Ein neuer Trans-Europ-Express könnte Flüge ersetzen

Wer zwischen EU-Metroplen pendeln muss, hat bislang kaum eine komfortable Alternative zum Flugzeug. Bahnreisen sind auf vielen Strecken eher anstrengend als angenehm. Noch. Doch bald könnte der Trans-Europ-Express wiederbelebt werden. Das Zugnetz verknüpfte einst die großen Städte der heutigen EU miteinander. Auch über ein europäisches Hyperloop-Netz wird nachgedacht.

Von Michael Förtsch

Im Jahr 1957 fuhr der erste Zug des Trans-Europ-Express. Die Eisenbahngesellschaften der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hatten sich in einer Kommission zusammengeschlossen, um die Reisen in der gerade neu entstandenen Staatengemeinschaft direkter und vor allem einfacher zu gestalten. Zunächst Diesel- und später Elektrolokomotiven verbanden – ausschließlich mit Erste-Klasse-Waggons ausgestattet – auf direktem Weg Städte wie Zürich und München, Paris und Lyon, Antwerpen und Dortmund oder Amsterdam und Frankfurt am Main. Bis 1987 war der Trans-Europ-Express unterwegs – um dann durch den weniger komfortablen EuroCity abgelöst zu werden.

Laut Informationen von Der Spiegel könnte der Trans-Europ-Express nun jedoch neugestartet werden. Das soll Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei einer am heutigen Montag stattfindenden EU-Verkehrsministerkonferenz anstoßen. Mit EU-Fördermitteln sollen dem Bericht zufolge neue Direktverbindungen zwischen den großen Städten der EU-Staaten und auch der Schweiz geschaffen werden. „Es geht darum, dass die Verbindungen zwischen europäischen Metropolen häufiger gefahren werden“, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Die Wagen sollen daher besser ausgestattet und bequemer sein. Auch Nachtzüge sollen eingeplant werden. Dadurch sollen Bahnfahrten wieder deutlich attraktiver ausfallen – auch um wieder stärker mit Flugverbindungen konkurrieren zu können und die Klimaziele der EU zu unterstützen.

Laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer brauche es dafür aber eine gemeinsame Anstrengung der EU und eine eigene digitale Plattform, die Buchungen mit dieser neuen Zugart möglich macht. Tatsächlich stehen die Chancen für einen Trans-Europ-Express nicht schlecht. In den vergangenen Jahren gab es mehrfach Andeutungen, dass eine stärkere Vernetzung auf der Schienenebene unter den EU-Staaten gewollt ist, um touristische und geschäftliche Reisen zu fördern. Laut Der Spiegel könnten Verbindungen wie Paris-Warschau oder auch Brüssel-Köln-Berlin recht schnell aufgestellt werden. Ein „Netz für Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugangebote“ könne laut Scheuer bis 2025 machbar sein.

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Noch schneller mit dem Hyperloop

Die Idee eines neuen Trans-Europ-Express ist nicht der einzige Plan, um Europa besser miteinander zu verknüpfen. Unter dem Namen European Hyperloop Program wird von der Europäischen Kommission auch ein Programm gefördert, das erforschen soll, wie der Röhrenzug Hyperloop zu einer zukünftigen Verbindung der einzelnen Staaten und deren Metropolen führen kann. Dabei geht es im ersten Schritt aber zunächst darum, zu zeigen, dass die Technik überhaupt funktioniert und kommerziell effektiv und effizient eingesetzt werden kann. Angeleitet wird das Projekt vom niederländischen Start-up Hardt Hyperloop.

Das Unternehmen hat bereits eine Studie über den Bau eines Röhrennetzes in Europa in Auftrag gegeben. Eine erste Strecke würde von Amsterdam über Leiden bis nach Den Haag führen, eine zweite über Paris nach Brüssel, eine dritte und vierte nach Duisburg und Düsseldorf. Die fünfte würde Almere, Lelystad, Zwolle und Groningen an Amsterdam anschließen. Letztlich will Hardt jedoch bis in alle Ecken Europas Röhren verlegen.

Vorher soll allerdings bei Groningen eine Teststrecke gebaut werden. Auf der soll ab 2022 eine Kapsel erprobt werden. Dennoch glaubt Hardt, dass bereits 2025 der erste europäische Hyperloop fahren könnte – als Gütertransport. Drei Jahre später, sagt das Unternehmen, könnten auch Menschen mit dem Röhrenzug fahren. Ganz ähnliches verspricht auch das spanische Start-up Zeleros, das auch gerne „den europäischen Hyperloop“ bauen würde.

Teaser-Bild: CC maurizio messa

6 Like

Auch wenn sich Geschichte nicht wiederholt…
Wenn mit dem Hyperloop ähnlich umgegangen wird, wie der einst mit der Magnetschwebebahn, dann sehe ich schwarz für den Hyperloop.
Bereits 1914 gab es erste Experimente mit Schwebebahnen. Mitte der 70er Jahre gab es Teststrecken, auf denen Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h erreicht wurden. 2010 wurde der Transrapid beerdigt.
Ich denke die 70er - vielleicht auch noch die 80er - Jahre wären die Zeit gewesen, um eine neue Transporttechnologie einzuführen. Damals setzte man jedoch mehr auf Auto und Flugzeug. Erst viel später zog die Schiene nach.
Die Bahn haben wir bis kurz vor den Börsengang kaputtgespart. Und sie ist letztlich bis heute nicht mehr richtig auf die Beine gekommen ist.
Der ICE zuckelt heute mit durchschnittlich 120 km/h durch die Lande, während die Züge in Frankreich, Spanien oder Japan leicht mal die doppelte Geschwindigkeit auf die Gleise bringen.
Quelle: hochgeschwindigkeitszuege.com
Wenn ich mir das Trauerspiel bundesdeutscher Mobilitätsentwicklung also ansehe, dann steht zu befürchten, dass ich die Fahrt des ersten Hyperloop im Regelbetrieb nicht mehr erleben werde.

2 Like

Was waren denn die Gründe, dass sich die Systeme in der Vergangenheit nicht durchgesetzt haben? Natürlich hab ich das mitbekommen mich aber nie um die Hintergründe bekümmert.

Manchmal ist es tatsächlich das Zünglein an der Wage - eine Entscheidung, die mutig oder weniger mutig ist, die zu einem Aus oder Weiter und Erfolg führt.

Oftmals aber auch starke Lobbygruppen, die ein Aus bewirken, wie es zB mit der Ölindustrie in der Vergangenheit der Fall, wodurch oft die Chance verpasst wurde, der Klimakrise früher entgegen zu wirken.

In Sachen Transrapid und andere Mobilitätsmodalitäten weiss ich das wie gesagt gar nicht. Fände es aber spannend da mehr zu erfahren. Vielleicht hilft es ja diesmal zu einer anderen Entscheidung :slight_smile: