Mobileye und Sixt starten bald einen Robotaxi-Dienst in München

In München fahren ab 2022 autonome Taxis umher. Zunächst befördern die Elektrofahrzeuge nur geladene Test-Gäste. Aber der Genehmigungsprozess für einen Regelbetrieb für alle ist schon im Gange.

Von Michael Förtsch

Bereits im kommenden Jahr sollen Taxikunden in selbstfahrenden Fahrzeugen in München von A nach B kommen. Das haben jedenfalls der Chip-Hersteller Intel und der Autovermieter Sixt gemeinsam auf der Automesse IAA Mobility angekündigt. Verantwortlich für die Technik des Pilotversuchs ist Mobileye, ein israelischer Entwickler für Sensor- und Fahrassistenzsysteme, der bereits vor vier Jahren für über 15 Milliarden US-Dollar von Intel aufgekauft wurde. Mobileye gehört zu den Pionierunternehmen des autonomen Fahrens und liefert Hard- und Software an über 20 der größten Fahrzeugbauer der Welt.

Geordert werden sollen die selbstfahrenden Taxis über die Mobilitäts-App Moovit, die Intel erst Anfang 2020 aufgekauft hat, und die Sixt-App. Jedoch kann sich nicht jeder einen autonomen Wagen vor die Tür bestellen. Zumindest zu Beginn des Testlaufs soll das nur für von Sixt und Moovit eingeladene Kunden möglich sein. Die Unternehmen sollen sich aber bereits jetzt in einem Genehmigungsverfahren befinden, das es möglich machen soll, die Fahrten in größerer Breite anzubieten. Die nötigen Verhandlungen und Gespräche mit dem Kraftfahrt-Bundesamt und dem TÜV Süd sollen schon laufen.

Bei den Fahrzeugen soll es sich um elektrische ES8-SUVs vom chinesischen Autobauer NIO handeln, die schon bei einem ähnlichen Testbetrieb in Israel zum Einsatz kommen. Die sind mit 13 Kameras, drei Fern- und sechs Nahbereich-Laser-Scannern sowie sechs Radarsensoren ausgestattet. Die Fahrentscheidungen übernimmt das von Mobileye entwickelte EyeQ5-System. Die Wagen gelten dadurch als hochautomatisiert – oder als Fahrzeuge mit dem Automatisierungsgrad 4. Für Notfälle und unsichere Situationen wird also ein Fahrer eingreifen können, der an Bord sitzt. Theoretisch könnten die Wagen aber auch ganz ohne Fahrer auskommen, wenn sie aus der Ferne überwacht werden und sich selbst in einen „risikominimalen Zustand“ bringen können, das wurde im Mai 2021 in einem Gesetz für autonome Fahrzeuge beschlossen.

Nicht die ersten autonomen Fahrzeuge

Der geplante Selbstfahrtaxi-Dienst ist für Deutschland durchaus ein Novum. Denn dadurch zieht Deutschland nun mit den USA, Singapur und China gleich, in denen bereits vor Jahren ähnliche Pilotversuche genehmigt und durchgeführt wurden. Bereits im Jahr 2016 bot das Start-up NuTonomy – mittlerweile Teil der Hyundai-Tochter Motional – in einem kleinen Teil von Singapur kurze Taxifahrten mit modifizierten Renault Zoes und Mitsubishi i-MiEVs an. Im gleichen Jahr begann Uber einen Testbetrieb mit 14 Fahrzeugen in Pittsburgh. Ein Jahr darauf starteten Tests von Waymo in Phoenix und Cruise in San Francisco.

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Die Mobileye-Taxis wären jedoch keineswegs die ersten autonomen Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Schon 2017 pendelte ein EZ10-Mini-Bus für die Deutsche Bahn im bayerischen Kurort Bad Birnbach zwischen dem örtlichen Bahnhof, dem Dorfzentrum und der Therme. Ein baugleicher Bus war ebenso schon auf dem Gelände der Charité und in Essen unterwegs. In Mainz wurde zwischen August und September 2019 ein Navya Arma erprobt. Diese autonomen Busse fuhren allerdings allesamt auf fest abgesteckten Strecken. Flexible und unvorhersehbare Routen mussten sie nicht bewältigen, das macht den MobilEye-Test besonders.

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