BMW hat ein elektrisches Lastendreirad und einen faltbaren E-Scooter konzipiert

Obwohl Lastenräder und E-Scooter schon jetzt erfolgreich sind, sieht BMW noch Verbesserungspotenzial. Bisherige Lastenräder sind aus Sicht des Autobauers zu groß und zu ungewohnt zu fahren, E-Scooter im Sharing zu teuer, im Kauf zu unflexibel. Zwei neue Fahrzeugkonzepte von BMW sollen es nun besser machen.

Von Wolfgang Kerler

Ein Lastenrad mit Elektromotor kostet schnell um die 5.000 Euro. Die Lieferzeit liegt bei manchen Modellen bei drei oder vier Monaten. Doch weder die Preise noch die Warterei können den seit wenigen Jahren anhaltenden Trend zum Lastenrad bremsen – im Gegenteil. Im ersten Corona-Jahr 2020 zogen die Verkäufe noch einmal deutlich an. Die Kundschaft scheint zufrieden. Wieso mischt sich da auch noch BMW ein?

„Viele Leute haben Zugangsängste, wenn es darum geht, ein größeres Lastenrad zu fahren“, erklärt Jochen Karg im Gespräch mit 1E9, der bei BMW im Bereich Neue Technologien und China die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte leitet. Bisherige Lastenräder fallen oft deutlich größer und länger aus als normale Fahrräder – und fahren sich durch das zusätzliche Gewicht, das meist auf der Ladefläche vor dem Lenker verstaut ist, anders. Weniger agil, weniger stabil.

Mit dem DYNAMIC CARGO getauften Elektrolastenrad will BMW diese Probleme lösen. Es verfügt über drei Räder – eins vorne, zwei hinten. Die Ladefläche, für die es verschiedene Aufsätze gibt, ist hinter dem Sattel positioniert. Der vordere Hauptrahmen neigt sich, wenn man in die Kurve fährt. Der Hinterwagen, der per Schwenkachse mit dem Vorderteil verbunden ist, bleibt dagegen stabil und ohne sich zu neigen auf der Straße.

Das DYNAMIC CARGO soll sich wie ein normales Fahrrad anfühlen und gleichzeitig besser für schlechtes Wetter gerüstet sein als andere Lastenräder, erklärt Jochen Karg. „Sie haben Antrieb auf beiden Hinterrädern und eine deutlich höhere Fahrstabilität, auch wenn es mal nass oder rutschig wird.“ Flexibilität sollen die verschiedenen Aufsätze für die Transportplattform bieten – vom Kindersitz über den Klappstuhl für Pausen im Grünen bis zur Surfbrett-Halterung.

Ein E-Scooter, der mit auf die Rolltreppe passt

Das zweite von BMW nun vorgestellte Konzeptfahrzeug nennt sich CLEVER COMMUTE und soll, so das Unternehmen, „der perfekte Begleiter für die letzte Meile sein“. Konkret handelt es sich dabei um einen elektrischen Tretroller, einen E-Scooter, der ganz bewusst nicht für Sharing-Anbieter entwickelt wurde. Er richtet sich an Pendler, die gerne einen eigenen Roller hätten, denen regelmäßige Fahrten mit Tier, Voi, Dott und den anderen Leihanbietern auf Dauer aber zu teuer sind.

Diese Gruppe steht aus Sicht von BMW vor einem Problem: Gerade die robusten und damit besonders sicheren Modelle zum Kaufen sind groß und schwer. Sie taugen nicht zur Mitnahme in U- oder S-Bahn. Und auch im Autokofferraum lassen sie sich nur müßig verstauen. Die Lösung, die BMW mit CLEVER COMMUTE vorschlägt: ein E-Scooter, der sich zusammenfalten lässt.

Im „ÖPNV-Modus“ wird dafür das Trittbrett seitlich hochgeklappt und das Hinterrad von unten durch die entstandene Öffnung eingeschwenkt. Der Radstand des Scooters wird dadurch so kurz, dass man ihn vor sich auf die Rolltreppe stellen kann und trotzdem noch Leute vorbeigehen können. Außerdem lässt sich der Roller in diesem Modus wie ein Rollkoffer neben sich herschieben – unterstützt durch den elektrischen Antrieb. Soll das Fahrzeug in den Autokofferraum, lässt es sich auch vollständig zusammenklappen.

„Wir sind überzeugt, dass das für den Privatmarkt ein interessanter Impuls sein könnte“, sagt Jochen Karg von BMW über den Faltroller. Trotzdem steht noch nicht fest, ob der CLEVER COMMUTE überhaupt gebaut und verkauft wird. Dasselbe gilt für DYNAMIC CARGO, das E-Lastendreirad. Bisher gibt es beide Konzepte nur als Prototypen und Designstudien.

Selbst in Produktion und Vertrieb einsteigen will BMW nämlich nicht. Stattdessen sucht das Unternehmen nach Lizenznehmern, die die Fahrzeuge unter ihrem eigenen Namen auf den Markt bringen wollen. Mit möglichen Partnern sei man bereits im Gespräch. „Wir sehen, dass das Interesse sehr gut ist, können aktuell aber noch nichts verkünden“, sagt Jochen Karg. „Aber ich gehe davon aus, dass es beide Modelle zu kaufen geben wird.“ Preislich könnte der Roller dann bei 2.000 bis 2.500 Euro liegen, das Lastenrad bei etwas über 5.000 Euro.

BMW präsentierte schon früher Konzepte für Mikromobilität

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass der Münchner Autobauer seine Entwickler und Ingenieurinnen auf Mobilitätskonzepte ansetzt, die nichts mit klassischen PKW zu tun haben. 2017 stellte die Technologieforschungsgruppe aus Shanghai den BMW Vision E3 Way vor – eine röhrenförmige, überdachte und mithilfe von gesammeltem Regenwasser klimatisierte Hochstraße für E-Fahrräder und Elektroroller, die am jeweiligen Eingang zur Strecke ausgeliehen werden können.

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2018 folgte dann die Präsentation des Personal Mover Concepts von BMW, das die oft kilometerweite Fortbewegung in großen Fabriken oder Logistikzentren vereinfachen sollte. Dabei handelte es sich, vereinfacht gesagt, um eine mit Rollen und Elektromotor ausgestattete Bodenplatte von 60 mal 80 Zentimetern mit Lenkstange, auf denen ein Mensch fahren kann.

Auf eine Sondergenehmigung, um auf Straßen und Radwegen unterwegs sein zu dürfen, musste der E-Scooter X2City warten, der 2019 unter der Marke BMW Motorrad tatsächlich auf den Markt kam – für einen durchaus stolzen Preis von fast 2.400 Euro. Hergestellt wurde dieser allerdings nicht von BMW selbst, sondern von Kettler.

Titelbild: BMW Group

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Das Lastenrad macht aber kein Spaß beim Fahren. Kein „in die Kurven legen“. Nicht gerade das BMW feeling :slight_smile:
Wird beim zu schnellen Fahren vermutlich kippen.

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