Künstler, die (manchmal unabsichtlich) die Zukunft vorhersagten


Kunst liefert nicht nur wichtige Beiträge zur gesellschaftlichen Debatte. Manchmal funktioniert sie sogar prophetisch, ob von den Künstlerinnen und Künstlern beabsichtigt oder nicht. Und weil Kunst außerdem Spaß macht, dachte ich, ich starte mal eine Liste von „prophetischer Kunst“. Wäre super, wenn sie von euch erweitert wird!

Disclaimer: Ich bin Kultur-Fan, aber normalerweise kein Kultur-Redakteur, sondern kümmere mich um Dinge wie Tech, Politik, Wirtschaft und investigativen Kram. Geübte Feuilleton-Leser sollten also Nachsicht haben, falls etwas nicht den gängigen Standards entspricht.

Kraftwerk: Computerwelt – und das Zeitalter der Daten

Starten wir mit einem eher naheliegenden Beispiel, bevor es weiter unten etwas abseitiger wird. Schon 1981 veröffentlichten die deutschen Elektropioniere von Kraftwerk das Album und den Song Computerwelt. Lange bevor in jedem Haushalt PCs, Internet oder Smartphones vorhanden waren und vor den Massenprotesten gegen die Volkszählung in den 1980ern prophezeiten sie, wie wichtig unsere Daten in Zukunft werden würden. Hier der – überschaubare – Songtext:

Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Flensburg und das BKA haben unsere Daten da. Nummern, Zahlen, Handel, Leute. Computerwelt. Denn Zeit ist Geld. Automat und Telespiel leiten heute die Zukunft ein. Computer für den Kleinbetrieb, Computer für das eigene Heim. Reisen, Zeit, Medizin, Unterhaltung. Computerwelt. Denn Zeit ist Geld.

Noch prophetischer wäre gewesen, sie hätten „Denn Daten sind Geld“ gesungen – und hätten noch Google und Facebook erwähnt. Hier jedenfalls ein Live-Auftritt von 1981:

Von Kraftwerk stammt übrigens auch diese Textzeile: „Es wird immer weitergehen / Musik als Träger von Ideen.“ Damit ist eigentlich alles gesagt.

Fritz Lang: Die Frau im Mond – und der erste Raketenstart zum Mond

Der Stummfilm-Klassiker Die Frau im Mond von 1929 – Regie: Fritz Lang, Drehbuch: Thea von Harbou – gilt heute als einer der ersten Science-Fiction-Filme, da ist es naheliegend, dass er eine Vision der Zukunft vorhersagt. Ich habe ihn trotzdem in die Liste aufgenommen, weil er es ungewöhnlich konkret und plausibel machte. Denn der Film entstand mit wissenschaftlicher Unterstützung.

Die Handlung ist eigentlich recht platt und schnell erzählt, ich zitiere aus einem sehr interessanten und umfangreichen Artikel des Tagesspiegel, der die Bedeutung des Films für die späteren Mondmissionen behandelt:

Der Film handelt vom eigenbrödlerischen Professor Manfeldt, der auf dem Mond Gold vermutet. Zwei Ingenieure und eine Astronomiestudentin unterstützen ihn beim Bau eines Raumschiffes und der ersten Mondexpedition. Der Flug gelingt, doch kommt es auf dem Mond zu einer Schießerei. Ein Sauerstofftank wird zerstört und einer der Passagiere muss auf dem Mond zurückbleiben.

Das aufregende an dem Film ist, wie treffsicher die Technik der Mondmission dargestellt wurde, obwohl die Raketenforschung 1929 noch sehr jung war und Weltraumflüge längst nicht stattgefunden hatten. Erstmals kommt bei Die Frau im Mond eine mehrstufige Rakete vor. Der Weltraumbahnhof schaut echt überzeugend aus. Das Landemodul kann aufgrund der Bremstriebwerke sanft auf dem Erdtrabanten aufsetzen. Auch Raumanzüge spielen eine Rolle – wenn auch nur eine kurze, auch aus dramaturgischen Gründen. Ein Stummfilm mit Schauspielern in Raumanzügen, die ihr Gesicht verdecken, ist… schwierig. Außerdem wird vor dem Start der Rakete zum ersten Mal überhaupt ein Countdown gezählt. Hier die Startszene mit moderner Musik unterlegt:

Das alles gelang, weil der Raumfahrtpionier Hermann Oberth wissenschaftlicher Berater des Films war. Das ist echte Science-Fiction.

E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann – und das Uncanny Valley

Der Name klingt nach Gute-Nacht-Geschichte. Doch dafür würde ich die 1816 erschienene Erzählung Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann nicht empfehlen. Sie ist nämlich durchaus verstörend – und damit in der künstlerischen Epoche der Romantik nicht allein. In seiner kürzesten Form lässt sich der Inhalt so zusammenfassen, ich zitiere dafür Inhaltsangabe.de:

Geschildert wird das Schicksal des Studenten Nathanaels, der unter dem Einfluss traumatischer Kindheitserinnerungen verrückt wird und letztlich Selbstmord begeht.

Die traumatischen Kindheitserinnerungen haben viel mit Augen zu tun. In seiner Kindheit hörte Nathanael die Schauergeschichte vom Sandmann, der Kindern die Augen raubt. Dieses Bild und die damit verbundene Angst projiziert er auf einen zwielichtigen Advokaten und Alchemisten, der seinen Vater immer wieder aufsucht.

%20HoffmannDer gruselige Advokat und Alchemist, der Nathanael ein Trauma verpasst.

Als Jahre später – Nathanael ist bereits erwachsen – ein Wetterglashändler auftaucht, der genauso aussieht, beginnt Nathanaels Unruhe. Er entfremdet sich von seiner Freundin und verliebt sich stattdessen in die Tochter eines Nachbarn. Sie heißt Olimpia – und ist keine Tochter im klassischen Sinne. Sie ist ein Automat, eine Maschine, die aussieht wie ein Mensch. Allerdings fällt das niemandem auf, vor allem nicht Nathanael. Nur ihre Augen, die machen ihn misstrauisch. Hier eine Passage aus dem Originaltext, den ihr hier gratis und legal lesen könnt.

Ein hohes, sehr schlank im reinsten Ebenmaß gewachsenes, herrlich gekleidetes Frauenzimmer saß im Zimmer vor einem kleinen Tisch, auf den sie beide Ärme, die Hände zusammengefaltet, gelegt hatte. Sie saß der Türe gegenüber, so, dass ich ihr engelschönes Gesicht ganz erblickte. Sie schien mich nicht zu bemerken, und überhaupt hatten ihre Augen etwas Starres, beinahe möcht ich sagen, keine Sehkraft, es war mir so, als schliefe sie mit offnen Augen. Mir wurde ganz unheimlich und deshalb schlich ich leise fort…

Ich will nicht spoilern, also verrate ich auch nicht, wie es mit Olimpia und ihren Augen weitergeht. Kommen wir lieber zu dem „Prophetischen“ an dem Text, der wenn überhaupt als Vorläufer heutiger Fantasy-Literatur gesehen werden kann, aber wirklich nicht als frühe Science-Fiction.

E.T.A. Hoffmann hat bereits vor 200 Jahren erkannt, dass die größte Herausforderung bei der „Herstellung“ von Maschinen-Menschen, die als echte Menschen durchgehen sollen, die Augen sind. So richtig gelöst ist dieses Problem bis heute nicht und wird immer wieder diskutiert im Zusammenhang mit dem Phänomen des Uncanny Valley, des „unheimlichen Tals“.

Damit ist gemeint, dass viele Menschen (und insbesondere Kindern) sich unwohl fühlen, wenn sie künstliche Menschen vor sich haben, die fast perfekt sind, aber eben nicht ganz. Genauso wie es Nathanael ging, als er zum ersten Mal Olimpia vor sich hatte. Im Film Shrek wurde die menschliche Prinzessin daher nach einer Testvorführung weniger realistisch dargestellt. Um das Problem dauerhaft zu lösen, forschte ein Team für Disney an der ETH Zürich daran, wie man Augen so perfekt animieren kann, dass Zuschauer vollends überzeugt werden. Hier präsentieren sie das Ergebnis ihrer Forschung.

Für digitale Animationen scheint das Problem also halbwegs gelöst zu sein, wie der Cameron-Film Alita Anfang dieses Jahres demonstrierte, aber wie sieht’s mit Automaten aus? Mit humanoiden Robotern? Hier hat sich, meines Wissens nach, seit E.T.A. Hoffmann nichts getan.

Umbo: Der rasende Reporter – und der multimediale, mobile Journalismus

Als ich vor ein paar Jahren im Berliner Bauhaus-Museum zum ersten Mal auf Der rasende Reporter von Umbo (alias Otto Maximilian Umbehr) gestoßen bin, habe ich gleich ein Foto gemacht und an meine damaligen Kollegen geschickt. Denn die Montage von 1926 sagte die heutige Arbeitsrealität vieler Journalisten vorher: Sie sind im schnellen Dauereinsatz für alle Medien gleichzeitig: Text, Audio, Video, Fernsehen, Radio, Netz, Print. Das nötige Equipment dafür haben sie in Form von Kameras, Audiorekordern oder einfach nur Smartphones und Laptops immer dabei.


Die Montage Der rasende Reporter von Umbo. Copyright: Phyllis Umbehr / Galerie Kicken Berlin

Das Bild zeigt übrigens den legendären Journalisten Egon Erwin Kisch.

Leonardo da Vinci – Fluggeräte, Panzer und das Schicksal der Menschheit

Leonardo%20da%20Vinci%20HelikopterSchon Ende des 15. Jahrhunderts hatte Leonardo da Vinci einen Helikopter im Sinn.

So eine Liste kommt natürlich nicht ohne Leonardo da Vinci aus, auch wenn der natürlich viel mehr war als ein Künstler. Erfinder, Gelehrter, Philosoph. Schon vor über 500 Jahren entwarf er Taucherausrüstungen und Fluggeräte, er ersann den ersten Helikopter und sogar ein gepanzertes Fahrzeug fürs Militär.

Leonardo da Vincis Vorstellung eines Panzers.

Anlässlich seines 500. Todestags gibt es derzeit eine spannende Ausstellung in Tübingen. Dort sind Prototypen zu sehen, die auf Basis seiner Skizzen entstanden. Von dort nimmt man die ernüchternde Erkenntnis mit, dass sie allesamt nicht funktioniert hätten. Aber unsere heutige Gerätschaft ist zumindest sehr ähnlich. Prophetisch bleibt Leonardo also.

Außerdem sagen nicht wenige, er habe die Zukunft der Menschheit vorhergesehen. Von ihm stammt nämlich auch dieses Zitat:

„Auf der Erde wird man Geschöpfe sich unaufhörlich bekämpfen sehen, mit sehr schweren Verlusten und zahlreichen Toten auf beiden Seiten. Ihre Arglist kennt keine Grenzen. In den riesigen Wäldern auf der Welt fällen ihre grausamen Mitglieder eine riesige Zahl an Bäumen…“

Und so weiter. Weil es dann gar zu düster wird, breche ich das Zitat hier ab. Bei 1E9 sind wir ja eher Optimisten.

Teaser-Bild: Getty Images

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Würde mich freuen, wenn euch noch andere Beispiele einfallen! Jeder ist willkommen, mitzuschreiben. Ich hoffe natürlich besonders auf Einfälle von @Ronit @unulaunu @MaxHaarich @Michael und allen aus dem Zirkel @Kunst-Kultur!

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Nun, wenn man wirklich weeeeeeiiit zurück gehen will, dann kann man bei den griechischen Mythen ansetzen. Denn schon in der Ilias erschafft der Schmiedegott Hephaistos einen humanoiden Roboter; nämlich eine künstliche Frau, mit der Zeus den Diebstahl des Feuers durch Prometheus rächen will.

Dann: Du hattest ja schon Fritz Lang erwähnt. In Metropolis zeigt er die Geburt der denkenden und fühlenden Menschmaschine sowie die moderne High-Tech-Metropole.

Daran anschließend könnte man natürlich Stanley Kubrick nehmen, der mit 2001 das Tablet, digitale Zeitungen, Streaming, Videotelefonie und in vielerlei Hinsicht auch die Ära des New Space vorhergesagt hatte. Du hast dort nämlich die Fluglinie Pan Am, die Raumflüge durchführt, ein Hilton Hotel auf einer Raumstation und einiges mehr. Und natürlich wäre da HAL 9000, der in seiner Funktionalität mittlerweile gut mit Voice Assistenten wie Siri und Alexa vergleichbar ist.

Autoren wie William Gibson und Neal Stephenson haben sehr viel aus unserer heutigen Zeit vorhergesagt: Hirn-Computer-Schnittstellen, Virtual Reality, Transhumanismus. Auch der Klassiker Welt am Draht und dessen Romanvorlage Simulacron-3 wirken heute prophetisch:

Das Werk handelt von dem Betreiber einer virtuellen Großstadt, die zu Marktforschungszwecken eingesetzt wird. Der gigantische Computer der sog. TEAG (Test AG) macht das möglich. In seinen Speichern befindet sich eine simulierte Großstadt, die samt ihren Tausenden von Bewohnern absolut und bis ins kleinste Detail gestaltet ist. Die Simulation ist so perfekt, dass die Bewohner ein eigenes Bewusstsein besitzen und gar nicht merken, dass sie nur als Software in einem Computer existieren.

Und natürlich darf man Jules Verne nicht außen vor lassen: Klar, U-Boote, Raumkapseln usw., das kennt man. Aber in Paris im 20. Jahrhundert spricht er zum Beispiel auch von Röhrenbahnen – Hyperloop –, Taschenrechnern und einem weltweiten Kommunikationsnetz. Und im Roman die Die Propellerinsel geht es um eine künstliche Insel von 27 km², die von einigen Milliardären erbaut wurde und eine eigene Regierung unterhält – damit wären die Seasteading-Bewegung und Ideen wie Blueseed oder das Freedom Ship vorweggenommen.

Ebenso spannend ist die Comic-Saga Transmetropolitan aus den 90ern, das die Macht von digitalen Medien – und Medien als Waffe – überraschend gut beschrieben hat. Es geht um Fake News, Propaganda, Blogs und in gewisser Weise auch „Deep Fakes.“ Der „Held“ Spider Jerusalem ist Reporter und schreibt gegen die korrupten Politiker an; er selbst trägt dabei stets eine Brille mit der er fotografieren und filmen kann – und das heimlich. Ebenso kommen Biohacker und faschistoide und drogensüchtige Computer vor.

@Ronit. Fällt dir noch was ein?

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Bereits 1948-1949 hatte Wernher von Braun eine Art technischen Roman über die Besiedlung des Mars geschrieben, in dem er seine Raumfahrtpläne darlegte. Im Jahr 1952 wurden diese Ausführungen unter dem Titel „The Mars Project“ auch ins Englische übersetzt veröffentlicht. Laut von Braun würde der Mars in ferner Zukunft von einem Rat von 10 Personen regiert. Unter diesen 10 würde jeweils für 5 Jahre ein Anführer bestimmt, der den Titel „Elon“ tragen würde. Ähnlichkeiten mit dem Namen des führenden Vorantreibers einer Besiedlung des Mars, der erst etwa 20 Jahre nach dieser Vision das Licht der Welt erblicken würde, sind rein zufällig…

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Huhuuu!** ja, das hat ich auch auf dem Speaking bei der 1e9 angerissen, alte und neue Utopien;
Michi hat das grad auch schön zusammengefasst. Auch
Edward Page Mitchell ist eine Fundgrube für Ideen.
Er hat z.B. die Nahrungsergänzungsmittel in Pillenform, -meines Erachtens das erste Mal erwähnt- der Veganismus (die Pflanzenfresser) wurden da auch thematisiert.

