Das Start-up Ottobahn will bei München eine Teststrecke für KI-gelenkte Schwebebahnen bauen

Das Münchner Unternehmen Ottobahn will die Mobilität mit futuristischen Schwebebahnen revolutionieren. In Taufkirchen soll daher noch in diesem Jahr mit dem Bau einer Teststrecke begonnen werden. Für deren Finanzierung setzt das Start-up auch auf Crowdfunding.

Von Michael Förtsch

Durch das Büro von Ottobahn im Sirius Business Park im Süden von München fährt sie schon. Dort dreht eine Kapsel an Gleisen hängend ihre Runden. Sie saust an Schreibtischen, der Kaffeeküche und Wasserspendern vorbei. Doch geht es nach dem Unternehmer und „Can Do Officer“ Marc Schindler soll das futuristische Schwebebahnkonzept in wenigen Jahren den Verkehr in und zwischen den großen Städten der Welt revolutionieren. Mit einer App sollen sich Menschen ganz einfach eine Kapsel zu ihrem Standort bestellen können, die sich dann wie ein Fahrstuhl abseilt und sie aufnimmt. Gelenkt und delegiert werden sollen die Kapseln von einem intelligenten Computersystem.

Mit 60 Kilometern pro Stunde sollen die Kapsel auf einer hochgelegenen Trasse über dem urbanen Autoverkehr vorbei zischen. Zwischen Städten sollen die Kapseln sogar mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Das alles ist laut den Machern der Ottobahn keine futuristische Vision mehr, sondern nur noch wenige Schritte von einer nutzbaren Verkehrsalternative entfernt. „Das Design der Kabinen ist fertig, Struktur und Bauraumvorgaben für alle Module sind engineered“, sagt Schindler zu 1E9. „Die Fahrwerkskonstruktion wurde lauf-dynamisch weiterentwickelt, der Antrieb auf die Testanforderungen ausgelegt. Aktuell liegt der Entwicklungsfokus auf der Kopplung von Fahrwerk und Kabine über ein Feder-Dämpfer-System für sichere und entspannte Fahrten.“

Dass das alles auch wirklich funktioniert, soll schon bald getestet und demonstriert werden. Noch in diesem Jahr soll der Bau einer Teststrecke beginnen. Entstehen soll die in der Gemeinde Taufkirchen bei München, wo derzeit auch die neue Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität München eingerichtet wird. Die Strecke soll aus einem ein Kilometer langen Rundkurs bestehen, bei dem die Kapseln in fünf Metern Höhe fahren können. Wo genau der Kurs hochgezogen wird, ist noch geheim. „Nur so viel“, sagt Schindler. „Die Strecke wird prominent direkt neben der A8 und dem angrenzenden Industriegebiet entstehen.“

Investorensuche via Crowdfunding

Der Bauantrag für die Strecke ist bereits abgesegnet. Jetzt müsse nur noch das Landratsamt seine Zustimmung geben, sagt Schindler. Entschieden hat sich Ottobahn für den Ort, weil er gut für das eigene Team und auch zukünftige Besucher zu erreichen ist. Außerdem könne von der Teststrecke aus theoretisch gleich weitergebaut werden. Es wäre durchaus machbar, von dem von 42 Betonträger gestützte Rundkurs in Taufkirchen über den Mittelstreifen der Autobahn eine Strecke bis zur U-Bahn-Station Karl-Preis-Platz im Münchner Stadtteil Ramersdorf und darüber hinaus zu errichten. Und das schneller und günstiger als jede Erweiterung einer U- oder S-Bahn-Trasse. Denn mit der Hochtrasse könnten bis zu 400 Meter an Strecke pro Tag fertiggestellt werden.

Die Strecke wird prominent direkt neben der A8 und dem angrenzenden Industriegebiet entstehen.

Marc Schindler

Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit Ottobahn ist laut Marc Schindler ziemlich groß. Es hätte auch die Möglichkeit für eine Teststrecke im Westen von München gegeben. Und selbst im Schwarzwald hätte sich eine Gemeinde angeboten. Aber Taufkirchen sei einfach die logische Option. Der Bau der dortigen Testanlage soll schnell und unkompliziert abgeschlossen werden. Bereits bis zum nächsten Jahr will das Start-up mit ersten Vorserien-Kapseln auf der Strecke bis zu 100.000 Kilometer fahren. Das soll zukünftige Kunden und Verkehrsplaner überzeugen.

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Für den ehrgeizigen Plan setzt Ottobahn auch auf Crowdfunding. Auf der Website FunderNation will das Unternehmen bis zu zwei Millionen Euro einsammeln. „Dieser Betrag entspricht dem Budget zu Entwicklung und Bau der Fahrzeuge für die Referenzstrecke“, sagt Schindler. Wer will, der kann auf der Website ab 100 Euro investieren. „Weil die Ottobahn den Menschen in den Mittelpunkt stellt, möchten wir der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, sich am Erfolg zu beteiligen“, meint der Unternehmer. „Darum haben wir uns da für das Crowdfunding entschieden.“ Die eigentliche Strecke würde mit dem Geld von klassischen Investoren finanziert – sie soll rund fünf Millionen Euro kosten.

Verläuft alles nach Plan und funktionieren sowohl die Kapseln als auch die Strecke und die Steuersoftware, soll dann zackig der nächste Schritt folgen. Schindler hofft, dass bereits im nächsten Jahr ein Vertrag über eine erste kommerzielle Ottobahn zu Stande kommt. Deren Bau könnte dann 2023 beginnen. „Das Interesse von Städten und Kommunen ist überwältigend“, sagt er. „Ottobahn wird unter Verkehrsplanern mittlerweile sehr stark wahrgenommen und wir sind Teil einer Reihe anstehender Systemvergleiche für zukünftige Strecken.“ Das nicht nur in Deutschland, sondern bereits weltweit.

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Wenn das Interesse seitens Gemeinden so enorm ist dann wäre es doch sinnvoll über Anzahlungen oder Mitbeteiligen von Gemeinden an Otto Bahn das Ding Anschub zu finanzieren. Es braucht vielleicht ja nur einen erfolgreichen Test im 1:1 Maßstab und einen genauen Projekt- und Kostenplan für das spätere „Produkt“ und schon könnte man über Projekt Finanzierung mit Banken oÄ sprechen.

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