den Dauerlockdown

Zentralismus in der Pandemie ist Ausdruck einer Kompetenzillusion. Erfolgreicher wäre es, ganz Deutschland in ein lernendes System zu verwandeln, das aus konkurrierenden und kommunizierenden Untersystemen besteht, schreibt der Physiker und Philosoph Marco Wehr. Das werde nur mit Künstlicher Intelligenz zu schaffen sein.

Ein Essay von Marco Wehr

Ist der sich permanent verlängernde Lockdown Ausdruck einer souveränen Strategie oder eher Zeichen ängstlicher Ahnungslosigkeit? Vermutlich Letzteres. Unsere „Strategie“ erinnert an das einsilbige Mantra alter Hausärzte, die bei jedem Krankheitsbild, das sie nicht recht einzuordnen wussten, Bettruhe empfahlen. Nur kommt man mit einem so dürftigen Vademecum ernsten Leiden nicht bei.

In vergleichbarer Weise wird uns die momentane Angststarre und das Perpetuieren des Immergleichen wenig helfen, das Problem der grassierenden Pandemie in den Griff zu bekommen. Natürlich kann man mit einem konsequenten Lockdown die „Pandemie besiegen“. Aber der Preis ist hoch. Nach dem Würgegriff liegen zumindest Teile der Wirtschaft in Scherben. Operation gelungen, Patient tot.

Der Ansatz ist zu eindimensional. Er kommt maßgeblich dadurch zustande, dass sich Politik und Verwaltung mental eingeigelt haben und wenig Bereitschaft zeigen, zu lernen. Es gibt kein systematisches, von höchster Stelle geleitetes Erkenntnisinteresse, das die zentralen Probleme in den Fokus nimmt. Statt eine belebende Dynamik zu entwickeln, dominiert die Statik.

Über 12 Monate sind seit Ausbruch der Epidemie vergangen. Trotzdem weiß man immer noch nicht genau, wo sich die Menschen wirklich anstecken! Welche Tätigkeiten außer Singen, Jodeln und Brüllen sind gefährlich und wo kann man Leine lassen, um die Wirtschaft nicht zu ruinieren?

Entscheidungsträger ohne „Skin the Game“

Die Gründe für die intellektuelle Bewegungslosigkeit sind vielfältig. An erster Stelle steht ein gravierender Systemfehler: Die Entscheidungsträger, denen die Bürger ein Mandat gegeben haben, damit diese auch in schwierigen Zeiten in ihrem Sinne entscheiden, sind von den Auswirkungen der gegenwärtigen Krise nicht betroffen. Egal wie viele Selbstständige, Künstler, Theatermacher oder Veranstaltungstechniker in existenzielle Schwierigkeiten geraten, Politiker und Verwaltungsbeamte bekommen 100 Prozent ihres Gehalts überwiesen. Unter diesen kommoden Umständen gibt es keinen Handlungsdruck, was die eigenen Interessen angeht. Es gibt kein „Skin in the Game“.

Das ist eine beunruhigende Situation, bei der die Alarmglocken schrillen müssen. Gemäß der Überzeugung des Statistikers Nassim Nicholas Taleb sollte man sich niemals von den Führungsqualitäten einer Elite abhängig machen, die nicht persönlich die Risiken ihrer Entscheidungen mitträgt. Um diesen systemimmanenten Fehler zu beseitigen, böte es sich an, Neuseeland zum Vorbild nehmen: „Wenn es jemals eine Zeit gegeben hat, die Lücke zwischen verschiedenen Gruppen zu schließen, dann jetzt.“

Dieses Zitat stammt aus dem Mund von Jacinda Ardern, Neuseelands Regierungschefin. Sie verzichtete in der Coronapandemie erstmal für sechs Monate auf 20 Prozent ihres Gehalts! Was spräche dagegen, von unseren Volksvertretern einen vergleichbaren Tribut zu verlangen? Nur dann entstünde eine glaubwürdige Form der Solidarität. „We are all sitting in one boat“, wie Günther Oettinger so schön kalauerte. Stattdessen kultivieren wir eine Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite das Risikoprekariat, das von der Epidemie durchgeschüttelt wird, während Privilegierte die Krise nur merken, weil man seinen Kaffee auf der Straße im Stehen trinken muss.