Die Gamification und das virtuelle Rollenspiel mit
den Avataren in den Meta-Universen, z.B. bei Snowcrash von Neal Stephenson,
eigentlich auch eine uralte Geschichte, wenn man bedenkt das Avatara aus dem Sanskrit stammt und unterschiedliche Manifestationen der göttlichen Gestalten beschreibt.
Die virtuellen Welten, die schon in den William Gibson (Neuromancer) Universen geschaffen wurde; hat AR, VR, das ganze Netz vorweggenommen und was man damit für Blödfug treiben kann.
Flatland (von Abbott) auch ein schönes altes Beispiel einer 2dimensionalen Welt, in die ein 3dimensionales Objekt tritt und ihre ganze Wahrnehmung und Vorstellung von Wirklichkeit erschüttert…(Generell war da ja die SF-inmer gut drin,) Viell. kann man das jetzt im weitesten Sinn mit dem beschreiben, was wir gerade durch die Quantenphysik erleben, wie Beobachter und beobachtetes Objekt ihre Wirklichkeiten verändern.
Wir haben diese ganzen Replikator-Systeme, auf dem im Grunde auch das gesamte 'Wirtschaftssystem von Star Trek beruht, die Energie direkt in gewünschte Objekte transformiert. Jetzt haben wir ja noch die 3D drucker, die schon mit Ki gefüttert werden,…Die Gesetze des Autors A.C.Clarke haben viel vorweg genommen:

  1. „Wenn ein angesehener, aber älterer Wissenschaftler behauptet, dass etwas möglich ist, hat er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit recht. Wenn er behauptet, dass etwas unmöglich ist, hat er höchstwahrscheinlich unrecht.“
  2. „Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist, ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen.“
  3. „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

…gosh, there is sooo much…

ha, ich hab letzt auch wieder dieses aufwickelbare kleine Keyboard aus TNG gesehen, das hat jetzt wirklich jmd. gebaut…muss ich mal suchen…

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Am Hoverboard aus Zurück in die Zukunft 2 wird immer noch fleißig gewerkelt …:



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Was in China passiert, allem voran das Social-Credit-System, erinnert stark an die Motive in „Brave New World“. Aldous Huxley zeichnet in dem Buch das Bild einer Gesellschaft, die nur mithilfe totalitärer Überwachung und biotechnischer Innovation funktionieren kann. Hier ein Link zur Einordnung: https://www.wired.co.uk/article/china-social-credit-system-explained

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Hatte ich tatsächlich vor längerem Mal gelesen - und ist auch ziemlich gut lesbar geschrieben. Wobei es eher einer merkwürdigen Mischung aus Abhandlung und Machbarkeitsbericht gleicht. Denn The Mars Project ist auch von Berechnungen, Tablellen und technischen Spezifikationen durchzogen.

Wer es mal lesen wil: Gibt’s im Internet Archive free to download. https://archive.org/details/ProjectMars

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Was mir noch eingefallen ist:

Arthur C. Clarke…

… hat unter anderem Satelliten und Satelliten-Kommunikation vorhergesagt. Das war aber nicht in einem Roman, sondern einem Artikel im Magazin Wireless World, der bereits 1945 erschienen war. Darin beschrieb er auch, wie sie von Astronauten in Anzügen gewartet werden müssten.

… in einem Interview sprach Clarke mal von einem “Replikationsgerät”, das heute als 3D-Drucker gedeutet werden könnte.

… in 3001: Die letzte Odyssee hat er ziemlich futuristische Vorhersagen betrieben: Unter anderem über das Klonen von ausgestorbenen Spezies, wie es gerade Fahrt aufnimmt: Im Jahr 3001 laufen unter anderem Dinosaurier herum.

… an der Stelle bin ich nicht sicher: Aber, ich denke, es war in 3001 , kam eine Stelle vor, in der Clarke von privaten Kameras sprach, die alles aufzuzeichnen und für andere Menschen verfügbar machen können. Quasi Livestreaming wie es heute mit Facebook und Co. geht.

