Ergebnisse zur Vision SPACE 2040 – so schätzen wir die Zukunft der Raumfahrt ein

im Vorjahr hat die SPACE-Redaktion das Projekt „Vision SPACE 2040“ gestartet, eine Umfrage zur Zukunft der Raumfahrt in den nächsten 20 Jahren. Die Ergebnisse werden in einer digitalen Zeitkapsel aufbewahrt, die wir dann – geringfügig gealtert – im Jahr 2040 einem Realitätsvergleich unterziehen. Gefragt waren auch konkrete Vorhersagen für jedes einzelne Jahr bis 2040. Dafür haben wir ein Gewinnspiel angesetzt, und die ersten Prämien gibt es für die besten Prognosen zum Jahr 2021.

Insgesamt haben wir bis zum Redaktionsschluss von SPACE 2021 39 Beiträge erhalten. Das sind zwar weniger Teilnehmer als erhofft, andererseits sind aber hochinteressante Szenarien dabei, die uns viel Lesefreude bereitet und wertvolle Denkanstöße geliefert haben. Nach diesen ersten Beiträgen hat die SPACE-Redaktion Lust auf mehr, und wir werden unsere Umfrage von nun an als Projekt „Zeittunnel“ dauerhaft fortführen. Sie können dabei die Rolle von Nostradamus übernehmen und eine Prognose für die Entwicklung der Raumfahrt in den kommenden Jahren abgeben.

Erste Ergebnisse aus dem Zeittunnel

Die bis Redaktionsschluss eingegangenen Datensätze beinhalten schon eine ganze Reihe interessanter Szenarien, deren Auswertung wir Ihnen jetzt im Überblick vorstellen. Immerhin 14 von 39 Beiträgen (36 Prozent der Teilnehmer) sehen den Nachweis außerirdischen Lebens bis 2040 voraus. Möglicherweise hat aber auch die Beschränkung auf die Jahre bis 2040 diese frühe Nennung begünstigt. Unsere Teilnehmer widmen China als Weltraummacht viel Aufmerksamkeit und scheinen ein neues „Weltraum-Rennen“ zu erwarten, diesmal zwischen den USA und China. Viele Beiträge beschäftigen sich damit, wann China bestimmte Meilensteine erreicht, beispielsweise eine permanent besetzte nationale Raumstation. Bemerkenswert häufig kam der Gedanke vor, dass sich neuen Märkte nicht an die Nutzer auf der Erde richten, sondern bereits an Weltraumbewohner. Bei der Frage, welche heutigen Menschheitsprobleme 2040 weniger drängend oder gar gelöst sein werden fiel uns auf, dass sich die Probleme leicht benennen lassen, die Problemlösungen dagegen nur sehr schwer. Bei der Reduktion von Umweltproblemen und bei der Heilbarkeit von Krankheiten scheint es einigen Optimismus zu geben.

Raumfahrtereignisse bis 2040

Fangen wir zunächst einmal mit den „Schlüsselereignissen“ aus den Jahresprognosen an. Einige Ereignisse werden häufiger genannt, so dass man die Vorhersagen dazu vergleichen kann, z.B. die erste bemannte Landung auf dem Mars. Für die Ereignisse, die in mindestens fünf Beiträgen vorkamen, haben wir hier den Mittelwert gebildet.

Gewinnspiel erste Runde: Vorhersagen für 2021

Die beste zutreffende Vorhersage des Jahres ehren wir jeweils mit einem Preis. Die erste Prämie gibt es für die Prognosen zum Jahr 2021. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird in SPACE 2022 verkündet und erhält einen Buchpreis. Falls für ein Jahr keine einzige Vorhersage zutrifft, wird für das entsprechende Jahr kein Preis verliehen. Für die Folgejahre dürfen Sie gern noch mitmachen, auch wenn Sie bereits im Vorjahr teilgenommen haben. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, muss eine Vorhersage lediglich 6 Monate vor Anbruch des betreffenden Jahres bei uns eingegangen sein. Für Ihren Tipp zum Jahr 2022 haben Sie also noch bis zum 30. Juni 2021 Zeit. Wir bewerten die Beiträge nach verschiedenen Kriterien wie zum Beispiel Originalität (bei mehreren unterschiedlichen richtigen Prognosen wird die Originellste am höchsten bewertet) und nach dem Datum der Prognose. Je früher die entsprechende Vorhersage gemacht wurde, desto höher die Punktzahl. Hier nun zehn Beispiele von Leserprognosen zum wichtigsten Raumfahrtereignis des Jahres 2021. Wir haben sie von „konservativ“ bis „gewagt“ geordnet. Einige der Beispielaussagen haben wir kommentiert, um zu zeigen, worauf Sie bei Ihren eigenen Beiträgen achten sollten.

  • bemannter Flug von US-Boden aus, seit dem Ende der Shuttle-Ära.
    (Tja, daraus wird nun nichts mehr, denn das fand ja bereits 2020 statt)

  • Space X wird seine Technik so verbessern, dass Raketen wiederverwertet werden können
    (Das fand erfreulicherweise bereits 2016 statt)

  • Erfolgreicher Erstflug der Ariane 6

  • Start des James Webb Space Teleskops ins All

  • Space Launch System erfolgreich gestartet

  • Innovative Antriebsmodule ermöglichen längere Reichweiten
    (Woran machen wir „Innovation“ fest? Doppelte Leistung?)

  • Mondlandung
    (Bemannt oder unbemannt? Bitte genau formulieren.)

  • Viele Forschungssonden auf und um den Mars
    (Da brauchen wir eine Zahl. Und Unterscheidung aktive und passive Sonden)

  • Erster suborbitaler Flug mit Touristen von Virgin Galactic

  • Erste deutsche Astronautin fliegt ins All

Raumfahrtmärkte der Zukunft

Hier hatten wir Sie gebeten, die Bedeutung einiger Märkte im Jahr 2040 zu beurteilen. Noch spannender war die Frage, welche zusätzlichen Märkte sich Ihrer Meinung nach auftun könnten. Auch hier wieder zehn Beispiele aus der Auswertung:

  • Kälteschlaf-Technologie
  • ƒOrbitale Serverfarmen
  • ƒIndustrieproduktion im All für
  • ƒBedarf im All
  • ƒGefangenentransport in überwachte Weltraumkolonien
  • ƒDie Entsorgung von alten Satelliten durch eine Weltraum-Müllabfuhr
  • ƒGrundlagenforschung, Sex und Konsumgüter from Space
  • ƒHandel mit geologischem Material anderer Planeten/Monde/Asteroiden
  • ƒHelium-Abbau auf dem Mond
  • ƒDie Beseitigung von Weltraumschrott
  • ƒSteueroasen im Orbit

Raumfahrtnationen bzw. -Regionen

Als nächstes erfragten wir die Rangfolge der Raumfahrtnationen und welche Bedeutung der Faktor „Staat“ zukünftig noch haben wird. Wie in den Jahresvorhersagen wurde auch hier deutlich, dass Sie neben den USA vor allem China eine führende Rolle zutrauen. Die Volksrepublik liegt sogar leicht vorne.

Eine gefährliche Welt

Nachdem es bisher um die Raumfahrt an sich ging, haben uns anschließend die Raumfahrt in Verbindung mir den wichtigsten Menschheitsproblemen angesehen. Dabei wollten wir zunächst einmal wissen, wie zuversichtlich Sie die kommenden Jahre sehen.

Was sind die drängendsten Probleme der Menschheit im Jahr 2040?

