Elon Musk will, dass 2023 ein Billig-Tesla auf den Markt kommt

Gestern Abend fand der sogenannte Battery Day von Tesla statt. Dabei kündigte Elon Musk vor allem Fortschritte bei der Fertigung von Batterien an. Mit die größte Nachricht war aber eine andere: In weniger als drei Jahren will Tesla ein günstiges E-Auto für die Masse bauen.

Von Michael Förtsch

Vor zwei Jahren hatte Elon Musk ein Videointerview mit dem Tech-Video-Blogger Marques Brownlee geführt. Er erzählte über sich, die Probleme bei der Produktion des Model 3 und auch die Zukunft, die er sich für Tesla vorstellt. Dabei sprach Musk auch davon, dass das Model 3 nicht der günstige Tesla-Wagen für die Masse geworden sei, als der es einst gedacht war. Denn mit seinerzeit 49.000 US-Dollar – zwischenzeitlich ist das 38.000 US-Dollar teure Standardreichweiten-Model erschienen –, war es für viele nicht erschwinglich. Daher, sagte Musk, solle Tesla auch ein deutlich günstigeres Auto anbieten. Um die 25.000 US-Dollar solle es kosten – umgerechnet: 21.500 Euro.

Nun hat Elon Musk offiziell angekündigt, dass dieser Wagen kommen wird. Auf dem sogenannten Battery Day, bei dem Tesla eine größere, länger haltbare und effizientere Batteriezelle vorstellte, sagte der Tesla-Chef, dass er „zuversichtlich [sei], dass wir ein sehr, sehr überzeugendes Elektrofahrzeug in der Preisspanne von 25.000 US-Dollar herstellen können“. Zu verdanken sei das zahlreichen Entwicklungen bei der Produktion von Batterien, die zu fallenden Kosten führen. Die neuartigen Zellen würden es dem E-Autobauer erlauben, den Preis pro Kilowattstunde in den kommenden Jahren zu halbieren. Damit könnten Elektroautos bald im Preis mit klassischen Verbrennern gleichziehen – und das bei wachsender Reichweite.

„Und wenn man an den Preispunkt von 25.000 US-Dollar denkt, muss man bedenken, wie viel günstiger es ist, ein Elektrofahrzeug zu besitzen“, sagte Musk. „Es war immer unser Traum, ein erschwingliches elektrisches Auto zu bauen.“ Dazu spekulierte der Milliardär, dass das Günstig-E-Auto, das angeblich Model C heißen soll, zu seinem Erscheinen bereits vollkommen autonom fahren könne. Einen konkreten Termin wollte der Tesla-Chef aber noch nicht nennen. Immerhin: „In etwa drei Jahren“ könne es vielleicht soweit sein, schätzt Musk. Das deckt sich mit Aussagen aus dem Videointerview von 2018. Da sprach Musk bereits davon, dass Tesla ein solches Auto für 2023 anpeile.

Ein Tesla-Golf?

Was genau der US-Autobauer für den 25.000-US-Dollar-Tesla plant, das ist bisher unklar. In einem Anlegergespräch im Juni 2018 hatte Elon Musk jedoch angedeutet, dass nach dem Model Y, dem Cybertruck und dem Semi-LKW ein Kompaktwagen mit Schrägheck kommen könnte. Also ein Wagen im Stile eines VW Golf, Opel Astra, Ford Fiesta oder Audi A3. Es wäre nicht das erste Mal, dass Tesla einen solchen Wagen konzipiert. Bereits vor mehreren Jahren hatte der junge Fahrzeug- und Industriedesigner Sahm Jafari für Tesla das Model Zero entworfen. Das war ein Konzeptwagen, der einem Science-Fiction-Film entsprungen sein könnte.

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Was Sahm Jafari erdacht hatte, war ein schlankes Kapselfahrzeug mit großen Fensterflächen und langem Radstand, das jedoch durchaus die Anmutung eines Kompaktwagens zeigte. Laut Sahm Jafari sei es als Auto konzipiert, „das unter dem Model 3 angesiedelt ist“ und das „Ziel [hat], den elektrischen Lebensstil für alle zugänglich zu machen. Das Model Zero stärkt das Markenimage in Richtung des Einstiegsmarktes und öffnet fast jedem, der in ein neues Fahrzeug einsteigen möchte, die Türen zum nachhaltigen Pendeln“.

Dass das Model Zero der Günstig-Tesla wird, das scheint momentan eher unwahrscheinlich. Aber dass Tesla einen ähnlich futuristischen Wagen bringt, das ist nach dem eigensinnig gestalteten Cybertruck auch nicht ganz ausgeschlossen. Realistischer erscheint dennoch eine Wagen, der auf einer Zeichnung zu sehen ist, die im Zuge mehrerer Stellenausschreibungen von Tesla in China veröffentlicht worden war. Zu sehen ist ein kompaktes E-Fahrzeug, das stark an das Model 3 angelehnt scheint, aber in seinen Dimensionen eher an einen Fiat 500 denken lässt.

Entworfen wurde er hypothetische Mini-Tesla angeblich von einem chinesischen Designer. Anfang 2020 hatte Musk gesagt, dass er möchte, dass in China ein Tesla für den globalen Markt geplant und gebaut wird. Dafür soll eigens ein chinesisches Design-Studio aufgebaut werden. Im Juni hatte Tesla öffentlich Designer gebeten, ihre Ideen für einen solchen Wagen einzureichen.

Teaser-Bild: Tesla

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Billig finde ich einen Preis von 20.000 bis 25.000 Euro zwar nicht. Aber zumindest deutlich erschwinglicher als die bisherigen Teslas. Bin allerdings gespannt, ob das Modell ein so großer Erfolg wird. Denn der Markt für kompakte und halbwegs bezahlbare E-Autos wird ja gerade schon besetzt von japanischen, chinesischen und europäischen Herstellern. Tesla wäre in dem Segment also mal ein Nachzügler…

Stimmt. Richtig billig wird es erst, wenn ein elektrischer Dacia Sandero kommt. Und sicher, Tesla mag ein Nachzügler sein. Wobei ich nicht sagen würde, das europäische Hersteller da etwas „besetzen“, denn dafür ist die Breite an Angeboten und Ankündigungen von europäichen Marken echt noch zu klein. Und man darf den Vorsprung von Tesla nicht verkennen. Ebenso wie den Ruf der Marke Tesla. Ich glaube, viele junge Käufer würden sich wahrscheinlich eher einen coolen Tesla holen, den sie sich leisten können, statt einen VW, Volvo oder Peugot.

Hatte mir vom Battery Day mehr erhofft, evtl. eine neue Batterietechnologie auf Natriumbasis. Doch wieder nur Hype für den Aktienkurs?

Um Tesla wird es gerade in Bezug auf Datenschutz interessant. Die Sorge ist, dass die ganzen Kameras und Sensoren großzügig aufzuzeichnen und nach Hause schicken. Natürlich ist das auch für autonome Fahrzeuge anderer Hersteller ein Thema - aber Tesla hat soweit ich weiß jetzt schon viele Kameras verbaut. Wurde das Thema hier schon behandelt?

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Noch nicht in einem ausführlichen Artikel. Aber auf die jüngsten Recherchen von Kontraste haben wir am Sonntag in unserem This Week in Future Newsletter hingewiesen. Wir bleiben an dem Thema aber dran… also generell an der Frage, welche Daten mit welchen Sensoren von immer mehr Geräten gesammelt werden – und was damit getan werden kann und darf.

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