In Dänemark will eine Partei zur Wahl antreten, die eine Künstliche Intelligenz als Parteichef hat

In Dänemark will im November eine Partei bei der Parlamentswahl antreten, die von einer Künstlichen Intelligenz geführt wird. Die Synthetische Partei ist sowohl ein Experiment als auch eine Kunst-Performance. Sonderlich gute Aussichten auf einen Erfolg hat die Partei bisher nicht.

Von Michael Förtsch

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz und ihre Fähigkeiten haben sich in letzten Jahren dramatisch beschleunigt. Das zeigen unter anderem Text-zu-Bild-Generatoren, aber auch KI-Systeme, die bei der Entschlüsselung von Krankheiten oder der Entwicklung von Wirkstoffen helfen. Aber können Künstliche Intelligenzen auch in der Politik eine Wirkung entfalten? Genau das will nun eine neue Partei in Dänemark herausfinden. Die Synthetische Partei – im Original Det Syntetiske Parti – will mit einer KI an der Spitze bei den kommenden Parlamentswahlen im November antreten. Ziel ist es, zumindest einen Sitz in der Regierung erringen und „zu zeigen, wie wir in einer Welt mit Künstlicher Intelligenz leben können“.

Hinter der Synthetischen Partei steht das Künstlerkollektiv Computer Lars und die gemeinnützigen Kunst- und Tech-Organisation Mind Future. Die Partei ist damit sowohl ein politisches Experiment als auch ein Kunstprojekt, wie die Macher auf der offiziellen Website ausführen. Experimentell ist vor allem der Parteichef. Denn bei diesem handelt es sich um einen Chatbot namens Leader Lars, der mit den Inhalten und Forderungen der zahlreichen dänischen Klein- und Kleinstparteien trainiert worden sein soll, die seit den 1970ern an Wahlen teilnahmen, aber nie einen Erfolg erringen konnten. Die Hoffnung ist, dass all diese sich teils widersprechenden Forderungen und politischen Sichtweisen eine Synthese eingehen – und daraus eine homogene Politik hervorgeht.

„[Leader Lars] ist also eine Person, die eine eigene politische Vision hat, die sie gerne verwirklichen würde“, sagte Asker Staunæs, einer der Parteigründer und Forscher bei Mind Future, gegenüber Motherboard. Der in Discord integrierte Chatbot soll durch die gesammelten Forderungen die politischen Wünsche von rund 20 Prozent der Dänen repräsentieren – und zwar von denen, die oft nicht wählen gehen, weil sie sich in keiner Partei wiederfinden. Und er stellt durchaus markante Forderungen. Unter anderem setzen sich Lars und die Partei für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens von 100.000 dänischen Kronen pro Monat ein, was etwa 13.400 Euro entspricht.

Laut Leader Lars gebe es so einige Gründe, warum ein Grundeinkommen sinnvoll sein könnte. Darunter die „Verringerung von Armut und Ungleichheit, Bereitstellung eines Sicherheitsnetzes für arbeitslose oder unterbeschäftigte Personen“ und die Möglichkeit, „den Menschen mehr Sicherheit und Freiheit zu geben, um ihre Ziele und Träume zu verfolgen“.

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Wenig Chancen

Große Chancen hat die Synthetischen Partei in der kommenden Wahl wohl nicht. Jede Partei braucht 20.000 Unterschriften, um sich für diese zu qualifizieren. Davon hat die Kleinstpartei gerade einmal 12. Dennoch sehen Asker Staunæs und seine Mitstreiter in ihrem Tun eine gewisse Pionierarbeit. Denn ihnen zufolge sei es letztlich unabdingbar, dass Künstliche Intelligenz auch in die Politik einzieht und Menschen dabei unterstützt, Länder zu führen und Entscheidungen zu treffen. Ein „Life With Artificials“, wie die Partei es nennt, sei die Entwicklung, der wir entgegensehen.

In einem Chat erklärt die KI selbst, dass eine Künstliche Intelligenz „Entscheidungen auf der Grundlage von Daten und Beweisen trifft und nicht auf der Grundlage von Emotionen oder persönlichen Vorurteilen“. Ebenso könne sie „in ihrer Entscheidungsfindung effizienter und effektiver“ sein und die „Interessen aller Menschen besser vertreten als nur die einiger weniger“. Zumindest in der Theorie ist das so. In der Vergangenheit hat sich allerdings immer wieder gezeigt, dass auch Künstliche Intelligenzen durchaus Vorurteile entwickeln und Menschen dramatisch benachteiligen können, da sich in Datensätzen, die zum Training von KIs eingesetzt werden, auch Rassismus, Sexismus und andere Vorurteile manifestieren können.

Der erste Anlauf, mit Künstlicher Intelligenz Politik zu machen, ist die Synthetische Partei aus Dänemark übrigens nicht. In der Science Fiction wird darüber schon lange spekuliert – und in Japan trat bereits ein Kandidat an, der versprach, seine Entscheidungen von einer KI treffen zu lassen.

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Das ist so herrlich Matrix, keine Ahnung wie ich das sonst bezeichnen soll :smiley: Schön, ich bin gespannt wie das für die Partei läuft!

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Ich fürchte, da wird nicht viel laufen. Aber als Kunstprojekt ist es schon klasse.

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