Gefährlicher Wiedereintritt: Chinesische Raketen kämpfen mit Problemen

China hat drei Astronauten auf seine Raumstation geschickt. Die Rakete, in der sie dort hingelangten, landete nach einem unkontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auf einem Feld in der Mongolei. Es ist nicht das erste Mal, dass chinesischen Raketen zu einer Gefahr werden.

Von Michael Förtsch

In der dritten Juni-Woche brachte China drei Astronauten zum ersten Modul seiner Raumstation. Sie sollen diese in Betrieb nehmen und die kommenden Erweiterungen der Station vorbereiten – bevor sie dann in rund drei Monaten zur Erde zurückkehren. Die Rakete, die die chinesischen Raumfahrer ins All brachte, kam bereits wieder auf der Erde an. Und zwar, wie ein Video zeigt, das der Raumfahrt-Experte Chris Combs auf Twitter teilte, offenbar auf einem Feld in Ordos, einem Hochlandplateau in der Inneren Mongolei. In dem Video ist zu sehen, wie anscheinend das Kühlmittel Distickstofftetroxid austritt, das durchaus toxisch wirkt.

Laut Informationen, die auf Weibo geteilt wurden, wurde die nähere Umgebung der Aufschlagstelle evakuiert und umliegende Straßen gesperrt. Auch wenn eine Bestätigung bisher noch aussteht, dass es sich bei der Rakete um die Langer Marsch 2F handelt, die für die Raumstationsmission genutzt wurde, sind die Berichte dennoch brisant. Denn es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass eine chinesische Rakete eine unkontrollierbare Rückkehr zum Boden zu verzeichnen hat – und dabei Menschen in Gefahr bringt.

Bereits die 20 Tonnen schwere Raketenstufe einer Langer Marsch 5B, die das erste Modul der Station Ende April 2021 in den Erdorbit hievte, taumelte nach getaner Arbeit zunächst im Erdorbit umher, um dann in den indischen Ozean zu stürzen. Laut Experten der NASA bestand jedoch ein durchaus hohes Risiko, dass die Überreste der Rakete über bewohntem Gebiet nieder gehen. Wie Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge urteilte, hätte die chinesische Raumfahrtbehörde wohl schlichtweg Glück gehabt, dass niemand verletzt wurde. Denn vor ihrem Wiedereintritt rauschte die Rakete noch über Portugal, Sardinien, Griechenland und Teile des Nahen Ostens hinweg. In der Vergangenheit kam es bereits anders.

Schon 2016 schlugen Teile einer chinesischen Rakete in einem Dorf in Myanmar ein und zerstörten unter anderem das Dach eines Hauses. Im Mai 2019 entgingen Einwohner der Elfenbeinküste nur knapp einer Katastrophe. Mehrere Stücke einer Langer Marsch 5B stürzten breit verteilt auf ein Siedlungsgebiet und beschädigten mehrere Häuser. Und im November 2019 kam es zu einem dramatischen Unfall. Eine Langer Marsch 3B startete vom Xichang Satellite Launch Center. Einer der Seiten-Booster, die in großer Höhe abgeworfen worden waren, schlug in einem Dorf namens Xiangdu ein und zerstörte mehrere Häuser. Informationen über Verletzte und Tote gab es nicht.

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Die Ursache für diese Abstürze ist wohl, meinen Raumfahrtexperten, dass China einfach darauf verzichtet, seinen Raketen ein Deorbit-Manöver durchführen zu lassen. Dabei wird von der Rakete vor ihrem kompletten Ausbrennen ein Schub gesetzt, der dafür sorgt, dass die Rakete an einem bestimmten Punkt in die Atmosphäre eintritt – und damit idealerweise im Meer landet.

Auch die Praxis von China, seine Raketen im Inland und nicht an Küstenregionen zu starten, wird immer wieder kritisiert. Denn dadurch gefährdet die chinesische Raumfahrtbehörde aus Sicht der Kritiker vorsätzlich Menschen in unmittelbarer Umgebung. Die heutigen Raketenbahnhöfe wurden während des Kalten Krieges aufgebaut und sollten Sicherheit vor Spionage und möglichen Angriffen bieten. Zwar wurde bereits im Jahr 2016 ein neuer Raketenbahnhof auf der Insel Hainan in Betrieb genommen, aber bislang kaum genutzt.

Teaser-Bild: Getty / Kevin Frayer / Freier Fotograf

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