Deutschland ist kein monolithischer Block

Unabhängig von dieser Ungerechtigkeit müssen unsere Behörden eine andere Dynamik entfalten. Jeder Betrieb lernt, bei Nachfrageschwankungen seine Produktion den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Bei Bedarf wird mehr gearbeitet oder auch weniger. Doch dieses Gesetz gilt nur für den freien Markt.

In Deutschland gab es im Katastrophenfall wochenlang (!) zwischen Weihnachten und Neujahr keine validen Infektionszahlen. Die Büros waren verwaist. Dienst nach Vorschrift. Die Verantwortlichen saßen beim Festschmauß und begrüßten das neue Jahr. Krisenmanagement sieht anders aus. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Gerade im Moment stellen wir fest, dass es zu wenig Spritzen gibt, um die Vakzine zu verimpfen. Quizfrage: Wie lange wissen wir, dass Impfstoffe hergestellt werden, für die man Spritzen braucht, um sie zu verabreichen?

Tatsächlich reimt sich das Verb „verwalten“ nur zufällig auf „gestalten“. Gestaltung aber täte Not. Wir sind schließlich mit einem Komplexitätsmonster konfrontiert, das nicht dadurch verschwindet, dass man die Bürotür hinter sich abschließt. Wollen wir die Krise überstehen, sind wir gezwungen die Komfortzone zu verlassen, um zu lernen. Doch wie soll das gehen?

Es ist entscheidend, Deutschland nicht als monolithischen Block zu betrachten, der zentralistisch regiert wird. Wir brauchen autonome Untersysteme, die konkurrierend und kommunizierend miteinander in Beziehung treten. Wir besitzen in Deutschland 294 Landkreise und 107 kreisfreie Städte. In der Summe also etwa 400 Untersysteme. Diese müssen als Laboratorien aufgefasst werden, die sich mit verschiedenen Strategien an der Wirklichkeit versuchen und durch die verbreiteten Kennzahlen der 7-Tage-Inzidenz und/oder des R-Wertes ein selektierendes Feedback erhalten.

Tatsächlich gibt es bereits positive Entwicklungen. Trotz der verbreiteten zentralistischen Tendenz beginnen einige Landkreise und Städte eigenständig und kreativ neue Wege zu beschreiten. Vorreiter der Unangepassten war die Stadt Jena, die als erste eine Maskenpflicht einführte, als die meisten „Spezialisten“ noch der Überzeugung waren, dass sie unnütz ist. An vorderster Front Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, der als ausgebildeter Radiologe nicht zwingend Experte für epidemiologische Fragestellungen ist. Im Augenblick kreiert Tübingen mit seinem Oberbürgermeister Boris Palmer und der Notärztin Lisa Federle innovative und erfolgreiche Teststrategien. Genauso machen es die Apotheker der Stadt Böblingen, die nicht warten wollen, bis die Verwaltungsbeamten in die Hufe kommen.

Trotzdem gibt es auch in diesem Zusammenhang einen Systemfehler. Die Wendigen und Einfallsreichen profitieren nur in Maßen von ihrem Einfallsreichtum und ihrer Tatkraft. Der Lockdown gilt für sie mit der gleichen Härte wie in den Landkreisen, die leichtfertig Querdenker-Demonstrationen mit 10.000 Teilnehmern gestatteten und nun unter hohen Infektionsraten leiden.

Wenn aber alle, egal was sie tun, über denselben Kamm geschoren werden, kann kein Wettbewerb der Ideen entstehen! Stattdessen wäre zu fordern, dass kreatives und erfolgreiches Handeln belohnt wird. Da, wo die Inzidenzen niedrig sind, wird also kontrolliert gelockert. Dort wo sie hoch sind, nicht. Sind die Infektionszahlen alarmierend, bleibt die Belohnung aus.

Zeit für Datenwolken und Künstliche Intelligenz

Damit das nicht zu einem unkalkulierbaren Vabanquespiel gerät, braucht es ein durchdachtes Informationsmanagement. Alle Schritte sind sorgfältig zu dokumentieren und zu kommunizieren. Diese Daten müssen permanent gesammelt und ausgewertet werden. Das geht nur mit intelligenter und potenter Datenverarbeitung! Dem Robert-Koch-Institut, der Referenzbehörde, käme in diesem Zusammenhang eine neue Aufgabe zu. Ihre Aufgabe wäre es, eine digitale Task-Force aufzubauen, die die Daten kategorisiert und zueinander in Beziehung setzt, um schlussendlich Korrelationen zu ermitteln. Diese würden es erlauben, über mögliche Ursachen eines sich verändernden Infektionsgeschehens zu spekulieren. Korrelationen in großen Datenwolken zu finden, ist die Paradedisziplinen moderner Big-Data-Algorithmen, die allerdings an das Problemfeld der Corona-Pandemie angepasst werden müssten.

