Schwerelosigkeit tötet Krebszellen: Erleben wir die Anfänge einer neuen Spacemedizin?

Australische Forscher beobachten, dass vier der am schwersten zu bekämpfenden Krebszelltypen innerhalb von nur 24 Stunden Aufenthalt in Schwerelosigkeit, bzw. Mikrograviation, sterben. Damit bestätigen sie Ergebnisse einer deutschen Forschergruppe und ebnen den Weg zu einer neuen Raumfahrtmedizin.

Die Australische Forschergruppe um Joshua Chou hat diese spektakulären Ergebnisse kürzlich bekanntgegeben und bereitet nun bestätigende Experimente auf der ISS vor, die 2020 durchgeführt werden sollen. Die Forscher bestätigen wohl Ergebnisse der Magdeburger Gruppe um Daniela Grimm, die sich mit Raumfahrtmedizin und Gravitational Biology befasst.

Die Idee zum Mikrogravitationsexperiment entstammt einem wiederum neuen Gebiet der Medizin, dass sich Mechanobiologie nennt. Chou nimmt an, dass Krebszellen ihre Umgebung über mechanische Kräfte wahrnehmen und aus diesen Informationen letztlich Signale abgeleitet werden, die über den weiteren Verlauf der Krebszellen entscheiden.

Die Hypothese der Forscher ist, dass das Fehlen von mechanischen Kräften in der Schwerelosigkeit irgendwie den auf der Erde fehlenden programmierten Zelltod in Krebszellen auslöst – und zwar aufgrund von fehlender Kommunikation zwischen den Krebszellen. Was Mikrogravitation bedeuten hat Chou’s Mitarbeiter Anthony Kirollos mit einem Beispiel verdeutlicht. Es ginge darum, die Zellen einer permanenten Achterbahnfahrt auszusetzen:

„Wenn du jemals in einer Achterbahn warst, hast du das Gefühl, zu fallen, also in Richtung Erdmittelpunkt zu fallen, im Wesentlichen, wir wollen, dass die Zellen das ständig erleben.“

Bei den Krebszellen handelt es sich wohl um vier Typen der übleren Sorte. Mehr dazu und eine Erklärung, wie mechanische Kräfte Einfluss auf den Krebszelltod nehmen, finden sich bei der Deutschen Welle.

Eine kurze Beschreibung der ISS Experimente, die wohl 2020 durchgeführt werden sollen liefert New Atlas. Hier ein Auszug in Übersetzung:

„Vierundzwanzig Stunden vor dem Start werden wir die Zellen in mikrofluidische Geräte einsetzen, sie werden zur ISS aufsteigen und das Experiment wird sieben Tage lang durchgeführt, aber erst nach 28 Tagen auf der ISS zurückkehren“, sagt Chou. „Nach der Rückkehr werden wir natürlich eine Analyse durchführen. Doch wir haben auch Technologien entwickelt, um sie zu untersuchen, während sie auf der ISS leben.“

Weiterführende Literatur findet sich in dieser akademischen Übersicht zu Einflüssen von Mikrogravitation auf Krebszellen aus dem Jahr 2014.

Chou selber indes will keine Hoffnung wecken, dass Krebspatienten zukünftig auf einwöchige Space-Kur gehen und dann geheilt zurückkehren. Viel mehr sieht er diese Erkenntnisse als zielführend für komplementäre Methoden zu existierenden Behandlungsverfahren.

Time will tell…

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