Der Architekt Rem Koolhaas und Volkswagen planen E-Traktoren für afrikanische Länder

Die Elektromobilität ist noch nicht in der Landwirtschaft angekommen – und schon gar nicht in der von Entwicklungsländern. Der niederländische Architekt Rem Koolhaas will das nun in Kooperation mit Volkswagen ändern. Beide planen dafür einen E-Traktor für die Länder der Subsahara-Zone.

Von Michael Förtsch

Bislang sind sie nur eine Konzeptstudie. Im Guggenheim Museum in New York hat der Architekt Rem Koolhaas, der unter anderem hinter der Niederländischen Botschaft in Berlin steht, mit seinem Forschungs- und Entwicklungsbüro AMO eine Studie zur Zukunft der ländlichen Welt vorgestellt. In einem Abschnitt der Countryside, the Future-Ausstellung zeigt der Architekt auch elektrische Traktoren. Die wurden in einer Design-Kollaboration mit Volkswagen erdacht und könnten, wie es in der Projektbeschreibung heißt, irgendwann helfen, „kleinbäuerliche Landwirtschaft zu erleichtern und die Produktivität von Selbstversorgungsbauern zu steigern“.

Geplant und gestaltet wurden die E-Traktoren allem voran von Peter Wouda, Designleiter vom Volkswagen Innovation Center Europe, und dem Volkswagen-Ingenieur Holger Lange - mit einem Fokus auf die Subsahara-Länder des afrikanischen Kontinents. Die einfach und robust gestalteten Traktoren sollen nämlich allein in Verbindung mit Solarladestationen funktionieren, die in den sonnenreichen Regionen genügend Strom liefern, um problemlos die großen Akkumulatoren der Traktoren zu laden. Als große Blockmodule sollen die Batterien eingesteckt werden, wo sonst der Motorblock eines Traktors liegt.

Ist der Akku leer, wird er mit einem kleinen Rollwagen herausgehoben und in ein Lademodul der Station geschoben, das bis zu drei Akkus aufnehmen kann – aber auch Smartphones, Elektro-Roller und andere Geräte sollen sich daran laden lassen. Mit den großen Solarpaneelen, die sich an einem hohen Mast immer in Richtung der Sonne drehen, soll die Ladestation gleichzeitig als Schattenspender und Treffpunkt dienen. „Als ich die Studie des E-Traktors zum ersten Mal sah, wurde mir klar, dass dies ein wirklich grundlegender Moment war“, sagte Koolhaas. „Diese Maschine kann eine Menge verändern.“

Noch braucht es Arbeit, bis der Traktor fährt

Wie in der Ausstellung und auf Konzeptzeichnungen illustriert wird, sollen die E-Traktoren möglichst modular und vielfältig nutzbar aufgebaut sein. Sie sollen sowohl taugen, um Felder mit Pflugscharen zu bestellen, aber ebenso mit Heckaufreißern oder einer Ladeschaufel für Bauarbeiten ausgerüstet werden können. Zudem sollen die Batteriemodule auch außerhalb eines Traktors oder der Ladestationen als unabhängige Stromquelle nutzbar sein – beispielsweise, um damit Elektrowerkzeuge oder auch einen kleinen Haushalt zu betreiben. Dadurch sollen Traktor und Akku zur Basis eines vielschichtigen Nutzungs- und Arbeitsökosystems werden, das auch die Kooperation auf lokaler Ebene stärken könnte.

Daher sollen die Fahrzeuge, Akkus und Ladestationen auch nicht einfach teuer verkauft werden. Stattdessen könnte beides an einzelne Dörfer und Gemeinschaften vermietet werden, um die gemeinsame Nutzung und Wartung zu garantieren. Um diese Technik nun aber tatsächlich von der Idee in die Realität zu holen, soll, wie AMO schreibt, im nächsten Schritt nach weiteren Partnern gesucht werden. Beispielsweise könnten lokale Universitäten helfen, weiteres Wissen über technische Ansprüche in den Subsahara-Ländern und lokale Meinungen zur Idee zu sammeln.

„Normalerweise konzentrieren wir uns als Designer mehr auf Markenidentität, Proportionen und Ästhetik, aber beim E-Traktor-Projekt ging es darum, ein sinnvolles und ganzheitliches System zu entwerfen, das, wenn es richtig gemacht wird, das Potenzial hat, Menschen zusammenzubringen und eine Gemeinschaft zu unterstützen“, sagt Peter Wouda. Sollte das E-Traktor-Projekt daher Fahrt aufnehmen und gelingen, könnte das entstehende Mobilitätssystem um weiter Fahrzeuge erweitert werden, die auf die gleichen Modul- und Akku-Konzepte setzen. Beispielsweise autonome Kleinbusse, Kabinenroller oder Lieferfahrzeuge.

Aber auch sonst ist der Volkswagen in afrikanischen Ländern aktiv dabei, die E-Mobilität zu fördern. Erst Ende des Jahres 2019 startete der Konzern in Ruanda ein Pilotprojekt für einen eigenen Mobilitätsdienst, der zunächst mit vier und später 50 E-Golf betrieben werden soll. Dazu soll Siemens nach und nach eine Ladeinfrastruktur für E-Autos aufbauen – die vor allem günstigen Solarstrom nutzen soll. Auch die bereits von Volkswagen über die vergangenen Jahre gestarteten Carsharing-Experimente sollen letztlich von Benzin- und Dieselfahrzeugen auf Elektrofahrzeuge umschwenken. Aber das nicht nur in afrikanischen Ländern, sondern auch weltweit.

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