Tatsächlich kommt Künstliche Intelligenz in der Corona-Krise bereits in verschiedenen Zusammenhängen zum Einsatz. Allerdings nicht dort, wo sie helfen könnte, über Sinn oder Unsinn von Lockdown-Maßnahmen zu urteilen.

Wo wird KI bisher eingesetzt? Die chinesische Firma Alibaba hat einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der in wenigen Sekunden anhand einer Computertomographie erkennen soll, ob die Lunge eines Patienten vom Coronavirus befallen ist oder nicht. In internationaler Zusammenarbeit prüfen amerikanische, europäische und chinesische Forscher, in welcher Weise bekannte Wirkstoffe und Antikörper auf das Coronavirus wirken. Dazu verwenden sie Summit und Sierra, die leistungsfähigsten Supercomputer der Welt. Sie erreichen gemeinsam über 300 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde. Doch das ist nicht das Ende der Fahnenstange.

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Das sogenannte Folding@home-Projekt der Stanford University stellt, was Rechenkraft angeht, alles in den Schatten. Um Wissenschaftler im Kampf gegen das Coronavirus zu unterstützen, kann jeder Nutzer Rechenleistung seines eigenen Computers zur Verfügung stellen (Volunteer-Computing). Schon im Mai 2020 hatten die weltweit vernetzten Computer mehr Leistung als alle 500 Supercomputer der Welt zusammen. Mit dieser geballten Power untersuchen die Forscher normalerweise wie sich Proteine in Abhängigkeit von ihren Aminosäuresequenzen falten – ein hochkomplexes Problem. Im Fall von Corona werden Schlüsselkomponenten des Virus geprüft, um Strategien zu entwerfen, mit denen sich die Verbreitung des Virus unterbinden lässt.

Es gibt viele weitere Beispiele, aber leider eben keine konkrete Anwendung, in welcher in einer föderalen politischen Struktur konkurrierende Untersysteme betrachtet werden, um letztlich das Gesamtsystem zu optimieren.

Die Planung des Unplanbaren

In einem solchen Szenario müssten zu Beginn in den Untersystemen zwangsläufig mit einer gewissen Willkür behaftete Öffnungs- und Schließungsregeln erlassen werden. Diese würden in einem zweiten Schritt durch eine Feedbackschleife einem harten Selektionskriterium ausgesetzt. In diesem spiegelt sich die zeitversetzte, gewertete Entwicklung des Infektionsgeschehens wider, das entweder Anlass zur Hoffnung gibt oder nicht. Auf diese Weise wird ein evolutionärer Lernprozess in Gang gesetzt, der in kleinen Schritten dafür sorgt, dass sich die Gesamtsituation verbessert. Damit ist zu rechnen, da die 400 autonom agierenden Untersysteme nicht nur ein Feedback bekommen, was ihre Verordnungen angeht. Da das System transparent ist und die ausgewerteten Daten allen zur Verfügung stehen, gibt es die Möglichkeit sich zu orientieren und Handlungsoptionen zu optimieren.

Das Ziel ergibt sich in diesem Kontext zwangsläufig: Die Behörden der Landkreise wollen vermeiden, sich durch unbedachte Verordnungen in einen starken Lockdown zu manövrieren, während in den Nachbarkreisen, die es besser machen, Geschäfte und Restaurants wieder offen sind. Das würde bei den Wählern dieser Kreise zu großem Unmut führen. Dadurch entsteht ein positiver Handlungsdruck auf die Entscheider.

Unterm Strich geht es darum, einen Plan für eine im Kern unplanbare Gesamtsituation zu entwerfen. Die Planung des Unplanbaren – das klingt wie ein Widerspruch in sich. Doch in der evolutionären Entwicklung sind optimierende Trial-and-Error-Verfahren mit regulierenden Feedback-Schleifen gang und gäbe. Sie bilden geradezu den Kern der Evolutionstheorie. In einem kulturellen Kontext darf es aber nicht um Leben und Tod gehen. Negative Entwicklungen müssen frühzeitig gedämpft, positive unterstützt werden.

