Ein amerikanischer Blockchain-Entwickler wird angeklagt, weil er Nordkorea unterstützt haben soll

Der Hacker und Ethereum-Entwickler Virgil Griffith muss sich in den USA bald vor einem Gericht verantworten, nachdem er eine Blockchain- und Kryptowährungskonferenz in Nordkorea besucht hat. Er soll dem Regime von Diktator Kim Jong-un Informationen gegeben haben, wie es internationale Sanktionen umgehen und Geld waschen kann. Jetzt drohen Griffith bis zu 20 Jahre Haft.

Als Hacker hatte sich der jetzt 36-jährige Virgil Griffith schon früh einen Namen gemacht. 2007 veröffentlichte er noch als Informatikstudent die Software WikiScanner, mit der sich feststellen ließ, wer hinter anonymen Änderungen von Wikipedia-Einträgen steckt. Insbesondere Konzerne oder politische Organisationen, die einzelne Beiträge zu ihren Gunsten verändert hatten, konnten so entlarvt werden. Inzwischen arbeitet Griffith als Head of Special Projects für die Ethereum Foundation, die hinter der Ethereum-Blockchain mit ihrer eigenen internen Kryptowährung steht.

Warum Virgil Griffith festgenommen wurde

Am 28. November 2019 wurde Griffith, der inzwischen in Singapur lebt, aber immer noch US-Staatsbürger ist, am internationalen Flughafen von Los Angeles festgenommen. Zur Begründung sagte Staatsanwalt Geoffrey S. Berman:

„Der Vorwurf lautet, dass Virgil Griffith Nordkorea hochtechnische Informationen zur Verfügung gestellt hat, in dem Wissen, dass diese Informationen verwendet werden könnten, um Nordkorea bei der Geldwäsche zu helfen und Sanktionen zu umgehen. Indem er dies mutmaßlich tat, gefährdete Griffith die Sanktionen, die sowohl der Kongress als auch der Präsident verhängt haben, um maximalen Druck auf das gefährliche Regime Nordkoreas auszuüben.“

Konkret geht es darum, dass Griffith im Frühjahr zusammen mit 100 weiteren Teilnehmern bei der Blockchain and Cryptocurrency Conference in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang dabei war – obwohl er vom amerikanischen Außenministerium keine Genehmigung zur Reise in das kommunistische Land hatte, das weiterhin an Atomwaffen arbeitet.

Griffith soll also die diplomatischen Sanktionen verletzt haben, die in der Anklageschrift detailliert aufgelistet sind. Darin heißt es auch, dass der Hacker in seiner Präsentation mit dem Titel „Blockchain and Peace“ darauf eingegangen sein soll, wie die Blockchain und insbesondere Smart Contracts zum Wohle von Nordkorea verwendet werden könnten. Nach der Konferenz soll er außerdem Gespräche über den Aufbau einer Kryptohandelsplattform zwischen Nord- und Südkorea geführt haben.

Dass Nordkorea sich für Kryptowährungen interessiert, um trotz internationaler Sanktionen Handel zu treiben und um das von den USA dominierte internationale Finanzsystem zu umgehen, wird schon länger berichtet.

Außerdem soll Nordkorea laut einem Bericht der Vereinten Nationen, über den im August die AP berichtete, zwei Milliarden Dollar durch Cyberattacken auf Finanzinstitute – inklusive Kryptohandelsplattformen – erbeutet haben.

Der Ethereum-Gründer verteidigt Virgil Griffith

Der Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin stellte auf Twitter zwar klar, dass die Ethereum Foundation nichts mit Griffiths Trip nach Nordkorea zu tun hatte und diesen auch nicht finanziell unterstützte. Trotzdem verteidigte er den Hacker. Dieser hätte in Pjöngjang lediglich frei zugängliche Informationen über eine Open-Source-Software geteilt.

Am 3. Dezember kam Virgil Griffith übrigens vorerst frei – und wartet nun auf seinen Prozess.

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Der Fall ist schon ein paar Tage her und wurde in den Blockchain-Fachmedien schon berichtet. Trotzdem wollte ich ihn mit euch teilen – und ein paar Gedanken dazu in die Runde werfen. Denn der Fall verdeutlicht wieder einmal, wie unterschiedliche eine Technologie eingesetzt werden kann. Die kommunistische Diktatur in Nordkorea sieht in der Ethereum-Blockchain offenbar die Chance, internationale Sanktionen zu umgehen. Die autoritäre Regierung in China sah sich dagegen schon mehrfach damit konfrontiert, dass die staatliche Zensur mithilfe der Blockchain umgangen wurde.

Warum Virgil Griffith aber ausgerechnet nach Nordkorea reisen und an einer Konferenz teilnehmen muss, an der offenbar auch Staatsvertreter beteiligt waren, erschließt sich mir überhaupt nicht.

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