China will 2025 ein eigenes „Space Shuttle“ im Einsatz haben

Ein chinesisches Raumfahrtunternehmen hat angekündigt, dass es in fünf Jahren eine selbst entwickelte Raumfähre in den Weltraum schicken will. Mit ihr könnten Astronauten und Satelliten ins All gebracht werden.

Von Michael Förtsch

Erst im September sorgte China bei Raumfahrtenthusiasten weltweit für Rätselraten. Bei einem Raketenstart vom Jiuquan Satellite Launch Center in der Inneren Mongolei soll an der Spitzte einer Langer-Marsch-2F-Rakete ein geheimes Raumschiff ins All geschossen worden sein, das im Erdorbit ein Objekt aussetzte und dann sicher zur Erde zurückkehrte. Es machten zahlreiche Gerüchte und Theorien über dieses Raumschiff die Runde, das immer noch unidentifiziert ist. Zumindest eine Theorie kann nun jedoch gestrichen werden – nämlich, dass es sich womöglich um das Raketenschiff handelt, das seit mehreren Jahren von der China Aerospace Science and Industry Corporation – kurz CASIC – entwickelt wird. Denn das Staatsunternehmen kündigte nun ganz offiziell einen Test an.

Erstmals im Jahr 2016 hatte CASIC enthüllt, dass es an einem Raketenschiff mit dem Namen Tengyun arbeitet. Das sollte, zumindest zur Zeit der Ankündigung, anders als etwa das Space Shuttle nicht von einer Rakete ins All geschossen werden, sondern ähnlich dem Huckepack-Konzept von Virgin Galactic von einem speziell entwickelten Trägerflugzeug in die Höhe getragen werden. Dort soll sich das Schiff dann ausklinken und selbstständig mit einem Raketenantrieb den Erdorbit erreichen. Landen soll es gleich einem Flugzeug oder dem Space Shuttle.

Wie Fu Zhimin, einer der Chefentwickler bei CASIC, nun auf dem 6. China International Commercial Aerospace Forum, sagte, werde das Staatsunternehmen in den nächsten Jahren mehrere Technologien fertigstellen, die die „Fähigkeiten des kommerziellen Luft- und Raumfahrtbetriebs“ verbessern – vor allem was wiederverwertbare Raumfahrzeuge angeht. Das Raketenraumschiff Tengyun soll dazu gehören und bereits in den nächsten fünf Jahren erstmals bei einer Testmission eingesetzt werden.

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Auch ein Satellitennetz wird geplant

Die Tengyun-Raumfähre soll anders als die Boeing X-37 beziehungsweise X-37B, die von der US Air Force und der NASA eingesetzt wird, kein reines Roboter-Raumschiff sein, sondern bemannt ins All starten. In Sachen Größe soll es dem Space Shuttle nicht ganz nahekommen, aber dennoch dazu taugen, sowohl einzelne Satelliten als auch andere Fracht im Erdorbit auszusetzen. Ebenso sollen sich damit auch Objekte im All einfangen und zur Erde transportieren lassen. Ob und wie sich die Pläne für die Tengyun-Raumfähre aber seit der erstmaligen Projektankündigung gewandelt haben, wurde nicht adressiert.

Ebenfalls von CASIC angekündigt wurde eine Satellitenkonstellation, die weltweit hauptsächlich professionelle Internet-of-Things-Dienste ermöglichen soll. Rund 80 Satelliten in einem niedrigen Erdorbit sollen beispielsweise helfen, die Routen von Schiffen, Lieferwagen, Passagiermaschinen und Drohnen zu verfolgen. Sie sollen Sensoren, Kameras, Roboter und andere smarte Geräte mit einer zuverlässigen Internetanbindung unterstützen. Die Arbeit am Xingyun getauften Projekt soll bereits 2021 mit dem Start der ersten Satelliten beginnen. Bis 2025 sollen alle Satelliten im Orbit und der Dienst verfügbar sein.

Teaser-Bild: Boeing X-37B, Boeing

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