Tests mit möglichen Corona-Impfstoffen zeigen Erfolge

Bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus kann ein erstes Unternehmen einen Erfolg vorweisen. Auch andere Forscherteams machen Fortschritte. Ein verfügbarer Impfstoff bis Ende des Jahres scheint daher weiterhin möglich. Aber bis dahin müssen noch Verträglichkeit und Sicherheit erwiesen werden.

Von Michael Förtsch

Zahlreiche Biotech- und Pharmaunternehmen arbeiten unter Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Virus SARS-CoV-2, das die Atemwegserkrankung COVID-19 auslöst – mehrere haben wir hier genauer betrachtet. Nun will der US-Medizinkonzern Moderna aus Massachusetts einen Durchbruch erzielt haben. Wie Moderna erklärt, verliefen die Studien einer frühen Testphase – einer sogenannten Phase-I-Studie – erfolgreich. Bei acht Patienten, die sich einer Behandlung mit dem Impfstoff mRNA-1273 unterzogen haben, konnte eine Immunisierung gegen das Virus nachgewiesen werden. Zwei Dosen von 25 und 100 Mikrogramm genügten demnach, um eine Antikörperkonzentration „in einem vergleichbaren Ausmaß“ hervorzurufen, wie sie bei genesenen Infizierten vorzufinden ist.

Ebenso konnte bei Tierversuchen eine Vermehrung des Coronavirus in den Lungen verhindert werden. In folgenden Versuchen werde nun eine weitere menschliche Testgruppe mit einer 50 Mikrogramm-Dosierung geimpft. Laut Moderna wären die Ergebnisse aber schon jetzt „ermutigend“. Im Juli könnte daher wohl mit den finalen Studien für den Impfstoff begonnen werden. Hierbei soll dann geklärt werden, ob der Impfstoff eventuell Nebenwirkungen aufweist und in der breiten Bevölkerung verträglich ist. Diese Testreihe ist deutlich umfangreicher und aufwendiger. Gegenüber der Washington Post erklärte Moderna, dass ein Impfstoff dennoch möglicherweise Ende des Jahres verfügbar sein könnte.

Auch Projekte deutscher Unternehmen lassen derzeit auf einen erfolgreichen Impfstoff hoffen. BioNTech aus Mainz erwartet etwa für Ende Juni oder Juli erste Daten aus klinischen Tests zu möglichen Impfpräparaten. Bereits im April begannen Untersuchungen mit ersten Kandidaten, wobei Impfdosen zwischen 1 und 100 Mikrogramm verabreicht wurden. Die Tübinger Biotech-Firma CureVac will im Frühsommer mit Tests beginnen. Ein weiterer Impfstoffkandidat eines Forscherteams des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung und DT Biologika steht ebenfalls kurz vor klinischen Tests. Der Wirkstoff basiert auf einem sogenannten Vektorimpfstoff, einem modifizierten harmlosen Vacciniavirus Ankara, das seit den 1960er Jahren als Masernimpfstoff verwendet wird. Die Tests damit sollen im September anlaufen können.

Über 100 Teams suchen nach Impfstoffen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt inzwischen 118 Projekte, die einen Impfschutz gegen das neuartige Coronavirus ermöglichen sollen. Weitere sind in der Planung. Laut Impfstoffforschern wie Maria Elena Bottazzi vom Baylor College of Medicine, Houston sei eine solche Masse an möglichen Kandidaten auch wichtig. Denn 70 bis 80 Prozent der Unternehmungen zur Entwicklung eines Vakzins könnten scheitern bereits in einer frühen Entwicklungsphase. Ebenso könnten sich einige Impfstoffe als verträglicher und effektiver als andere herausstellen. Beispielsweise sei es wünschenswert, letztlich einen Impfstoff zu finden, der möglichst gegen alle Coronaviren schützt.

Ein weiterer Faktor ist die Produktion. Zahlreiche bisherige Impfstoffe basieren auf abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserregern. Deren Produktion ist aufwendig. Für die Suche nach einem Impfstoff setzen Moderna, Curevac und BioNTech hingegen auf RNA-Technologie. Eine mRNA – quasi eine Boten-Variante der RNA – kodiert eine Konstruktionsanleitung für Eiweißstoffe des Virus, die vom Körper gelesen und reproduziert werden. Diese werden vom Körper als Fremdstoff erkannt und durch die Bildung von entsprechenden Antikörpern angegriffen, wodurch eine Immunisierung erfolgt. Der Vorteil dieser Impfstoffe ist, dass sie vergleichsweise einfach hergestellt werden können. Zudem können mRNA-Impfstoffe ohne besondere Kühlung gelagert und transportiert werden, was eine weite Verbreitung unterstützt.

Allerdings ist die RNA-Technologie noch relativ neu. Bisher ist kein einziger zugelassener Wirkstoff damit auf dem Markt. Anders als derzeit von Verschwörungsgläubigen behauptet wird, ist es übrigens nahezu ausgeschlossen, dass mRNA-Wirkstoffe das menschliche Erbgut in negativer Weise beeinflussen.

Vektor-Impfstoffe wie die des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung funktionieren anders. Mediziner nutzen dabei bekannte aber harmlose Viren, die modifiziert werden, um dem Körper eine Infektion mit dem zu bekämpfenden Virus vorzugaukeln, worauf mit Antikörpern reagiert wird. Vektor-Impfstoffe sind bewährt und führen gewöhnlich zu einer starken „Immunantwort“. Sie werden unter anderem gegen Ebola eingesetzt. Allerdings ist die Produktion aufwendiger und langwieriger als bei neuen mRNA-Impffstoffen. Außerdem müssen Vektor-Impfstoffe für eine weite Verbreitung und ihren Transport dauerhaft gekühlt werden, um wirksam zu bleiben.

Titelbild: Andriy Onufriyenko / Getty Images

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