Hier konnten die Teilnehmer selbst Stichpunkte nennen. Mehrfachnennungen haben wir zusammengefasst. Auch hier zehn Beispiele aus der Auswertung:

  • Überbevölkerung, Völkerwanderungen, Migrationsbewegungen (20-mal)
  • Hunger, Ernährung (11-mal)
  • Klimawandel, Erderwärmung (10-mal)
  • Krieg um Rohstoffe, Rohstoffverknappung, Ressourcenverteilung (10- mal)
  • Umweltverschmutzung (7-mal)
  • Konflikte zwischen Kulturen, Ethnien und Religionen (6-mal)
  • Trinkwasserknappheit (5-mal)
  • Pandemien, resistente Keime, Viren (5-mal)
  • Arbeit, Arbeitslosigkeit (3-mal)
  • soziale Ungerechtigkeit, Konflikte zwischen einer reichen globalen Oberschicht und dem Rest (3-mal)

Welche heutigen Menschheitsprobleme werden im Jahr 2040 weniger drängend oder gar gelöst sein?

Hier gab es sehr unterschiedliche Ansätze. Auch hier wieder eine Auswahl.

  • Erderwärmung
  • Der Verbrauch fossiler Brennstoffe ist stark zurückgegangen (2-mal)
  • Die Bevölkerungsexplosion hat sich stark verlangsamt
  • Plastikverpackungen
  • Verkehrsprobleme, dank besserer Technik, Infrastruktur und Homeoffice (2-mal)
  • Umweltprobleme werden durch technische Lösungen wesentlich geringer
  • Klimawandel durch die Verwendung von Kernfusionsreaktoren, Verschmutzung der Meere
  • Corona, AIDS , Krebs (2-mal), Pandemien
  • Die Nahrungsmittelversorgung
  • Energieproduktion

Ihre Zukunftsszenarien

Wir baten die Teilnehmer auch, uns in einem kurzen Text zu beschreiben, wie Sie sich die Situation der Raumfahrt im Jahre 2040 vorstellen.
Hier nur ein Zitat. Die anderen Beiträge finden Sie bei den Szenarios

„Das Moon-Village wird, wie heute die ISS, der gemeinsame Außenposten der Menschheit sein und immer wieder in den Nachrichten vorkommen. Touristische Flüge in Erd- und Mondorbit werden nach und nach realisiert werden, allerdings immer noch nur für sehr reiche Menschen. Insgesamt wird die Raumfahrt wirtschaftlich immer relevanter, und bereits in den 2030ern wird mit Rohstoffabbau auf Asteroiden begonnen werden.“

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Wo haben wir die Zeitkapsel deponiert

Zum Redaktionsschluss am 31. August 2020 haben wir die eingegangenen Beiträge ausgewertet. Die einzelnen Szenarien werden zusammen mit der Auswertung an verschiedenen Stellen gespeichert. Dazu gehören auch die Seiten www.ZukunftsMail.com, sowie www.Zeitkapsel.de und www.mytimecapsule.net. Wenn wir in den kommenden Jahren von neuen digitalen Zeitkapsel-Initiativen erfahren, werden wir auch dort Kapseln deponieren. Am 1.1.2040 wird uns eine Reihe von Erinnerungsfunktionen auffordern, die Zeitkapsel wieder zu sichten und kommentiert zu veröffentlichen.

Wie geht es weiter – Vision SPACE 2040 wird zu Projekt Zeittunnel

Die Zeitkapsel „Vision SPACE 2040“ ist unterwegs, doch das Ausmalen von Zukunftsszenarien hat viel Spaß gemacht. Deshalb führen wir das Projekt auf dieser Website hier als „Zeittunnel“ dauerhaft fort. Schauen Sie mal rein und teilen Sie Ihre Sicht der Raumfahrtzukunft mit uns!

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Ein viel zu spätes Dankeschön @exploredesign für diesen spannenden Beitrag. Habe bei der Befragung auch meine Prognosen zum Besten gegeben… Dann schauen wir mal, ob ich in den nächsten Jahren einen Buchpreis bekomme :slight_smile: Auf jeden Fall ein sehr gutes Format, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen… ist immer cool, wenn man plötzlich mal aktiv etwas gefragt wird – und nicht nur Informationen bekommt.

Besonders spannend finde ich die Prognosen für die künftigen Märkte, die entstehen könnten. Persönlich habe ich immer noch die Befürchtung, dass sich am Ende die Kommerzialisierung und Militarisierung der ganzen Welt einfach unhinterfragt ins All fortsetzt. (Auch wenn sich natürlich neue Chancen für den Klimaschutz bzw. für mehr digitale Teilhabe bisher unterversorgter Weltregionen ergeben. Aber je nach Player sind das aus meiner Sicht auch oft eher argumentative Feigenblätter :wink: )

Dass bei den Problemen die „Überbevölkerung“ doppelt so häufig genannt wurde wie der Klimawandel, überrascht mich persönlich etwas… Aber eine Umfrage, die nix Überraschendes ergibt, wäre auch langweilig.

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Ein nettes Projekt, das mehr über die heutige Gesellschaft als über das Jahr 2040 aussagt. Es verwundert mich nicht so sehr wie Wolfgang, dass eine wissenschaftsaffine Community eher technische Möglichkeiten für die Lösung von Problemen wie Klimawandel, Energie und Umweltverschmutzung sieht. In der Gesamtbevölkerung würde das vermutlich anders aussehen.
Mich verwundert allerdings, dass Hunger und Überbevölkerung so dramatisch gesehen werden. Die Probleme sind zwar nicht gelöst, aber der Trend ist eindeutig positiv.
Die Dominanz von China (nicht nur in der Raumfahrt!) ist bei den Rückmeldungen nur knapp – aber immerhin! Wenn die Prognose stimmt (und das glaube ich sehr stark), dann darf man die Auswirkungen auf andere Entwicklungen nicht unterschätzen!
Etwas witzig ist, dass die Prognose für außerirdische Intelligenz zeitlich vor der Prognose für außerirdisches Leben liegt. Das zeigt die große Sehnsucht, nicht alleine zu sein, dass das eintrifft, halte ich allerdings für eher unwahrscheinlich.

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Hallo Serigala, danke für Dein Feedback!
Die verkehrte Reihenfolge von außerirdischer Intelligenz und Nachweis außerirdischen Lebens, kommt dadruch, daß diese Ereignisse ja in unterschiedlichen Szenarien genannt wurden. Wer gleich den ersten Kontakt vorhersah, hat sich zu primitiveren Lebensspuren vielleicht nicht geäußert oder umgekehrt. Und die Begrenzung auf 2040 hat vielleicht einige Teilnehmer dazu verleitet, die Entdeckung außerirdischen Lebens „nach vorn zu verlegen“.

Im Folgeprojekt Zeittunnel können nun Ereignisse auch für die Fernere Zukunft vorhergesagt werden. Würde mich freuen, wenn Du dort Deine Sicht auf die Zukunft im All mit uns teilst.
LG, Stefan

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Ich bin nicht sicher, ob ich dazu komme, am „Zeittunnel“ teilzunehmen, möchte aber hier noch eine Anregung geben:
Bemannte Raumfahrt konfrontiert den Menschen mit biologischen Problemen: Strahlung, Muskelschwund, Knochenabbau, Stoffwechsel und vermutlich noch einiges mehr. Mechanische Hilfsmittel (bessere Abschirmung, ausgefeilte Trainingsprogramme, medikamentöse Eingriffe) sind lästig und kaum ausreichend. Man wird sich Gedanken machen (und tut das auch schon bei der DARPA), Menschen genetisch an Raumfahrt anzupassen (https://onezero.medium.com/the-government-aims-to-use-crispr-to-make-soldiers-radiation-proof-3e18b00c9553 - mit Vorsicht zu genießen: die Soldaten halte ich für Blödsinn, Raumfahrer nicht). Wir wissen noch nicht, ob bzw. wie zuverlässig gentechnische Optimierungen beim Menschen sein werden. Ich gehe jedoch davon aus, dass in 50 bis 80 Jahren die ersten Mensch zumindest mit einer „Beta-Version“ angepasster Gene ausgestattet sein werden.

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Hallo Serigala, also für mich persönlich wäre das eher ein Schreckenszenario, aber es kann natürlich so kommen. SF-Tipp: Kennst Du „Mensch+“ von Frederik Pohl? https://www.amazon.de/Mensch-plus-Roman-Frederik-Pohl/dp/3453038932