Dazu müssen die relevanten Informationen mit großer Sorgfalt gesammelt werden. Öffnet zum Beispiel Landkreis A die Schulen, dann ist festzuhalten, wie viele Kinder in einem Raum sitzen, wie oft gelüftet wird, ob sie Masken tragen, wie viele Stunden sie gemeinsam in der Klasse verbringen, wie viele von ihnen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen. Und so weiter. Eine solche feinmaschige Datenerhebung muss für alle Bereiche geleistet werden. Nur vor diesem Hintergrund würden die ermittelten Korrelationen einen Erkenntniswert besitzen und letztlich zu einem Lernprozess führen, der der apathischen Starre, in der wir uns befinden, vorzuziehen wäre.

Ob dieses komplexe Szenario in einem Land, in dem Gesundheitsämter Daten noch per Fax verschicken, umzusetzen ist, bleibt abzuwarten. Aber jeder lange Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Marco Wehr ist Physiker und promovierter Philosoph. Als vielfach ausgezeichneter Autor und Redner beschäftigt er sich mit Fragen der Vorhersehbarkeit, der Rolle des Körpers für das Denken und der Beziehung von Gehirn und Computer. Marco Wehr ist Gründer und Leiter des Philosophischen Labors in Tübingen.

Titelbild: Getty Images

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Was für eine schöne Vorstellung solche Feedbackschleifen mit positiven und negativen Incentives inkl notwendiger Datenerhebung auf governance-Ebene zu implementieren.

Auch der Weg zu so etwas: Handlungsdruck bei Politikern und Entscheidungsträgern über „Skin-in-the-Game“ finde ich super. Im negativen, wie auch im Positivem. Ich hätte nichts dagegen einem Politiker oder einer Gruppe, die mit solchen neuen Systemen brillieren unglaublich viel Geld oder sonstige Dinge zu geben, wenn es denn funktioniert.

Vielleicht ist Skin in the Game das erste was man sehr zeitnah tun müsste um zeitnah für echten Fortschritt zu sorgen!

Sonst bleibt das beschriebene evolutionäre Regelsystem vermutlich eher „science fiction“ als ein konkretes Ziel.

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Da sind wir völlig einer Meinung!

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Der Artikel ist sehr edel. Kompliment! Diese Kompetenzillusion und die Tatsache, dass Ämter Daten noch per Fax verschicken, lässt sich auch überspitzt zusammenfassen in der kritischen Fragestellung; was passiert mit einem Kulturkreis in dem es keine Kompetenz mehr gibt, um Kompetenz zu erkennen? Demnach ist die Orchestrierung der kollektiven Intelligenz durch eine Architektur algorithmischer Superstrukturen enorm wichtig. Ben Goertzel hat da mit der Mindplex Terminologie inhaltlich einen guten Beitrag dazu geleistet. Die nächste Frage wäre also, wie lässt sich eine transkulturelle Form der Governance etablieren, die Emergenz erlaubt und auch fördert. Momentan wird man ja von regelkonformen Beamten hierzulande eher als Aluhut bezeichnet, wenn man das Thema Zukünfte anspricht und darüberhinaus werden internationale Studienabschlüsse der Zukunftsforschung und in evolutionärer Kybernetik gegen geltendes EU Gesetz nicht anerkannt. Es ist eine sehr gefährliche Tendenz in der Bürgerrechte keine Beachtung mehr finden und EU Rechtsverstöße und Übergriffe des Staates als Kavaliersdelikte unter den Teppich gekehrt werden. Es ist sicherlich noch nicht so schlimm wie in Ländern wie Rumänien, aber mit einem Relativismus, der uns als nicht so schlimm verortet, lässt sich keine verantwortungsbewusste Zukunft erfahren. Noch einmal Danke an den Autoren für diesen wichtigen Beitrag!

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Lieber Daniel, ich glaube, wir blasen in das gleiche Horn. Das Kreativitätsverhinderungspotential in den deutschen Amtsstuben nimmt bisweilen beängstigende Formen an. Interessant ist aber, dass Corona die Damen und Herren aus Kafkas Schloss auf einmal zwingt, ins helle Tageslicht zu treten. Auf einmal sind sie gezwungen, selbst aktiv zu werden, statt Aktivitäten wie gewohnt vom Schreibtisch aus zu verregeln. Das Ergebnis ist bisweilen niederschmetternd: Bis zu 50(!) mal müssen die ganz Alten bei der Impfhotline anrufen, um einen Termin zu bekommen.