… einige Male durch den 2001 -Zyklus hat er erwähnt, dass Fertiggerichte irgendwann groß im Kommen sein könnten. Auch das hat er später in Interviews und vor allem Essays (die in Profiles of the Future gesammelt sind) vertieft: Er sprach von tiefgefrorenen Gerichten, die nur noch aufgetaut oder mit heißen Wasser „wiederbelebt“ werden müssten – davon war auch Asimov überzeugt. Ebenso könnten aber später auch ganze Gerichte bestellt und dann nach Hause geliefert werden: Pizza.de! – verrückt.

… ich weiß nicht mehr in welchem Roman, aber in einem schrieb Clark von etwas wie einer “zentralen Bibliothek”, die alles Wissen sammle und durch eine Rechenmaschine durchsuchbar macht. Etwas ähnliches sagte er später auch in einem Interview voraus. Auch diese Überzeugung hat er sich mit Isaac Asimov geteilt, der sogar von „Computerausstellen“ gesprochen hat, über die man auf eine weit entfernte Informationsmaschine zugreifen könnte.

Philip K. Dick…

… in einigen seiner Romane scheint er das System der Micropayments vorweg zu nehmen. Also wo für eigentlich selbstverständliche oder nebensächliche Dienste – wie in vielen Apps, öffentlichen Toiletten etc. pp. – kleine Zahlungen verlangt werden. Am prominentesten geschieht das in Ubik , wo sich der Protagonist mit einer Tür streitet, die 5 Cent will, bevor sie sich öffnet. Als er sie aufbrechen will, droht die Tür, ihn zu verklagen – was ziemlich nach dem Streit um Open Software und das Right to Repair klingt.

… ebenfalls in Ubik geht es darum, dass die Objekte und Geräte, die wir benutzen, uns stetig „profilen“, uns beobachten und analysieren. Digitale Überwachung durch das Internet of Things?

… in Träumen Androiden von elektrischen Schafen? hat Dick künstliche Tiere vorhergesagt. Und auch wenn die heute noch nicht sonderlich real erscheinen, sind wir auf dem Weg dahin.

… in die Die drei Stigmata des Palmer Eldritch hat Dick eine Art hochentwickelte Drogen-Virtual-Reality-Fassung von Die Sims prophezeit. Im gleichen Roman werden auch teils biologische, teils mechanische Prothesen erwähnt.

Robert A. Heinlein…

… hat in Stranger Beyond This Horizon von 1942 das Wasserbett vorhergesagt – und dann später nochmal in Stranger In A Strange Land .

… in The Man Who Sold The Moon hatte er von Geräten – vor allem Lichtern – geschrieben, die automatisch auslösen, wenn jemand den Raum betritt oder verlässt. Also Bewegungs-, Wärme-, oder sonstige Digitalsensoren.

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Kommt nicht auch der Lift ins All von Arthur C. Clarke?
Beschreibt er ja in ‚The fountains of Paradise‘, das Buch spielt im 22.Jahrhundert mit dem genialen Wissenschaftler Vannevar Morgan, der sich den Lift fest geankert irgendwo über einer Insel im Indischen Ozean ausdenkt…

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Stimmt. Er nannte diese Aufzugskonstruktion Orbital Tower. Im Roman wird vorgeschlagen einen am Äquator zu bauen und mit einem Satelliten im Orbit zu verbinden. Eine weitere Idee: Einen auf dem Mars bauen und das Seil direkt an einen der Marsmonde zu binden.

In 3001 kommen Weltraumaufzüge auch noch einmal recht präsent vor - dort gibt’s vier von denen auf der Erde, die direkt mit einer Raumstation verbunden sind.

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aaah, stimmt! ha!
Das wäre doch eigentlich auch super praktisch, um die ISS zu versorgen…? oder rotiert die zu heavy?

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Für einen Weltraumaufzug bräuchtest du eine Station, die in einem geostationären Orbit ist; also immer über der selben Stelle schwebt. Das tut die ISS nicht, sondern die saust mit irgendwas um die 28.000 km/h um die Erde – also alle 1,5 Stunden einmal rund um den Planeten. Daher kann man sie manchmal am Himmel sehen, manchmal nicht.

Auch ist die Höhenkontrolle der ISS dafür nicht ganz gemacht. Denn die Station wobbelt eher so bei einer Höhe von 400 Kilometern vor sich hin, was es schwierig bis unmöglich machen würde, ein Seil gespannt zu halten. Und eigentlich fliegt sie sowieso viel zu tief, um als brauchbares Gegengewicht zu funktionieren. Denn das ist erst ab einer Höhe von jenseits der 35.000-Kilometer-Marke gegeben.

Das größte Problem ist bisher aber noch eher der Aufzug selbst bzw. das Material für das Seil. Denn das muss sowohl flexibel, stabil als auch möglichst leicht sein. Denn bei einem Kabel von mehreren 10.000 bis vlt. sogar über 100.000 Kilometern Länge besteht die Gefahr, dass das Seil unter seinem eigenen Gewicht kollabiert, wenn es nicht stetig zu 100 % gespannt ist. Und dass ist eben alleine schon aufgrund der Temperaturdifferenz zwischen All und Erdatmosphäre nicht machbar.

Bisher wird daher auf Materialien wie Kohlenstoffnanoröhren oder Graphen gehofft. Manche Forscher meinen hingegen Fasern wie Dyneema könnten zumindest für „kurze“ Seile funktionieren.

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Die Ganymed Triologie von Joshua Tree kann man noch als aktuelle Dystopie erwähnen. Er beschreibt eine Welt in naher Zukunft (ca. 2050), die im Wesentlichen von vier Mega-Konzernen beherrscht wird, die durch etliche Fusionen hervorgegangen sind und rein gewinnorientiert arbeiten. Er hat meiner Meinung nach die Globalisierung zu Ende gedacht, in der Nationalstaaten und somit der gemeine Bürger keine Macht mehr haben. Trees beschreibt eine solche Welt düster und mit extremer sozialer Ungleichheit. Das Ganze ist also eher als eine gesellschaftspolitische Vorhersage. Es gibt zwar auch technische Gimmicks aber dort nichts besonders Erwähnenswertes. Cyborgs und so Zeug halt.

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Oh, ja, hatte im letzten Jahr mal in Ganymed erwacht reingelesen und fand das Szenario auch sehr spannend. Leider hat mich der Stil irgendwie nicht abgeholt. Aber vielleicht versuche ich es nochmal. Gibt nämlich gerade alle drei Bände für Kindle für nur 12 Euro.

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Kann ich nachvollziehen. Der Stil ist mehr so Jugendliteratur. Aber trotzdem fand ich die Reihe alles in allem lesenswert. Netter Twist am Ende. Ich hab’s allerdings für „Lau“ bei prime Reading gelesen. 12€ erscheinen mir aber auch noch fair.

Mir fallen als Klassiker noch H.G. Wells ein oder Jules Verne sogar. Schöne Geschichten, vieles verfilmt und in den Köpfen (self-fulfilling?) präsent. Ein zynisches Zukunftsbild, das ich des Namens wegen lesen musste und das eine nahe Dystopie in Großbritannien erzählt - mit Überwachungsszenarien, Technologieentwicklungen und sozialen Bewertungstools (wie in Black Mirror noch und in China schon), dem Verfall eines Gesellschaftssystems und der Verrohung der Menschen auf ihre minimalen Bedürfnisse - ist GRM (Brainfuck) von Sybille Berg. Als Künstler fallen mir Nam June Paik und seine Vision vom „electronic superhighway“ (Internetzeitalter) ein oder die „15min fame“ (Instagram-Celebs, Youtuber) von Andy Warhol.

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Ich weiß nicht, wie weit ihr den Begriff „Künstler“ fassen wollt, aber mir fallen hierzu noch Matt Groening und die Simpsons ein. Smartphone, SmartWatch, 3D-Drucker u.v.m. sah man dort schon in den 90ern :slight_smile:

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Also die Simpsons sind sowas von Kunst :slight_smile: Danke dir!