Da das hier ja ein Forum ist, in dem Zukunftsträume hoch gehandelt werden, möchte ich einen beisteuern: Zeit meines Lebens träume ich vom “Beamtensimulator“. So wie Piloten permanent im Simulator getestet werden müssen, um ihre Flugtauglichkeit zu beweisen, so träume ich davon, dass jeder Beamter einmal pro Jahr in den Simulator muss. Dort wird er gezwungen einen Rollentausch vorzunehmen. Er wird ein Künstler oder ein oder ein junger Start-Up-Unternehmer. Nun wird er mit seiner eigenen Behörde konfrontiert. Gelingt es ihm nicht, sein Projekt wie gewollt zu lancieren, dann werden die Gehälter der Behörde im realen Leben mit einem Abschlag versehen. Vielleicht würde das dazu führen, dass die Verwaltung beginnt zu verstehen, dass sie nicht wie der Feldherr auf seinem Hügel außerhalb des Systems steht, sondern ein Teil von ihm ist und Synergien von großer Bedeutung sind. Wie gesagt, das ist ein Traum.

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Absolut genial. :smile: Und dann das komödiantische Potential im Reality TV Format dokumentieren, könnte sehr nahe an den Charakter Carol Beer in Little Britain USA herankommen. Computer says no :joy:

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Nachdem ich das Video gesehen habe, muss ich meine vorige Aussage revidieren. Bei uns läuft es nachweislich doch schlimmer als in Rumänien.

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Zumindest was die Preise von Konnektivität angeht läuft es in Rumänien ziemlich gut. Allerdings sind dort viele kleine Gemeinden fast vollkommen vom Netz abgeschnitten. Aber das ist leider auch in Deutschland mancherorts so. Ein Dorf nahe meinem Heimatort hat erst Ende 2020 einen ersten Mobilfunkturm bekommen. Davor mussten Leute drei Kilometer fahren, um Netz zu kriegen.

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Dauert leider ein wenig, aber die ersten Schritte sind getan:

Auch erwähnenswert sind Projekte wie https://orchestra-cohort.eu/

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Das RKI hat 1e9 abonniert;-) Und danke für den Link!

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Danke für den Denkanstoß @marcowehr!

Vieles von dem, was du vorschlägst, sollte aus meiner Sicht auch jenseits der Pandemie zur Regel werden. Den Föderalismus nutzen, um wie in Reallaboren verschiedene Ansätze testen, genau erfassen, welche Maßnahmen welchen Erfolg bringen, gute Lösungen dann „skalieren“ und deutschland- oder europaweit ausrollen.

Ich fürchte allerdings, die öffentliche Verwaltung ist derzeit noch nicht gerüstet, um das Ruder in der Pandemie herumzureißen. Die Strukturen sind jahrzehntealt, die Digitalisierung wurde verschlafen, es fehlt oft an Know-how, weil der öffentliche Sektor sich auch kaum in einen Wettbewerb um die besten Köpfe mit der Privatwirtschaft getraut hat…

Ist sicherlich nicht überall so, einzelne Kommunen und Behörden beweisen das Gegenteil. Die Bundesagentur für Arbeit scheint zumindest nach vielen Reformen deutlich schlagkräftiger als andere Einrichtungen. Das Kurzarbeitergeld hat jedenfalls nicht so gestottert, obwohl es unglaublich viele Anträge gab. Und auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurde nach vollkommener Überforderung (unter Federführung der Bundesagentur für Arbeit) neu aufgestellt. Es besteht also noch Hoffnung – zumindest darauf, dass die akute Krise zur Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung beiträgt.

In der Zwischenzeit…

Leider, finde ich, reihen sich die derzeitigen Probleme in viele Beispiele dafür ein, dass der Staat, da wo er stark sein sollte, nicht mehr stark ist – im Umsetzen von Politik und großen Projekten. Flughäfen, Bahnstrecken, Breitbandausbau und so weiter… Die Staatsausgaben sind zwar gewaltig gestiegen in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt, weil der Staat der größte Gewinner der guten Konjunktur war (unser Einkommensteuersystem macht es möglich), die operativen Fähigkeiten sind aber nicht mitgewachsen. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

Wollte mir das bei Gelegenheit noch detaillierter anschauen, um nicht nur halbinformiertes Bauchgefühl dazu beizutragen :wink:

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